Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 52 (16.12.1915)
- Date
- 1915-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der J-raelt». IS. Lezewser 1S15 Fjrrds schaffen. sollte,, um einerseits die durch ben - Arteg.herbMMHrte Notlage der Juden in Pa- -Kt. «mdey^. Mdervsfeits. .für die lieber* "srL^MyLHer osteürpMschen Juden nach der Türtet MiMt lberert zustellen. Mit besonderem Erfolg hat bis jetzt das mit der „Hilsskommission 1915" vereinigte Landeskomitee des „Zentral- Hilfskomitees" in Oesterreich! gewirkt. Das österreichische Landeskomitee hat bereits größere Summen aufgebracht, wovon mehr als 80000 Kronen nach Palästina abgeschickt worden sind. Jnsolae der in Konstantinopel geschaffenen Tatsachen steht nun eine Neuorganisation der jüdischhumanitären Tätigkeit für den Orient bevor. Dr. Alfred No ssig, Berlin, der das Hauptreferat erstattete, schilderte zunächst die katastrophale Lage, in die die Judenheit des Ostens durch! dir Ereignisse des Weltkrieges gebracht worben sei, und führte dann ungefähr folgendes aus: „Man schätzt die durch den Krieg entwurzelten jüdischen Existenzen auf etwa, eine Million. Mae MassenaWivanderung von ungeheueren Dimensionen steht bevor. Der Weltkrieg eröffnet die Aussicht, mit der Zeit ein Abflußaebiet in der Türkei zu finden. Der Einfluß der der jüdischen Einwanderung hinderlichen Entente-Mächte ist erloschen; das Bündnis mit Deutschland begünstigt und erleichtert eine Zunahme der jüdischen Bevölkerung in der Türkei. Die Erklärungen, welche Dr. Nossig von Mitgliedern des Herrscherhauses, von türkischen Ministern und von den Ftchrern des jungtürkischen Komitees erhalten bgtte, berechtigen zu der Erwartung, daß der einer vorsichtigen, zweckentsprechenden Behandlung der einschlägigen Fragen die jüdische Einwanderung nach der Türkei zur Befriedigung beider Seiten geregelt werden könne. Die Durchführung des Wertes ist nach dem in Konstantinopel erfolgten Meinungsaustausch, nur im Rahmen derhistorischenFreundschaft möglich, welche Juden und Osmanen verbindet und gegenseitiges Vertrauen schasst. Die neue politische Konstellation eröffnet sür diese Freundschaft vielfältige Betätigungsmüglichkeiten in wirtschaftucher und kultureller Hinsicht. Als Schwestergesellschast der analogen Bereinigung in Konstantinopel ist am 6. Dezember in B e rlin die „Deutsch-Israelitisch Osmanische U n io n" gegründet worden. Die Union ist keine Kcionisationsgesellschast; sie verfolgt den ideellen Zweck der Pflege innigerer Beziehungen zwischen Juden und Osmanen. Wohl aber wird sie den praktischen Bestrebungen durch Schutz, Vermittelung und finanzielle Förderung dienlich sein können. Als neuartige, den Zeitverhältnissen entsprechende Institution kann sie keiner der bestehenden Organisationen eingefügt werden. Dagegen ist ein Korporationsverdäflr'is zwischen der „Union" und diesen Organisationen höchst erwünscht, ja unerläßlich. So vor allem mit dem „Hilfsverein", dessen Schulwerk für die Erziehungsbedürfnisse der jüdischen Einwanderer in der Türkei sorgen dürfte. Ferner smit den Kolonisations-Gesellschaften, wie die I. C. A., die A I. K.O. und auch den rein wirtschaftlichen Instituten rer Zionistischen Organisation. Die tatkräftigste Förderung erwartet die „Union" von den B. B.-Logen Die Zusammensetzung des Vorstandes berechrigt zu der Erwartung, oatzdie „Union" auch mit den anderen protzen Mischen Organisationen Deutschlands in enger Fühlung bleiben wird. Das Zentral-Hilfskomitee hat sich der Union angeschlossen. Wr der Diskussion beteiligten sich die Herren Pros. Dr. Stein, I. Bosch-München, Landtägsabgeordneter Dr. C o h n-Dessqu, Rabb. Dr. Kopfstein-Beuthen, Feldrabbiner Dr. Sonderling, Chefredakteur I. Landau, Dr. M. Hildes Heime r, Justizrat Dr. Hör Witz und Geh. Justizrat Timendorfer, der folgende, einMmmig genehmigte Resolutioneinbrachte: „Die am 12. Dezember 1915 im „Brüderverein" zu Berlin Versammelten begrüßen auf das Lebhafteste den dutzch die „Deutsch^Jsraelitisch Osmanische Union" vertretenen Gedanken der Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Juden Deutschlands und der Türkei. Demgemäß gedenken sie die gemeinsamen Jneressen