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Der Israelit · 1915-10-28 · Heft 45 (28.10.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 45 (28.10.1915)
Date
1915-10-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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28 Oktober 1915 Der $§xaelit. 9io. 45 Sette 6 3ü5if(h6s tlilfshomifee „Roter Halbmond.“ Zlctlitt, 22. Oktober. Das Jüdische Hilsstomitee „Roter Halbmond'' unter dem Vorsitz von Kommerzienrat OKrson Lirnon in Berlin ,mt dessen Lamm llinmm sich bekanntlich über 300 jüdische Gemeinden Deutschlands mit größeren Zeichnungen beteiligt haben, hat den von iljut ausgebrachten Fonds, entsprechend den Wünschen der Leitung der Sanitätsabteilung der türkischen Armee, zum ,«nu( von Scmitütsartikeln verwendet. Das angcschaffte Material rvurde mittels Sonderzuges nach Konstütttinopci gebracht. Ter Borsitzeud.' des Geschäftsführenben Ausschusses des Komitees, Tr. Alfred A'ofsig, übergab xu Konstantinopel die Spellde denl Leiter der Hecres-TanitätSabteitullg, Suleiman 2c um an Pascha, sowie den Vertretern des türkischen „Roten Halbmonds". Komm.-Rat G. Timon war durch Erkrankung verhindert, sich alt der Reise zu beteiligen. Wie die offiziellen Tepeschenbüro's bereits genteldet haben, wurde Tr. N o s s i g vom Sultan, dem Thronfolger Iussuf Izzed i u, Dem Kriegsminister Enver P a s ch a, dem Minister des Innern Talaat Bey und dem Kammerpräsidenten Halit Bey, sowie voll den Vertretern des jung-türkischen Komitees Midh at S ch ü tri und Tr. vi a s i m B e y ernpsangen. Tw Mikglleder des Herrscherhauses und die Vertreter der Regierung sprachen sich in ane r k e n ltend st er Weis e über die j ü d i s ch e BevöLternng aus, der ihr besonderes Wohlwollen gesichert sei. Tr. Rossig und Komm.-Rat G. Sinron wurden dnrey Verleihung des Medjidje-Ordens ausgezeichnet. Ans Veranlassung des Deputierten von Ko'i sianlinvpel, Emanuel Cara sj v und Tr. Ros >igS gründete ein Kreis namhafler türkischer s>uoeu mit Eiilwütigung der Regierung eine Vereinigung unter dem Raiuelt „T s mailisch - Isr aeliLi s ch e Ullion". Unter denl Vorsitz von Caras so gehören dem leitenden Komitee folgende Persönlichkeiten an: der Te putierte von Smyrna Di i s s i ln M a z l i a h, der Vorsitzende des Konsistoriullrs der Indischelt Ge ^lrraham und widmete sich fortan mir gros;rin Eifer dem Studium des judifchett Schrifttums. ^iach einigen fahren ocriietz Alrrayam Pvtocti Amfteroam und ili,'ten?ahm, als polnischer Jude verkleidet, eine vteife in oie arte Heimat. Zu keiner Gedurtsstadt Wilu.i augelangt, wuroe er aver erkannt und auf Perantafiung jeiner eiustutzreichen Verwandten in den Kerker geworfen. Er protestierte gegen die ihm angeiane Saun ach, leugnete auch, ein Gr>is Poto.tr zu fein, aber nachdem er fchreütichen Martern unterzogen worden war, gestand er altes Vvrgefatt'ene ein und wurde auf Betreiben der eigenen Familie jum F e u e r - lode verurteilt. Ketewet in seiner Biographie des Grasen Potocki Vlluu 180.7) teilt die Worte mit, die der Verurteilte angesichts des Todes an die Beiwohner des grausigen 2a;auspiciS gerichtet hat: „Glaubet nicht, hast es eine «serechtigkeit sei, die ihr auSnbt. Tie Wahrheit ist der Gott - ich sterbe für meine Ueberzeugung." Uno init dem Nitre: „Schma Iisrvel" stürzte er sich in die >Kammen. Die Juden Wilnas setzten ihn iparer auf ihrem Friedhöfe bei. (Aus einem Feldpostbrief.) 2. September 101.