Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 51 (9.12.1915)
- Date
- 1915-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der ISraelit. 8. Dezember 1915 rantreten, bevor die geeigneten Kandidaten zur Gemeinderepräsentanz („Dozoren") ausfindig gemacht und gesichert sind. Bet der Bestimmung der Kandidaten müsse die Parole maßgebend sein: „Nieder mit den Stummen und Krummen!" Es dürfen in keinem Falle Wtrrköpfe und „Schweiger" zu Repräsentanten gewählt werden, die für jedes Ansinnen der Rädelsführer der Gemeindeverwaltung zu haben und unfähig sind, die wahren Interessen der jüdischen Bevölkerung wahrzunehmen. 3. Falls ein Block mit den Nationalisten zustande kommt, müsse die Kandidatur des Herrn Färb st ein unterstützt werden. Es gelangen darauf noch mehrere andere wahltechntsche und persönliche Angelegenheiten zur Besprechung, worauf die Beratung geschlossen wurde. Warschau, 28. Nov. Das Kaiserlich Deutsche Arbeitsamt in Warschau hat bisher 7000 Arbeitern Beschäftigung in Deutschland verschafft, davon war die größere Hälfte Fabrikarbeiter. Für Bergwerke wurden 3000 Personen verpflichtet. Die Arbeiter werden dreimal wöchentlich nach Deutschland befördert. Eine Fabrik in Deutschland, deren Besitzer ein Jude ist, verpflichtete 600 Arbeiter, ausschließlich Juden. Wetrikau, 2. Dezember. Hier hat vor einigen Wochen die feierliche Einweihung von vier konfessionellen Soldatenfriedhöfen stattgefunden, bet welcher Gelegenheit Herr General Barth, der Gouverneur von Lodz, und Oberst Schneider Ansprachen hielten. Auf dem jüdischen Friedhofe sprach Oberst Schneider folgende Worte: „In der aufopfernden Begeisterung für Kaiser und Reich wetteifern unsere Soldaten aller Glaubensbekenntnisse. An manchen unvergänglichen Heldentaten haben auch die jüdischen Kameraden ruhmvollen Anteil genommen. Darum beugen wir uns auch vor diesen Heldengräbern und Sie, meine Herren von der jüdischen Kultusgemeinde in Petrikau, denen die schöne Pflicht obliegt, dte Gräber Ihrer aus dem Felde der Ehre verstorbenen Glaubensgenossen pietätvoll zu erhalten, seien Sie dessen stets eingedenk, daß, die hier ruhen, mit ihrem Herzblute mithalfen, Euch vom russischen Joche zu befreien und Euch mit der bürgerlichen auch dte religiöse Freiheit zu bringen. Ruhet in ewigem Frieden!" Lodz, 28. Nov. In der gestrigen Sitzung der jüdischen Gemeindeverwaltung wurde beschlossen, einige Kohlenverkaufsstellen zu eröffnen, wo dte arme jüdische Bevölkerung einen halben Zentner Kohlen für 1 Mark erhalten wird. Zur Durchführung dieses Planes wurde eine Kommission gewählt, die sich beim Magistrat um die erforderliche Genehmigung bemühen wird. Sodann wurde der Beschluß gefaßt, dem Warschauer Erzbischof für die Ueberweisung von 10,000 Rubel aus dem ihm zur Verfügung stehenden Fonds für dte Verpflegung völlig mtttelloser jüdischer Kinder der Stadt Lodz zu danken und auch dem General- Vikar Przezdzieckt für seine gütige Vermittelung den Dank der Gemeinde auszusprechen. Zgierz, 29. Nov. Der Kampf gegen das Analphabetentum wurde hier mit ganzer Energie ausgenommen. Vor dem Kr'ege gab es hier 14 polnische, 5 deutsche und 3 jüdische Schulen. Jetzt find, obwohl die Bevölkerungszahl der Stadt zurückgegangen ist, folgende Schulen tätig: 21 polnische, 4 mariawitische, 8 deutsche und 5 jüdtsche. Oesterneirh'Urrgervrr. Dringende Gegenroarfsaufgaben in Polen. Wie«, 25. Nov. Die „Jüdische Correspondenz" druckt unseren unter obiger Überschrift in Nr. 47 