Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 50 (2.12.1915)
- Date
- 1915-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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s. Dezember 1915 __ biblischen Festen anschließen. ihrer Bedeutung das Wort. Gehört doch Purim stets dem Monde, der Pessachfeste unmittelbar vorangeht und schreitet somit der Feier der Freiheit, welche die Feste des Jahres eröffnet, mit der Botschaft Voralls, daß <Äott sein Volk nicht allein wie ernst aus Egypten, aus den ehernen Ketten der Knechtschaft zu erlösen, sondern anch mitten im Leide auf wunderbare Weise zu erhalten vermag. Und folgt ja Chanukka h den: Sukkothseste, der Schlußfeier des Jahres, in solch innigem Zusammenhänge, daß die Hasmonäer es unter dem Eindrücke des' Chanukkah-Erlebnisses bei ihren in Egypten wohnenden Brüdern unter anderm mit den Worten einführen konnten: Und feiert es (das Chanukka hfest) wie die Tage des Su kko thfestes! Wollen wir der Spur des Gedankens nachgehen, der die Beziehung von Sukkoth und Chanukkah wohl in sich birgt, so weist uns der Kompaß des jüdischen Festkalenders den Weg. -t- -sc $ Zum Schlüsse der Sidvoh Pinchos bemerkt R. Lewi: „Gott Wollte Israel in jedem Monate ein Fest schenken; so gab Er ihm Nissan Pessach. im Jjar das Ersatz-Pessach, und im Siwan Schewuoth; für Tamus plante er ein großes Fest, doch Israel verfertigte in diesem Monat das goldene Kalb und so gingen Tamus, Aw und Elul leer ausi, bis der Tischri kam und ihm Rausch Haschionvh, Jaum Kippur und Sukkoth gab. Da sprach Gott zu Israel: „Andere Monate ersetzt der Tischri, für sich selbst nimmt er nichts!" Und Israel erwiderte: „So gib ihm seinen Tag, den Schemini 'Aszereth!" Im festlichen Rahmen frohbewegter Tage wollte Gott also allmonatlich seinem Volke eine besondere Spende seiner Gnade zuteil werden lassen. In jedem Monate sollte ihm eine neue Himmelsfracht reifen und die Erinnerung daran alljährlich im Feiergewande wieder aufleben. Drei Monde standen schon im Zeichen solcher Gottesfeste und enthielten in Pessach urtdSchew'wth, in der äußeren Freiheit und der göttlichen Lehre dasAusmaß der Mittel, deren Einzeln r und Völker zur Erreichung ihrer hieniedigen Bestimmung und des daraus erblühenden Glückes bedürfen. Da sollte ihm im vierten Monate noch ein besonderes Fest beschieden seia, vielleicht ein Fest, das die Harmonie der äußeren und inneren Freiheit von Pessach und Schewuoch wiedergespiegelt,- ein Fest/das der Empfindung der Getreuen entsprochen, die am Pessach unter Gottes Führung aus der egyptischen Sklavenschaft gezogen und am Schewuoth am Sinai willig dem Gottesrufe das Ohr geliehen; ein Fest, das der Welt im heitern, gehobenen Wesen der Menschen die Wirkung des göttlichen Wohlgefallens gezeigt, das sich denen unfehlbar zuwendet, die Pessach gleich ihr Geschick aus Gottes Hand in Empfang nehmen und dem Geiste des Schewuoth gemäß, alle Gebiete des Lebens den Anforderungen des' göttlichen! Gesetzes unterwerfen; ein Fjest, das in den auserwählten Tagen der voraufgegangenen Monde gewurzelt, einem Menschenkreise gegolten, der an ihm in paradiesischer Wonne die Atmosphäre des göttlichen Wohlgefallens geatmet; ein Fest, an welchem Gott nicht erst seinem Volke die Freiheit und das Gesetz seines Lebens erteilt, sondern mit seinem Segen bei ihm weilt, Himmel und Erde ihre Vermählung feiern läßt, den Menschen von Leid und Sorge befreit und ihn mit ungetrübtem Glücke und Frieden beseligt, weil er selbst mit ihm feierlich im Bunde steht. — * * * So sollte vielleicht das große Fest beschaffen sein, das nach R. Lewis Ausspruch Israel im Tamus zu erwarten gehabt hätte. Es sollte die beiden weihevollen Feste,, die Israel Wn sein eigen nannte, bis! zur Vollendung krönen; doch Israel verirrte sich beim goldenen Kalbe- und die Krone entschwand, noch ehe sie ihren Erkorenen geschmückt.