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Der Israelit · 1915-12-02 · Heft 50 (2.12.1915) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 50 (2.12.1915)
Date
1915-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 5Tr. 50 9. Le-««!« IttLft I I % I i Lorrespondenzen und Aachrichien Deutsttzes Keirtz. „In dielen Tagen, in Sieker Seit “ Ar-«Kf«rt <t. M, 25 Oft. Dem hier weilenden Vertreter der Deut f chhslländi schon Palästinav erwaltung ging ein Schreiben des Palästinabüros in Jerusalem V0M 25. Oktober 1915 zu, dem wir fcU gtnoes entnehmen: .... Die Entschließung, daß das Budget inr die Notküchen nicht erhöht weroen kann, und daß möglicherweise sogar eine Reduzierung eintrete!! könnte, hat auf uns erschütternd gewirkt. Unmöglich können wir diese drückende Belastung ertragen. Sie wissen am besten, daß auch irr normalen Beiten 3000 Portionen täglich auch bei regelmäßiger Mehlverteilung durchaus nicht genügen. Der Gedanke, „3000 und nicht mehr", ist fürchterlich. Mit jedem Tage und jeder Woche vermehren sich die Hungernden, denen wir, wenn wir es imstande wären, unser Herz uno unsere Seele geben müßten, nur um die Tränen zu trocknen und den Hunger einmal am Tage zu stillen. In diesen Tagen, in dieser Zeit! Jeder, der mehr hat, als was er für sich und die Seinen braucht, müßte regelmäßig seine Gabe geben, um den furchtbaren Hunger zu bekämpfen. Und nun erst die Erez- Jsroel-Verwaltung selbst! Ihr ganzes Sinnen und Trachten müßte darauf gerichtet sein, die Notküchen, die Niehluub Lebensmittelverteilunz und die monatlichen Notgehälter fortwährend auszugeftalten. 10000 Menschen hungern noch in Jerusalem! Die Mehlverteiluug unk Volksküchen der Deutsch-Holtändischen Palästina-Verwaltung unter Leitung des Irl. Dreyfuß müssen in Jerusalem allein täglich auf 10000 Portionen Brot und eilt warmes Gericht gestellt werden; für diese Sache allem müßten überall Spezialaktionen eingeleitet werden. Solange dies nicht ausgeführt ist, haben Wir kein Recht, beruhigt zu fein. Nur noch die Hoffnung, von Ihnen bald ein Telegramm zu erhalten, daß cs so geschieht, und daß Sie selbst Mit reichen Mitteln versehen, bald zurückkehren, gibt uns noch die physische Kraft, aus dem Posten auszuhalten. Sonst müßten wir unter der 'Arbeit und Sorgenlast zusammenbrechen. Wie leiden wir darunter und wie schwach sin? wir für diesen Jammer! Möge der himmlische Vater unser Eleno sehen und Barmherzigkeit über Jerusalem ausschütten! Herr Dr. Auerbach war Sukkos in Jerusalem uno war so erschüttert, daß er mir sagte, sein .Herz sei sehr beklemmt, eine Mngstlichkeit überfalle ihn, wenn zz die M enschen sieht. Und dabei befand er sich im Schaare-Zedek-Hospital unter verschlossenen Türen, und unangemeldet konnte keiner zu ihm kommen. Wenn die Armenspeisung nicht in <.em erforderlichen Maße erhöht wird, oder wenn die Mehlverteilung bezw. die monatlichen Notgehakter — was Gott behüten möge — reduziert werden müßten, so wäre es unmöglich, in dies-c schweren Stunde durchzuhalten, und Sie werden Der Israelit auch den Riesenmann nicht finden, der die Arbeit in diesen täglichen „Schlachten" um ein Stt'ick Brot übernehmen könnte, ohne in Ohnmacht >usammenzusiuken.... verein zur ttbwekr Ses vnMemMsmus. Uertiu, 29. Nov. Der „Verein zur Abwehr des Anttsemilisn:as" hatte seine diesjährige M i t g l i e d e r v e rs a m m lung zum 26. November nach Berlin eiuberufeu. In der unter dem