Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 53 (23.12.1915)
- Date
- 1915-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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mm* mm M» Aufsätze NGWemuttzr fötbtett wtr geratz« fftr die Im Felde Wehenden BeftnletS wertvoll zu fein. Sie zeigen ihnen auch im Sinne des ReligtonSgesetzeS, wofür sie kämpfen, und find geeignet, ihnen in schweren Stunden Trost und Erhebung zu gewähren. Aber auch für die in der Heimat Zurückgebliebenen werden sie eine anregende und belehrende Lektüre fein, sie werden ihnen vielfach den Weg zeigen, um zu den Kämpfen und Problemen des Tages die rechte Stellung zu gewinnen. Und als tiefschürfende Erörterungen über grundlegende Fragen der Religion werden sie auch über die Gegenwart hinaus dauernden Wert behalten. Dr. I. U. Eine amerikanische Hülfsattion. Die Rolle des offiziellen Amerika in diesem Weltkriege ist keine gerade rühmliche. Wie die Juden Amerikas die Pflichten der Neutralität auffaffen, davon zeugt auch folgender Bericht -es „American Jsraelite": Die Bestrebungen der in Amerika lebenden eingewanderten Juden, chren in den einzelnen Kriegsländern lebenden, durch den Krieg in Not geratenen Verwandten durch materielle Hilfe betzusteben, find dadurch auf große Schwierigkeiten gestoßen, daß in verschiedenen Kriegsländern die Bevölkerung ganzer Gebiete teils infolge der Evakuierung, teils infolge der feindlichen Invasion ihre Wohnorte verließ, ohne daß die Verwandten in Amerika ihren jetzigen Aufenthalt kennen. Andererseits möchten viele jüdische Familien in den europäischen Kriegsländern sich jetzt in ihrer Not an Verwandte in Amerika um Unterstützung wenden, kennen aber deren Adresse nicht, da sie mit ihnen seit längerer Zeit außerhalb jedes Briefverkehrs stehen. Es handelt sich also zunächst um die Feststellung der Aufenthaltsorte der in Betracht kommenden Familien. Die „Hebrow Sheltering and Immigrant Aid Society of America“ hat sich nun in dieser Angelegenheit an das Staatsdepartement in Washington gewendet. Die amerikanische Regierung hat die hohe Bedeutung einer solchen Aktion sofort erkannt und ihrerseits die weitestgehende Förderung zugesagt. Nach mehrfachen Konferenzen zwischen dem Präsidenten der obengenannten Organisation, Richter Leon Sanders, und einem Vertreter der Regierung wurde schließlich beschlossen, den angesehenen Newhorker Advokaten und ausgezeichneten Kenner des gesamten AuSwanderungs- Wesens, Jsidsr%erfhfielb, wie vsm »Israelit" bereits gemeldet, zur Durchführung bet Aktion nach Europa zu entsenden. Mr. Herfhfield ist mit Akkreditivbriefen seitender amerikanischen Regierung und mit oen weitestgehenden. Vollmachten und reichen Mitteln versehen, um diese großzügige Aktion in die richtigen Bahnen leiten zu Wnnen. In einem Briefe, welchen der Handels- und .Arbeitsminister B. Wilson an Herrn Hershfield richtete, gab er das große Jntereffe der Regierung an dem Unternehmen kund, für besonders wichtig hält die Regierung auch den Teil der Mission HershfieldS, welcher bezweckt, in den europäischen Ländern über die Etnwanderungsbedingungen in Amerika genaue Informationen zu verbreiten, um eine überstürzte, wilde Auswanderung nach dem Kriege — wie sie in amerikanischen maßgebenden Kreisen offenbar befürchtet wird — hintanzuhalten. Die „Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society“ hat sich für ihre Aktion die Zustimmung und werktätige Unterstützung aller jüdischen Organisationen in den Vereinigten Staaten gesichert, und es ist ein Beweis für die Popularität des Unternehmens, daß die