Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 48 (18.11.1915)
- Date
- 1915-11-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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«rite 4 No. 48_,__ ba$ je in Preußen erschien, von HardenberKchem Geiste getragen, wurde nur teilweise beachtet, trotz der Bestimmung der deutschen Bundesakte vom 8. Juli 1815, wonach „den Bekcnnern dieses Glaubens, die denselben von den einzelnen Bundesstaaten b!s dahin eingeräumtcn Rechte erhalten" sollten. Die Einschränkung der den Juden in Preußen durch das Gesetz vom 11. März 1812 eingeraumten politischen Rechte wurde durch das während der Regierungszeit Friedrich Wilhelm IV. 1840—1861 erschienene Judengesetz vom 23. Juli 1847 sanktioniert. Unter dessen Regierung erschien aber auch die Preußische Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1850. i)anad) ist „der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse", danach „sind die ' öffentlichen Acmter unter Einhaltung der von den Gesetzen feftgestellten Bedingungen, für alle dazu befähigten zugänglich." Wie Kaiser Wilhelm I. 1861 -88 auch den Juden gegenüber jede Ungerechtigkeit vermieden wiffcn wollte, geht schon daraus hervor, daß das Vundesgesetz vom 3. Juli 1869 fast ausschließlich seiner Initiative zu danken ist, und dieses bestimmt „die Aufhebung aller n ch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte." Es bestimmt ferner, daß die Befähigung zur Teilnahme an der Gemcide „und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntnis unabhängig" ist. Zuverlässiges Zeugnis liegt auch darüber vor, daß er „den antisemitischen Agitationen entschieden abgeneigt" gegenüber stand. Auf den Glückwunsch des Hosrat Gelzer vom 22. März 1879, in dem er schreibt: erst wenn es gelingt, die Dämonen des Klassen-, Völker- und Sekrenhasses innerlich zu überwind n, wird ein «auernder Friede in Deutschland und Europa begründet werden" antwortet der Kaiser am 4. April 1879: „Mit aufrichtigem Dank für Ihren Geburtstagsbrief und seine Wünsche verbinoe ich die Versicherung, daß jedes Won Ihres Briefes mir aus der Seele genommen ist." So dachte Kaiser Wilhelm I. und so fühlte und empfand sein Sohn Kaiser Friedrich, der es deutlich aussprach, daß „alle seine Untertanen seinem Herzen gleich nahe sind" und der in schwerer Zeit das Wort gesprochen von der Schmach des Jahrhunderts. Daß unser erhabener Kaiser Wilhelm II., der zum Segen unseres Vaterlandes leit 1888 regiert/ ebenso wie sein Höchstseliger Barer und Großvater denkt, geht am besten daraus hervor, iTcr ILintagekönig von Polemt Stephan Bcrthorh, der ehemalige -Fürst von Siebenbürgen der -eit dem Jahre 1,375 den Königsthron von Polen rnmgehabt, war im Jahre 1.386 gestorben, und Reichssurft Ehristoph Ricolaus Radzuoyl, de-? Planchen Striches Kastectan, berief den Reichstag für luii; 'ivaql gut den 18. August de? folgenden Jahre?. Fürst Radziwhl hatte wenige Jahre vordem eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Laude unternommen und auf dem Wege in Italien ein recht nn-rngenciimes Abenteuer gehabt. Er war von Räubern feiner ganzen Barschaft beraubt worden und wäre ,n großer Verlegenheit gewesen, wenn ihm nicht ein Jude ohne jede Sicherheit, nur auf fein Wort hin. , rlne größere Lumme geliehen haben würde. Bon Rtroziwvl befragt, was er für ihn tun tonne, mi? sich dünlvar zu erweisen, sagte der Jude, aas; in Polen ein Lohn von ihm, namens Saul, lebe: die,em möge der Fürst eine tonnst zuwenden. Rach Polen heimgekehrt, (ich; denn auch Fürst Raoziwhl alsbald den Juden Lanl tommen, und da er in ihm 'nen gewandten, anstelligen Menschen etrannre, nrachte er ihn zn seinem Geheimschreiber. Bei jener Königswahl nun standen sich zwei Var.