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Der Israelit · 1915-12-23 · Heft 53 (23.12.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 53 (23.12.1915)
Date
1915-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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" " «ctt« 4 m 58 Israelit. Die Erhöhung von 12V,"/.. entspricht nach ge wiffenhafter Schätzung der in diesem Jahre na turgemäß ein getretenen Steigerung der Ge stehungskosten. »eprssenlsnlensitzung. Ka«-vrg, 15. Dezbr. In der Sitzung deS Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde gab der Vorsitzende Kenntnis von einem Schreiben deS Gemeindevorstandes, wonach laut ihm vom Verband Deutscher Juden gewordener Nachricht ab 1. August 1915 den Feld rabbinern gleich den Geistlichen der übrigen Konfessionen eine Aufwandsentschädigung vom Reiche gezahlt wird, sodatz die bisher von den Gemeinden zu diesem Zweck bewilligten Beiträge hinfällig geworden sind. Ein Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung eines einmaligen Beitrages von 4000 Mk. an die Israelitische höhere Mädchenschule (Lyzeum) wurde ohne Debatte einstimmig genehmigt. Die Abrechnung der Gemeinde für das Jahr 1914 fältefct in Einnahmen und Ausgaben mit 266,000 Mk. abder Voranschlag ist um 26,000 Mk. überschritten, der Fehlbetrag beläuft sich auf 34,980 Mk. Das Armenwesen der Gemeinde erforderte 68,600 Mk., während für daS Schulwesen 50,000 Mk. und für das Begräbniswesen 13,000 Mk. verausgabt wurden. Ten Hauptgegenstand der Sitzung bildete der vom Gemeindevorstand vorgelegte Entwurf des Hansh.altungsplanes für das Jahr 1916. Zu diesem Punkt der Tagesordnung weist Herr Heinrich Levy darauf hin, daß der Entwurf auch diesmal von der durch den Krieg hervorgerufenen größeren Inanspruchnahme der Gemeinde, namentlich des Armenwesens und des mit ihm verbundenen Wohlfahrtswesens, beherrscht werde. Der Vorstand werde sich auch diesmal von dem Grundsatz leiten lassen, daß die zahlungsfähigen Kreise soviel wie möglich herangezogen werden sollen, während die mittleren Kreise und namentlich alle Kriegsteilnehmer auf ihren Antrag von der Steuer befreit werden. Es wurde dann in die Beratung der einzelnen Positionen eingerreten. Beim Titel Beerdigungen erscheint zum erstenmale der Posten „Pflege der Kriegergräber", Gedenkstein erste Rare 2500 Mk. Der Vorstand will die dauernde Pflege der Gräber, in welchen Teilnehmer an dem gegerwärttgen Kriege zur letzten Ruhe bestattet werden, ehrenhalber übernehmen und zu gegebener Zeit auf dem Platz, auf dem die Krteger bestattet werden, einen Gedenkstein für alle in dem Feldzug verstorbenen hamburgischen jüdischen Krteger errichten. Auch die Namen der gefalleneu hamburgijchcn jüdischen Krieger, die .nicht auf dem Gemeindefriedhof bestattet ftnb, sollen auf dem Gedenkstein verewigt iverden Der Titel wurde ohne Debatte einstimmig ge nehmkgt. Beim Punkt Subventionen beanstandete Herr Lasker die Zuwendung von 25 Mk. an die Alliance mit Rücksicht auf die bekannten Vorgänge in Paris. Herr Lisser betont, daß diese Subvention nicht ins Ausland gehe, sondern der anS unbed ngt zuverlässigen und angesehenen Glaubensgenossen bestehenden Berliner Zweigorganisation zufließe, welche ihre Stellung zur Pariser Zentrale von der erst nach dem Kriege zu erwartenden Aufklärung abhängig mache. Das Kollegium bewilligte den verlangten Betrag. Der mit einem Fehlbetrag von 50,750 Mk. abschließende Entwurf wurde dann in der Generalabstimmung einstimmig genehmigt. Geste weirh- U «gar«. Die Hilfsaktion für öalijien Wien, 10. Dez. Die Wiener jüdischen Hilfsorganisationen haben unter Führung der Israelitischen Allianz zu Wien an die israelitischen Gemeinden folgenden Aufruf versandt: „Die gefertigten Hilfsorganisationen, welche gemeinschaftlich das Hilfswerk in Galizien feiten, erlauben sich, Ihre Aufmerksamkeit auf die außerordentliche Not unter unseren Glaubensgenossen in den von der feindlichen Okkupation befreiten Gebieten zu lenken. Von der nahezu 900.000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung, gegen die sich vie Wut der Feinde in besonders grausamer