Leitung der Gesellschaft aus allen Teilen Amerikas Tausende von Zuschriften erhalten hat, in denen um die Feststellung des Aufenthaltes von in Europa lebenden Verwandten ersucht wird, die man unterstützen möchte. Ebenso groß ist die Zahl der Zuschriften von europäischen Organisationen und Einzelpersonen, welche um Auskünfte über in Amerika lebende Juden ersuchen, die um Unterstützungen angegangen werden sollen. Der Abgesandte der amerikanischen Juden, Mr. Isidor Herfhfield, ist ein Amerikaner von Geburt, steht feit vielen Jahren im öffentlichen Leben der Rewyorker Juden, gehört der Leitung des Verbandes der orthodoxen Gemeinden von Amerika an, und zählt zu den sachkundigsten und eifrigsten Direkttonsmitgliedern der :,Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of Amerika“'. Mr. Herfhfield wird in Ausübung seiner Vollmachten in einem neutralen Lande, voraussichtlich im Haag, ein großes Auskunftsbureau errichten zur Entgegennahme von Auskünften über Personen, welche infolge des Krieges nicht in der Lage sind, mit jenen in Verbindung zu treten, von denen sie unterstützt werden könnten. Advokat Herfhfield ist mit Empfehlungsschreiben der amerikanischen Regierung an alle ihre europäischen Vertretungen sowie mit Einführungsschreiben an die bedeutenden jüdischen Organisationen und Persönlichkeiten in London, Berlin, Wien, Paris, Petersburg und Rom ver- Dkt,stdegainbOk 2M£ fei«. Mm erwartet in «marika, daß «i ihrem Abgesandten gelingen werde, in Europa eine Koaperatton der jüdischen Organisationen herbeizuführen, welche daS von ihmZbegonnene Werk weiterführen soll. Vom Wischen Leben im otwpierien Polen. Volkszählung — Jüdische Landarbeiter — DaS «letschmonovol — Die jüdische» Vertreter im Bürgerkomitee — Die Statistik der Heimatlose» — W» Kinderheim in Lodz — Die jüdische» Volksschulen in Lodz — Eine jüdifchnattonale Kundgebung in Vialystok. Marschau, 15. Dezember. DteWarschauerBo lkSzählung ist neuerdings auf Mitte Januar verschoben worden. In einem längeren Artikel begründet „Kurjer Warszawski" die Notwendigkeit dieser Verschiebung damit, daß sich auS den Kreisen der polnischen Bevölkerung nicht die notwendige Zahl der Zähler gefunden habe. Auch habe die polnische Bevölkerung unter den gegenwärtigen Verhältnissen kein Jntereffe an der Durchführung der Volkszählung. Eine große Zahl fei zum Militärdienst eingezogen, ein Teil fei ausgewandert, ein anderer Teil habe Arbeit in Deutschland gefunden. Andererseits seien aus der Provinz eine sehr stroße Zahl Juden nach Warschau gezogen. Das wirkliche Ergebnis der Volkszählung werde daher kein klares Bild der tatsächlichen Zusammena der Bevölkerung darstellen. Aus diesen en liege eS im Jntereffe der polnischen Bevölkerung Warschaus, die Volkszählung im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abzuhalten. Wie das Warschauer Tageblatt" verichtet, hat die jüdische Abteilung der Kommission für öffentliche Arbeiten in Warschau jetzt die ersten Schritte unternommen, um jüdische Arbeiter in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Auf Initiative des Ingenieurs Schlutzcky bildete man eine Gruppe von 3V jüdischen Arbeitern die jetzt in den landwirtschaftlichen Betrieben der Umgebung von Warschau beschäftigt werden. Sie erhalten 1,20 Rubel für den Tag. Der ersten Gruppe wurde seitens der Gesellschaft ein tüchtiger Verwalter beigegeben, dem an Ort und Stelle die Sorge für die Einordnung der Arbeiter und die Beaufsichtigung der Wirtschaft obliegt. Den Arbeitern wird außer verschtedenenVergünstigungen Wohnung, Tee und Zucker unentgeltlich gewährt. In der