Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 53 (23.12.1915)
- Date
- 1915-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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88. Boc 1915 De r A-raetst W^WWWWW «».« stehen. DaS Komitee tritt mit einem entsprechen den Aufrufe hervor und wird von Zeit zu Zeit die Presse mit wahrheitsgetreuen Informationen über die Dinge im jüdischen Osten versehen. Die Kotten sollen durch Spenden gedeckt werden, die in Form von Monatsbeiträgen zu 50 Heller und 2 Kronen dem Komitee zufließen sollen. Für die nächste Zeit ist in Wien eine größere Reihe von belehrenden und aufklärenden Vorträgen von bekannten, kundigen Persönlichkeiten vorgesehen, die auch in Broschüren über das ganze Land verbreitet werden sollen. Das Aufklärungskomitee hat sein Büro in Wien IX., Seegasse 85/15. Aus den Gemeinden. Budapest« Einem jütischen Offizier würbe bas Glück zuteil als erster die Verbrüderung der Westarmeen mit den bulgarischen Soldaten herzustellen. Oberleutnant Dr. F. Schön, ein Budapest«« jüdischer Nd- »okat war das Bindeglied des Ostens mit dem Westen. Ein zweiter jüdischer Offizier, Wertbeimer, brachte zuerst »on diesem welthistorischen Ereignis die Meldung zum Oberkommando Mackensens. ES ist nicht unlnteresiant zu wissen, daß der Oberst deS berühmtesten ungarischen Infanterieregiments ein Jude ist: Juli«- Bauer. Er wurde von Erzherzog Friedrich ausgezeichnet. Er ist der Schwiegersohn des großen ungarischen Balladendichters Josef Kiß, der mit seine« jüdischen SujetS, die er aus der Tiefe seiner jüdischen Seele schöpft, die höchsten Triumpfe feierte. Budapest. Der Großindustrielle Manfred W e i s z wurde für seine hervorragenden Dienste zur Hebung der Wehrhaftigkeit der Armee zum MagnatenhauS- Mitglied ernannt. Er zeichnete sich ganz besonders auf dem Gebiete der Humanität auS. Außer ihm bekleideten noch fünf Juden diese hohe Würde. Z. B. A. Oyöuayös. Unter großer Teilnahme wurde Rabbi Josef S chw a r z, der beim Mtnjagebet in der Synagoge vom Tode ereilt wurde, zu Grabe getragen. Er war ein Schüler großer Meister und amtierte als Dajan Jahre hindurch in der hiesigen Grotzgemeinde. rrajofl. Z. B. A. Huszt. Die hiesige orthodoxe Gemeinde stellte der Heeresverwaltung all. ihre Messing- und Kupfergerate zur Verfügung. So unter anderem das große Kupferwaschbecken im Synagogenvorhof und den Kessel deS rituellen Badehauses. Für die Kriegsanleihe zetchneten die Mitglieder 300,000 Kronen. Z. B A. Budapest. Die Hauptgemeinde zeichnete auf die Kriegsanleihe 913,000 Kronen und brachte 50,000 Kronen an durch den Krieg in Not geratene Familien zur Verteilung. Biele Spitäler und Lazarette werden durch ste erhalten und künden den opferbereiten Patriotismus der Juden Ungarns. Z. B. A. Piefiburg. Am 2. Ehanukahtag wurde hier Herr Samuel F l e f ch, Vater des Herrn Rabbiner Moritz Flesch, Wien, zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedeue erwarb sich durch seine aufrichtige Frömmigfett und seine Eharakterreinheit die Sympathie aller Kreise. Im Trauerhause widmete der Sohn seinem Vater Worte bei Abschiedes. Mit Rücksicht auf das Chanukahfest wurde von Trauerreden abgesehen. ,TS5tJn. Kchrrretz. Jüöltdie Kriegsfürforge in der Sthroeij. Zürich, 20. Dez. Der Vorstand der Israelitischen KultuSgemetnde Zürich versendet folgenden Aufruf an alle hiesigen Einwohner: „Neuerdings ergeht ein Appell an Ihr warmes Herz und Ihre offene Hand. Den Schweizerische Israelitische Gemeindebund hat eine Sammlung zugunsten der kriegsbedrängten Juden bet den schweizerischen Gemeinden angeregt. Cs gilt der unbeschreiblichen Not dieser Unglücklichen