Weise gewendet hat, ist ein großer Teil durch Zerstörung von Hab und Gut, durch Verwüstung ganzer Gemeinden in unsägliches Elend gestürzt worden. Die allmählich zurückkehrenden Flüchtlinge finden vielfach kein schützendes Obdach, nichts von ihrem Besitze und, solange der Krieg dauert, infolge der ungeheuren Berte hrssch wie - rigkeiten auch nicht die Möglichkeit eines Erwerbes. In Ostgaiizien, wo aus vielen gänzlich zerstörten Ortschaften die Juden sich als Fluchtltnge nach den größeren Städten retten mußten, ist es dringend notwendig, durch Erhaltung von Volksküchen an zahlreichen Orten Zehntausende von Menschen vor dem Verhungern zu schützen. In großen Städten wie Lemberg, wo durch die traurigen Ereigntffe während der russischen Gewaltherrschaft, durch die Ermordung und Verschleppung vieler Familienväter, große Scharen jüdischer Kinder, aus der ortsansässigen armen Bevölkerung und anS den verwüsteten kleineren Stadten der Umgebung, verwaist, schutzlos, verwahrlost, ohn^e Nahrung und ohne Unterkunft in den Straßen herumirren, müssen Asyle errichtet werden, um unglückliche Geschöpfe vor dem Verkommen zu bewahreu. Die herannahende kalte Jahreszeit wird die Not noch besonders steigern. Während seitens unserer hohen Regierung eine Aktion geplant ist, der notleidenden Bevölkerung aller Bekenntnisse, die durch den Krieg und die feindliche Invasion so furchtbar gelitten hat, dadurch Hilfe zu bringen, daß die zerstörten Städte und Gemeinden wieder planmäßig ausgebaut werden sollen, ist es für die nächste Zeit eine unabweisbare Pflicht der privaten Wohltätigkeit in möglichst weitem Ausmaße Hilfe zu bieten, um eine Katastrophe von Hunderttausenden von Menschen abzuwenden, welche inzwischen im bittersten Elend schmachten und selbst im günstigsten Falle noch längere Zeit der Wiederherstellung ihrer normalen Existenz entgegenharren müssen. Die gefertigten Organisationen wenden sich daher an sämtliche israelitischen Kultusgemetnden mit der Bitte, uns durch Ueberweisung hochherziger Beiträge in den Stand zu setzen, in den so zahlreichen schwer heimgesuchten jüdischen Gemeinden Galiziens die Not der nächsten Zeit zu lindern und Hunderttausende von Menschen vom Untergänge zu retten. Wir hoffen und erwarten für unser großes, weit ausgreifendes Hilfswerk auch eine großzügige Opferberettschaft zu finden." Wie wir ferner erfahren, hat die Israelitische Allianz zu Wien in den letzten Wochen . zur Erhaltung von Volksküchen und Kinder- Afylen wie zur Anschaffung von Lebensmitteln in Lemberg, Brody, Przemysl, Goriiee, Dro» hobycs, Buczacz, Snyatyn, Zloezon, Dobro nil, Flumacz, Rohatyn, Kolomea, Radymno, Thirodenka, Rawaruska und zahlreichen anderen Orten insgesamt bereits ca. 120.000 Kronen ausgegeben und jede Woche werden wettere erhebliche Beträge zur Linderung der Not gesandt. Aus Deutschland hat sich das Hilfskomitee in Frankfurt a. M. an der Aktion in Galizien durch Ueberweisung eines Beitrages von 10.000 K. nach Wien beteiligt. kin DulklZrungskomilee. Wien, 20. Dezember. Wie bereits kurz berichtet, hat sich hier ein Komitee zur Verbreitung richtiger Mitteilungen über die Juden im Osten gebildet, an besten Spitze Adolf Stand, Dr. N. Birnbaum und Rabbiner Dr. Grunwald c. und Spott über das jüdische Leben ihre Herzen, t Tie 1100 Juden unseres Gefangenenlagers hal brn trübe Zeiten hinter sich. Nachdem aber Zeit I - l.-nd Kräfte der Verwaltung, die bis dahin all.'in [ zur Schaffung eines gesicherten Gesundheitszustandes; in Anspruch genommen waren, für andere Tinge ' iwi wurden, konnte an die Besricdignng höherer Bedürfnisse herangegangen werden. Lesehat! cn, * Sv ielptätze und das Theater wurden gej schassen. Letzteres wurde aus einer sriiher a.S 'Uot- \- Lazarett verwendeten Baracke hergestellr. Einige \ nanzöstsche Gegangene, Artisten und Musiker, taten i ijck zusammen, beschafften Instrumente und bildeten ein Orchester. Ans dem Ertrag der ersten bio<i;\:vte L kamen die Mittel, die Bühne technisch zu verbollkomm- \ umein versenktes Orchester, Kulissen, HintLi gründe ' wurden hergestellt, und bald fand die erste s r a u z o - [ i (chc Th e a 1 er a ns s n h r u n g statt. Ter volle! Erfolge dieses Theaters liest einen jüdischen k Schauspieler, der seit Monaten als gefangener '.