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Der Israelit · 1915-11-25 · Heft 49 (25.11.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 49 (25.11.1915)
Date
1915-11-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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25. November 1015 Der Israeli». No. 40 Sette 6 Judentums wegen nach Sibirien verschleppt wurden. Den Befreiten wurden seitens der in Wien weilenden Bukowtnaer ein großartiger Empfang zuteil. Bürgermeister Dr. Weißelberg er schilderte in feiner Antwort auf die Begrüßungsansprachen die haarsträubende Behandlung, welche diesen Geiseln seitens der Russen zuteil wurde. Man habe schon vieles über die russischen Inquisitionsmarter gehört, die Geiseln hatten jedoch jedesmal von neuem erfahren müssen, daß der Schrecken, mag er noch so arg sein, überboten werden könne. Nun sind sie frei. Nach ihren Schilderungen kann man sich erst eine Vorstellung davon machen, wie es den Tausenden und Abertausenden galizischer Juden ergeht, die von den Russen bei ihrem Abzüge aus Galizien mitgeschleppt wurden. Das Los dieser Unglücklichen muß wahrlich himmelschreiend sein. Herr Dr- Menczel äußerte sich dem Redakteur der „Jüdischen Korrespondenz" gegenüber, daß er Gelegenheit hatte, auf seiner Hin- und Zurückwanderung nach und von Sibirien wie auch über weite Gegenden Rußlands, vielen dieser Flüchtlinge zu begegnen und sich über ihre Lage zu informieren. In den nächsten Tagen dürfte wohl darüber ein ausführlicher Bericht veröffentlicht werden. Orterherrland. ver miiifäröienfl der Zügen. Saloniki 20. Nov. Der Konstantinopeler „Hilal" meldet aus Athen, daß die griechische Regierung sich gegenwärtig mit der Frage beschäftigt, die Salontker Juden zum Militärdienst heranz»ziehen. Die Juden von Neu-Griechenland waren bisher vom Militärdienst befreit. Indessen soll dieses Privileg nach griechischen Meldungen, nur provisorischen Charakters sein. Die hele- Nische Regierung hat angeblich schon beschlossen, die Juden binnen kurzem zu den Waffen zu berufen. Sie werden zu Hilfsdiensten verwendet werden und schon jetzt erhalten sie keine Auslandspässe mehr. Personalien. Rabbiner Aron Berlinger b"X7- Berlichingen (Württemberg), 5. Nov. Am 5. Cheschwan wurde hier Rabbi Aron Berlinger zu Grabe getragen, der zu den Großen der Thora gehörte. Bon der Größe des Verlustes, die unsere Gemeinde und der bbs erlitt, legre die map dieses Frommen beredtes Zeugnis ab, zu der sich ein großer Kreis von Freunden und Bekannten einfand. Man brachte densiinin die Synagoge. Dort entwickelte Herr Lehrer Schloß ein getreues Bild von dem Leben, Wirken und Schaffen des Verstorbenen auf dem Gebiete der Thora, Aboda und Gemilluschasodim. Rabbi Aron Berlinger ging von hier aus, wo ihn sein Vater, Rabbi Hirsch Berlinger in die Thorawiffenschaft einsührte, nach Zell bet Würzburg, wo er Schüler des Rabbi Mendel Rosenbaum "ntr wurde und dann nach Würzburg zu RabvtSeligmann Bär Bamberg e r um zu gleicher Zeit die Universität zu besuchen. Dann ging er nach Berlin und wurde Schüler von Rabbi Israel Hildesheimer yjft. Rach beendigtem (Stuöium fand er eine Anstellung als Stistsrabbiner an der Klaus in Hannover, um nach wenigen Jahren als Lehrer an der Talmud-Thora-Schule in Hamburg angestellt zu werden. Ueberall fand sein Wirken ob seines lauteren, friedlichen Charakters, seiner echten, reinen Gottesfurcht, seines feinen, würdigen Auftretens und wegen seines pädagogischen Geschickes, das er in der Schule en, faltete, allgemeine Anerkennung seitens feiner Lehrer und