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Der Israelit · 1915-12-23 · Heft 53 (23.12.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 53 (23.12.1915)
Date
1915-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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äs. Bogembsr ttu Wf’isri 5^ Zur Stellungnahme gegen das Fleisch» Manopol hielten am Sonntag die jüdischen Ochsenhändler und Fletschhändler eine Versammlung ab, an welcher über 100 Personen teilnahmen. Es wurde die Gründung eines Vereins bejchlrffen und nach langen Beratungen eine Kommission gewählt, welche zu den das Gewerbe gegenwärtig stark erregenden Fragen Wellung nehmen soll. — Am gleichen Tage hielten an 300 Mische Arbeiter von nicht koscheren Schlächtereien und Fleischerläden eine Versammlung ab, in der ebenfalls nach ziemlich stürmischen Verhandlungen ein Verein gegründet und eine Kommission von 15 Beteiligten zur Ausarbeitung der Beschlüsse gewählt wurde. Der jüdische „Moment" macht zur Frage der jüdischen Vertreter im Bürgerkomitee einige Bemerkungen, die wir im nachstehenden auszugsweise wtedergeben. „Unter normalen, auf dem Grundsätze der Gleichberechtigung aller Bevölkerungsteile beruhenden Verhältntssen — ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit und des Bekenntnisses — sowie bei gegenseitigem, leidenschaftslosem Vertrauen aller unter einander hätte es sich völlig erübrigt, die Frage jüdischer Vertreter im Bürger-Komitee auszuwersen. Aber wir haben noch die Erfahrungen der letzten Jahre hinter uns, wir kennen die Beziehungen gewisser polnischer Kreise zum Judentum. Und so wird die Frage einer jüdischen Vertretung tm Bürger-Komitee für uns zu einer sehr brennenden, die durchaus unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Nach vieler Fürsprache und Agitation hat man zwei Personen jüdischer Abstammung ins Bürger-Komitee ausgenommen. Aber dazu ist zu bemerken, daß einer der beiden Herren den jüdischen Interessen sernfteht und der andere ein langjähriges Mitglied der Gemeindeverwaltung, nur einen gewiffen kleinen Kreis der jüdischen Geldaristokratie und der jüdischen Berufsintelligenz vertritt und auch das noch nicht einmal vollständig. Alle städtischen Angelegenheiten liegen in der Hand des Bürger-KomtteeS. Natürlich streben die verschiedenen Schichten der Warschauer Bevölkerung nach einer Vertretung im Bürger-Komitee und in seinen Sektionen und Abteilungen. Vergessen wir nicht die in gewisser Hinficht von denen der christlichen Bevölkerung abweichenden Lebensbedingungen der Juden, die auch aus ihr wirtschastliches Leven einwirken. Ich denke z. B. an die Frage der jüdischen Handwerksmeister, dte von der christlichen ganz verschieden ist, und wie der Geistliche Nvdlewfkt kann auch Herr Joseph Nathausohn nicht als Anwalt ihrer Interessen gelten. Nur ein Beispiel für viele für dte Vertretung jüdischer Interessen im Bürger-Komitee: dte Schulfrage, die durch das Fehlen jedes jüdischen Vertreters tm Bürger-Komitee so verrannt worden ist. Die jüdische Bevölkerung in Warschau setzt sich ans verschiedenen schichten zusammen, in der üverwtegenden Mehrheit find eS Händlerfamilien, Handwerksmeister und Arbeiter. Unabhängig davon, daß das Bürger-Komitee solche ausgezeichneten und hingehenden Persönlichkeiten wte den fürstlichen Präsidenten und seine Gehilfen, die Herren Szewzki, Krschwizki und ander aufwetst, fordert man doch in gewiffen Kreisen der polnischen Gesellschaft, besonders in den Organisationen der Fachleute, noch eine besondere Interessen- Vertretung. Und tatsächlich werbe« ihnen Stelle« tm Komitee und in feinen wichtwsten Sektionen Angewiesen Warum soll da die jüdische Bevölkerung,-die .unter so arideren. Bedingungen lebt, der Vertretung beraubt sein? , Diese Beraubung stellt ein Unrecht dar, mag man die Sache nun vom Standpunkte der Gerechtigkeit oder von dem der Demokratie betrachten. Warum soll die große Masse der jüdischen Bevölkerung Warschaus tm Bürger-Komitee ohne Vertretung fein? Wenn die liberale Gesinnung des Bürger-KomtteeS sogar die In» tereflen der kleinen Mischen Gruppen anerkennt und ihren Vertretern Eintritt gewährt, warum sollen dann 100000 Handelsleute und 10000 Handwerker einer