Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 51 (9.12.1915)
- Date
- 1915-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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, .«WJ. Gelte « Nr.rsi Der JSraelit S. Dezember 1915 Frankreich. Eine neue Champagne gegen die jüöifthen Ausländer. Baris (indirekt), 25. Nov. Der Pariser Gemeinderat hat einstimmig ken Beschluß angenommen, militärpflichtige Staatsangehörige der verbündeten Länder vor die Wahl zu stellen, Frankreich zu verlaffen oder in die französische Armee einzutreten. Andernfalls sollen sie in ein Konzentrationslager abgeschoben werden. Die Campagne, die sich vornehmlich gegen die russischen Juden wendet, war bekanntlich durch das Eingreifen Gustave Herve8 eingestellt worden und soll somit neuerdings wieder ausgenommen Worten. In der „Guerre Sociale" vom 24. d. Mts. schreibt Gustave Hervs: „Der Skandal muh endlich ein Ende nehmen! Drei österreichisch-polnische Juden sind vor nun mehr als einenr Jahre als Kriegsfreiwillige in das französische Heer eingetreten. Sie heißen Guner, Silbermann und Weislitz. Da sie krank wurden, hat man sie vor fünf Wochen zurückgestellt. Gleichzeitig hat man sie aber auch eingesperri, und zwar im.Zivilgefängnis von Sidi-bel Abbes, ohne daß man indes weiß, was ihnen vorzuwerfen ist. Wer ist der Lump oder der Dumm köpf, der es auf sich genommen hat, derart Ausländer zu behandeln, die, um ihre Sympathie für Frankreich zu beweisen, freiwillig in die Armee eingetreten sind? Welcher Zivil- oder Militärbeamte ist für diese unsaubere Geschichte verantworlich? Wozu sind die Bezirkskommandeure oder die Präfekten da, wenn sie zulassen, daß in ihrem Umkreis derartige Frwel Vorkommen können? Wozu haben wir einen Kriegsminifter und einen republikanischen Minister des Innern, wenn man nicht unerbittlich den hohen Militär- und Zivilbeamten auf die Finger klopft, in deren Bezirk Frevel verübt werden, die eine Schande für eine zivilisierte Nation sind?" Die N 3. U. für die notleidenden Rußlands. Baris, 26. Nov. Damit man erfahre, daß die A. I. U. abgesehen von patriotischen Ausrufen sonst noch etwas leiste tut sie kund und zu wissen, daß sie, ohne eine Sammlung zu veranstalten, 100,000 Frs. für die russischen Juden bebewtlltgt hatte, welche dem Komitee in Petersburg zugestellt wurden. Ebenso wurden die jüdischen Flüchtlinge in Alexandrien (Aegypten) und Kreta unterstützt. Die Lage der Juden in Tripolis sei infolge des Rückzuges der italienischen Truppen sehr unsicher geworden. Auch befinden sich aus dem Innern des Landes in der Stadt Tripolis viele jüdische Flüchtlinge. Die Alliance habe durch den Direktor der dortigen Schule eine Summe für die notwendige Lebensmittelanschaffung hingeschickt. Personalien. Frankfurt a. M., 6. Dez. Berthold Lew in erhielt für Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz, während der ältere Bruder desselben, Julius Lewin — Söhne des unvergeßlichen Moritz Lewin — vor kurzem wegen feiner Leistungen im Innendienste zum Unteroffizier befördert wurde. Henry Kreutzer ‘m Köln, 0, Dez. Fern von der Heimat, an öder Stätte, wo rauhe Trümmer Zeuge sind von des Krieges furchtbarem Wüten, deckt ein einsamer Hügel ein junges, aber inhaltreiches Menschenleben. Unfern teuren, unvergeßlichen Freund Henry Kreutzer ystr, den heldenmütigen Jüngling, der siegesbewußt seine Heimat verließ, zu kämpfen für Deutschlands Sein und Ehre, doch nach Gottes unerforschlichem Ratschluß bald einer schweren Verletzung erlag, trug man hinaus zur letzten Ruhestätte, um auszuruhen von seinem pflichterfüllien Lebenslauf. Tiefe Wehmut bewegte bei der traurigen Nachricht die Herzen derer, die ihn geliebt, ob seiner glanzvollen Eigenschaften. Tiefbetrübt beweinen die schwergeprüften Ettern ihren einzigen Sohn, rergeblich harren die Freunde des Vielgeliebten, der nicht wiederkehrt. Wenn einst die Frtedensglocken durch Deutschlands Gauen gehen, wenn unsere Krieger siegreich heimwärts kehren, dann wird der Freuderuf das Ohr des Helden nicht beglücken, aus seinem Grabe aber ersteigt der jüdischen