Vorsitz des Mg. (hotHein tagenden Versammlung wurde der Geschäfts- und der Kassenbericht erstattet. Die hieran anschließende Aussprache ergab allerseitige Uebcreinstimmnng darüber, daß der schöne Geist der^ Verträglichkeit und Versöhnlichkeit, der zu 'Anfang des Krieges geherrscht, leider vielfach schon verflogen sei, daß die bösen Leidenschaften, von der vaterländischen Begeisterung nur fürkurze Zeit gebändigt, wieder nach Betätigung drängen. Bon einem bekannten Publizisten wurde die Aufsehen erregende Mitteilung gemacht, daß nach einer ihm von vertrauenswürdiger Seite aus konservativ-agrarischer Quelle zugegangenen Information, die politische Richtung und Weltanschauung, deren Zurückdrängung der Verein in erster Linie sich zur Ausgabe gemacht hat, nur auf den Augenblick wartet, wo die Schranken der Zensur gefallen sein weroen, um in Deutschland aufs neue eine skrupellose Hetze gegen unsere jüdischen Mitbürger zu entfesseln, uno zwar als Antwort auf die mehr oder minder berechtigten Angriffe, die vielfach wegen der allgemeinen Lebrnsmittelteuerung gegen einen großen Erwerbsstand in der O eff entliehteil erhoben worden sind. Es kam ferner zur Sprache, daß trotz des nicht zu bezweifelnden objektiven Bestrebens der Zensur, die Heißsporne aller politischen Parteien zu zügeln, die bedauerliche Tatsache zu verzeichnen sei, daß ein bchnntev Fanatiker verstiegener Rassentheorien, übrigens kein Deutscher von Geburt, in Kriegsanssätzen, die in vielen hunderttau senden von Exemplaren verbreitet werden, und die unter Benutzung eines eigenen Feldpostdienstes auch in großer Anzahl unseren kämpfenden Soldaten zugehen, sich an den innerpolitischen Burgfrieden nicht kehre,. nach wie vor einen gefährlichen Rassenhaß predige, und die oberste Volksvertretung des Deutschen Reiches, den Reichstag, in unerhörter Weise beschimpfe. Die turnnsgemäß ausschcidenden Mitglieder des Ausschusses wurden ebenso wie der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren Mg. Bergrat GotHein, Geh. Rat Pros. Dr. Wilhelm F o erster, Landtagsabg. Landgerichtsdirektor K a n z o w, Reichstagsabg. Rittergutsbesitzer Roland-Lücke undRechlsanwalt Dr. Baerlval d - Frankfurt a. M. wiedergewählt. Anstelle des wegen hohen Alters aus dem Vorstand ausscheidenden, seit Begründung des Vereins ihm angehörenden Frankfurter Vorstandsmitgliedes Stadtrat Flinsch, wurde Stadtverordnster Justizrat Dr. Max G ehrte in oen Vorstand gewählt. —ess—: Aus Sen okkupierten vebleten. Lodz, 20. Nov. Die Bevölkerung der Stadt Lodz beträgt nach einer von der deutschen Verwaltung bewirkten Zählung 423.035 Köpfe. Dabei sind die Bewohner des Vorortes Valuty nicht mitgezählt, ebenso nicht die zum russischen Heeresdienste eingezogenen Männer. Außerdem sind 251.193 Lodzer Einwohner schon seit län-;erer Zeit von Lodz abwesend. Katholiken wur- )en gezählt 210.815, Protestanten 52.234, Juden 155.992 und Angehörige anderer Bekenntnisse 3131. Der Abstammung nach haben sich eingetragen als Polen 217.385, als Deutsche 48.772, als Juden 153.817 und als Angehörige anderer Nationalitäten 3131. Lodz, 21. Nov. Die hiesigen Gerrer Ehassidim haben eine Kooperativ-Genoffenschaft gegründet. Warschau, 22. Nov. Der Gemeindevorstand, dessen Amtsdauer in diesem Monat zu Ende , --- ■■■■*! T 1 111 ' geht, hat sich zunächst an die Stadtverwaltung und alsdann, als diese sich inkompetent erklärte, an die deutschen Behörden gewandt