Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 48 (18.11.1915)
- Date
- 1915-11-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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18. November ISIS Der ASradtt. No. 48 Sette * lebten in dieser Stadt ca. 17,000 Juden, gegenwärtig zählt diese Stadt 13,000 jüdische Einwohner, die sich zum größten Teil mit Handel befasien. Ungeachtet der Tatsache, daß die Bevölkerung von Sosnowice infolge des Krieges eine starke.Abnahme erfahren hat — mehr als die Hälfte der christlichen Bevölkerung bestand aus Arbeitern, die nach der bei Kriegsausbruch erfolgten Schließung der Kohlengruben und Fabriken die Stadt verlassen haben, um nach Deutschland auszuwandern oder in ihre Heimatsdörfer zurückzukehren — nimmt noch gegenwärtig diese Stadt eine wichtige Stellung im Wirtschaftsleben ein. Sie ist der Stapelplatz für die aus neutralen Ländern und vielfach auch aus Deutschland eingeführten Waren. Allein ungeachtet des großen Anteils der Juden an dem Handel ist die Armut unter der Sosnowicer jüdischen Bevölkerung sehr groß. Das Leht aus der großen Zahl der Notleidenden hervor, die den dortigen Wohltätigkeitsverein in Anspruch nehmen. So gibt die städtische jüdische Notstandsküche bi» 2000 Mittagsmahlzeiten täglich aus. Dieser Verein liefert auch an Bedürftige unentgeltlich oder zu billigen Preisen verschiedene Produkte, erhält ein Krankenhau» usw. und verzeichnet eine wöchentliche Ausgabe von 1800 Rubel. Dieser verdienstvolle Verein hat die Herren Bernhard Oppeuheim, den bekannten Industriellen Ignatz Landau und den Direktor des genossenschaftlichen Kreditinstituts, S. Meimun, zu Leitern. Die Arbeit in den Sosnowicer Kohlengruben hat nun wieder begonnen. Auch ein Teil der Fabriken arbeitet wieder. Die zweite Stadt, die der Berichterstatter besuchte, war Bend in. Die Einwohnerzahl dieser Stadt betrug vor dem Kriege 55,000, darunter 30,000 Juden. Gegenwärtig sind nicht mehr als 18,000 Juden in der Stadt zurückgeblieben. Die Hauptbeschäftigung der Bendiner Juden war vor dem Kriege der Handel: die Versorgung der zahlreichen Arbeiterbevölkerung mit den verschiedenen Produkten. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung war in der metallurgischen Kleinindustrie und im Handwerk beschäftigt. Die Zahl der in diesen zwei Berufszweigen beschäftigten jüdischen Familien beträgt etwa 700. Die meisten jüdischen Handwerker sind Schneider. Der Krieg hat besonders in der Lage der jüdischen Handwerker eine Verschlechterung herbeigeführt. Die WohltätigkeitSgesellschaft unterstützt etwa 850 Familien, von denen die Mehrheit dem Handwerkerstand angehört. Der sanitäre-Zustand der Stadt ist kein guter. Die Wohnungsverhältnisse sind jämmerlich. Infolgedessen herrschen verschiedene Krankheiten, besonders Tuberkulose und die „englische Krankheit" unter den Kindern. In Bendin gibt es ein besonderes jüdisches „Speisungs-Komitee" (das allgemeine Komitee gewährt keine Unterstützung an Juden). Die gesamte Hilfsaktion wird von der Wohltärigkeitsgesellschaft geleitet, deren Vorsitzender und rühriger Leiter der bekannte Politiker und ausgezeichnete Organisator Dr. Wetnzieher ist. Gleich nach Kriegsausbruch wurde die Stadt in dreißig Reviere eingetetlt. Jedes Revier untersteht einem besonderen Vertrauensmann, der sich um die Bedürftigen feines Reviers zu kümmern hat. PttBtto, 8. Nov. Aus der Umgebung DubnoS sind, wie aus ganz Wolhynien, die meisten Einwohner verschwunden. Die Ortschaften bieten einen trostlosen Anblick. Außer Greisen, einigen Frauen und Kindern, welche in den wenigen, von den Bränden verschont gebliebenen Hütten, aber auch in Kellern und überdeckten Schützengräben hausen und sich von Kartoffeln nähren, ist niemand geblieben. In dem Städtchen haben dir Juden deren gesamte bewegliche und unbewegliche Habe von den Russen zerstört wurde, mit bewundernswerter Zähigkeit