in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht M wahren und zu fördern, um auf dieser Grundlage in den Stand gesetzt zu sein, auch das Los ihrer osteuropäischen Glaubensgenossen bessern zu können. Sie erklären sich bereit, diesen Gedanken zu unterstützen und sür ihn zu werben, und fordern alle Glanvensgenossen in Deutschland zum einmütigen ZutznunenMufse im Rahmen der Deutsch- JSraetitisch Osmanischen Union auf." Unmittelbar darauf folgte eine Besprechung der auswärtigen Teilnehmer an der Konferenz, um sW hinsichtlich der Grundzüge der Werbe* und Orgamsations-Tättzkeit au Gunsten der neuen Bewegung und der „Union" zu verständen. Die Ansprachen der zahlreichen Redner ergaben die übereinstimmende. Wnschauung, daß in ganz Deutschland baldigst Ortsgruppen der „Union" ins Leben gerufen werden müssen. Die Werbetätigkeit soll nicht nur durch Drucksachen, sondern auch durch Versammlungen, Vorträge und Wanderredner ohne Verzug eröffnet und in intensiver Weise geführt werden. Die Anstrengungen sind darauf zu richtet, die stnanzielle Fundierung der Union in einem, ihren großen Zielen entsprechenden Maßstabe noch vor Beendigung des Weltkrieges zu sichern. Nach seinem Ansgang soll zu der Gründung eines kommerziellen Instituts geschritten werden, das den jüdischen Einwanderern Erwerbsmöglichkeiten in Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handwerk schaffen soll. »- > - -r~ i—• Aus den okkupierten öebiefen. Lodz, 13. Dez. In der letzten Sitzung der jüdischen Gemeindeverwaltung wurde zunächst beschlossen, ein Reglement für die Führung der Gemeindekasse auszuarbeiten. Das Projekt des Herrn Ludwig Hirschberg betreffend Errichtung von Teehallen in mehreren Stadtteilen wurde genehmigt. Gesuche um Ernennung neuer Rabbiner bleiben unberücksichtigt. Das Unterstützungsgesuch des Frauenschutzveretns soll gemeinsam mit dem Projekt einer Hilfstätigkeit für völlig mittellose Kinder durchgesehen werden. Gemäß einem Anträge sollen zur nächsten Sitzung der Gemeindeverwaltung Vertreter von Mehlhändlern eingeladen werden, um die Preise des Pessachmehles festzusetzen. Es wurde sodann zur Kenntnis genommen, daß auf den Kohlenplätzen der Gemeinde der Kohlenverkauf sehr siott gehe; die Gesuche der Vertreter verschiedener Stadtteile um Errichtung weiterer Kohlenlager für die arme jüdische Bevölkerung sollen dem Magistrat mit der Bitte um Berücksichtigung unterbreitet werden. Ein Verwaltungsmitglted wurde bevollmächtigt, sich in Sachen der Unterstützungen der Reservistenfrauen mit den zuständigen Personen zu verständigen. Warschau, 10. Dez. Aus den von amerikanischen Juden zur Verfügung gestellten Mitteln sollen durch die mit der Verteilung beauftragte Kommission 4000 halbpfündtge Portionen Brot zu 3 Kopeken im jüdischen Viertel zur Verteilung kommen. Ferner werden für 3 billige Küchen 3000 Rubel zur Verfügung gestellt. Die Gesellschaft „Ein Tropfen Milch" soll weiter monatlich 1500 Rubel Zuschuß erhalten. Das Komitee der Abteilung Praga zur Unterstützung jüdischer Kriegsgeschädigter gibt bekannt, daß es dort eine Reihe Verkaufsläden etnrichten will, wo die notleidende Bevölkerung zu billigsten Preisen Lebensmittel erhalten soll. Der erste Laden wurde Donnerstag, den 9. Dezember eröffnet. Jüdische Blätter veröffentlichen eine in den Synagogen bekanntgegebene Aufforderung des Rabbtnats, wonach demselben alle Geschäfte, welche höhere als die vorgeschriebenen Preise nehmen, bekannt gegeben werden sollen. DaS Rabbinat werde nötigenfalls energisch einschreiten. Vom ruMcken 5e!S)uge gegen Sie 3uden- Warschau, 14. Dez. Folgende Dokumente, die den amtttchen Charakter der im russischen Heere betriebenen antisemitischen Hetze beweisen, werden der Preffe zur Verfügung gestellt: Der Hauptbesehlshaber für Proviant und Trans portangelegenheiten der südwestlichen Front: 31. März 1915. Lublin. Infolge der großen Anzahl jüdischer Soldaten, die sich im Transportdienste und in Militäranstatten hinter der Front besinden und in Verbindung mit den örtlichen galizischen Juden stehen, erhalten die österreichischen Spione, wie uns mitgeteilt wird, Nachrichten über das Leben an der Front und hinter ihr. Tiefe Nachrichten gehen ihnen entweder