- leien gegenber. Radziwhl machte den Unterhä.nid- »ler zwischen den Parteien, wobei ihm sein Geh.'u:-- schrei'-r Laut zur Seite stand. Der Kamp; tobie hin und her, und der Abend nahte, ohne dag die Entscheidung getroffen war, obwohl nach altem Rechte die Wahl an einem Tage beendigt sein mußte. Ta kam R'adziwyl ans den Ausweg, man solle für die Rächt einen König Wahlert und unterdessen die Verhandlungen fortseyenj habe man sich währen^ der Nacht dann geeinigt, so tonne am Morgen der nächtliche König abgesetzt und der eigentliche gewählt werden. Der Ausweg fand Beifall, feine Ausführung Der ISraeltt. _ daß er gleich zum Anfänge seiner Regierung in der Thronrede bei der Eröffnung des preußischen Landtags die denkwürdigen Worte sprach: „Dem Vorbilde meiner Ahnherrn folgend, werde ich es jederzeit als eine Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntnissen in meinem Lande bei der freien Ausübung ihres Glaubens meinen königlichen Schutz angedeihen zu lassen." Kaiser Wilhelm hat sein Wort gehalten und hat jederzeit für alle seine Landeskinder ein warmes Vaterherz bekundet, die Bitten aller seiner Untertanen sinden stets ein williges Ohr, gleichviel welchem Glauben sie angehören. Dem Wunsche aller Preußen und Deutschen, daß Gott der Herr noch viele Jahre unfern erhabenen Kaiser und König uns erhalten möge, schließen sich aus vollem Herzen alle deutschen Juden an, ebenso wie sie übereinstimmen in dem Wunsche, daß unser Hohenzollernftamm stets blühen und gedeihen möge. Lorrefpondenzen und Aachrichten. Kentfches iteid?« Frankfurt a. W, 18. November. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Juden tu ms" bittet wiederholt, ihr in möglichst reichem Maße Ritualien für die Kriegsgefangenenlager zur Verfügung zu stellen. 5ür Sie 7uSen ln kullisck-Pvlen. Werlirr, 16. November. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erläßt gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland u. O. B. B. und dem Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. einen Ausruf für die jüdische Bevölkerung in den besetzten Teilen Rußlands. Die Hilfsaktion vollzieht sich in engster Zusammenarbeit mit dem Interkonfessionellen Deutschen Zentralhilfs- Komttee für Polen, ferner in Uebevelnftim* mung und unter Förderung der zuständigen deutschen Behörden. war aber nicht minder schwer. Von den Thronränd.'- daren dnrste durste cs niemand sein, der Gewühlte konnte tonst ans sein Recht pochen: irgendein Mächtiger deS Reiche? durste ebensowenig gewählt werden/er konnte leicht ''Anhänger werben und Schwierigkeiten ßeuheu. So wählte inan Saul zum König von Pmen für eine Rächt.' Am andern Dag wurde dann Sieglnmid ans den Thron von Polen erhoben und .störrig ^a»l dankte ab. Als Erinnerung aber au die Köingsepiiode nannte er sich Saul Wähl, und noch heute gib: e? polnische 'Inden diese? '.Kamen?, die sieb der „königlichen" Abstammung rühmen. (Ta? historische Zusamrnentressc» von Klavo «o.i Bekanntlich waren die ersten Soldaten der Jennainiachle bei dem welthistorischen Jusammemreisen mit den Bulgaren in Kladowo an der Donau uuaauidje Soldaten. Run erfährt die Budap.'ster >,Allg. Jüd. Zeitung", dag es eii^ Bndapester Inte loar. der an der spicke unserer Doldaren oern bulgaeiichen Leutnant (Rrlschew die Hand schürkeUe. rkämlich der Laudsturiu-Obcrleutnant Dr. Ferdinand 2 ch ö u , im bürgerlichen Berns Advokat. Seine Kameraden bereiteten aus diestun Anlasse dem braven psfizier, der seil Kriegsbeginn iin Felde steht, herzliche Ehrungen. (Las Judendrama vo»t Mushi.j Aus dieser bekannten Tragödie von tvt.3 macht der schalkhafte Berliner „Ulk" solgeitde lgroteske: Die russische Negierung meldet: Wir berichteten unlängst in amtlichen Organen folgendes: „Die Juden des Dorfes A ruf hi versteckten in ihren Kellern 'deutsche Soldaten, führten diese nachts aus den Kellern hinaus, uno die Deutschen ermordeten meuchlings den Obersten