äffischer Soldat im Lager ist, nicht schlafen. Sc in Name ist F a i b i s ch e s j, doch ist er, wie er mir anjvertraute, in den jüdischen Theaterlreisen Warschaus, [ Londons und Ncw-'t)orks und anderer Iargonzennen f nur unter seinem Bühnennamen Fab v lv oerannr. f Er hat schon in vielen Städten gespielt, reit zwölf t Jahren ist er im Beruf, kam kurz vor dem kriege f; ur:S Ncw-Aork, wo er drei Engagements hatte, nach Warschau, um seine Angehörigen nach Amerika zu k ptten, wurde beim Kriegsausbruch zurückgehalten und t ins Heer eingereiht. Bon einer deutschen länger am; Leib verwundet, lag er über drei Monate m° einem [ deutschen Lazarett und kam dann als Gefangener l in da« Lager. f. Dienet Mann also wollte durchaus ein jidi; ches L (chtjüdifches) Theater im Lager schaffen. Man must die Verhältnisse in einem Gefangenenlager kennen, um zu ermessen, was das heistt. Er hatte nichts als feine zehn leeren Finger. Auster einem Flcttenfpietcr, den man allenfalls noch zum Fach zählen tonnte, war unter den jüdischen Gefangenen sonst kcucer, der je etwas vonr Thcatcrspielcn verstanden Halle. Jedoch, nachdem die Erlaubnis der .nommandantur erteilt und ein Vertrag mir dem jranzösischcn Theater abgeschlossen war, aus Grund besten daS Theater jeden Sonnabend abend gegen eine bestimmte Entschädigung den Inden zur Verfügung stenc und das französische Orchester die musikalische AnSführnna übernimmt, gingen alle Vorbereitungen m kurzer Zeit von statten. Bald fanden sich genügend Solisten, stGst für Samern ollen, und ein ans zehn Mitgliedern bestehender E-Hvr zusammen. Fabow schrieb für sic -.ule ans dem .itvpi die Rollen und die Partituren auf. lcücte täglich die Proben und instruierte das Orchester, seren Dirigent, ein französischer BeriisSmnsiker, sich mit anerkennenswertem Eifer in bas jo ganz anders grarlete Wesen der jüdischen Musik hineinzuleben versuchte. Fabvw zirnmert aber auch einen „Thron", matt Hintergründe und Lncissen, besorgt in einem:,iList ümVcrleihgeschäst der Stadt die erforderliche Kostüme für alle Solisten rrnd Statisten, schreibt an einet als Nachttisch hergerichteten .niste mit kalligraphischer Schrift die Theaterzettel nebst Erläuterungen in jüdischer, hebräischer, deutscher und russischer Sprache und bringt nach kaum sechs Wochen die erste Vorstellung zustande. Goldfadens historcscheS Drama „Bar bl o ch ba" wurde gespielt, und es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß es ungehcu..-'.'N Erfolg hatte. Das Theater saßt etwa 600 Personen, wevon freilhcl) über 100 Plätze als Freiplütze für die deutschen Unter ossiziere deS Lagers, die Aerzte und einige Offiziere reserviert waren. Immerhin brachten die verkauften Billetts (die Preise waren von 80 Pfennig abwärts bis 10 Pfennig festgesetzt) einen erheblichen Ueberschuß, sodaß außer den notwendlgc-n Abschreibungen für die Losten der späteren Anfrührnrrgcn noch 60 Mark dem llnterstützungsfonds für unbemittelte jüdische Gefangene überwiesen tvervrn tonnten. Cluster dem „Bar Kochba" und dem auf den'elben alrjüdischen Ton gestimmten „Ch urban I c r n - swalaiim" wurden noch leichtere „Komödien" gespielt, in denen Szenen ans dem kleinbürgerlichen t,sIüdischen Leben mit charakteristischer Darstellung der typischen Personen (Rebbe, Bocher, Schadchen usw.s in zwingender Komik vorgesührt wurden. Hier feierte Fabow schauspielerische Triumphe, aber auch von den Dilettanten offenbarten einige beträchtliches Talent. Freilich unfern künstlerischen Maßstab woll n wir lieber nicht anlegen, aber nicht darauf kommt es an, was tvir, die Außenstehenden, dazu sagen, sondern rvoraus es ankommt ist lediglich dies: Daß es einem, ganz in feinem Beruf lebenden ostjüdiichen Schauspieler gelingt, unter den ungünstigsten Verhälcnriken seinen Brüdern und Landsleuten eine ständige Bühne zu schaffen, und sie allwöchentlich für eiitiöc Stunden ans ihrem Grübeln über die Not beranszureißen. L

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