Schüler. Leider zwang ihn körperliches Leiden seinen, ihm so lieb gewordenen Beruf, bald auszugeben — und so siedelte Rabbi Aron Berliner vor 23 Jahren wieder in seine Heiniat über, um daselbst in seiner stillen Klause sich ganz der Thora, Abooa und dem Gemittuschasodim zu widmen. Bald genoß der stille Gelehrte hier und in weitem Kreise großes Ansehen, überall wurde er um Entscheidungen in religiösen Fragen angegangen, denn sb N'VIVV «OTS poe, Tag und Nacht forschte er in der Thora, früh und spar fand man ihn, wenn es ihm seine körperlichen Kräfte erlaubten, in der Synagoge und die ausländischen armen Talmide Chachomim fanden bei ihm stets freudige Aufnahme und Unterstützung. Besonders förderte uc auch dir Interessen unserer armen Brüder in Palästina. Am Eingänge zum n*a widmeten der Neffe, Herr Rabbiner Dr. Berlinger, Hall, Herr Gutmann aus der Nachbargemeinde Olnhausen, Herr Rabbiner Dr. Kahn, Mergentheim, dem Dahingegangenen innige und herzliche Worte der Wehmut, des Schmerzes und treuen Gedenkens. Am iLp fanden Lehrer Witzmann, Kunzelsau, Kaufmann Aron Berlinger, Berlichingen und insbesondere Lehrer M. Berlinger, die geeigneten Worte, nochmals das wahrhaft edle und fromme Leben des Verklärten durch verschiedene Stellen aus Thora und Midrasch zu beleuchten und den Verlust, dendie Famielie, Gemeinde und die Gesamtheit erlitten hat, zu schildern, nznzb phä ist. Emanuel Wolf V'XT- Köln, 21. Nov. Eine erschütternde Nachricht durcheilte dieser Tage die gesetzestreuen Kreise unserer Stadt, als bekannt wurde, daß Emanuel W o l s in einem Feldlazarett im Osten einer Krankheit erlegen ist. Schier unfaßbar klingt die Kunde, daß der Mund dieses seltenen Mannes, dem so oft in so formvollendeter, schöner Weife die Worte unserer heiligen mm entströmten, für immer geschloffen fein soll. Wo eS galt, ein rnin-Wori zu erhaschen oder min-Weisheit zu verbreiten, war Emanuel Wolf zu finden, im Rate der Alten den Worten des Lehrers lauschend, oder selbst als Lehrer aus feinem reichen Wtssensschatze der Jugend mitteilend. Was dieses in der Blüte feiner Jahre abgefchlosiene Leben alles im Dienste des Höchsten geleistet, läßt in einem kurzen Nachrufe sich nicht schildern. AlS Schriftführer der Kölner Ortsgruppe des nntf »ivw-Bereins hat er manchem jungen Manne dazu verholfen, die Heiligkeit des nan» praktisch zu betätigen. Als stellvertretender Vorsitzender des Jugendvereins min hat er sein Bestes eingesetzt, um die in Köln fern vom Elternhause weilenden junge Leute min*? a*ipo zu sein und in der n:m zu erhalten. Mancher junge Mann, der ohne Verwandte in Köln seinen Wohnsitz ausgeschlagen hatte, hat es ihm zu verdanken, daß er feinen Geist im Boden der min festigen konnte und fich im Strudel der Großstadt mcht verlor. Während der ganzen Zeit, ha er dazu ausersehen war, dem Vaterlande zu dienen, achtete er mit minutiöster Gewissenhaftigkeit darauf, die '.i niSB zu erfüllen und mana»es schwere Opfer legte er sich auf, um jedem nv'n wn aus dem Wege zu gehen. Tief in das Seelenleben dieses p'Tji läßt sein letzter Gruß aus dem Felde blicken, oer mit den Worten schloß: /ex njaara nvn na Heran. Es war die Art dieses Gotteskämpfers, in Stunden der Gefahr alles '"vn zu überlasten. So klagen und weinen um ihn, den zu großen Hoffnungen Berechtigenden nicht nur die Mutter und Geschwister und der weite Familienkreis, sondern die große Schar seiner Freunde und Bekannten. Möge ’TH ihnen allen, vor allem der trauernden Mutter, die, ein Muster an Seelenkrast und Gottvertrauen, noch Worte des Trostes für Andere hat, feine