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Der Israelit · 1915-11-04 · Heft 46 (4.11.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 46 (4.11.1915)
Date
1915-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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4. November 1Ö15 ^7?*F: Der Is«ew. No. 46 Seite 5 Joachim I. war wie seine Vorfahren den Juden wohlgesinnt und noch ein Jahr vor diesem furchtbaren Prozesse 1509 hatte er einer ganzen Anzahl von Juden mit ^Frauen, Kindern und Gesinde Aufnahme in mehreren Städten der Mark gewährt. Der geistige Urheber und die treibende Kraft war nicht -er Kurfürst, sondern der Bischof Hteronynrus von Brandenburg, der im Dienste der Dominikaner gearbeitet hatte. Uebrtgens wurde die Unschuld der Juden auf der mr Frühjahr 1639 zu Frankfurt a. O. stattgehabten Versammlung festgestellt. Der Sohn und Nachfolger Joachims I., Joachim II. 15 35 —157 1 war beim Frankfurter Tag an. wesend. Dort ward auch ftie Judenfrage behandelt, der Kurfürst von Sachsen wollte die Juden aus seinem Lande vertreiben und Joachim II. scheint ihn in seinem Vorhaben durch den Hinweis auf den Prozeß von 1510 bestärkt zu haben. Da trat Philipp Melanchthon auf und bewies glaubhaft, daß die Juden in Brandenburg unschuldig den Feuertod erlitten. Die Beweise Melanchthons waren von derart zwingender Kraft, daß Jcachim II. davon beeinflußt, sein Verhalten gegen die Juden änderte und sie in jeder Weise begünstigte. Der Rat von Berlin und sogar Luther beklagten den schändlichen Einfluß, den die Juden auf den Kurfürsten ausüblen. Dies störte jedoch Joachim II. in keiner Weise, den Juden seine Gunst zuzuweisen, zunächst weil er überzeugt war, daß die Juden zu Unrecht zum Tode verurteilt worden waren, dann aber, weil „mit Verschlechterung der Münze, wucherischen! Handel und anderen Unziemlichkeiten die Christen bereits der Juden Meister seien, so weit, daß die Juden, die es nicht so im Großen treiben können, nur als Schüler zu erachten seien. Auch dürften die Frankfurter (Oder) solche Meister nicht weit suchen, sie werden sie in ihren Mauern leicht finden können, wenn sie sich des jüdischen Wuchers und anderer jüdischen Händel nicht mehr und unziemlicher befleißigen, denn die Juden selbst ihun können oder dürfen." Durch besondere Gunst zeichnete der Kurfürst zwei Juden aus, Michael Juda, der teils in Berlin, teils in Frankfurt an der Oder lette und den reichen Juden Münzmeister Ltppold in Brandenburg. Dieser Lippold besaß das Vertrauen des Kurfürsten in hohen! Maße und mißbrauchte dasselbe in schändlicher Weise. Als nun Joachim II. plötzlich starb, wurde Ltppold des Giftmordes an demselben beschuldigt. (Fortsetzung folgt.) Lorrespondenzen und Nachrichten. Die Heiligen Stätten in Palättina- Berlin, 28. Oktober. Die Kaiserlich Türkische Botschaft dementiert auf das entschiedenste die in der englischen Presse veröffentlichten falschen Nachrichten über die Zustände an den Heiligen Stätten, denen zufolge die Klöster in Jerusalem in Kasernen umgewandelt sein sollen, Rekruten auf dem Oelberg exerzieren, und auf dem Berg von Golgatha Schützengräben ausgehoben sein sollen. Diese Nachrichten sind in böswilliger Absicht verbreitet worden. Sowohl Christen wie Juden üben weiter in voller