solchen Vertretung beraubt sein?" Das Blatt gibt zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß der fürstliche Präsident, der ehrenhafte Beschützer der Grundsätze von Recht und Billigkeit, dte nöttgen Schritte unternehmen wird, um der jüdischen Bevölkerung im jetzigen wichtigen Augenblick, dte ihr nach ihrer Größe und Beschaffenheit zustehende Vertretung in der höchsten Warschauer Körperschaft zu verschaffen. Auf Anfrage der amerikanischen Regierung über die derzeitigen Verhältnisse der Heimatlosen in Warschau, gab der amerikanische Konsul folgende genaue Mitteilungen, die Daten des jüdischen Hilfskomitees zur Unterlage haben: Die Heimatlosen, deren Zahl bis dahm 100000 betrug, sind auf etwa 15—20000 zurückgegangen. 80000 Flüchtlinge sind in ihre Heimat zurückgekehrt, wo jedoch unbeschreibliche Not ihrer harrte. Für ote erste Unterstützung sei mindestens eine Million Rubel erforderlich. Auf einer Gemeindeversammlung in Lodz wurde das Projekt zur Gründung eines Kinderheimes genehmigt. ES sollen darin Kinder im Alter von 6 Jahren, die tagsüber der schützenden Hand der Eltern entbehren, unterrichtet und verpflegt werden. Die Initiative zu diesem Unternehmen geht von einigen Damen der hiesigen jüdischen Gesellschaft aus und fand dte warme Billigung des Warschauer Erzbischofs, der, wte bereits mitgeteilt, 10000 Rudel der Lodzer Gemeindeverwaltung zu diesem Zwecke überwiesen hat. Es wurde nun ein Komitee eingesetzt, das das Kinderheim schon Ende Dezember in Betrieb setzen wird. Die Kosten belaufen sich vorerst aus ca. 12000 Rubel monatlich. Den Vorzug bei der Aufnahme haben Kinder von Reservtsten-Familien. Einem Artikel der „Deutschen Lodzer Zeitung" über das Lodzer VoUsfchulwefen unter deutscher Verwaltung entnehmen wir die Tatsache, daß die Zahl der städtischen jüdischen Volksschulen besuchenden jüdischen Kinder fett 1914 von 2500 auf 5*00 gestiegen ist. Die Zahl der jüdischen Volksschulen hat sich von 13 auf 23 vermehrt. Wenn der Artikels chretber behauptet, dag demgemäß 13300 jüdische Kinder noch immer ohne schule seren, so scheint er da» Lei das Bestehen der Chadarim, die ja die eigentlichen Mischen Volksschulen deS Ostens darstellen, vollkommen vergessen zu haben. Wie die „Hozefita" aus Bra ly sto ck berichtet, haben die dortigen Zionisten die Neugestaltung der Dinge zur kräftigen Neuentfaltung der Parteifahne, die unter der russischen Herrschaft nicht zum Vorschein kommen durste, benutzt. An einem Demonstrationsabend nahmen die Spitzen der Militär- und Ztvilverwaliung teil, die sich gleich den Mitgliedern mit dem »Mögen David Stern" schmückten und für den NalionalfondS spendeten. Bei der gemeinsamen Absingung deS Hatikwah-Ltedes spielte die Militärkapelle. und die Militärs hörten stehend und mit entblößtem Haupte die Klänge der ihnen unverständlichen Worte an. Lorrespondenzen und Aachrichien Deutsche» Ketch. ItödiftvreUe für Ittams- Araukfurt «. M., 19. Dezember. Bekanntlich wird in diesem Jahre der gesamte Mehlbedarf für dte Herstellung von MazzoS den Bäckereien durch die „Freie Vereinigung für dte Interessen des orthodoxen Judentums, E. V." geliefert. Hierbei ist, wie dte genannte Bereinigung mitteilt, gemäß Verfügung -er Retchsgetreidestelle auch die Preisfrage in einer Weise geregelt worden, dte einen billigen Ausgleich zwischen ven berechtigten Interessen der Bäckereien und denjenigen deS konsumierenden Publikums schafft. Die Bäckereien dürfen hiernach auf Grund des mit der „Freien Bereinigung" abgeschlossenen LteferungsvertrageS die MazzoS an das Publikum nicht teurer als bis zu 12 V/» über ihrem vorjährigen durchschnittlichen Verkaufspreis, keinesfalls aber über 65 Pfg. pro Pfund verkaufen. War also beispielsweise der Durchschnittspreis einer Bäckerei tm Vorjahre 48 Pfg., so darf in diesem Jahre nicht mehr als höchstens 54 Pfg. genommen werden/ war der vorjährige Preis 60 Pfg., diesmal dennoch nicht mehr als 65 Pfg. 21x2 wie gut ist der warm'r Kafe F'r Lem', die da gehn in grotz'r Kalt' und Schnee. Wte ist das g'wes'n ein rvn rn: (Vergnügen). Der G'ruch von Kafe hat nns geb'n groß ro (Kraft) Jetzund tuhn'n die Matd'n und KöchtnS ruf'n Zum ri'2n i)p2: laßt wieder hot'n Mandel Rub'n. p, wte