mit der Frage, ob Neuw ahlen stattftnden sollten. Die Behörde hat, wie nicht anders zu erwarten, die Entscheidung dieser Frage selbstverständlich der autonomen Entschließung der Gemeinde anhetmgestellt, die ihrerseits beschloß, von Neuwahlen während der Krtegszeit abzusehen. Man darf begierig sein, wie sich unter der neuen Herrschaft die Verhältnisse in der Gemeinde gestalten werden, in der zurzeit ungefähr 4000 Steuerzahler Wahlrecht haben, wahrend selbst bet Anwendung des städtischen Zensus ein Wahlkörper von mindestens 20,000 Zensiten vorhanden sein müßte! Wird einmal diese Wählermasse in Bewegung gesetzt, so darf man sich auf außerordentlich starke Wahlkämpfe, aber auch auf die Entfaltung frischen Gemeindetebens gefaßt machen. Die Zionisten sind außerordentlich rührig. So ist jetzt eine sogen. Jugendzentrale, mit anderen Worten eine zionistische Jugendorganisation hier gegründet worden, die in Anwesenheit der verschiedenen nationalistischen Führer ihren Eröffnungsabend abhtelt. Vorige Woche hat Staatssekretär vonJagow der polnischen Hauptstadt einen Besuch abgestattet, u. a. sprach er auch im jüdischen Gemetndebüro vor, um seine Visitenkarte abzugeben. Zckulverorgnungsblatt für Polen Warschau, 14. Nov. Aus dem in einigin Tagen erscheinenden Schulverordnungsblatt für Polen Nr. 2 sind die hiesigen Zeitungen sihon heute in der Lage, die wichtigsten Teile zu veröffentlichen. Die Verordnung über die Einrichtung des Unterrichts in den Volksschulen setzt zunächst die Lehrgegenftände fest, nämlich Religion, Sprache (Sprechen, Lesen und Schreiben), Rechnen und Raumlehre, Geschichte, Geographie, Naturkunde, Gesang, Zeichnen, Turnen und weibliche Handarbeiten. Uebersichtlich ist die Lehrstundenverteilung für ein-, zwei-, drei- und mehrklassige Schulen dargestellt, für die klare Stundenpläne festgelegt sind. Zur sorgfältigen Pflege der Heimatkunde ist für jede Schule eine Hetmatkarte von Polen erforoerlich, deren Herstellung von der deutschen Zivilverwaltung veranlaßt worden ist, wie auch jedes Kind im Besitze eines Liederbuches sein muß. Die Ferienverteilung ist nach deutschem Muster festgesetzt, lieber die Ehederschule bleibt eine besondere Verordnung Vorbehalten. Die Jargonfrage in der Fabrikinspektion wurde, wie der „Dzien" jüdischen Zeitungen entnimmt, für die jüdische Bevölkerung günstig gelöst. Die jüdischen Arbeiter können in allen ihren Angelegenheiten den Jargan benutzen, da in jeder Fabrtttnspektton ein Dolmetscher zu ihrer Verfügung steht. Bei der Festsetzung der Sprechstunden sollen die jüdischen Feiertage berücksichtigt werden. Kakisch, 29. Nov. Kalisch, die «jüdische Stadt", in deren Mauern eine so große Zahl armer und ärmster Juden wohnt, die von Oftrowo aus vielfach Unterstützung erhalten, soll n schönster Weise nach Plänen Berliner Archiekten wieder ausgebaut werden, nachdem es mrch die Russen so vielfache Zerstörungen erlitten. Es sind alle möglichen neuzeitlichen Einrichtungen, neue Stadtteile und Straßen, sowie Landhausanlagen mit Gärten, die der Stadt einen modernen Anstrich verleihen sollen, in Aussicht genommen. So ist zu hoffen, daß diese vorzugsweise von Juden bewohnte Stadt den zahlreichen Arbeitslosen unter unseren Glaubensgenossen auch etn wenig Verdienst gewähren wird. Die not in Litauen und Polen. Königsberg l Wr-, 29. Nov. Die AbteitlmsKöniLs/bevg LnMdesi„MD

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