wahre nun: angedeihen lassen, majun. Köln, 22. Nov. Von geschätzter Seite wird unS noch über die letzten Verluste, die die gesetzestreue Jugend in Köln erlitten, geschrieben: Als sollte das edle Wort neue Wahrheit gewinnen, daß,wenn die Pflichttreuen glauben nach vollbrachtem Lebenskampf ruhen zu dürfen, des Lebens Sturm sie von neuem packt und rüttelt, so trauert heute — ach, so manche Familie, gramgebeugt am frischen Grabe ihrer hoffnungsvollsten und lebensstarken Glieder: Die ihr Sonnenschein im Leben waren, sind nunmehr ihr Stolz im Tode. Mit den Familien aber klagen Gemeinschaften, groß oder klein. Denn sie, die dem Vaterland ihr junges Dasein im Kriege opferten, haben im Frieden mit so manchem Opfer ihrer Kraft den Altar der höchsten MenschheitSideen geschmückt — in Reinheit und Würde, mit Herz und Seele. Mehrer und Verbreiter des Judentums sind sie gewesen; denn Gradhett und Treue strahlte von ihnen aus. Wenn Mißgunst Unrecht auf ihren Lippen hätte suchen wollen, hätte sie es nicht gesunden. Kernige Kraftgestalten jüdischer Menschheitsbtüie, die sie waren, leuchteten sie den Genosien ihrer Jugend den lichten Weg voran zum Hochziel jüdischen Lebens und menschlichen Strebend — im Frohsinn und reinster Freude erheiternd, erweckend Mut und Hoffnung, zur Tatkraft aneifernd, selbst stets zu frohem Vollbringen bereit. In Treue erprobte, in Wahrhaftigkeit bewährte Freunde sind sie dahingerafft, denen so viele schon Dank schuldeten für das Größte, was der Mensch dem Menschen geben kann — den Menschen, den Jehudi. Im rauht n Osten, dem Hexenkessel für Judentum und Judenhett, der so viel großes jüdisches Leben geknickt, hat der Mutierboden des Judenelends seinen Schlund geöffnet, um das Blut zweier Opfer aufzunehmen, deren niv'vn am strengsten Maßstab von nxTi min gemessen, nicht überboten werden kann, deren Herzen golden und deren Wollen stählern. Den Kölner Kreis der gefetzestreuen Juden erschüttert die Trauerbotschaft, daß zwei seiner besten Söhne und hoffnungsvollsten Träger in Feindesland durch den unerbittlichen Tod dahingerafft sind, Henry Kreutzer und Emanuel Wolf. Was sie gewesen, vergeffen wir nimmer, was sie geleistet, haben fie elbst gegründet fester als Erz und tiefer verankert als auf Meeresgrund. Sür die Unendlichkeit der Gefchlechterreihen habe« aalen ausgestreut in jüdischen Menschenherzen, die sie in Liebe fest, in Dankbarkeit treu, in Verehrung heilig bewahren und vererben werden als der Freunde teuerstes Erbe, als der heiligen Arbeit ewigen Dank. Wenn Ihr erwachet, so dürft Ihr frohlocken die Ihr jetzt im Staube ruht, denn zur Ltchterheüe empor sich hebender Tau ist der. Tau, der auf den Hügel i eines jeden eurer Gräber gelagert ist, nur Schatten vermag die Erde dauernd niederzuwerfen.; Tr. Salomon Schechter s. A. j New-Bork» 20. Nov. Hier verstarb heute, wie \ ein Reuterrelegramm meldet, Dr. Salomon Schech- ,J 1er, Rektor des Jüdisch-Theologischen Seminars von Amerika. Vorher war er Dozent der rabbinischen ' Wissenschaften an der Cambridge-Universität in Engj land. Schechter stammt ans Rumänien, woselbst er i im Jahre 1847 geboren ionrde. Seine Jugendjahre i waren ausichließlich dem Studium der rabbinischj celroiösen Literatur gewidmet. Als er später nach ] Wien kam, studierte er mehr in neuzeitlicher Weise j „Jüdische Theologie" unter den bekannten „Eciirj schein" jüdischer Geschichte, Weiß und Friedmann. [ ''Auch hörte er an der Wiener Universität Philosophi- : id,e und andere allgemein wissenschaftliche Fächer.; Nach Empfang des Nabbinerdiploms durch Weiß setzte i er seine theologischen und anderen Studien an der? Berliner Universität fort und hörte dort talmudische ' Vorlesungen bei Tr. Israel Lewy. 1862 ging Schech- \ ter nach England als Hauslehrer für das Hebräische \ zu Cland G. Montefiore, dem Neffen des berühmten - \ Philantropen gleichen Namens. 