Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 48 (18.11.1915)
- Date
- 1915-11-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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«eite 6 Nr. iS Der JSraeltt 18. November ISIS Personalien. Hamburg, 16. Nov. Am 9. November haben wir in Hamburg die sterbliche Hülle der Frau Rabbiner Helene Caro zu Grabe getragen, die Gattin deS ihr bereits vor 21 fahren im Tode vorangegangenen Rabbiner Hirsch Caro eines Nachkommen des Verfassers des \r:b‘», Rabbi Joffes Caro. Ihre seltenen Eigenschaften und der rege Anteil, den sie bis zu ihrem letzten Tage — sie starb im 74. Lebensjahre - an den Interessen der Allgemeinheit und insbesondere der jüdischen Gemeinschaft nahm, verdienen es, daß auch letztere von ihrem Hinscheiden Notiz nehme. Ihr Leben war in besonderem Sinne eine Bekräftigung des Dichterwortes: „Denn wo das Strenge mit dem Zarten, rvo Starkes sich nnd Mildes paarten, da gibt es einen guten Klang." In seltenem Grade vereinigte sie strengste religiöse Lebensauffassung und Lebensführung, mit weitgehendster Milde gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen und so zählten, nicht nur Bekenner ihres eigenen Glauben-, sondern auch solche anderer Glaubensgemeinschaften zu den intimen Freunden ihres Hauses. Sie hatte die Genugtuung, alle ihre Kinder, an denen sie mit inniger Liebe hing, darunter ihre zwei Söhne, die zu den angesehensten Aerzten unserer Stadt gehören, diesem Betsprele folgen zu sehen. Sie alle vereinigen, wie die Mutter, strengste Religiosität mit weitgehendster Menschen liebe, vereinigen, wie sie. Tauroh im Derech-Erez und finden bei angestrengtester beruflicher bezw. hauswirtschaftltcher Tätigkeit meist doch noch Zeit, ihre nicht gewöhnlichen Fähigkeiten irgendwie in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen — fei es aus schöngeistigem, sei es auf sozialem oder anderem Gebiet. So darf man wohl sagen, daß die B:rblichene an ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln so viel Freude erlebt hat, daß sie, trotz ihrer harten Schtcksalsschläge — hat sie doch früh den geliebten Gatten und Nachfolger tm Amt ihres Vaters, und im letzten Lebensjahr einen ganz besonders hoffnungsvollen Enkel, aus dem Felde der Ehre verloren — und trotz körperlicher Leiden, die sie in den letzten Jahren zu erdulden hatte, ein glückliches Leben gehabt hat. Ihr, die nach altjüdischer Tradition gelebt und ihre Kinder darin erzogen hat, ist der Kindersegen zum Segen geworden. In jüngeren Jahren von äußerst zarter Konstitution, hinterläßt sie heute — das darf in der Jetztzeit wohl heroorgehoben werden — 22 gesunde Enkel und 2 Urenkel An ihrer Bahre entrollte Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer ein getreues Bild ihre- Lebens, während — und das gehört mit zu ihrem Lebensbild — von der Wand ein großes Bild des Kaisers und natürlich auch eines von Hindenburg aus sie herniederschaute. Sie war eine ebenso echte Jüdin, wie sie eine, für ihr Vaterland warm empfindende Deutsche war. rvssüin. Ludenburg, 6. Nov. Wir haben heute eine Frau zu Grabe getragen, welche es verdient, auch an dieser Stelle einen Nachruf zu erhalten. Frau Ricka Strauß Witwe, gebürtig aus Ebertshausen, lebte ö Jahre in unserer Gemeinde. Während dieser kurzen Zeit h sie sich durch ihr bescheidenes und frommes Wesen d Zuneigung und Liebe der sämtlichen Gemeindeatit glieder erworben Sie war eine „Esches Chaijil im wahren Sinne des Wortes und wirkte durch ih vielseitig religiöses Wissen vorbildlich in unserer Ge mernd«. Hat doch nie ein Armer ihr Haus hungrig verlassen. Der Verstorbenen waren in ihren 74 Le bensjahrcn schwere Prüfungen auferlegt, doch in Ergebung und Gottvertrauen trug sie dieselben. Möge ''.i die hinterlassene Tochter und Schwiegertochter, welche die Entschlafene mit der größten Aus opferung und Liebe in ihrer schweren Krankheit gepfiegt trösten. Die Verstorbene wird in unserer Gemeinde in gesegnetem Andenken weiterleben. .T23Un G ogau, 8. Nov. Gestern Nachmittag 3 Uhr wurde die Leiche des Kriegsfreiwilligen, Gefreiter Arthur Schweitzer, Sohn des Kantors Schweitzer, hier, aus dem jüdischen Friedhofe beigesetzt. Derselbe fiel im Mai d. I. aus dem östlichen Kriegsschauplatz und wurde hierher überführt, um seinem Wunsche gemäß aus hei matlichem Boden begraben zu sein. An der Feier nahm fast die ganze Gemeinde teil, auch Andersgläubige sah man in der zahlreichen Trauerversammlung. Die Gedächtnisrede hielt Herr Rabbiner Dr^ Lucas, dann sprach der Studienfreund einen warmen Nachruf. Eine Abordnung Studenten mit Jahne gab dem Verstorbenen das Geleit nnd erwies ihm militärische Ehren. rraro. Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen, Luche für meine I8jähr. Tochter 0 mit gut. Schulbdg., im Nähen u. sonst. Häusl. Arbeiten gut erfahren, in einem feinen israel. Hause am liebsten gute Vicnc, zu Kindern. Offerten erbeten an Frau Rosa Oppenheimer,Eßlingen a.N. Witwe, Jsrl., 40 F. alt, sucht Stelle als.Haushälterin. Dieselbe ist mit Krankenpflege vertraut: bevorzugt wird frauenloser Haushalt. Prima Zenguiffe und Referenzen stehen zur Perfügung. Off. unt. 1889 an Daasoastela L Vogler Gassei. (iii87 > Hz WUi gegen guten Lohn für sofort gesucht. Frau UorlU Simon, Bingen a. Mi.» Mainzerstr. 60> Für Waisenknaben von ungefähr Ä pstegeeltern ohne Vergütung gesucht. Adr. an Rabbiner Dr. Bamberger, Hamburg 13. (11192 Kinderloses Ehepaar sucht streng ri,K«r Pension in guter Familie od. bei einzelner Dame. Möbel können evtl, selbst gestellt werden. Offert, mit Preisang. unter O. W. 11180 an die Expedition des Blattes. Samnel ha Nagid Preis broschiert M« & —, in eleg. Geschenkband A. ÄJ5I Zu beziehen durch alle Buc Handlungen, sowie durch b< vertag Sei „Israelit", U m. h. H . Stmtfwt a M. m in & ui ei zr ta vl ei In den von unseren verbündeten Heeren besetzten Teilen des russischen Reiches leben fast 2 Vs Millionen Glaubensgenossen, die durch den Weltkrieg in schwerste Not geraten sind. Hnnbrrttanfenbe unter ihnen stnd durch die grausame Kriegführung unserer Feinde uo« Kaus und Kof Vertrieben morden nnd konnten nichts als das nackte Leben reiten. Der Kegln« des Winters hat die durch das Stocken von Handel nnd Mandel» Arbeitswangel nnd Tenerung der Lebensmittel in jenen Gebieten geschaffene Lage bereits weiter verschärft. In uwfaffenderer Weise als bisher hier Hilfe z« leisten» ist eindringliches Gebot mitfühlender Menschenliebe. Die verfügbaren Mittel sind nahezu erschöpft. Es handelt sich um die Erhaltung und Vermehrung der Volksküchen, Wärmehallen, Konsumläden, Leihkassen, um Beschaffung von Kleidung und Heizmaterial, um die Rückführung der Vertriebenen an ihren Wohnort und ihre Neuinstallierung. Wir wenden uns daher nochmals an die opferfreudige Bereitwilligkeit unserer Mitbürger und erbitten weitere Beträge für den Jüdischen Hilfsfonds ISIS, dessen Bestimmung es ist, unseren von den Kriegsereignissen unmittelbar betroffenen auswärtigen Glaubensgenossen Unterstützung zuteil werden zu lassen. Wir dürfen hoffen, daß, wie stets vordem, auch in der heutigen schweren Zeit die deutsche Mildtätigkeit nicht an den Grenzen unseres Vaterlandes Halt machen wird. Gütige Spenden bitten wir mit der Bezeichnung für den „Jüdischen Hilfsfonds 1915" zu senden an die Commerz- und Diseonto-Knnk» Berlin» Eharlottenstr. 47 oder an das Bankhaus Lincoln Menny Oppenheimer» Frankfurt a. M. (Postscheckkonto Nr. 1276). SWverem der Deutschen Juden Großloge für Deutschland Ll. 0. S. S. Dr. James Simon» Berlin» Tiergartenstraße 15a. Geh. Justizrat Timendorfer» Kerlin» Taubenstraße 16-18. Hilfskomitee für die notleidenden ostenropäffchen Juden Justizrat Dr. A. §1**» Frankfurt a. M.» Krögerstraße 1. e Monatsschrift fürLehreu. Leben 5* im Judentum Herausgeber ' Dr. I. Wohlgemuth. Heft 11 des Jeschurun ist erschienen und enthält die Aussä? Gegen den Aesthecismus vom Herausgeber. — Probleme der Pentatcui exegese IX: Die Menschen vor der Sintflut von Rektor 0r. D. Hoi mann, Berlin. — Der Fisch als Symbol von Pros. Dr. A. Sulzba Frankfurt a. M. — Bon den 613 Gesetzen von Rabb. I)r. S. .fl ä a Hindenburg O.-S. [33: Abonnements zum Preise von Mk. 6.— für Deutschland, 7 Kr. s Oesterreich-Ungarn, Mk. 7.— für das übrige Ausland nimmt entgegen Verlag des Jesehurun, Berlin N £4, Kransifickstr. 2.