zu steuern. Schwer lastet der Krieg auf allen Kriegsführenden, doch niemand trifft feine Geißel härter als die jüdischen Massen des Ostens. Wie ein Sturmwind hat Kriegsnot im Bunde mit administrativer Willkür diese schon zu FriedenSzeitrn gebrechlichen Existenzen vollends entwurzelt. Flucht und gewaltsame Evakuierung, Verlust von Hab und Gut, grausame Trennung der Famtlien, Hunger und Krankheit, das ist das Bild, das der Großteil deS jüdischen Ostens bietet. Und zu dem materiellen Elend, das diesen leidgewohnten Maffen vertraut ist, gesellt sich noch das bittere Gefühl, selbst jetzt, da auch von ihren Söhnen das Blutopfer verlangt und ohne Zaudern geleistet wird, von ihrem Lande als Stiefkinder behandelt zu werden. Diesem Elende nach Kräften zu steuern, ist unsere gebieterische Pflicht. Zwar werden an den Opfersinn von allen Selten große Anforderungen gestellt, doch soll er nie erlahmenden» was bedeuten alle Gaben an Geld und Gut gegenüber den ungeheuren Opfern der kriegführenden Völker? Und können wir jemals die Gnade des Schicksals, das uns auf einem friedlichen Eiland leben läßt, teuer genug bezahlen?« Die Versendung der eingegangenen Gelder wird durch den Schweizerischen Israelitischen Gemetndebund an solche Stellen erfolgen, die eine richtige Verteilung gewährleisten.!*T » äSmm NrrMarrd. 6tfitruffif(her Kongreß. detersvurg, 13. Dezember. „R et sch« berichtet: Eine Resolution des Kongresses der echtruffischen Leute wünscht die völlige Enteignung alles deutschen Eigentums, die Beschlagnahme alles Eigentums der Sektierer, die Besetzung der Stellen in der Verwaltung nur durch echtrussische Leute, die Entziehung des Kredits bei allen deutschjüdischen Banken, Monopolisierung sämtlicher Versicherungsgesellschaften. Der Kongreß verlangt ferner energische Maßnahmen gegen den liberalen Block, da er die Grundgesetze Rußlands überschreiten und die absolute Macht des Zaren beschneiden wolle. Das Verlangen nach Amnestie sei direkt zum Schaden des russischen Volkes - das Verlangen nach Toleranz gegenüber Andersgläubigen sei eine unzulässige Begünstigung des Sektierertumsdie bereits gewahrte Erleichterung der Lage der russischen Juden bedrohe direkt die russische Existenz, da diese jetzt offensichtlich Deutschland im Kriege begünstigten. Der Kongreß begrüßt die Hinausschiebung der Einberufung der Duma freudig und betont, die Semstwos und die Stände beabsichtigen offensichtlich, die Staatsgewalt an sich zu reißen. Dänemark. Ruffifdies Allerlei Aapenhage», 7. Dez. Am 12. Oktober gelangte vor dem Kriegsgericht in Smolensk die Anklage gegen den jüdischen Rechtsanwalt I. Israeli tan zur Verhandlung, der der Angehörigkeit zur Zionistischen Organisation beschuldigt wurde. Der Angeklagte verteidigte sich persönlich. Er gab zum Schluß der Verhandlung die Erklärung ab, er sei und bleibe der zionistischen Idee ergeben, und gestand, Zuwendungen zugunsten kultureller Institutionen 0er zionistischen Organisation und für das Hebräische Gymnasium in Jaffa, wo seine Kinder erzogen werden, gemacht zu haben. Er betonte, daß seine Beziehungen zur Zionistischen Organisation auch in Zukunft die gleichen bleiben würden. Nach einer einstündtgen Beratung wurde der Angeklagte zu emer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. ♦ * * Auf Grund eines Befehls der oberen Militär, behörde wurden aus der Stadt Aschabad mehrere Hundert jüdische Famtlien, die sich in letzter Zeit dort niedergelasien haben, mit einer Frist von 24 Stunden ausgeastesen. Die Verwendung der jüdischen Dumaabgeordneten blieb erfolglos. * * * Den Nachrichten des Petersburger Zentalkomitees zufolge ist der Erlaß, der