1865 veröffentlichte j er feine erste literarische Arbeit: „Studien über den I Salmüb“ in der „Westminster Review". 1887 erj schien sein Werk: „Aboth de Rabbi Nathan", das über s die Sittensprüche der Talmudlehrer handelt; außer- 1 dem gelangten aus seiner Feder verschiedene Skizzen j und gelehrte Aufsätze in den Blättern: „Jewish Chroj niete", „Jewish Quaterly Review", „Revue des; Etudejuivcs" und in der von Grätz begründeten - „Breslauer Monatsschrift" zum Abdruck. Mehrere! dieser Aussätze wurden später gesammelt und unter j dem Titel: „Studien in Judaicis", (1896), in Buch- .? form der Oesfentlichkeit übergeben. 1890 erfolgte \ Schechters Wahl zum Talmudlehrer (Dozenten) an l der Universität von Cambridge und 1891 erlangte j er den Grad eines M. A. h. c. 1892 erlangte! er die Prämie für eine Jtalienreise zum j Zwecke der Prüfung alter Handschriften in den großen j italienischen Buchhandlungen. Das Werk „Agadath | Schir ha Schirim' , ein Buch über die Agadas znm j Hohen Liede und andere Veröffentlichungen im „Jes wish Quarterlh Review", waren ebensowohl wie Arf beiten in Kohuts großem, wissenschaftlichem Nach- 1 sch lagewerk die teilweisen Ergebnisse dieser rtalieni-! scheu Unternehmungen, auch reichte er einen erfchtz- 1 pfenden Bericht über diese Forschungen beim Vizef kanzler der Cambridge Universität ein. 1894 hielt f er eine Reihe theologischer Vorlesungen in ser Uni-? tciiitt) Hall in London, 1895 wurde er nach Phstü delphra berufen, um dort Vorlesungen über den jüdij scheu Geschichtsforscher Grätz zu halten. Auch diese 1 Arbeiten sind späterhin in wissenschaftlichen Blät- 1 lern erschienen. Am 13. Mai 1896 entdeckte Schech- \ tcc das erste Blatt der hebräischen Urschrift des j Buches „Jesus Sirach" (Eclesiafticus) und im Dej zember 1896 wurde er nach Aegypten und Palästina I geschickt, um dort seine Forschungen fortznsetzen. Er J kam von Kairo zurück, beladen mit Schätzen, die « die Unterlagen für diele seiner wissenschaftlichen Ar-? beiten und Monographien wurden. Die Sammlung \ der in Den Grüften Kairos — bekannt unter dem 1 Namen „Genisa" — gefundenen Handschriften ist i durck ihn und Dr. Taylor der Bücherei der LZaml bridge Universität zum Geschenk gemacht worden; sie j ist unter dem Namen „Tahlor-Schechter-Sammlung" in der Gelehrtenwelt bekannt. Die beiden Gelehr- \ ten veröffentlichten dann später als Ergebnisse ihrer Forschungen das Werk: „Die Weisheit des Ben Sita" (Cambridge 1899). Während Schechter mit der Sichtung der von ihm entdeckten Handschriften beschäftigt war, verlieh ihm die Cambridge Universität den Titel eines Litt. D. (Februar 1898), zu derselben Zeit wurde er auch zum a. 0. Prüfungsprofessor an die Victoria Universität, Manchester, England berufen. Er war auch Mitglied des Board of Oriental Studios an der Londoner Universität. 1901 übernahm Schechter das Rektorat des Jüdisch-Theologischen Semirmrs Labbat--Anfang u. Ausgang. i 2vi rctr OBTi Anfang 1 Dalum AuSgang UbriMm. 1915! 5676 Uhr ,Riu. ' 26. 19. *. M. 4 05 Nov. Kislew 5 SS Berlin .... — — — — München . . . 4 15 b 06 Stratzbnr, . . 4 30 » 35 Ctattgitt. . . 4 30 ft 16 Pose» .... — — — — 9Hmfeeti. . . — — — — Hamburg. . . 4 — 6 15

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