Freiheit ihre religiösen Andachten aus. Sie haben freiwillig einige Schulgebäude zu Hospitälern umgewandelt. Von der Wahrheit dieser Behauptungen kann sich jeder an Ort und Stelle überzeugen. Nntsclirel aus «mono Königsöerg t Ar., 29. Oktober. Das Hilfsvereins-Komitee in Königsberg stellt uns folgenden ihm aus Kowno zugegangenen Brief zur Verfügung: Durch den Sturm deS Krieges sind zehntausend Familien unserer Glaubensgenoffen von Stadt Kowno und Provinz in wenigen Stunden vertrieben worden, sodaß sie alles Hab und Gut verlieren mußten. Wir wunderten von einem Orte zum anderen, mit Greisen, Frauen und Kindern, mit Kranken und Hungernden, kein' Mund ist imstande dieses Elend zu schildern, keine Feder vermag es niederzuschreiben. Durch die nun im Lande eingetretene Veränderung kehrten einige hundert Familien hierher zurück, und Tausende sind noch zu erwarten. Die Rückkehrenden glaubten von allen Leiden erlöst zu sein, indem sie ihr verlassenes Hab und Gut wieder vorsinden und ihrer früheren Beschäftigung wieder nachgehen würden, aber leider, leider haben wir nichts vorgefunden, denn die verbliebenen Polen, die von den Rüsten für Freunde angesehen wurden und unbehelligt in der Heimat bleiben durften, haben alle unsere Häuser, Geschäfte und Fabriken geleert. Unsere früher groß und wohlhabend gewesene Gemeinde, welche durch ihre Wohltaten und ihre großartigen wohltätigen Institute berühmt war und jetzt weinend am Boden liegt, wendet sich an alle deutschen Glaubensgenoffen mit der dringenden Bitte, sich ihrer erbarmen zu wollen und ihr in diesem noch nie dagewesenen Unglück zu Hilfe zu itten. Retten Sie uns vor dem totalen Untergang! Nach uns von allen Setten zugegangenen Informationen sind mit der Besetzung Polens und Kurlands wohl die verbliebenen Juden von allen russischen Greuettaten gerettet worden, aber durch das erlassene Verbot jeglichen Handels mit Getreide, Pferden usw. — es sollen Kosumvereine für den Kleinhandel geschaffen werden — sind Hundert tausende dem Hungertode ausgesetzt. Unter den Rüsten durften die Juden nur in Städten wohnen und außer Handel und Handwerk nichts unternehmen. Nun ist ihr einziger Erwerb — der Handel — verboten, und verdient der Händler nichts, so hat der Handwerker keine Arbeit und keinen Verdienst, sodaß die Leute dem vollständigen Untergang entgegensehen. Es ist fraglich, ob man überhaupt genug Mittel wird aufbringen können, um wenigstens die erste drückendste Not zu lindern. Es bleibt daher der einzige Ausweg, an maßgebender Stelle diese Verhältnisse klarzulegen, die ganz anders geartet sind als in Deutschland. In Deutschland trifft das Verbot des Handels mit Getreide, Pferden usw. nur einen kleinen Prozentsatz in seiner ganzen Schwere, die Meisten können eS aushalten, während in den besetzten Gebieten die Gesamtheit davor auf's Schwerste betroffen wird. Ferner sind in den besetzten Gebieten die Wohnungen und Geschäfte der von den Russen vertriebenen Juden von den Nachbarn vollständig geplündert worden. Es muß daher in öffentlichen Bekanntmachungen in deutscher und russischer Sprache die Aufforderung ergehen, daß sämtliche geplünderten Gegenstände bet Zusicherung vi.n Straffreiheit binnen 8 Tagen an die Zivilverwaltungen abzuliefern sind, andernfalls hohe