erschienenen Leitartikel ab und bemerkt hierzu: Indem wir den obigen Artikel reproduzieren, der sich hauptsächlich mit den Verhältnissen in den unter deutscher Okkupation sich befindlichen Gebieten Polens besaßt, möge bemerkt werden, daß auch dte Verhältnisse in den unter österreichisch-ungarischer Okkupation befindlichen polnischen Gebieten ähnlich, sind und daß auch die dortige jüdische Bevölkerung einer breiten Hilfsaktion benötigt. Die Befreiung der nerfchleppfen galijifthen Rabbiner* Wien, 29. Nov. Mehrere der in Wien weilenden galiztschen Rabbiner haben unter Führung des Herrn Abgeordneten Dr. von Loewenstein eine Aktion unternommen, um die Befreiung der von den Russen bei ihrem Abzüge aus Galizien verschleppten Rabbiner im Austauschwege zu erwirken. Dte Aktion hat bei den maßgebenden Kreisen vollen Anklang gefunden. Wie man ferner erfährt, hat sich auch der Verba nddergalizischenJudenin Nord- Amerika an Präsident Wilson gewandt, damit^ dieser bei der russischen Regierung in der Sache vorstellig werde. Aus den Gemeinden. Budapest Die orthodoxe Mensa entwickelt in diesem Winter eine erfreulich segensreiche Tätigkeit. Trotz der Teuerung und des Umstandes, daß die meisten leistungsfähigen Mitglieder der Gemeinde durch den Kriegsoienft von ihrem 'Heim entfernt nicht zu den Kosten dieses Jnstimts vertragen können, erhält sich diese Anstalt durch die bewunderungswürdige Opferlust der Guten und Frommen unserer Gemeinde. Hunderte finden ihre einzige Lebensquelle In der Mensa und groß ist die Zahl derer, die um den Preis von 2ü Heller ein schmackhaft kräftiges Mittagessen empfangen. Dudtpest. Die vom Hosrat Franz von Szekely angeregte Idee der Versorgung verwaister Kriegskinder jüdischer Helden ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Es zeigt sich ein weites Interesse für dieses gute Werk und es haben sich viele Famii en gefunden, die bereitwillig diese Kleinen adoptierten. Z. B. A. Budapest. Das nngarisch-jüdische Museum in Budapest hat dieser Tage eine interessante Bereicherung erfahren. Rabbiner Dr. E. Adler schenkte ihm eine Trommel, die zwei jüdische Zugsführer bei Ravaruska erbeuteten. Dieje Pauke trägt den Stempel echtrussischer Kultur unverwlscht aufgedrückt und verkündete mit jedem Trommelwirbel den Barbarismus der haibasiatischen Horden. Die Trommel ist aus Pergament das aus zerschnittenen Thorarollen gewonnen wurde. Deutlich zu lesen ist darauf die Geschichte des Auszugs aus Mizrajtm. Die Schläger verkündeten den stürmenden Bestien alle Plagen und Flüche, die die Aegyprer erdulden »rußten, als sie das nach Befreiung und Menschenrecht lechzende Volk in Sklavenketten drückten. Mit „Wajnahagehu bikwedus" schließt das Trommelfragment symbolisch ab, um unserer stolzen Armee das Stichwort zur tüchtigen Arbeit weiter zu diktieren. Z. B. A. Eperjes. Rabbiner Samuel Rosenberg, der HunSdorfer Gaon, erließ als Präses des „Machsike Hadas"-Distrikts des Komitee Saros-Abanj-Kepes- Zemplen-Gomor Bordes einen flammenden Aufruf an die gesetzesneue Judenheit dieses Gebiets, der Größe und dem Ernst der Zeit entsprechend sich würdig der großen Traditionen des überlieferten Judentums zu erweisen. Es gebe in der Geschichte kein Beispiel dafür, daß ein gesetzestreuer Jude seine Treue dem Staate gebrochen harre. Unsere Loyalität ist uns nicht nur Gefühlssache, sondern heiliges göttliches Gebot. Der Hilferuf des Staates muß einen Widerhall in unserer Seele finden. Wenn wir jetzt unsere Liebe zum