nächsten Woche sollte eine zweite Gruppe von Arbeitern nach derselben Wirtschaft abgehen. Wie die Kommiffion für öffentliche Arbeit versichert, besteht die Möglichkeit, auf diese Weise zahlreiche jüdische Arbeitslose der Landarbeit zuzusühren. Kleines Feuilleton. Tragikomische Sto-feufzer in ernster Zeit. i. Das neueste Heft von Braun's „Monatss.orist är Gochichte und Wissenschaft des Judentums" das ait einem äußerst lesenswerten seirsiinnigen Aussatz Süd em an ns über „Die Liebe als Grundlage des hebräischen Gebetes" eingeleitet wird, enthält u. a. ein von Brann ausgegrabenes zeitgemäßes „Kaffee- Lied", das trotz seines ehrwürdigen Alrers gerade heute weitere Kreise internieren wird. Das Lied, im jüdisch-deutschen Jargon versaßt, trägt den Titel: oy”: pyp i'S mp vduviyv avjrvns u i ppm oywtp DJH *U»tetD»1D sw WM* 0'N 1808, uns verdankt seine Entstehung der Kontinentalsperrr M. poleons, in deren Folge eine solch gewaltige Le »erNNLvLN Kaffee Und Zuckern» Deuffchland ausbrach, daß die edlen Hausfrauen das kostbare Naß und seine Versüßung nicht mehr zu erschwingen vermochten. Die Folge waren in jüdischen Kreisen offenbar höchst tragikomische eheliche Zerwürfnisse. In nicht weniger als 22 Strophen, entsprechend den Buchstaben des hebräischen Alphabets, macht der Dichter, zumeist aus der Seele der „Weiber" sprechend, seinem Schmerz Lust und lehnt sich dabei in Versmaß und Melodie an den bekannten Pismon des Kol ntdre-GottesdiensteS mn» “jrw an. Der Refrain beginnt jedesmal mit dem melodisch betonten Wörtchen: „H en" und schließt die Berszeile mit: „Schen." Um die Geduld unserer Leser nicht auf eine zu harte Probe zu stelle», beschränken wir unS unter Weglassung allzu saftiger Volkstümlichkeiten auf die Wiedergabe des S., 3., 6., 7, 8., 9., 11., 19. und 32. Verses: N22 mir b'derf'n weinen und klag'n, Ein ri'2k7 bvz iHauSvater) soll es den andern sag«, WaS sür ein N2v (Schlag) hat uns aetroff'n, ES wär' besser, mir wär'n nach Holland geloff'n, Käse ein zu kauf'« auf etliche Jahr'», Tag und Nacht geritt'n und gefahren, n, wie wäre es so schehn, Wann mir wieder werd'n bei unser Webber ^sein )N wu (Gunst finden.) *51“!2 wie groß sein uns'r Günd', B tracht' nuhr uns'r Weib und Kind. Seht zu der nso ein mrt'i (4>ellung) zu such », Daß die Weiber fol'n auf hör'n zu sluch'n. Käse1 Käse1 schrei« sie Tag und Nacht. Damit Hab'» sie ewig ihr' Zeit gebracht. fn, wie wäre es so schehn, Wann sie Stück'r Zuck'r in Käse las'n ver gehn nv'nt 'N'i (Buße und Reue) damit tuhn wir uns'r Sünd' brenn Daß mir sol'n bald wieder bekomm'« wolfeil'n Käst zu brenn. Wann uns'r Männer werd'n Kafe kauf'n, Tag und Nacht wol'n mir f'r sie lauf'n. vu (Tag und Nacht) wol'n mir f'r sie sein gebückt Und sag'n, wie ist der Kafe so gut. jn, wie wird es sein so gut und schehn, Wann mir an mv Kafe trink'n ehnd'r mir Schul'ngehn. r.lSK ni2] (Verdienst der Ahnen) hab'n mir gehabt Kafe hat uns geb'n Stärk' nnd Kraft. Viel mahl hab'n mir g'fpart Tokt'r und Apitek'r. Das ist alles ms (m&v) unb lein yr (Lüge- Arme Leut' wenn sie nichts hab'n zu esi'n und zu beitz n. Hab'n sich mit ein halb Lot Kafe las'n b'ntg'n und ab sveis'n. rn, wie eilig sein'« geworb'n uns'r Zäh«', Hilf' soll uns bald kommen svrri svn(Amen, amen). oitet e’*n (Leben und Frieden) soll Gott uns geb n Und sechs taufend Zentn'r Kafe dar neben. 8wölf taufend Zentner Zucker d'rzu, o hält'« mir Weiber auf ein ganz'S Jahr Ruh. Ein Jahr schleicht aber bald wieder arum, Libe Weiber seid nuhr gut und frum. (ist solches dann schehn? anche Männ'r hab'n mit ihre Weib'r eitel Gespött und Gehöhn' Sk.