^ Hatte die strafende Mer des vierten Monats, die Gott nahe Beziehung deS Menschen verherrlicht, so war Israel jetzt von der idealen Stufe, die ihr als' Voraus- L« ALraelit. setzung dient, hinabgesunken. Hatte es doch dem Bundesverhältnisse Gottes zu seinem Volke geradeswegs zuwidergehandelt, indem es einem Götzenbilde gehuldigt, vom litten Wahne betört, der Mensch bedürfe in seiner Beziehung zu Gott eines Bindegliedes in der Gestalt eines körperlichen Vermittlers. An den Ursprung seines Werdegangs zurückgesetzt, wo noch kein göttliches Fest es auf dem Pfade seines Lebens begleitete, verbrachte es jetzt die gleiche Anzahl Monate, die bereits mit einem Feste ausgezeichnet waren, ohne feierlich gehobene Stunden. Den festlichen Nissan Jjar und Siwan folgten Tamus, Aw und Elnl ohne Fest. Ms sie aber zu Ende gegangen, regte sich wieder die göttliche Gnade und erteilte Israel die drei entbehrten Feste in einem Monate vereint. So erschienen im Tischri Rausch- Haschonoh, Jom Kippur und Sukkoth, und der Gedanke, der sich durch diese Festesgruppe zieht, stimmt mit der Lehre zusammen, die Israel tu Pessach und Schewuoth besaß — und die in dem durch Israel verscherzten Tamus-Feste zum Ausdruck gelangt wäre. Hier wie dort treffen wir den gleichen Grundgedanken, nur die Form ist in den Tischri-Festen eine andere geworden; sie ichmiegt sich der Stufe an, auf der sich die Volksseele infolge der Verirrung beim goldenen Kalbe befand. Wie sich am Pessach Gott üb.r den Häuptern unserer Ahnen als Lenker des Geschickes aller Menschen bekundete, so sitzt er am Rauschi-Haschonoh über die Menschheit ru Gericht. Am Schewuoth tönte unseren Vätern am Sinai das Zehnwort als Grundlage der ganzen Tauroh, — und am Jom Kippur trat Moschieb vom Bergesgipsel in den Kreis des Volkes mit den zweiten Gesetzestafeln. Das Fest des vierten Monats schließlich hätte dem Pessach - Geschick und der Schewuoth-Pflicht den Kranz der Vollendung geflochten; indem es die göttliche Zuftiedenheit im Bunde mit dem menschlichen Glücke verherrlicht, und das Fd st, den: die Gnade Gottes diese Güter nunmehr einfügt, ist Sukkoth, das im Lulowstrauße den Menschen im Frieden mit der Natur zeigt, weil er sie aus Gott begreift und ihm allein unterordnet und das in der Sukkoh den Frieden unter den M e n - schen feiert, die ihr ganzes Leben der göttlichen Leitung anheimgeben. Bezeichnet aber Natur und Menschenwelt den Umsang der dem Menschen zugänglichen Gebiete und waltet in ihnen wahrer Friede^ so herrscht hienieden überall jenes.Glück, das die wahre, am Sukkoth ausgesprochene Freude vor Gott erzeugt. Es ist die ungetrübte Freude der Menschen, in welcher Gott seine Befriedigung findet und die aus diesem Grunde die Blüte des Menschmideals bildet. Die Freude selbst spiegelt sich im Sukkoth-Jeste wieder, und das Wahrzeichen der göttlichen Zufriedenheit ist der Schemini Azereth. Wie herrlich, weiß R. Lewi diesen Gedanken zu schildern! Israel ist von der Güte Gottes überwältigt, die ihm trotz seiner Verfehlung auf einmal wieder das Füllhorn des Segens gereicht und kann die Freuden der ihm aufs neue gewährten Festzeiten nur dann als vollkommen betrachten, wenn auch'Gott — s. v. v. — sich wenigstens ein einziges Fest gönnt. „Du hast mich erfreut", denkt es, „so gib mir die Gelegenheit auch dir eine Festesfreude zu bereiten". Und Gott erwidert: „So bleibe denn nach den sieben Sukkothtagen deiner Freude noch einen Tag an der sichtbaren Stätte meiner Herrschaft. Mein. Fveude ist dein Verweilen bei mir, ist deine mir zugewandte Treue, die mich in den Stand setzt, dir Mein'Wohlgefallen zu bezeugen." Freilich ein Gedanke von weltumspannender Bedeutung! Die sieben Sukkothtage, die gottergebene, zur Freude erblühende Menschenarbeit i.' Natur und Menschenwelt — und mit ihnm im Bunde Schemini Azereth als Ausdruck der Befriedigung Gottes! Die Vollkommenheit