Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 46 (4.11.1915)
- Date
- 1915-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 46 u#4;, Not der Heimatlosigkeit sich befanden, haben bei der Wiener Judenheit Bewunderung und Anerkennung in höchstem Grade hervorgerufen. Die Aguda hat, wie seinerzeit Radbt Jöchanan ben Sakkai, in einer Zeit allgemeiner Verwirrung Schulen errichtet, um die Gotteslehre bet den Flüchtltrgskindern zu erhalten. In 12 Lokalen in verschiedenen Bezirken unterrichten vor- und nachmittags 26 tüchtige Lehrer unter Aufsicht des Kolomear Rabbinats-Asieffors, Rabbi Chaim H. Thum im, in '«ni wann pinpn, wie auch Auch Abendkurse find eingeführt. Die Schulen werden auch von Wiener Kindern frequentiert. Herr Rabbiner M. Stetnberg aus Brody hat auf Wunsch der Aguda einen Lehrkurs für üHöft eingerichtet, wo er talmudischhalachische Vortrage hält. Von der Popularität der Schulen zeugen die reichlich zufließenden Spenden, auch von bemittelten Flüchtlingen selbst. Die hier weilendkn RabbiS verhalten sich den Schulen der Aguda gegenüber äußerst shmpatisch, besonders die berühmten Großrabbtner H. Isaak Friedman aus Bojan und H. Israel Friedman aus Czortkow, welche für die Agudafchulen in anerkennungswerter Weise werben und ihr beträchtliche Spenden zuführen. Unlängst erfreuten sich die hiesigen Agudaschulen eines Besuches seitens der Herren Grünbaum aus Nürnberg und Prof. Dr. Lieben aus Prag, welche sich über die Verwaltung und den Unterricht lobend geäußert haben. - Große Anerkennung gebührt auch dem Vorsitzenden des hiesigen Komitees, Herrn Jsak Thumtm aus Przemysl, welcher mit großem Eifer sich der heiligen Sache anntmmt, sowie den Komiteemitgltedern Herrn Jakob H i r s ch f e l d aus Przemysl, David Fast aus Tarnow, Abraham Rapapport aus Lemberg u. a., die ihn in seiner Arbeit treu unterstützten. ES sei noch bei dieser Gelegenheit der geistvollen und begeisternden Reden erwähnt, welche Rabbinats-Affeffor Chaim H. Thumtm aus Kolomea und Moses Schmelkes aus Krakau über die Aguda und ihre Ziele in mehreren hiesigen B’Wllö TD hielten. Es sind dieses Ltchtmomente mitten im Flüchtlingselende, die in schwerer Zeit dazu beitragen mögen, mnKtt!?'! min Personalien. Barend Prys toi. Würzburg, 30. Okt. Noch krampst sich bas Herz zusammen bei dem Gedanken, datz wir ihn nicht mehr besitzen, der uns über vier Jahrzehnte als das Ideal eines Juden Vorangeleuchtet. Barend Prys ist im 72. Lebensjahre nach kurzem, schmerzlosem Krankenlager np'tWB von seinem Schöpfer heimberufen morden um den Lohn für sein vollständig für B’flr nxm min hingegebenes Leben in Empfang zu nehmen. toi B"nv -cbub” *i stammte aus Amsterdam, woselbst er noch mit den grotzen Gelehrten des vergangenen Jahrhunderts in persönlichem Verkehr stand und so Gelegenheit hatte, in seinen vom Vaterhause mitgebrachten hervorragenden Tugenden sich zu betätigen und seinen minn npipn zu befriedigen. Besonders viel verkehrte er mit R. Aklba Leeren sowie mit dem berühmten Chossld Reb Mosche de Lime, der ihn wie seinen eigenen Sohu liebte. Der junge Gelehrte, der einen scharfen Geist und ein eisernes Gedächtnis besaß, erwarb sich bald einen ausgezeichneten Ruf und als er.sich nach Absolvierung des neugearündeten Rabbtnerseminars und dem Besuche der Utrechter Universität entschloß, fein Vaterland zu verlassen, um zu Füßen deS Würzburger Raw 2N prar "i Bamberger toi zu sitzen, da begleiteten ihn die Segenswünsche der Besten ferner Zeit. Und Gottes Segnungen blieben nicht aus. Als er später die Pretzburger Je schiwa bezog, erregte der „holländische Bochur", m dessen herrlicher Thorakrone auch der Edelstein der Wissenschaft glänzte, großes Aussehen. In seiner ungeheuchelten, abgeklärten Gottesfurcht, in ferner grenzenlosen Bescheidenheit wollten die Männer, die den Bnn ^s?3?