wiederum ihre Handwerks- und Händlertätigkeit ausgenommen. Allerdings sieht ein solcher Kramstand in einem wolhynischen Städtchen mehr als armselig aus: einige Aepfel, zehn Schachteln Zündhölzer, hundert schlechte russische Zigaretten in dünnen Glyzerinpapierhülsen mit langem Mundstück, manchmal wenige „Bulkis" (weiße Semmeln) — das ist das gesamte Warenlager. Die meisten Häuser sind ein Opfer der Brände geworden. OesteweiLh-MnKavrr. NiLotsöurg- 11. Nov. Unserem Herrn Rabbiner Dr. M. Lewin wurde seitens des Generalinspektors der k. k. Santtätspstege Sr. k. k. Hoheit Erzherzog Franz Salvator, sowie seitens des k. k. Ministeriums des Innern der Dank und die besondere Anerkennung für seine ersprießliche Wirksamkeit auf dem Gebiete der Hilfeleistung für die israelitischen Kriegsflüchtlinge auS Galizien und der Bukowina ausgesprochen. Aus Sen Gemeinden. Budapest Es ist nicht an der Zeit bei Leichensteinen zu verweilen und Grabaufschriften einzelner Personen zu entziffern, wo ganze Geschlechter im Wirbelsturm des Geschehens spurlos verwehen: Aber der Tod des Klinikers Professor Tauszk ist mehr als das. Er ist das Symptom einer zersetzenden Fäulnis, und zwingt sehr zum Nachdenken, darum berichten wir von ihm. Er war bis zum Ableben Steuerzahler der Pester israelitischen Großgemeinde, Aspirant auf die gulüotierte Stelle der Leitung des jüdischen Spitals, Hausarzt aller „guten" Juden, Renommierprofessor der heiligen Vereine und als die Zeit für ihn um war, kam es auf den.Kreis seiner Intimen wie eine eisige Bescherung. Der joviale Professor tat ihnen einen Schmerz an, den sie ihm bis in den Tod nicht vergessen können. Es stellte sich heraus, daß er durch und durch getauft war und daß er, der in „ihrem" Kreise die Erziehung und den Stempel des „guten Juden" erhielt, den größten Teil seines jüdischen Vermögens für Klosterschwestern und Ordensbrüder vermachte. 160.000 Kronen hinterließ er ihnen. Um aber seine Freunde nicht ganz zu zerschmettern, ließ er auch noch einige Jahrzeitsstipendien für jüdische Institute zurück. Man kann nicht wissen ... Z. B. A. Budapest. Bet der am 2. November in Budapest abgehaltenen Sitzung des Rabbinerverbands der Kongreßgemeinden wurde Dr. E. Neumann, Groß Kanizsa, zum Präsidenten gewählt. Sein Vorgänger, Dr. Schnitzer, Komorn, gehörte als gewesener Schüler S. R. Hirschs der konservativen Richtung an, während Neumann der liberalen Richtung huldigte. Budapest. Die stark besuchte Sitzung des Rabbinerverbandes der Kongreßgemeinden beschloß die Herausgabe einer Kriegsbibel und die Neuauflage des bereits in 20,000 Exemplaren verbreiteten KriegSgebetbuchs „Pajzs es Bert". Nach eingehender Diskussion beschäftigte man sich mit der Regelung der Kriegsseelsorge, die nur amtierenden Rabbinern übertragen werden solle Zur aktuellen Frage der Agunaus nahmen viele das Wort und dann wurde die Sache der engeren Kommission übertragen. Nach dem wissenschaftlichen Vortrag Pros. Gutmanns kam die Pensionssrage zur Tagesordnung. Es wurde beantragt — gleich dem Machstke Hadas-Verband — eine Landesaktion für die Verlegung der Sabbatwochenmärkte einzuleiten. Rabbiner Dr. Ho rowitz wünscht, die Gemeinden aufzufordern, Ihren Beamten eine 30 prozenttge Kriegszutage zur Linderung der Not zu gewähren. Dr. L ö m t, M. Vasarhely, protestiert gegen die Benennung der nicht orthodox-organisierten Gemeinden mit „neolog" L. Schönsetd wünscht, daß der Verband die Gründung einer Lehrcrinnenpräparandenaustalt in die Hand nahm. Reichhardt beantragt eine Landesaktion gegen den Schretbzwang am Schabbos in den höheren Schulen. Z. B A. Sz kszard. Der hiesige jüdische Gutsbesitzer Heinrich Wolf überließ sein Weingut zur Gründung eines Sanatoriums für lungenkranke Soldaten. Er wies für diesen Zweck außerdem noch 50,000 Kronen an. Z. B. A. Zemple« Riefe. Der hiesige kleine Ort schickte seine Blüte ins Feld. Die ganze jüdische