wert folch'S fein so schehn. Wenn ein Schäle Kafe vor den Ber wert stehn. vb “ftMt *73 (alles unsrige) woll'n mir gern ver setz'n Uns'r awan (.Schmuck) wte auch Sergenes (Sterbekleider) nedst schehne Spttz'n, Etliche Pfunt Kafe in jed re n'rnp (Gemeinde) ein zu kauf n, Solln mir auch bis Amsterdam muf'n lauf n. Denn das ist ein a'Btrn ja m u (Verhängnis vom Himmel) Uns zu behelf'n ohne wo nirrtP (schwarzes Wasser), p, wann wern wld r Fuhr n mit Kafe gehn, Bet alle Kräm'r Fäff'r Zuck'r stehn! *72 a-PT (vor allem) woll'n mir NN "|H2 SV>N (Gott, gelobt sei er) anruf'n a’:unfl '1212 (mit Worten deS Flehens) Daß er sich soll omo (ernarmensein 022 bv 2« cma (wie sich erbarmt ein Barer über Kinder). Soll uns geb'n aAn nariE (Nahrung und Frieden bei anand, Daß viel Kafe und Zucker sol kom n von Holland. Drei mahl in Tag wer'« mir uns Kafe mach'n, Da bei werd'n mir unsr' Männ'r wieder aus lach'n, p, wte mevt es fein so schehn. Daß die rrm wird bald 7v2 gehn. 82]-), es syü tvmm'n die rfttt» (Erlösung) und afor jn dir ganze Welt. Helfe, liber Got, uns'r Männ'r zu recht viel Gelt, Daß mir könn'n wieder Kafe trink'n in Tag drei mahl, Dte Schall'n ein schenk'« unt'n und ob n ganz voll. Auch etliche große feine Zucker Hüt der neben. Uns Weib'r nebbich bekomm'n fol das gute fütze Leb n. p, das wert fein recht schehn. Wenn alleß dte Weib'r ihr'n Wunsch und Kops «erd nach gehn. U. Tie Dankbarkeit gegenüber dem Entdecker dieser ttrnigen Probe jüdischen Polkshumors von vor hund.ett Jahren wird einigermaßen durch die /eitrigen polemischen Bemerkungen beeinträchtigt, die Prof. Brann sich bemüßigt fühlt, dem unschuldigen Liedchen mit aus den Weg zu gehen. Brann hat nämlich — man höre und staune — in dem harmlosen jüdischen Volksliede ein glänzendes Beweismateriui gegen die böse Orthodoxie und ihr offenbar bestgehaßtes jüngstes literarisches Produkt: K 0 t t e ck s (A eichichte der Juden entdeckt! Kotteck macht auf Seite 439 seines Geschichtsbuches die Bemerkung, daß der Begriff der Fortentwicklung" auf die g ö t t l i ch e Offenbarungsreligion ihrem Wesen nach nicht anwendbar sei, abgesehen von den TekonauS und GeferauS, dte tm Laufe der Zeit auf Grund der Ermächtigung des Gesrtzgebers selbst entstanden sind. Man sollte meinen, daß sich über die,eu Punkt manch ernsthaftes Wort sagen lasse. Proftstpr Brann aber beweist frischweg aus der Tatsache, daß man vor hundert Zahreik in jüdischen «reisen das Kaffee-Lied mit seinen hebräischen Brocken der« standen, die hochdeutsche Mendelsohn'sche Bibelübersetzung jedoch nicht verstanden habe, daß dagegen heute die meisten Leser schon die paar hebräischen Worte nicht mehr unpunktiert lesen können — Sie Unrichtigkeit der Kotteckschen These und er begeistert sich auf Grund dieses geradezu überwältigenden Bewersmaterials zu dem Ausruf: „Und da g vt es heute noch ein Heines Häuslein, welches mit großem Geschrei und geringem Witz verkündet, daß es grundsätzlich innerhalb des Judentums, abgesehen von einzelnen Tekanoth, Geseroth usw. eine Fortentwicklung nicht gäbe!!" Aber liebster Herr Profeffor.' .... weil die deutschen Juden sich in hundert Jahren zu einem allerdings kaum mehr zu überbietenden Am-haareztum „sortentwickelt" haben, darum soll dem Judentum d. h. der jüdischen Religion die ewige „Fortentwicklung" Ideal fein!! Eine tragikomische Logik! Fast scheint es, als ob Herr Professor Brann auch durch seine Nachbemerkung zum Kafsee-Lied die in diesen ernsten Zeiten doppelt willkommene humorvolle Stimmung erzeugen wollte, die er durch seine Entdeckung selber dem Leser verschafft hat. Für beides fei ihm inniger Dank votiert. WWMr-eater im deutschen Gefangenenlager. Folgender interessanter Bericht geht der Berliner „Volks-Zeitung" zu: Während auf der blutigen Bühne des Welttheaters die Tragödie oer polnischen und ruffischen Juden von Akt zu Akt svrtschrittet, spielen aus einer Keinen, aus rohem Holz gezimmerten Bühne innerhalb der Drahtzäune eines d« urschen Gefangenenlagers russisch-jüdische Schauspieler und Dilettanten ihren gefangene» Brüdern Theater vor, fingen ihnen von alte» Mischen Hs.» toit jm* neuan Dulder» «nd erhalt»» wir Scherz

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