*n *ibid noch gekannt hatten, das Ebenbild ihres Meisters erkennen, sodaß sein Landsmann '*3K5 WB 'i Lehmann rn aus Amsterdam, der Schwiegersohn des nviB Bnn, ihm die Hand seiner Tochter anbot. i22»e" "i B"">v hatte sich damit einer Familie angeschlossen, die seine Ideale verkörperte und eine Lebensgefährtin gefunden, die ihm eine ebenbürtige Genossin war und ihm treu und fördernbei Ausübung seiner nnJtö zur Sette stand. Bon Preßburg aus wurde er ohne sein Zutun als Rabbiner an die jüdische Gemeinde nach Antwerpen berufen. Allein er sträubte sich, wie dies in der Geschichte der jüdischen Grotzen vorzukommen pflegt, in seiner Gewissenhaftigkeit gegen die Uebernahme eines so verantwortungsvollen Postens, wie überhaupt sein bescheidener Sinn ein Hervortreten in die Heffentttth' kett vermied. Und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen verbreitete sich der Ruf seiner Gelehrsamkeit, seiner Frömmigkeit und seiner Vollkommenheit in den weitesten Kreisen der verschiedensten Länder. Die Schlichtheit, die Geradheit, die Selbstverständlichkeit, mit der er Gott diente, hoben ihn über die Niederungen des Lebens, wo der Versucher leicht sein Opfer findet, hoch empor zu jenen Höhen der Gotteserkenntnis, wo eS selbst in den schwersten Lebenslagen keinen Moment der Mutlosigkeit oder des Grübelns gibt. Er liebte eben Gott so, wie es von uns gefordert wird: *p3^ bx, aber auch *pxa ^321 -jpb: 2221. Bei Ausübung einer .nrrv gab es für seinen schwachen Körper keine persönliche und keine materielle Schwierigkeit. So konnten Jahre vergehen, ohne daß er einmal “VD'2t2 nSen versäumte. Seinen Körper und alle seine Sinne und Regungen hatte er vollständig dem Willen des Höchsten untergeordnet, sodatz er u. a. gemäß der Vorschrift: ntn abws pin& i'v »rtw snx*? -nox schon seit seiner frühesten Jugend jedes laute Lachen unterdrückte. Die feinen Züge seines edlen und vornehmen Charakters, seine Friedensliebe, sein stets mildes Urteil über die Handlungsweise des Nächsten, feine Menschenfreundlichkeit als Ausdruck feines von Güte überflietzenden Herzens, sein durch die Tat bekundetes Mitgefühl, vor allem aber seine Wahrheitsliebe und Unbestechlichkeit können schwer erdacht, keinesfalls beschrieben werden. Me entschlüpfte seinen Lippen die geringste Unwahrheit, wäre es auch nur zum Scherze oder eine der im Leben als unumgänglich bezeichneten „Notlügen" gewesen, deren Vermeidung in der tat oft opferfreudigste Standhaftigkeit erfordert und einen sicheren Matzstab für sittliche Größe bildet. In schwerer Zeit hat uns ein Großer verlassen. Möge fein ni3i seiner schwergeprüften Familie beistehen und möge er vor dem Richterstuhle des Allmächtigen ein vi' sein für to'. to c”rb «’tya nmn nitien nx nps' xin Sxw mir® ttc Dr. Jakob Mütter Altona, 3. Noo. Ein blühendes Menschenleben, eine starke Stütze des orthodoxen Judentums, einen edlen Menschen hat man in der Champagne zu Grabe getragen, als man Dr. Jakob Möller zu ewiger Ruhe bettete. Die junge Frau weint um den Gatten, derihr^ nach einigen Tagen sonnigen Eheglückes entrissen wurde, die