Vaterlande mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzen» Vermögen bekunden, werden dte spätesten Geschlechter mit Stolz auf uns zurückblicken. Versäumen wir diese elementare Pflichterfüllung, so haben wir damit einen katastrophalen Fehler begangen, der nicht gut gemacht werden kann. Die Kanzel und die Schute, die Synagoge und das LehrhauS fei jetzt in den Dienst dieser Propaganda gestellt. Gottes Segen begleitet und krönt all das Tun derer, die in diesen tragischen Stunden zur Rettung und Ausrichtung des Vaterlandes beigetragen haben. Z. B. A. Slüchflingshiife in Petersburg. Zkelersvnrg, 20. Nov. Entsprechend dem Beschluß der Konferenz der Jüdischen Hilfskomitees verschickte das Zentralkomitee tn Petersburg ausführliche Fragebogen an verschiedene jüdische Gemeindeverwaltungen und einzelne Personen außerhalb des Ansiedlungsrayons, um festzustellen, welche Etnwanderungsmögltchkeiten für die jüdischen Flüchtlinge jede einzelne Stadt bietet. Der bisherige _Ko. S1 Sette 5 wirre Andrang der Flüchtlinge bewirkte es, daß z. B. in Pensa gleichzeitig 12,000 jüdische Flüchtlinge zusammenströmten, die dort unmöglich alle untergebracht werden konnten, sodaß eine ganze Anzahl später nochmals evakuiert werden mußte. Die Beantwortung der Fragebogen hat es aber jetzt dem Komitee ermöglicht, für eine beträchtliche Zahl von Flüchtlingen eine verhältnismäßig sichere „Heimat" zu finden. So haben sich bereits jetzt von jüdischen Familien in Kasan 550, in Orenburg 400, in Charkow 1200, in Sarajsk 500 u. a. m. niedergelassen. Zusammen 15,000 Menschen, hauptsächlich Arbeiter und Handwerker. In Bobruisk befinden sich gegenwärtig bis 70,000 jüdische Flüchtlinge aus den Cholmer, Lubliner und Grodnoer Gouvernements. Sie sind zum großen Teile in den Synagogen und öffentlichen Gemeindehäusern untergebracht. Die gefährlichen iüdifchen Seitungen. Stockholm, 22. Nov. Armeesührer General Rußki sucht durch Juden Hetzer der russischen Zeitströmung gerecht zu werden: Er hat soeben „wegen gefährlicher Richtung" acht in jüdischer bezw. hebräischer Sprache erscheinende Tageszeitungen für die ganze Dauer des Krieges verboten. Das Originelle dabei ist die Tatsache, daß von diesen acht Blättern nur zwei erscheinen, wahrend die Herausgabe der sechs übrigen erst geplant wird und von der obersten Zensurbehörde gestattet worden war. J.M. Moskau (indirekt), Mitte November. An der Rigaer Universität, die zur Zeit in Moskau domiziliert, ist die Prozentnorm für Juden aufgehoben worden. Unter einer Gesamtzahl von 1200 Studenten befinden sich 700 jüdische Studenten. England. Jüdifche Kriegsopfer. J.M. London (indirekt), 20. Nov. Diese Woche fand hier die Grundsteinlegung des Jüdischen Hospitals statt. Dte dritte jüdische Verlustliste, die „Jewish Chronicle" veröffentlicht, verzeichnet die Namen von 56 jüdischen Offizieren und Soldaten der englischen Armee als gefallen. Oie Gesdiidite der kleinen Fliege Ein Heine Koninn von Doris ^Zittner Ein lebensstnrhcs und außergewöhnliches Buch voll Glut und Schönheit, ein Kulturgcmalde aus der Zeit der Romantik, in dem eine Erzählerin von hoher Künstler- SC helft den Dichter Heinrich Heine und das seltsame Schicksal einer Frau in den brennendsten Farben malt. Preis des soeben erschienenen 475 Seilen umfassenden 5nd)es in gesdnnadivoller Ausstattung mit litcl/eklmung von Hermann Struck geheftet 4 Mark, gebunden 5 VieltIc. Zu beziehen durdi alle Buchhandlungen Verlag GrethleinäxCo. G. m.!>. H. Leipzig