Freiheitsstrafen eintreten. Die Menge der geplünderten Sachen ist so groß, daß sie mit Millionen nicht zu decken ist. Es ist ein Jammer, anzusehen, wie die zurückkehrenden Juden außer den kahlen Wänden nichts vorfinden, während die verbliebenen Nachbaren ihre Sachen als Ueberfluß versteckt halten. Eine von den maßgebenden Stellen ausgehende Hilfe ist dringend notwendig. Warschau, 2. Nov. Der Generalgouverneur erlaßt folgende Bekanntmachung: ..Es ist darüber Klage geführt worden, daß die jüdische Bevölkerung an einigen Orten gezwungen werde, an ihren Sonn- und Feiertagen dte Geschäfte auch für- Privatpersonen zu öffnen. Der jüdischen Bevölkerung darf in ihrer Religionsübung, wie in der Gemeinschaft vorgeschrteben, nichtbeengt werden, soweit eS dte Kriegsnotwendigketten zulaffen." vie iüdifdien Schulen in Lo05. U g Lodz, 1. November. Im städtischen Haushaltungsplane sind für die jüdischen Schulen folgende Posten vorgesehen : Gehalt an das- Lehrpersonal an 17 Schulen 272,000 Mk., Gehalt an das Lehrpersonal an 6 geplanten neuen Schulen 84,000 Mk., Gehalt an das Personal für die Vertretung erkrankter Lehrpersonen 3000 Mk., zur Jnventarvervollständigung in 17 alten Schulen 6800 M(., zur Ausstattung der 6 neugeplanten Schulen 21,600 Mk., für ärztliche Aufsicht 3000 Mk., zur Anschaffung von Schulbüchern 2c. an arme Kinder 6000 Mk., Schulhygiene, Bäder 2c. 4000 Mk., Kurse für erwachsene Analphabeten 12,000 Mk., Unterstützung von bestehenden Privatschulen, Kinderbewahranstalt 2c. 24,000 Mk. Abhaltung von pädagogischen Kursen 6000 Mk. Insgesamt 442,400 Mk. Oesterreich-UrrSavn. Das ngudas«Jisroe(-Schu(ix>erft in Men. Wie», 29. Ottober. Dte segensreichen Leistungen der „Agudas Jisroel" und deren hohe Verdienste um die Erhaltung und Verbreitung drr jüdischen Lehre zu einer Zeit, da Hunderttausende Juden in der •Konfekt regelt den Stuhlgang bei Erwachsenen und Kindern. Proben und aufklärende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharmaka* Baaallschalt ehern. Fabrik, Fraahfmrl i. Main KaiMP Fpisdpioh Quoll« ■ —- Offenbaeh a. M.- Gegen Qieht nnd Bhenmaflsmus bewahrt. Alleiniger General - Vertreter: Friedrieh Stadls, Frankfurt a. M., Gftnthersburgallee 37. Tel.259n. 714 Aamiliennachrichten. Barmizwoh-Feier: Seligmann, Sohn des Herrn Charles Nordmann, Bafel (Schweiz). Vermählte: Ferd. Michel und Frau Helene geb. Bodländer, Breslau. — Leop. Perlmutter und Frau Salomea geb. Landau, Warschau. Telegramm Telephon: Nr. 83» Amt Hansa. Spezialhaus für Silberwaren Modelliern. Ciselierwerkstätte •Adresse: Nesop Fraakfnrtmala. Lazarus Pos« Ave. üoNUftront Frankfurt a. N. Berlin T. Steinweg 12. Unter den Linden 5. Künstlerisch aasgeführte Kultusgegenstände. Ez Chajim, Tass, Jad, Ner-Tomid, Chanukalampen etc. <mi Man verlange gratis und franco Zusendung meines neuen Masterheftes, das eine reichhaltige Auswahl in allen Preislagen enthalt Labbat Anfang u. Ausgang. mbin "n nsttr CfRT» Anfang Datum Ausgang Ubr Min. 1915* 5676 Uhr jMm. 28. tfcmtffurt a. M. 4 30 Nov. Marchr- 5 45 Verli« .... — — schwan. — — München . . . 4 40 5 31 Strakbnra *. . 5 — 5 45 Stuttgart. . . 4 30 5 36 Pose« .... — -- — — Rärnberg. . -- — — Hamburg. . . 4 30 i hi» -.» >; i . > ■ _t I

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