Sakuska samt seinem Truppen- 18. November 1915 Dom fdilefifthen Gemeindetage. Nresta«, 12. Nov. Ende Oktober versammelten sichdie Abgeordneten der Synagogen-Gemetnden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz zur Jahresversammlung des Verbandes in Breslau. Aus dent zur Verlesung gelangten Jahresberichte ist zu ersehen, drß es noch ^vor Ausbruch des Krieges möglich gewesen war, die Beiträge an die leistungsschwachen Gemeinden zu leisten, auch an dreizehn Beamte den Zuschuß zur Versicherung zu zahlen, dagegen habe die Schulinspektion unter dem Einflüsse des Krieges eingeschränkt werden müssen (nur fünf Schulen konnten inspiziert werden), da zwei Rabbiner durch die Krregsseelsorge in Anspruch genommen waren. Ebenso habe sich der Einfluß des Krieges überall geltend gemacht. Während im vorigen Jabre noch sechs Gemeinden Prediger zu den hohen Feiertagen erhalten konnten, konnten in diesem Jahre nur ein bis zwei bedacht werden. — Der Fürsorge für die Flüchtlinge habe die Tätigkeit auch gegolten, dem Komitee für den Osten habe man 1560 Mark bewilligt. Ebenso habe man sich der Gefangenenfürsorge gewidmet. Für die Verwundeten kommen außer Breslau nur vereinzelte Gemeinden in Betracht. Bezüglich der Gefallenen habe man die Gem inden ersucht, keine Beerdigungs-Gk bühren zu erheben. Eine Debatte knüpfte sich an den Bericht nicht. Ebenso wurde der Kassenbericht debattelos genehmigt und dem Schatzmeister Entlassung erteilt. — Bei der Beratung des Haushaltsplans regt Dr. Neustadt eine Erhöhung der Kriegsbeihiife für den Lehrerverein an. — Herr Aron Kober bringt die Notlage tm polnischen Okkupationsgebiete zur Sprache, in Warschau gebe es 50000 arbeitslose jüdische Männer und Frauen, dort sei die Not größer als in den kleinen Städten. — Diese und noch andere Anregungen und Vorschläge sollen dem Ausschuß übergeben werden. Aus dem österreichischen Ohhupafionsgebiefe in Polen. Warschau, 15. November. Ein Berwaltungsmitglied der Gesellschaft zur Unterstützung kriegsnotletdender Juden bereiste in letzter Zeit mehrere Städte im österreichischen Okkupationsgebiet in Polen. Dem von ihm der Evakuierungskonimission der jüdischen Gemeindeverwaltung in Warschau erstatteten ausführlichen Bericht entnehmen wir folgende Schilderungen: Der erste Besuch des Berichterstatters galt der Stadt Sosnowice. Vor dem Kriege teil. Zur Strafe wurden die.hochverräterischen Juden gehängt." Diese Meldung bedarf nach erfolgter Untersuchung einiger nebensächlichen Berichtigungen: 1. Gibt es kein Dorf Mushi. 2. Hat dieser Ort auch darum keine Häuser. 3. Haben diese Häuser darum auch feine Melier. 4. Konnten in diesen Kellern auch keine deutschen Soldaten versteckt werden. 5. Gibt es keinen Oberst Sakuska. 6. Hat dieser Oberst keine Truppen. 7. Konnte er deshalb auch nicht samt seinen Truppen ermordet werden. 8. Gibt es in diesem Orte Mushi keine Juden. 9. Ließen sich diese verfluchten Inden in Nlufhi deshalb auch nichts zu Schulden kommen. 10. Wurden die Inden in Mushi deshalb auch nicht gehängt. Abgesehen von diesen Nebensächlichkeiten beruht aber die ganze, oben mitQeteilte Nachricht bis in die letzte Einzelheit aus Tatsachen. Es wird asio im Operationsgebiet auch fernerhin gegen die hochverräterischen Juden, denen wir allein unseren strategischen Rückzug verdanken, mit äußerster Schärfe verfuhren werden! (Tie jüdischen Träger des Nobelpreises.) Der Privaldozent der Wiener Universität, Dr. Robert B a r a n y, der gegenwärtig in Tränskaspien trregsgefangen ist, hat den Nobel-Preis für Medizin erhalten. Dr. Baranh ist der s e ch st e Jude, ökm diese hohe Auszeichnung verliehen wurde. Die anderen fünf sind: Albert Mich elfon in Ehrkago, Gabriel Lippmann in Paris, Paul Ehrl.ich ttt Frankfurt, sowie die Träger des Friedenspreises Fried und A s s e r. , H -, ■