Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 49 (25.11.1915)
- Date
- 1915-11-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 6 Nr. 49 Der JSraelit 35. November ISIS von Amerika. Sofort nach feiner.Ankunft in New- *!)i?vC übernahm er bei der Herausgabe der „Jüdi ut'.ca Enzyklopädie" die Bearbeitung des lalmudiichen kcils. Liefe Enzyklopädie ist bekanntlich ein großes jüdisches illustriertes Konversationslexikon nach Art ->es Brockhaus oder Meyer, ein Werk, wie es das Judentum bis jetzt leider nur in englischer und hebräischer Sprache — eben dieses — besitzt. 1902 ver- >i">ntlirkte Schechter „Ncidrasch-Hagadol" nach ei . m Aemener Manuskript, und ^Saach'ana" nach .dschriften aus der Kairoer Genrfa. Schechter i e eine Unmenge wissenschaftlicher Ehrenstellen inne war er u. a. Mitglied des Senats der New-2)or- . . Universität, Direktor der „Erziehungs-Vereinia- ", des „Verbands konservativer Gemeinden" r s. Der Verstorbene machte auch öfters . ,en in Deutschland, vor einigen Jahren loeilte >. einige Wochen in Frankfurt a. M. und in Wies- . :n. woselbst zahlreiche Gelehrte aus ganz Deutsch- > . thn aufsuchten. Trotz seiner liberalen Richtung; t sick der Heimgegangene im großen Ganzen in re und Leben an die alten Ueberlieferungen. rrsx;rv Görlitz, 20. Nov. Am 16. November starb im iirchbetagten Alter von 87 Jahren der frühere Rab viner unserer Gemeinde, Herr Dr. Siegfried a renn d. dtur etwa 1(<> Jahre war es ihm rier mnnt, von den Muffen eines überaus tätigen und irr jeglicher Hinsicht reich gesegneten Lebens aus Lunchen. Länger als 57 Jahre hat er in unserer - Gemeinde gewirkt und Liebe und Verehrung bei seinen Glaubensgenossen nnd auch Andersgläubigen gefun :ien. Die reichen Gaben seines Verstandes und seine artige Fürsorge fteilte er nicht mit in i>en Dienst i.iucr Gemeinde, sondern seine Wirksamkeit erstreckte s::l' weit über den Kreis leineä geistlichen Amtes. Bei seinem Abschied aus dem Amt überreichte Herr Oberbürgermeister Snay dem Scheidenden in der Synagoge den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife. Dr. Freund wird in der Geschichte der Gemeinde als ihr eigentlicher Begründer jonleben und unvergeßlich bleiben. Im Jahre.1829 zu Schmiegel (Provinz Posen) geboren, wurde er im Jahre 1856 als Rabbiner nach Görlitz berufen. Sowohl bei seinem 26jährigen Amtsjubiläum, wie auch bei seinem 40- und 50 jährigen Amtsjubiläum, wurde -;i unter Teilnahme aller Kreise unserer Stadt gefeiert. Langenschwalbach, 19. Nov. Herr Abraham ';)i oos und Frau Fanny, geb. Gnndersheimer, hier, oeg-.hen Montag, den 29. November, das Fest der Goldenen Hochzeit. Emden, 20. Nov. Am letzten p'BT verschied im 49. Lebensjahre Frau Rebekka Selig mann. Der Inhalt ihres Lebens war Wohltätigkeit und Menschenliebe. Besonders war. sie bestrebt, die Wunden, die der Krieg hier und dort verursacht hatte, nach Kräften zu mildern. Erst ihr Tod hat gezeigt, in welcher edlen, stillen Weise diese Frau gewirkt hat. Neun, zum Teil noch unmündige Kinder und ihr Gatte und viele, viele die ihre Wohltätigkeit jetzt vermissen, betrauern den Verlust der allzufrüh Dahinge^ schiedenen. Herr Landrabbiner Dr. Hoffmann gab der allgemeinen Trauer über den Verlust an der Bahre der Verstorbenen durch ergreifende Worte den gebührenden Ausdruck. .T2X2n. Nürnberg. 20. Noo. Der Vizewachtmeister Josef Regensburger, Sohn der Witwe Cäcilie Regensburger aus Nürnberg, der seit Beginn d. Js. in einem preußischen Feldarttllerie-Regiment aus dem östlichen Kriegsschauplatz steht, wurde wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde und großer Umsicht im Gefechte, zum Leutnant befördert. Sobernheim» 14. Nov. Wegen Tapferkeit vor dein Feinde wurde der Kriegssreiwillipe Julius Gerson, Unterofsizier der 2. Landsturmbatterie, 1v. Res.