~>. Bieine Lieben'. Ich benutze eine kurze Rast, um Euch in aller Eile Eile diese Zeilen zu seiiden. Bon meinen Erlebnissen wag ich nicht sprechen, nur daS eine benterken, daß die allen Toldaien behaupten, wir hätten hier jetzt mehr an Kamps, Strapazen und Entbehrungen aus uns zu nehmen, ats sie seinerzeit in Belgien und Frankreich. TaS sagt genug! Ich sehe diese Zeit als Prüfuugszen an, dic mir vorn Schöpfer anferlegt worden und die ich geduldig und demütig tragen muß. Es gibt hier für einen denkenden Menschen .lur zwei Wege: entweder verzweifelt er an allem oder er wird gläubig. Ich habe meinen Glauben hier wrcdergewvnnen. Wenn's mal zu schlimm wird, greife ich zu den Tesillin und neuer Lebensmut und festeres Gottvertrauen erfüllt die Seele. Bisher bin ich allen Gefahren dank der göttlichen Hilfe entronnen. Auf fernen Schutz baue ich auch fernerhin. Möge uns allen bald der Friede bcfchieden fein, irnch dem wir uns alle sehnen. Euer Neffe und Beller M. meinde von Konstantin oprl Farhi Boy, Pro fcssor Vlbrevayn, der Präsident des Sani lärsrats der Marine Oberst Gate midi Bey sowie andere hevborrageiwe osmanische Juden. Tie Bereinigung bezweckt die Pflege freund schaftli ch i x B ci c h n n n r» zivischeu den Juden verschiedener Länder und den Osmoueu, sowie die fester e Eingliederung der os utcttckscheu Juden au die anderen Bevölkerung-? gruppe» der Türkei. Ferner sind der „Ssmanisch uisch-Israelitische» Union", aus Grund der ihr von der türkischen Regierung verliehenen Satzungen m der Angelegenheit der g e s e tz - l l ch e n Regelung der E i n tu a n b c x u u g v o u I n d e n n a ch der T ü r k e i wichtige Befugnisse übertragen worden. Es ist besonders hervorzuheben, daß das jungtürkische Komitee „Einheit iuiib Fortschritt", dessen Verhältnis zur türkischelt Regierung bekannt ist, einen ständigen Vertrete r in den Vorstand der „Osmanisch-Jsraelitischen Union" entsendet. Die Vereinigung gedenkt auch mit den die o ft -- jüdische.Bevölkeruitg betreffenden Fragen gelegentlich der internationalen Verhandlungen nach Beendigung des Weltkrieges sich zu befassen. In dieser Angelegenheit fand auch bereits zwischen der t ü r k i s ch e u R egicrung und der deutschen .Botschaft in Konftantinopel eilt M e i u u n g Sansta u f ch statt, der ergab, daß die türkische Regierung, ebenso wie die deutsche ltub oftcrre ichisch-nngarische, der Bestrebung zur B esse r u n g o e s Loses der I u d e ll d e s O st e n s d u r ch a u s lv o h l w o l l e n d gegennberftehen. Nähere Mitteilungen über die Dr. N o f f i g ist Konftantinopel erteilten Erklärungen, sowie über die Aktion der „Osmanisch-Israelitifchen Union" werden gelegentlich einer Konferenz erfolgen, die demnächst nach Berlin einberufen wird. Die Alliance Israelite OniuerfeÜe und Ser Krieg. ZS er rin, 20. Oktober. Vom deutschen Bureau der A. I. U. lvird uns noch geschrieben: Das „Confistoire Central des Is r n ö l i l e s d e F r a it c c" hat einen Ausruf an die Inden dcr neutralen Länder gerichtet, in ivelchem es diese anssordert, die Sache des Bierveronudes zu fördern. Tie tatsächlichen Angaben dieses Aufrufs sind rvahrheitsividrig, seine Schlußfolgerungen schon deshalb verfehlt. Wir rnürden Nils mit diesem Machwerk ebensowenig zu l'efnffen haben, wie mit ähnlichen von französischen Gemeinschaften anderer Glaubetlsbetennlnisse herrührenden, wenn nicht in Tageblättern behauptet worden wäre, daß die Versendung dieses Aufrufs von der Pariser Eentralleitung der Alliance Israelite Universelle ausgeaangen fei. Ta wir feit Kricgsbeginn felbftvcrstäildlich außer jeder Beziehung zu der Zentrallcitung der Alliance stehen, können wir nur auf Umwegen eine Feststellung des Sachverhalts vornchmeu. Einstweilen können wir nicht glauben, daß die Zentrale einer Bereinigung, die lediglich gemeinnützige Zwecke zu verfolgen, mit Politik aber nicht das allergeringste zu tun hat, in schwerer Verletzung der satzungsmäßigen Porschristen, unsere gemeinnützige internationale Gesellschaft den politischen Zlvecken eines einzelnen Landes dienstbar zu machen versucht haben sollte. Wenn aber unsere Ermittelungen ergeben sollten, daß wider alles Erwarten dennoch dies geschehen fei, so würden wir selbstverständlich als deutsche Juden die Beziehungen zu der Zentrallmuug der ^Alliance Israelite Universelle niemals wieder aufnehmen. Für jeden, der das