Familie klagt um eines ihrer besten Glieder, das Judentum um den Verlust eines feiner überzeugtesten Bekenner, eines seiner kraftvollsten Vertreter. Um Jakob Möller mutz wahrhaft trauern der to' ^2, denn ihm galt sein unermüdliches Wirken, ihm sein nie erlahmendes Schaffen, ihm die Liebe seiner grotzen, an Schönem so reichen Seele' Weinen mutz um ihn das Land unserer Väter, Palästina bricht in feinen alten Klageruf aus: „Wehe, wehe, dem Lande Israel fehlt nun ein großer Mann." Sk Jakob Möller ritt Rechtsanwalt und die Forderungen feines Berufes, der Sache deS Rechts, der Sache der Wahrheit ein beredter Anwalt zu sein, erfüllte er durch sein Leben: und darum ist dieses Leben, früh beendet, dennoch vollendet. Des Elternhauses wunderbare Frömmigkeit vermählte sich in ihm mit einer unerschöpflichen Liebe zu allem, was Jude hieß, er war ein edler Verfechter heiliger Thora- Ideale und war zugleich einer der führenden Männer im orthodoxen Zionismus, im MiSrächi. Zum Zionismus, ja zum Misrachi mag man .sich stellen, wie man will, gerade wir Orthodoxen können der Wesensart Jakob Möllers nur dann gerecht werden, wenn wir diese Seite seines Wirkens besonders Mtonen. Ihm erschien die Bewegung des Zionismus letzten Endes als das Mittel, alles Jüdische der Thora zuzuführen; felsenfest war er davon durchdrungen, daß aus der nationalen Bewegung des Zionismus schließlich eine religiöse werden müsse, und so war er nicht nur Zionist aus der inneren tteberzeugung heraus, daß er es dürfe, sondern datz er es, wollte er thorafördernd wirken, auch müsse. Wer das Glück hatte, näher mit ihm zu verkehren, wer sich erwärmen konnte an feinem jüdischen Feuer, wer an seinem Idealismus sich erfreuen konnte, der erst verstand, wie dieser Kampf für die Ideale deS Zionismus ihm schließlich nichts Anderes war, als ein Kampf für die Thora. Wer Jakob Möller beobachtete in seinem Wirken im Zionismus und wer ihn dann wieder beobachtete bei seiner Tätigkeit in nstz'-'lvlv» Vereinen, der merkte, all dieses Tun floß aus dem einen Wollen Heraus: für Thor a-Judentum zu streben. Darum wird das Juden tum und am meisten das orthodoxe Judentum, ihn fürderhin schwer vermissen, darum ist der Schmerz aller, die ihn kannten, so ehrlich und tief, und darum ist angesichts seines Scheidens die Klage berechtig» über „den Schmuck und den Stolz Israels, der auf der Höhe seines Lebens, feines Strebend, seines Schaffens siel". Aber Jakob Möller hat nicht umsonst gelebt, an feinem Feuer entzündete sich das anderer gleichgesinnter, gleichstrebender Freunde, und indem er so in deren Herzen als Vorbild echter Frömmigkeit, edlen Menschentums, unverzagten Kämpfens für jüdische Ideale fortlebt, ist er nicht gestorben, sondern lebt weiter fort im ehrenden Gedächtnis aller derer, welchen er ein treuer, kluger Freund gewesen. W. I. Wallertheim (Rheinheffen), 1. Nov. In tiefe Trauer ist die hiesige jüdische Gemeinde durch den Verlust eines ihrer Besten versetzt worden. Alfred Baum hat auf dem Felde der Ehre den Heldentod fürs Vaterland erlitten. Um ihn weinen eine edle Gattin und Kinder, Verwandte und Freunde in großer Zahl. Die heißesten Wünsche all derer, die ihn kannten, begleiteten ihn als er zu Beginn des Krieges hinauszog, um mit wahrhaft jüdischer Pflichttreue seinem Baterlande zu dienen. Wie überall in seinem Leben, so erwarb er sich auch draußen in hohem Maße das Vertrauen seiner Vorgesetzten und Kameraden, ohne seine