durch die galizischen Juden, oder von den russisch-jüdischen Soldaten (direM zu. Unter dem Vorwände von Dienstangelegenheiten (?) mißbrauchen die jüdischen Soldaten ihr Recht, nach Rußland zu sichren, und führen Pakete und No. M Sette b Briefe mit sich, wobei sie Zensur und Kontrolle wn« gehen. Damit in Zukunft derartige unerwivrschts Erscheinungen nicht mehr Vorkommen, Bat der^ oberste Befehlshaber angeordnet, daß alle Mischen Soldaten, die zum Frontdienst tauglich ftndrmd sich hinter der Front aufhalten, ungesäumt nach den Reserve- Bataillonen gebracht werden. Dort haben fte zur Instruktion fette Wochen zu verbleiben und sind alSdann Ln die Regimenter abzuschicken, wo sie unter besondere Aufficht gestellt werden müffen. Generalmajor Sershewfkh (noch zwei unlrirrltth» Unterschriften). Aus einem Beseht an den „mittleren Bezirk" der 18. Arme»: „4. Mai 1915. ...Die Juden (gemeint ist die Mische Ortsbevölkerung, D. Uebers.) sind nach der Richtung des Feindes zu jagen; kein einziger darf im Operationsgebiet nachgelassen werden." „Befehl an die 375. Witebsker Jnfanterie-Druihine. 25. Oktober 1915. In letzter Zeit gibt es in einigen Städten keinen Zucker, weder in den Verkaufslaven, noch der der Intendantur. Es wird daher den Kommandanten der Rotten empfohlen, für die Mannschaften dünnen Zucker zu kaufen. Ist auch dieser nicht erhältlich, müffen Konfekts von den einfachsten Sorten mm Greife von Zucker gekauft werden. Diese Konsekte dürfen nicht bei hiesigen Mischen Firmen angeschafst werden, sondern bei bekannten reellen Handeledäusern: Bormann, Einem, Sion, Landrrn und bei den hiesigen Christen, weil die Kourekte der iüdi(chen Fabriken gesundheitsschädlich sir.d. (gez.) Oberst GodsewSch. Nach dieser offiziellen Heye dürfen uns die Kosakenpogrome im Rayon nicht mehr wundernehmen. Dänemark. Segen Oie Gleidiberedifioung Oer Zullen. Koperrhagerr, IS. Dez. Die Kopenhagens „Jüdische Volksstimme" berichtet über eine in Kirw abgehaltene Konferenz der russischen Geistlichen im Ktewer Gouvernement, auf der der Beschluß gefaßt wurde, die Gleichberechtigung der Juden zu bekämpfen. Geste wetch- ULngarn. Die RüAhehr 9er galtolfdien miffellofon Slüditlinoe. Wien, 14. Dez. Um eine tunlichst rasche und geordnete Rückkehr der galizischen mittellosen Flüchtlinge in die laut dem amtlichen Aufrufe A und B vom Sv. November freigegebenen galizischen Bezirke und in die Stadt Lemberg zu ermöglichen, werden geschloffene Sammeltransporte eingerichtet werden. Die Zentraltransportlettung hat die Zusammenstellung großer Sammelzüge zugesagt. Jenen mittellosen Flüchtlingen, welche solche Sammelzüge benützen, wird nebst freier Fahrt auch freie Gepäckbeförderung gewährt. Flüchtlinge, die in staatlicher Unterstützung stehen, haben sich bei jener Fürsorgestelle, von welcher sie die Unterstützung erhalten, nicht unterstützte mittellose Flüchtlinge bei den Bezirkspolizetkommiffattaten ihres Wohnungsbezirkes zu melden. Sie bedürfen solange sie die geschloffenen Sammelzüge nicht verlassen, weder eines Reisepasses noch einer Militärischen Bewilligung zum Ueberschreiten der Grenzen des engeren Kriegsgebietrö, sondern nur einer Legittmatton und Anweisung, welche chnen bet den Bezirkspoltzetkommifsartaten ihres Wohnbezirkes eiugehändtgt werden. Aus Sen 6emeln9en. Budapest Fern von der heimatlichen Scholle, die ihm soviel verdankte, der er mit dar Glut seines Herzens zugetan war, wurde A. B. Kluger zur letzten Ruhe gebettet. Nach einem Leben der iAre und der Arbeit, das seine Krönung in der Lieve und Wertschätzung eines weilen Kreises fand, mutzte dieser edle Patrizier zum Wanderstab greisen und mit 75 Jahren das gastfreundliche Asyl seiner Endel in Budapest in Anspruch nehmen. Die Kriegsfurie vertrieb ihn auS Brody, wo er in Gesellschaft feiner idealen Gattin fein auf den Grundpfeilern der Thora, Aboda und GemtluS-Eheffed ruhendes Haus zu einem wahren HeUigiume, in dem der Geist großer Borfahren und Öer Traditionen webte, gestattete. Seine Milde e keine Grenzen, feine Liebe hatte immer ein offenes Herz und eine volle Hand für die Notbedrängten und Leidenden. Als das ruffische Barbarentum im Jahre IMS die ersten grotzmr jüdische« Mafien