-Korps, aus dem westlichen Kriegsschauplätze mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Matzbach, 23. Nov. Das Eiserne Kreuz wurde verliehen dem stuck, med. Rudolf Freuden vergor, Sohn des Hauptlehrers S. Freudenberger. Kl. LLallstabt, 10. Nov. Herr Jakob Grüneliönm, Wehrmann, erhielt das bayrische Verdiensttrenz 3. Kl. mit Schwerlern. Reustabt a. Atsch, 8. Nov. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten am 17. d.Mts. Lazarus Gold frank riiti Frau in seltener geistiger und körperlicher Frische. Aus diesem Anlasse spendete der in weiten Geschäfts- J r eifen bekannte und geachtete Jubilar einen goldgestickten Thoravorhang mit den dazugehörigen Decken. Graubenz, 11. Nov. Bei der am 8. d. Mts. ' attgehabten Wahl der 3. Abteilung wurde der jüdische . . eligionslehrer und Gemeindefekretä'r David Mannheim, der aus Burghoslach in Bayern stammt, :.3 Jahre hier segensreich wirkt und große Sympathien unter allen Konfessionen besitzt, mit etwa 00 pEt. der!. gegebenen Stimmen zum Stadtverordneten auf " Jahre gewählt. Mit ihm zieht der sechste Jude i-:s Stadtparlament ein M. Vereiisnachrichten. Hamburg, 15. Nov. Der Verein Me kor i> () a i i m e. B, Hamburg, hielt am 24. Oktober in - i.’iem Vereinslokal, Grindelhof 46, seine Generalver- .uimlung ab, die von dem Berwallungsmitgliede •vorn ©liefet Soeben ft ein mit einer längeren Ansprache eröffnet wurde, in welcher derselbe zunächst der inzwischen verstorbenen Mitglieder gedachte, besonders des Gründers Herrn Juda Vachrach, der bis in sein hohes Alter nach Kräften die erhabenen Ziele des Vereins zu fördern bestrebt war. Leider hat der Verein auch durch den Krieg schwere Verluste zu betrauern. In seinem alsdann erstatteten Bericht erwähnt der Vorsitzende als besonders bedeutungsvoll für den Verein, die am 10. April 1914 unter Beteiligung weiter Kreise unserer Gemeinde erfolgte Einweihung des neuen würdigen Bereinslokals. Der Verein hielt es für seine Pflicht, gleich anderen jüdischen Vereinen für jüdische Kriegswohlfahrtszwecke eine Summe aus seinem Kapital zu stiften Eine außerordentlich bedeutsame Einrichtung hat der Verein getroffen, durch Einrichtung eines 2—3mal wöchentlich erfolgenden Versands von Koscher-Konserven an jüdische Soldaten. Ein zweimaliger Aufruf um Aufbringung von Mitteln für diesen Zweck, brachte nahezu 2000 M., die jedoch sehr bald erschöpft sein werden, da naturgemäß der Verein nur einen Teil der aufgewandten Kosten wieder einbrtng lich machen kann. Weitere Beiträge für diese wichtige Sache sind daher dringend erwünscht. Die Konserven können auch zum Selbstkostenpreis bei Herrn Julius P l e tz n e r, Kielortallee 4, auf Wunsch von den hiesigen Angehörigen der Soldaten in Empfang genommen werden. Ohne Diskussion wurde der Verwaltung Entlastung erteilt. Die turnusmäßig aus der Verwaltung ausscheidenden Herren: Hermann Bauer, Max Flörsheim und Arthur Joelfon wurden wieder gewählt urid an Stelle des ausscheidenden Herrn E. Loebenstein Herr Elkan L e v y zum Mitgliede der Verwaltung neu gewählt Beiträge für den Fond zum Versand von Konserven beliebe man zu zahlen per Kasse an Herrn E. Loebenstein, Bogenftr. 24 oder per Bank an Deutsche Bank Filiale Hamburg für Mekor Chajim e. V. Vermischtes. Pfauen- 14. Nov. Die Ausschreitungen, die am 2. WtobiimacijiMQötaQe in flauen i. B. ftattgefunden haben, fanden am 5. d. Mts. vor dem König!. Schöffengerichte teilweise ihre Sühne. Die Anklage wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung richtete sich gegen 5 Angeklagte. Gegen 4 Angetlagte mußte das Verfahren eingestellt werden, weil sich dieselben im Feloe befinden. Zwei der Angeklagten, der Fischhändler Puffe und Sattlerlehrling Heinicke hatten sich wegen Vergehen