Pflichten als strenger Jehudi zu vernachlässigen. Kurz vor m wurde er schwer verwundet und nach zwei Monaten hauchte er seine edle Seele aus, zum tiefsten Schmerze feiner Familie, seiner Freunde und seiner Gemeinde! Schien er doch dazu berufen, in seiner Heimat .mm und nm' zu erhalten und fortzupflanzen. Im Hause Bondi, Mainz, hatte er in seiner Jugend Gelegenheit neben seiner kaufmännischen Ausbildung auch seinen jüdischen Charakter zu befestigen, mit dem er ein Segen seiner Umgebung wurde. Wie verstand er es die Gemeinde in seinem Gebete hinzureißen, als er noch am letzten Pesach, auf Urlaub weilend, für den abwesenden Chassen vor den Omed trat und mit seiner wohlklingenden Stimme die Gebete so verständnisvoll und innig vortrug. Bon seinem echtjüdischen Hause ging ein warmer Strahl echter Gottesfurcht aus, der Licht und Wärme ringsherum in seinem kleinen Kreise verbreitete. Das sah man so recht am vergangenen m als bei Anlaß der Einweihung des von ihm gestifteten Thoramäntelchens der Vorsteher, Herr Isaak, des Schwerverwundeten in warmen, rührenden Worten gedachte, und die ganze Gemeinde unter Tränen um seine» deine ga Vo fHabbint tic Rus tnis bei i'iit Sch ben, btt neiich zi mimend die Last N'liq dar Bart e tt bengs. ii'ine &i:;re.g, in ruhigen Vegleitp hängt ei feil £ Abgabe! kleinen jung brc giieder i icmit ti buben, i >,H gelassen. 'lH' Mt bfiit sie tlic Gott ment, al rech sie nimm di ifii* auch und das meint sie trifft ial bestil „D, bas wir! Genesung betete. Wer das innige Familienleben kannte, in welchem! sich des Verblichenen leider so kurze Laufbahn bewegte,! der wird den Schmerz der schwergeprüften Gattin und Verwandten ermessen können. Die ganze Gemeindet trauert um ihn und wird ihm ein ewiges, ehrendes Andenken bewahren. .T35Mn. tür den iijsti ««enteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratentei enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben reügionsgesetzlichefi Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfe) (11144) Wir geben hierdurch bekannt, daß das Speisehaus von Frau Gorge in Coblenz, G ö r r e s st r. 1 in unsere Liste ausgenommen ist. Verein zur Zör-erung ritueller SpetfehSnser, Hamborg. verein für die jüdischen Interesse« Rheinlands. Neu erSffoetl Für Militärpersonen! Mittag*- and Abendtlseh ftmil Gorge, Coblem. Görresstrake 1. Jtefmnj: Rabbiner Dr. Wolf, Eöl„. (I1J81) Als Vermählte empfehlen sidi Leopold und Salomea Perlmutter, geh. Landau. Warschau im Oktober 1915. (11152) Marcfiescfiwan 5676. MW oder Stütze für streng rettg. größeren Haushalt in Franksirrt ofortz gesucht. 11156 0ebildete erfahrene reltg. Dame (50 Jahre alt), sncht Settraoen-ffellong als SmrSbame, Institutsleitertn ober bergt. Off. süd 11156 an die Ex-jOff. erbeten unt. HL 11157 pedltton dieses Blattes. l an die Expeditton d. Blattes. UPS Hochfeine TtPD ölWeizer-SlWlilsilell wie Milch . Mocca-. Haselnussu. Montrensia - Qualitäten empf. in 9 Pfd. Postpaketen Charles Nordmann, BASEL (Schweiz). (3357 tergesieüi intet Aussicht der errett Rabb. Dr. A. Cohn, Basel und Dr. Th. Löwenstein, Zürich. Talare für Rabbiner u, Kantoren fertigt in allen Qualitäten u. versendet nach allen Staaten 9795 Eaunel Kober ju. Bresla«, AgneSstraße l* ilt'ii unse Tencf d ^mitten ssl'if." ,. . "&f Reiferen Macht, i „Ss tat auf. Junger, gebildeter, orthod. M länder mit gutgehendem Gesch , .o-, u.M. 30000Vermögen, wun! 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