Verhalten der deutschen Juden seit Ausbruch des Krieges objektiv beachtet hat, bedarf es übriaens keiner Erwähnung, daß das Interesse der deutschen Juden völlig eins ist mit dem Interesse unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Die Juden und der Krieg. Berlin, 1*. Oktober. _ In der „Vossischen Zeitung" teilt Pros. L. Stein folgende Ziffern mit, die ihm wie er bemerkt, von zuverlässiger Seite zur Verfügung gestellt worden sind: Tie Zahl der zuverlässig bekannten LeutnantsjüdischerReligion beträgt 286, darunter 100 preußische, 80 bayerische, 10 rvürttemberglfche, 6 sächsische. Die Zahl der Kreuzträger durste 1000 weit übersteigen, darunter 12 Träger des Eisernen Kreuzes erster Klasse ^sämtliche Zahlen sind Annäherungswerte). Tie Kriegsbcteiligung in jüdischen Studenten verbänden und im Turnverein Bar Kochba ergab Mitte September folgende Ziffern : 1. Kar tellkonvent, etwa 1000 Mitglieder, darunter 825 Kriegsteilnehmer — 82,5 v. >)., 2. Turnvereiir Bar Kochba 200 Kriegsteilnehmer — 75 v. H. der männlichen Mitglieder 20 Gefallene 10 v. H., 12 Auszeichnungen. Kus den okkupierten öebiefen. Warschau, 19. Oktober. Entgegen in der Zeitschrift ,,Poken" gemachten Angaben voll Dr. Zosia TaszynSka Gorinska über die Beteiligung der Juden an der Großindustrie Polens stellt ein Kemwr der Verhältnisse in der „Frankfurter Zeitung" folgendes fest: „Es ist ein Irrtum, daß „der Arbeiter, sowohl der Handlanger, wie der qualifizierte und die technische Hilsskrast, durchw,'g polnisch" sei. Laut Volkszählung von 1897 mären an jüdischen Arbeitern im russisichen Ansiedlungs rayon, der die westlichen Gouvernements, hauptsächlich das ehemalige Königreich Polen, umfaßt, beschäftigt: in der Textilindustrie 33 200 Juden, in der Illdnstrie der Nahrungsmittel 11797 Juden, in der Metallindustrie 10082 Juden, im Bergbau 1006 Juden, in der Industrie der Steine und Erden 5187 Juden, in der chemischen Industrie 6511 Juden, in der Holziildnstrle 41350 Juden und in der Leder- und Papieriildustrie 20146 Juden ivergl. Ber Boro chom. Zur jüoischen Arbeiterbewegung, „Freistatt" Jahrgang 1913—11 S. 508). Jrn Ganzen beträgt der Anteil der Juden unter der beruss täiigen Bevölkerung m der gesamten Industrie des Ansiedlungsrayons 34,1 Prozent, er steigert sich ill einzelnen Industrien tKleidungs, Rah rungs-, Tabak-, polygraphische Industrie) ans 60—80 Prozent, ist bei der Produktion von Halb sabrikatiolt und bei der Urproduktion entspre chcnd niedriger. Ans jeden Fall ist es aber uurichtig, die Arbeiter ut Polen als geschlossene polnische Masse zu betrachten. Ein Drittel von ihnen sind Iudcm. BA dem KarserUch deutschen Polizeipräsidium wird jetzt eine neue Schuldeputatton gebil. det, die die Aufsicht über die Anfangs- und Mittelschulen der Stadt führen und aus fünf Mitgliedern besteht. Zwei dieser Mitglieder müssen katholisch, eines evangelisch und zwei jüdisch sein. Alle Beschlüsse dieses Ausschusses unterliegen der Bestätigung des Kaiserlich deutschen Polizeipräsidenten. Lodz, 25. Okt. Unter dem Vorsitz des Herrn Albert Jaroetnski fand gestern eine Sitzung der Mitglieder der Jüdischen Ge meind everw al tung statt, in welcher folgende Angelegenheiten erledigt wurden: In Anbetracht des Beschlusses, zur Ausstellung des Etats zu schreiten, wird die Gemeindeverwaltung durch Vermittelung der Hausbesitzer statistische Daten über die jüdische Bevölkerung von Lodz und Umgegend, die der Lodzer Gemeinde angehören, sammeln. Ferner wurde die Bilanz für den Monat September geprüft) diese weist an Einnahmen auf: ein Darlehen von 5000 Rbl. von der Finanzkommission und 918 Rbl. an Spenden. Verausgabt wurden: für den Unterhalt der Kranken tm jüdischen Jrrenasyl 986 Rbl. 12 Kop., Unterhalt der Findlinge 298 Rbl., Zivilstandsakte für die arme jüdische Bevölkerung 150 Rbl., Gehälter für das Rabbtnat, das Fried-

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