Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 53 (23.12.1915)
- Date
- 1915-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centralorgan für dis orthodoxe Judentum Begründe! oon Dr. Lehmann in Mainz 96. Jaftraana. Yranhfurf a M . Sen 23 Dezember 19l5 16. Debet 5676. Jß51- »»» Bieetelieft«* Gewöbulickr AuSvabe Rk. i.ev Mtmoerii l«lmsttzrmv SH. . UMiwdSvMer GrwSbaliS SitfaaH: DetatUWItwarn s Kr., Rnfilonb 1 Bub* Knolonb > ab. «»erika BO et»., «tavamche l.*0 fl., Frankreich Vn. MO, Bhwuuntl Bei «dien VoRanstalte». Bnchbaudlomaen, fetale birc »•* V«« fleftauftaefe» mv Der Israeli! erscheint jed,n Donverstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Tolonrl-Aeile: Rabatt nach Tarif. Jnseratenann «firne durch den Verlag der Israelit P. m. b. $>., fYran?» fort a.M.. Gr. Tschenbeimerstr. 23 Tel.884S.Amt Hansa, sowre ,'ämtl. Annoncen-Exped. des In« and Auslands, pla-vorschrinnr alfae VerdiadUchNett. Zahlungen können außer direkt an de» Verlag erfolg« der Conto Bet Ben K. K. W-DidarkaW- «Bie» 79 MB Conto Bei tm K. VoKsperkaUenauet »»Boche» K». 18414 f ort* Bef In «tgae» CoMMeeezBomI tu Mtga vrrd deren Nllalea. Her ttscköruck der Artikel und Correfpondenjen des „Israelit“ ili nur unter genauer Quellenangabe, urr9, foroeif es hcfi um größere fluffflfce ■ ■ _handelt, nur nach oorheriger Genehmigung gestattet Krt-«tt«SVerstcht I.Lettartikel: Ker Mrltkrieg im tzichte des Kudrytums. --2. Aufsätze: Die Neutralität im jüdische» Amerika. — Dom jüdischen Keben im okkupierten pole». — 3. Kleines Feuilleton: Tragikomischer Stoßseufzer in ernster Zeit. — Aiddisches Theater im drntschrn «rsangenenlager. — 4. Korrespondenzen u n d N ä ch r i ch t e n: Frankfurt (Höchstpreise für Mazzvs.) — Hamburg (Repräsentantensitzung.) — Wien (Die Hilfsaktion in Galizien.) — Wien (Ein AusklärungSkomitee.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Budapest, Ghöngyös. — HuSzt, Budapest, Preßburg. — Zürich (Jüdische Kriegsfürsorge in der Schweiz.) — Petersburg (Echtrussischer Kongreß.) — Kopenhagen (Russisches Allerlei.) — London (Die russischen Juden in den Ländern der Entente.) — New-Iork (Das amerikanische jüdische Komitee. — New--8)ork (Der jüdische Kongreß.) —5. Personalien: Jerusalem. — Braunschweig. — Hungen. — Oderberg. — Przemysl. — 6. Vereinsnachrichten: Hannover. —, 7. Vermischtes: Frankfurt a. M. — Frankfurt er. M. — Mannheim. — ltlm. — New-Iork. — 8. Briefkasten. — Famtliennachrichten. --- 9. Feuilleton-Beilage: Herfog und Radittnrr. — Sara Bondi, Jerusalem: Was der Kaum erfühlt. Der Weltkrieg im Lichte des Judentums. - Der gegenwärtige Krieg hat auf politischem, wirtschaftlichem, und nicht zuletzt auf religiösem Gebiet eine Fülle von Problemen gezeitigt, deren Erörterung eine schier unübersehbare Literatur hervorgerufen hat. Gerade die religiösen Fragen find es, welche tiefer angelegte Naturen am meisten beschäftigen, und es gibt bet den augenblicklichen Welteretgnissen so vieles, was den denkenden Menschen dazu drängt, die abgewohnten Anschauungen einer Prüfung zu unterziehen, um zu sehen, ob sie auch in dem Feuer dieses Weltbrandes standzuhalten vermögen. Gewiß find die nämlichen Fragen auch ftüher schon bet großen Katastrophen in ähnlicher Weise gestellt worden; sie haben aber für uns in der jetzigen Zeit die höchste Aktualität erlangt. Das soeben in zweiter Auflage erschienene Buch von Wohlgemuth „Der Weltkrieg im Lichte des Judentum-" betrachtet diese Probleme vom Standpunkt der jüdischen Lehre, und es darf deshalb als zeitgemäß im besten Sinne des Wortes bezeichnet werden. Es ist eine Sammlung von zehn Aufsätzen, die im Laufe des ersten KMWjschreS in der von dem Verfasser herausgegebenen Zeitschrift „Jeschurun" erschienen sind. Sie sind also aus der Zeit und ihren Erschütterungen heraus entstanden, sind unter dem Eindruck der gewaltigen Ereignisse, deren Zeugen wir sind, niedergeschrieben, und trotzdem betrachten und würdigen sie diese Ereignisse sub specie aeternitatis, messen sie ihre Bedeutung an den ewigen und unveränderlichen Lehren unseres Religtonsgesetzes. Der 1. Artikel „Der Weltkrieg" behandelt die Ursachen des Krieges und die Frage, auf wessen Seite das Recht