Jugend ein leuchtend Vorbild. Henry Kreutzer Vjtr war ein gesetzestreuer, Qotte§* fürchtiger Jehudi, der allzeit bestrebt war, den Weg zu wandeln, der allein dem Willen des Höchsten entspricht. Tiefes Verständnis für das göttliche Wort erweckte in ihm den Gotteskämpfer in Wort und Tat. Die Thora war ihm die Standarte, die ihm den Weg durchs Leben zeigen sollte. Nie war es ihm zu früh, nie zu spar sich zu entfalten, seine Vollkraft dienstbar zu machen in der Erfüllung der göttlichen Gesetze. Ganz und gar hatte er in sich ausgenommen, was das Ltben eines wahren Jehudi ausmacht, sein Streben galt der Verwirklichung jüdischer Ideale, der Erlangung des einem jeden Jehudi gewiesenen Zieles. Mil dieser Frömmigkeit, mit diesem Pflichtbewußtsein Gott gegenüber verband er sein Pflichtgefühl seinen Nebenmenschen gegenüber. Aufopfernd bemühte er sich seit Beginn des Krieges dem religiösen Gewissen jüdischer Soldaten und Verwundeten Rechnung zu tragen und auch in anderen Anliegen ihren Wünschen zu entsprechen. Aus dem Schützengraben schrieb er srohersüllt und dankbaren Herzens, daß ihm Gelegenheit gegeben war, seinen letzten Bissen, auf den er sich lange vorher gefreut, einer armen russischen, jüdischen Familie, deren einziger Ernährer von den Nüssen erschossen worden war, zu überlasten — und sich selbst mit der ihm hieraus erstandenen Freude zu sättigen. Es trauert die gesetzestreue Jugend um einen Mann, der in stiller Arbeit sich selbst entfaltete, einen Gott gefälligen Weg sich suchte und seine Freunde, die Jugend, ries, ihm zu folgen aus dieser pflichtbewußten Bahn. Es trauert um ihn die „Limmud Thauro, Eöln, die ihn stolz ihr Vorstandsmitglied nannte. Er wird in unserem Kreise sortleben und uns bei der jüdischen Arbeit voranleuchten. Stuttgart, 4. Dez. Der Teilhaber der Firma Hermann Gutmann, Herr Herbert G u t m a n n, ist zum Leutnant der Landwehrkavallerie befördert worden. Derikelsbühl, 30. Nov. Unsere kleine Gemeinde hat leider den Verlust einer ihrer besten Frauen zu beklagen. Frau Lina Hamburger geb. Heymann hat nach langer Krankheit, die sie mit wahrer Gottergebenheit ertrug, das Zeitliche gesegnet. Um sie trauert ihre Familie und die Gemeinde. Hat sie es ja verstanden, ihr Haus zu einem echt jüdischen zu gestatten, durch ihr liebevolles Wesen und durch mildtätige Handlungen gegen Arme sich viele Freunde zu erwerben. Auf dem Friedhofe zu Schopfloch entwarf Herr Rabbiner Dr. Kohn, Ansbach ein getreues Lebensbild der so früh Dahingeschiedenen, die es verdient habe, den Namen eines Tn rivn zu führen. n*ajun. Nentershausen, 6. Dez. Der Kriegsfreiwillige Julius K a tz, Gefreiter beim Stabe des A. O. K. erhielt das Eiserne Kreuz. Bad Kisfingen. 6. Dez. Der Stabs- und Regimentsarzt Herr Dr. S. Wahle dahier, Inhaber des Eisernen Kreuzes und Bayrischen Militärverdienst- Orden 4. Klasie mit Schwertern, wurde zum Oberstabsarzt befördert. Stratzburg, 6. Dez. Am letzten Sonntag nachmittag wurde in der Nachbargemeinde Bischhetm der Nachfolger des vor einem halben Jahre verstorbenen Rabbiners Dr. Wolf Herr Dr. Arthur Weil, in sein neues Amt eingeführt. Die Feier fand nach dem Entzünden der Chanukkah-Lichter statt. Im Namen des Konsistoriums des Unter-Elsaß richtete besten Vorsitzender und namens der jüdischen Gemeinde Bischheim deren Präsident, Herrn Gabriel Vlum, Worte der Begrüßung an ihr nunmehriges geistliches Oberhaupt. In feiner hierauf folgenden Antrtttspredigt entwickelte der Redner die Ziele seines Schaffens, die vornehmlich in der Erhaltung des Friedens und der Verbreitung der Thora bestehen würden. — Herr Leo Weil, aus Halten in U.