den Juden das Aufenthalrsrecht außerhau» des AnjiedlungSrahons gewährt, in den Städten der Gouvernements Charkow, Rostow am Don- Saratow, Smolensk, Nischni-Now gorod, Ufa, Wolagda, Kasan, Samara, TomSk und Oren bürg ohne jede Beschränkung verwirklicht worden. Es werden aber vorläufig in allen diesen Städten den neu emgewandeÄeu Juden Schwierigkeiten in der Ausübung von tanbei und Gewerbe bereitet, da der genannte rlaß sich nur auf das Wohnrecht bezieht. ES wird jetzt eine Erklärung deS Ministeriums über die Handelsrechte der Juden in den neuen Städten erwartet. Die Moskauer jüdische Gemeinde hat an die Regierung das Gesuch gerichtet, man möge den galizischen Juden erlauben, sich mit Handel und Handwerk zu befaffen. DaS'Gesuch wird mit dem Umstand begründet, daß die Maffen verschickter galiztfcher Juden den armen Gemeinden zur Last fallen, während sich unter den Verschickten zahlreiche gute Handwerker und Gewerbetreibende befinden, die gern arbeiten wollen. Auch haben sich zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber bereit erklärt, galtzifche Juden in ihren Geschäften zu beschäftigen. * * * Nach Berditschew wurden dieser Tage 50 galizische Juden, darunter mehrere Rabbiner, gebracht. Sie wurden als „Geiseln" in das städtische Gefängnis etngeltefert. Qßnglanfr* Die rufflfdien Juden In den ändernder Entente- «Lands*, 15. Dezbr. Um die militärpflichtigen russischen Juden in England ist eS nicht viel bester bestellt als um ihre Letdensgenosten in Frankreich. Jeder russische Jude wird als „Deserteur" angerufen, bestenfalls von Herren und Damen, die die Werbetätigkeit auSüben, gefragt: „Warum erfüllen Sie nicht Ihre Pflicht gegen Ihr Vaterland?" Die Lage dieser Juden wird um sa schwieriger, als russische Juden, die sich zum Militärdienst melden, abgewiesen werden, da nur in England Geborene zum Mllttärdienst angenommen werden können. Die englischen Militärbehörden empfehlen diesen jungen Leuten, in die Fremdenlegion in Frankreich einzutreten. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß kein russischer Jude sich freiwillig in die Fremdenlegion einreihen lassen wird, umsomehr als sie in England selbst mehr als „Strafanstalt" denn als Regiment angesehen wird. Reisepässe nach Amerika bekommen die Leute auch nicht, da die AuSwanderungSlust. allein jetzt in England kein genügender Grund ist, um einen Paß zu bekommen. Ebenso ergeht eS den jungen russischen Juden in Italien. Sofort nach Kriegsausbruch mußten sie alle Italien verlassen und begaben sich nach London, wo sie aus dem Rege» tu die Traufe kamen. Das amerikanitdi-Wdiläie Komitee. Ilew-VsrÜ, 19* Rov. AuS dem Jahresberichte des amerikanischjüdische »Komitees, daS sich bekanntlich aus ven hervorragendsten Notabeln der amerikanischen Judenhett zusammen)etzt und daS unter dem Präsidium von Louis Mar sh all steht, ergibt sich eine bisher nicht oder wenig bekannte Tittsache aus der Geschichte der Entente-Anleihen in Amerika. Im Februar d. IS. erschienen Berichte in der Presse, wonach eine Anzahl Banken, die de« staatlichen Reservefond angeschiossen find, der russischen Regierung eine Anleihe von 25 Millionen Dollar zu gewähren beabsichtigten. Hierauf wandte sich der Vorsitzende deS amerikanisch-jüdischen Komitees telegrafisch an den Präsidenten Wilson mit dem Hinweise, daß eine derartige Aktton die amerikanische Neutralität entschieden verletze und außerdem die Wirkungen der prinzipiellen Erklärungen Amerikas zur Zeit der Aufhebung deS Handels« Vertrages mit Rußland illusorisch mache. Der Staatssekretär erwiderte, daß er die Angelegenheit in Erwägung ziehen wolle, obtftfrfiüVin’üni W> '• i-