des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und der Körperverletzung zu verantworten. Wie der Anklage zu entnehmen ist, rottete sich am 2. Mobilmachungstage eine zu hunderten zählende Menschenmenge zusammen, die johlend und hurrarufend durch die Straßen Plauens zog und besonders Juden belästigte, beschimpfte und bedrohte. Es wurden 'auch hier allen bekannte deutsche Juden der Anfertigung von Bomben und der Spionage bezichtigt und arg bedroht. Besonders arg wurde dem Lrödler Gerson o l d m a n n in der Forststraße mitgespielt. Sein Laden wurde buchstäbllch gestürmt und der Eigentümer schwer mißhandelt. Goldmann lag lange Zeit im Krankenhaus und ist noch heute sehr leidend. Der Angeklagte, Fischhändler Puffe, wurde mit 50 M. und der Sattlerlehrlilig Heinicke 20 M. Geldstrafe wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs belegtvon der Anklage der Körperverletzung wurden aber beide wegen Mangels an genügenden Bewesen sreigesprochen. In der Urteilsbegründung bezeichnete der Vorsitzende die Vorgänge als skandalös und des Deutschtums unwürdig. Er bedauerte, daß dem als Zeuge geladenen Goldmannn so arg mitgespiell wurde nnd daß die Polizei nicht rechtzeitig eingriff. Wien, 20. Nov. In den Wienern Tagblärte.n war über den seit 8 Jahren bestehenden jüdischen Verein „Einheit", Wien ll, Malzgasse 12 (Obmann Herr Bernhard Hosbauer) folgende Notiz zu lesen: „Dieser Verein, der seit Kriegsbeginn täglich über 4000 Menschen, darunter Beamten- und Angeftelltensamilien, gegen ganz geringes Entgelt and zum großen Teil sogar unentgeltlich mit gesundem Essen ausspeist, hat es auch aus sich genommen, die in den verschiedenen Spitälern befindlichen jüdischen Soldaten rituell auszuspeisen . Dem Verein ist nun von der Zentralleitung des Roten Kreuzes ein überaus schmeichelhaftes Dankschreiben zugekvmmen, welches wie folgt lautet: „Die Verwaltungskommission unseres Vrrrinsspitals Nr. o hat uns mitgeteilt, daß der Verein „Einheit" anläßlich der israelitischen Feiertage allen in diesem Spital untergebrachten verwundeten Soldaten israelitischer Konfession Ausipeisungsmarken unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Wir beehren uns. dem geehrten Präsidium für sein hiedurch und auch früher wiederholt bewiesenes humanitäres und patriotisches Werken unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. Für die Bereinsleituug: Franz Graf Thurn m. p." Anschließend sei erwähnt, daß einige an der Spitze des Vereines stehende Vorstandsmitglieder sich auch sonst um das Rote Lorenz vielfach verdient gemacht üaben und dafür ausgezeichnet worden sind. Es sind dies die Herren Bezirksrat Philipp Ba k, Direktor Alexander E i g e r und Dr. Wolfgang P o l l a c z e k. Wien, li. Nov. Der Jüdische Nationalverern in Oesterreich richtete an Seine Exzellenz den Herrn k. k. Justizminister folgende Eingabe: Die organisierte zionistische und nationale Judeuschafl unterbreitet Eurer Exzellenz im Nachstehenden folgenden krassen Vorfall auf dem Gebiete des galizischen Zustizwesens, mit der ergebenen Bitte, hochgeneigtest entsprechende Maßnahmen zwecks Berhinderuug von Ausschreitungen, die zur Verhetzung gegen die Juden beizutragen geeignet sind, treffen zu wollen. Am 7. Oktober 1915 hat vor dem Kreisgerichte in Neu-Sandoz die Hauptderhandlnng gegen den Juden Barilch Stöger, wegen Verbrechens der Verleumdung stattgefunden. In seinem Schlutzantrgge »erstieg sich der Vertreter der Anklage, Staatsanwaltsubstitüt Marszalik vor einem zahlreichen Auditorium zu folgender Expektoration: „Die Ethik dcr Gemeinschaft, zu lvelcher der Angeklagte Stöger gehört, ist nicht die Ethik des Christentums, welche aus dem Grundsätze „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" beruht. Im Gegenteil lehrt doch der Talmud, daß die Racke an dem