der hieniedigen Zustände, mit allem Glück, die sie in sich faßt, die als Frucht der Pessach- und Schewuothgedanken vielleicht schon im Tamus sinnfällig rm Rahmen einer entsprechenden festlichen Veranstaltung in die Erscheinung zu treten Kr. 60 Sette U bestimmt war wachst jetzt aus dem Boden empor, den Rausch Haschonoh und Jom Kippur bereiten, wenn Israel ihre Lehren im Leben bewährt, -- und das Merkmal, in welcher sich diese Vollkommenheit ausprägt, lautet': 7 > 1 - 8 Sukkoth Schemini Azereth — Jüd. Ideal Menfchentat Göttliche Zufriedenheit * * * Zeiten vergingen. Da bat der Tempel, die vorzügliche Stätte Der Gottesgegenwart, ein beklagenswertes Schauspiel dar. Seine Hallen waren vom Götzenoienst entweiht, und als Die Häsmonäer, die vorbildliche Priesterfamilie, die inmitten der weitverbreiteten Verirrung b& Volkes dem göttlichen Gesetze die Treue bewahrt, unter Gottes Beistand auf der Wahlstatt des Kampfes über die griechischen Eindringlinge den Sieg davongetragen, fanden sie bei der Säuberung des Tempels von der heidnischen Unreinheit für den vorgeschriebenen täglichen Lichtecdienft nur ein einziges Krüglein Oel, dessen winziger Inhalt nur für den Bedarf einer Nacht genügte. Bekannt ist das Wunder, das dann geschah, und dessen Erinnerung den Kern des Chanuckahfestes bildet. Das wenige Oel, das noch in der erforderlichen Reinheit aufgefunden worden, reichte für die Zeitdauer von acht Nächten. bis neues Oel für den Tempelleuchter bereitet war. Jst's da bloß ein Spiel des Zufalls, wenn oas Wunder die in Betracht kommende Zeit gerade zu einem Kreise von acht Tagen vollendet? Oder dürfen wir nicht vielmehr in der wunderbaren Fügung die Wahrheit erkennen, daß Gott selbst in entarteten Zeiten, in denen weite Kreise ihm den Gehorsam verweigern, das Ideal Israels nicht preisgibt? Im Zusammenwirken Gottes und Israels hatte urch das Sukkothsest dieses Ideal vor Augen geführt. In sieben Tagen bewußtvoller Erfüllung der göttlichen Gebote hatte es die Menschentat und die aus ihr emporwachsende Freude gezeichnet und ihnen al§ Krone der Vollendung im Schemini Azereth das göttliche Wohlgefallen beigesellt. Jetzt aber^ in den Zeiten, welche die Hasmonäer zum Kampfe für die Tauroh auf den Plan riefen, war der Rest des Volkes, der noch dem jüdisc^n Ideale huldigte, an Anzahl so winzig, daß sein Wirken für dasselbe nur noch der geringsten Leistung entsprach gleichwie das für den Leuchter, den sinnbildlichen Träger des Taurohgeistes, reingeb liebe ne Oel nur noch den Anforderungen einer einzigen Nacht zu dienen vermochte. Wie aber Gott dann hier dem Oele die Wunderkrast verlieh, acht Rächte lang dem Heiligtume Licht zu spenden, so ergänzte Gott aus wunderbare Weise die auf Eins hinabgesunkene Kraft der wenigen Getreuen, daß sie die Wiederherstellung des der 'Achtzahl entsprechenden Ideals erreichte. Hatte sich das Fdeal im Sukkothfestt: in dem Merkmale gezeigt: 7 + 1 8, Menschen tat Gottes Segen so sichert ihm Chanuckah in der Zeitformel Bestand : 1 + 7 — 8. Menschentat Gottes Segen Die Endsumme, das Ergebnis bleibt; nur sie Summanden wechseln. Das Endziel Israels bleibt gesichert. Gilt hatte uns dazu auserkoren, durch unsere Leistungen den weitaus größten Teil zur Verwirklichung seines Willens, zur idealen Ausgestaltung aller irdischen Verhältnisse beizutragen und dann wollte Er unser Wirken mit seiner Gegenwart und seinem Segen krönend vollenden. Jetzt abrc leiht Gott der winzigen Arbeit des treu gebliebenen Restes so lange seine wunderbare Kilfe, bis das Ideal erreicht dasteht. * * * Es ist nun recht bezeichnend, daß sich das Chanuckah-Wunder in dem Zeitabschnitte ereignete welcher der großen Zerstreuung Israels über alle Erdteile voranging. Wohl ragte der Tempel noch auf der Mortahöhe, aber in seinen Grundfesten war er schon ins Wanken geraten. Tie heilige Lade mit den Gesetzestatzm, das