Jugend kämpfte heldenhaft für die Sache des Vaterlandes. Achtzehn fleißig-fromm-sriedliche Jeschiwa Bachurim, die hier sonst tagüber neben dem Folanten sitzen, stehen jetzt im Dienste der vaterländischen Sache. Sie alle stellten ihren Mann und so mancher von chnen, wie Löwenkopf Fettete, der in Sorbojord fleißig lernte, erhielten für ihre Tapferkeit und besondere Kriegstüchtigkeit militärische Auszeichnungen. Z. B. A. Warzen. Auf Veranlassung vieler orthodoxen Gaonlm des Landes erließ der hiesige Oberrabbtner Jes. Silber st ein einen Aufruf an sämtliche Gemeinden, am Erew Rosch Chodoh Kislew einen Betnnd Bußtag zu halten. Man solle durch aufrtchrige Reue den Weg zur Urquelle der Barmherzigkeit &u» rückfinden, von dem wir durch Vernachlässigung des ernsten Thorastudiums abgewichen find. Rußland. Die organijierfe Desorganifafitm. Stockholm, 26. Oktober. Nach den jüngsten russischen „Siegln in Galizien" hatte der Armeeführer Iwanow angeordnet, die seinerzeit von der russischen Regierung nach Ntfchntnowgorod abgeschobenen, etwa 3000 galkzischen Juden nach Tarnopol zurückzutransportieren. Die unglücklichen galiztschen Juden befanden sich auf dem Rücktransport bereits in Kiew und Kusatin, als vorigen Mittwoch von Iwanow der Befehl etnlief, „angesichts der militärischen Lage" die betreffenden Juden wieder nach Nischninowgorod abzufchteben. Auf Befehl des Feldstabschefs Alexejew soll die Räumung von Minsk nunmehr bis zum Donnerstag dieser Woche vollendet sein. Die dort befindliche Direktion der Libau—Romny- Bahn ist bereits nach Moskau verlegt worden. Das Minsker Adelsmarschallamt wurde ebenfalls bereits geräumt. Den in Minsk noch arbeitenden Fabriken wurde von der Militärbehörde eine zehntägige Frist eingeräumt. Für Flüchtlinge werden täglich zehn Züge beretigestellt. Die zu Zchntausenden in Minsk angesammelten Juden flüchten weiter. Die alten Minsker mit ihnen. England. »Ein einflußreiches Komitee.“ «London, 27. Okt. Unter obigem Titel bringt der „Daily Telegraph" vom 6. Oktober folgenden Bericht: Auf die unglücklichen Juden Rußlands und Polens ist das Eiend des gegenwärttgen Krieges mit besonderer Härte gefallen. Mehr als eine halbe Million ist heimatlos. Obdachlosigkeit und Hungersnot hat Zehntausende ruiniert. Als die ersten Nachrichten ihrer traurigen Lage London erreichten, wurde sofort ein Komitee gebildet und trotz der vielen ungeheueren Anforderungen, die jetzt an die jüdische Gemeinschaft gestellt werden, wurden von ihm sofort mehr als 50000 Pfund gesammelt, um der äußersten Not zu steuern. So gaben die Herren N. M. Rothschild u. Söhne 5000 Lst. und das Hilfskomitee der polnischen Juden 3000 Lst. — Was wollen diese Beträge aber sagen gegenüber dem Elend von Hunderttausenden? Deshalb darf man nicht aufhören in der Sammlung von Beiträgen. Ein .neues Komitee wurde gebildet, dessen Präsident Herr Leopold de Rothsch ld, Schatzmeister Lord Swaythling und Sekretäre die Herren Otto Schiff und C. E. Sebag-Montestore sind. Wie einflußreich und repräsentativ das Komitee ist, bewerft der Bericht durch eine lange Reihe von Namen prominenter Per>önlichkeiten, die ihm angehören. Kar vea RdtoMcteU ist die Nedakti»» «tcht oeranrtvortlich, insbesondere ist eS anSfchlietziich Sache der Leser, die t« Reklametett enthatteme» Kmpsehtnnge« ritueller Ware« »der sBnsttger Mm gade« reiigionSgrsetzttchen Ttzaratter» «sf ihre Itttteriätflofei« %m träfe«. KaiMP Friedrich Quelle — Offonbaeh &. X. ■ Gegen Gieht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich StalLi, Frankfurt a. IL. GttnthersburgaUee 87. Tel.259u. 714 Labbat« Anfang u. Ausgang. nbv'i nstr Oll Ti 1 Anfang Datum Ausgang Ufa Min. 1915* 5676 Uhr Mm. 19. 12. Srsmkfnrt a. ft« 4 10 Nov. Ki-lew 5 25 ferliit . . — — — — Müttche» . . . 4 20 5 14 «trafebarg . 4 30 5 30 ®tttttgar! . . . 4 30 5 20 Pose» .... — — — — Nürnberg. . ... — — — Hamburg. - 4 05 & 20