Goj eine gerechte Sache ist. (Er gebrauchte den polnischen dlusdruck „godziwa"). Von der völligen Unrichtigkeit des staatsantvaltschastlichen Zitates abgesehen, ist diese deplacierte Behauptung^ des St. A. Substitutors Marszalik zceigner, Haß und Verachtung gegen die Judenschast, als eure gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft in nichtjüdischen Bevölkerungskreisen zu erzeugen und gegen die Juden aufznhetzen. Eine solche agitatorische und verhetzende Tätigkeit ist Staatsbeamten überhaupt und den Mitgliedern der Staatsanwaltschaft, die für die öffentliche Sicherheit zu sorgen haben, insbesondere gesetzlich untersagt. Die inkriminierte Aeußerung des St. A. Substitutes hat auch nicht verfehlt, bei den jüdischen Zuhörern und der jüdischen Bevölkerung von Neu-Sandez Unwillen, Entrüstung, und peinliches Aussehen zu erregen. Dreier unliebsame Vorfall hat aber auch dadurch eine Verschärfung erfahren, daß der Vorsitzende der Verhandlung der k. k. Landesgerichtsrat Nowak, die erwähnten Ausführungen des St. A. Substitutes Marszalik ruhig angchört und widerspruchslos hiugenommen hat, ohne selbe als unstatthaft zu rügen nnd gebührend zurückzuweisen. Ueber die Tragweite und die Folgen solcher Redeexzesse eines St. A. Substitutes im öffentlichen Gerichtssaal darf man sich keiner Täuschung hingeben, sie sind schon häufig genug verhängnisvoll für die Juden gewesen. Indem diese grobe Ungehöriakett zur Kenntnis Eurer Exzellenz gebracht wird, wird gleichzetlig, die ebenso ergebene als dringende Bitte gestellt: den geschilderten Vorfall schleunigst und unparteiisch erheben zu lassen; die genannten Justizfunktionäre zur strengen Verantwortung zu ziehen, die aufhetzenden Ausführungen des St. A. Substitutes Marszalik zu ahnden, den Vorsitzenden der Gerichtsverhandlung wegen der begangenen Unterlassung gebührend zurechtzuweisen und geneigtest die entsprechende Verfügung zu treffen, damit in Hinkunft derartige Ausschreitungen im Gerichtssaale sich nicht wiederholen." Posen, 29. Okt. Eine sehr zahlreich besuchte Seelengedenkfeier für die Heimgegangenen Stifter und Wohltäter der hier bestehenden NitscheFlatau'schen Walsenm ädchen-Eziehungs-Anftalt fand in dem vor 7 Jahren neu erbauten Hause am Goethepark statt. Nach dem Minchahgebete wurden Psalme 105, 15—17 durch den Chor vorgetragen wurde. Darauf folgte das Gebet eines Waisenmädchens; hieran schloß sich die Verlesung der Namen der Heimgegangenen Wohltäter der Anstalt, wobei der Vorsitzende, Herr Menasse Werner, den Dank und die ungeteilte Anerkennung der Leistungen seitens der Mitglieder aussprach Im Jahre 1914 fanden 23 Mädchen, meist aus der Stadt und Provinz Posen Aufnahme. Die Einnahme und Ausgabe balanziert mit 82.220,10 Mark. An Spenden tarnen 4246,55 M. ein- Die Mrtgliederbeiträge beliefen sich auf 4845,50 M. 8edon wieder liegt uns die traurige Pflicht ob, unserem Schmerze über den Verlust eines lieben Mitgliedes Ausdruck zu geben. Pnser II. Vorsitzender Herr Emanuel Wolf Vst | erlag im Felde einer Kraukheit. Wi rnTDJ) nbw Mit ihm schwand die Leuchte unseres Vereins, ein Mann, der allen uns obliegenden Aufgabe« unermüdliches Interesse entgegenbrachte. Mochte es sich um organisatorische Arbeiten handeln, oder galt es, unsere bedeutendsten Aufgaben zu erfüllen, D'MJW und Levnvortväge zu leiten und in deu Kämpfen um das Wehl der jüd. Jugend die Ideen der riiri rücksichtslos und energisch zu vertreten, überall stand er j als markiges Vorbild uns voran, und wird sein Andenken in den Kreisen der jüdischen Jugend, die das Glück hatte, ihn zu kennen, besonders aber innerhalb unseres Vereins unvergeßlich bleiben. ,N2N2^ p**7St 127 iraatan Ghewras Limmud Thauroh, geMtustmtr (Mischer J«H>tnnli. 14. Kislew 5676. , 11208 i ° n ’ 21. November 1915* £