ist. Mit warmem patriotischem Empfinden und trotzdem mit ruhiger Objektivität wird der Anteil der verschiedenen Völker an dem Ausbruch des Krieges erörtert und wird gezeigt, daß die Kraft des deutschen Volkes auf seinem Recht beruht. In dem 2. Artikel „Der Krieg und die Moral" wird gezeigt, daß der Krieg an sich nichts Unsittliches ist, (einen Gegensatz zwischen dem Krieg und der Sittlichkeit an sich empfindet nur das Christentum), daß aber innerhalb des Krieges auch die Moral ihrenPlatz behaupten muß. Der Krieg ist kein Verbrechen, verbrecherisch und unsittlich aber ist alles, was über den Zweck der Selbstverteidigung und der Unschädlichmachung des Gegners htnausgeht, ist insbesondere die Lüge, die Verleumdung, die Heuchelei, die in diesem Kriege bei den Feinden Deutschlands in so abstoßender Weise in die Erscheinung getreten sind. Im Gegensatz hierzu haben sich Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit auch in dieser Weltkrtsis als hervorstechendste Charakterzüge des deutschen Volkes offenbart; und diese Charakterzüge verbürgen uns auch den endlichen Sieg. Wenn aber die Moral im Völkerleben zur Herrschaft gelangen soll, so müssen zuerst die Einzelnen dazu erzogen werden, und hier müffen wir uns üarüber klar sein : „Es bedarf ununterbrochener Arbeit, soll das Stttengesetz eine beherrschende Macht in uns gewinnen." Für einen der wertvollsten Aufsätze in der dör Sammlung halte ich den dritten: „Der Jude und der Krieg." Hier wird der Versuch gemacht „die Triebfedern und Gefühle aufzudecken, aus denen der Patriotismus des deutschen Juden quillt, zu schildern, was in seiner Seele vorgeht, wenn er in den Krieg zieht, um sein Leben für das Vaterland einzusetzen." Und dieser Versuch erhält eine besondere Bedeutung, weil er auf realem Grunde ruht, weil er „der Niederschlag von wirklich Erlebtem" ist. Hier ' wird auf die Reinheit, den Ernst und die Tiefe des jüdischen Patriotismus hingewiesen, es wird dargetan, wie das Staatsgesetz dem thoratreuen Juden zum Religionsgesetz wird und wie dadurch in ihm der echte und besonnene Patriotismus erzeugt wird, der ihn zu den größten Leistungen befähigt. Bon den übrigen Abhandlungen: „Das große Haffen", „Unser Kaiser", „Die Entweihung des göttlichen Namens" „Warum Haffen uns die Völker?" „Der heilige Egoismus und das gottgesegnete Volk", „Der ewige Friede", „Der Gott der Gerechtigkeit", möchte ich noch die vor-“ letzte etwas eingehender würdigen. Der Verfasser behandelt nach einer Betrachtung der verschiedenen Theorien über den ewigen Frieden die Frage, wie sich das Judentum zu diesen Anschauungen stellt, und er kommt zu dem Schluffe, daß die Verwirklichung des ewigen Friedens hinieden ohne ein göttliches Eingreifen unmöglich ist und daß er deshalb nach jüdischer Auffassung auch nicht als religiös-sittliches Ideal Geltung beanspruchen darf; er ist nur als Lohn gedacht, wenn am Ende der Tage ein neuer Geist die Menschheit beseelt. Das hindert nicht, daß der Krieg an und für sich ein schwerer Fluch ist und daß der Grundzug des jüdischen Lebens im friedlichen Wirken gesehen wird: Slp 7lpn wp "T D’Tni apP’ aber ist der Gruttdton, der uns immer wieder aus der Bibel entgegenklingt. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß die Thora Vorschriften für das Verhalten im Kriege gibt, denn das Gesetz gibt Normen für die Wirklichkeit, für den Menschen, wie er ist. Es ist nicht unwichtig dies zu betonen, weil es leider auch Vertreter des Judentums gibt, die in völliger Verkennung dcs Geistes der Thora den 5krieg als solchen preisen, die damit nicht nur kulturwidrigrn Bestrebungen Vorschub leisten, sondern auch bei Fernstehenden falsche Vorstellungen von der Anschauung deS Judentums erzeugen. Der Lehre allerdings, meint der Verfaffer, daß der ewige Friede durch Abmachungen, Verträge und Kongresse herbeigeführr werden könnte, müsse entgegengetreten werden. Und er halt deshalb wenig von der Arbeit der Pazifisten, wenn er auch ihre selbstlosen Bestrebungen durchaus anerkennt. Ob er dieser Bewegung, die ich als eine auch die Völkermoral im'eminenten Sinne fördernde ansehr, nicht zu wenig gerecht geworden ist, möchte ich dahingestellt sein lassen. -