-E. gebürtig, ist Schüler des Rabbiner- Seminars in Berlin und wirkte mehrere Jahre in Paris und Stratzburg als Religionslehrer. Möge es rhm vergönnt sein, seinem Vorhaben gemäß, in Btschheim für mir und rmv Ersprießliches zu leisten. Bindsachs n (b. Büdingen), 8. Dez. Am 5. N2)N- Tage verschied hier plötzlich Herr Samuel Stern ^>'D, eine der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten der ganzen Gegend. Einem frommen Hause entstammend — er war der Bruder des ihm einige Jahre im Tode vorausgegangenen hochgeschätzten Lehrers Moses Stern an der Realschule der Israelitischen Religlonsgesellschaft in Frankfurt a. M., suchte er nicht nur in seiner eigenen Familie die Ueverlieserungen seiner Vorfahren hochzuhalten, er war vielmehr bestrebt, seiner ganzen weiteren Umgebung ein echt jüdisches Gepräge zu erhalten. Und sein vorbildliches Handeln hatte Erfolg! In seinem Heimatorte Henings, in dem er an jedem rat? als pn ehrenamtlich wirkte und ganz besonders an den c‘.ST3 L'v' die Gemeinde zur Andacht hinriß, war er in jüdischen Angelegenheiten tonangebend. Seine aufopfernde Hingabe, seine strenge Rechtlichkeit und sein feines, sanftes Wesen, sein tätiges Einj greisen an allen Orten, an denen man der Hand eines echten Mannes bedurfte, werden ihm ein dauerndes gesegnetes Andenken bei all denen sichern, die Gelegenheithatten, diesen Ehrenmann kennen zu lernen, rvastin. Vermischtes. Litdlvigshaferr, 1. Dez. Die hiesige jüdische Kriegs-Näh- und Strickstube, eine Zweiggründung des Israelitischen Frauenvereins, konnte im verflossenen Monat bei ihrer Generalversammlung mit dem ersten Jahresbericht an ihre Mitglieder herantreten. Er wurde von der Leiterin, Frau k. Oberbahnverwalter Blach, erstattet. Ihre Darlegungen bewiesen, daß die ideellen und materiellen Ausgaben, welche sich die neue Bereinigung gestellt hatte, in hervorragender Weise gelöst wurden. Die vorgeführten Zahlen der ins Feld gesandten Lebens- und Genußmittel, ferner der Liebesgaben an Wollsachen, wie Hemden, Unterhosen, Socken, Leibbinden und was sonst zur völligen Ausrüstung unserer Soldaten nötig ist, redeten eine deutliche Sprache von der mit Liebe und Sorgfalt geleisteten Arbeit. Neben einer stattlichen Reihe einzelner Feldgrauer wurden auch ganze Truppenteile mit Gaben bedacht und selbst für die notleidenden Ostpreußen konnte eine ansehnliche Sendung abgeliefert werden. Die Unterstützung bedürftiger ortsanwesender Frauen wurde gefördert durch Zuweisung von Heimarbeit, die aus den freiwilligen Geldspenden angemessen vergütet wurde. In der an den Rechenschaftsbericht sich anschließenden Aussprache wurde sowohl von der Vorsitzenden des Frauenvereins, Frau Rosa Gtmbel, als auch von Frau Melanie Meyer, sowie von Herrn Kultusvorsiand KommerzienratWolst und Herrn Lehrer Wetzler die segensreiche Wirksamkeit der Krtegsnähstube rühmend anerkannt und mit aufrichtigem Dank an Frau Berta Mach, deren vortreffliche Leitung über jedes Lob erhaben ist, beschloß man die harmonisch verlaufene Versammlung. VereiMachrichlen. Berlin, 3. Dez. In der Borstandssttzuna des „Jüdischen Frauenbundes" wurde ein Antrag von Frau Helene Meyer angenommen, der eine O rganisation der erwerbenden Frauen als notwendig bezeichnet. Die Organisation soll, wie die Antragsstellerin bemerkt, den erwerbenden jüdischen Frauen jeder religiösen Richtung gerecht werden. Die Frauenarbeit in Polen sei zurzeit abgelehnt worden. Der Bund will synagogale Einrichtungen einer bedürftigen ostpreußischen Gemeinde herzustellen unternehmen. Vnefkafien. M. I in L. Wenden Sie sich an die „Agudas Jisroel" in Frankfurt a. M. und an den Hilfsverein der Deutschen Juden in Berlin. Sabbat-Anfang «. Ausgang. G « Ti Anfang Datum Ausgang I Mr Min. 19151 5676 Uhr /Min. 10. 3. Frankfurt a. M. 4 — Dez. Tebet 5 15 Berlin .... — — — — München . . . 4 15 5 07 Gtraßchnrg . . 4 80 5 20 Stuttgart. . . 4 30 5 11 Bosen .... — — — — Nürnberg. . ° | - — — Hamburg. . . 1 — — — Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Per 1. Januar suche ich für mein Manusakwr- und Tamenkonsektionögeschäft eine tüchtige Verkäuferin. Off. mit Gehaltsansprüche unt. I. 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Stenotypist in vier Sprachen, bilanzsicherer J*uchh«lt©**, suclit (Stellung, wo Samstag und Feiertage frei. Prima Referenzen. Gefl. Briefe unter 11323 an die Expedit, ds. Bl. Junger Mann, 1'.» I. alt, sucht Steilung in einem Maunfaktnrwarengesch. Eintritt kann p. 1. Februar erfolgen, eventl. auch früher. Off. uut^B. H. 11237 an d. Exp. d. Bl.