Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 44 (21.10.1915)
- Date
- 1915-10-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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I Kette 6 Nr. 44 Der JSraelit 21. Oktober 1915 neben lauter falschen Kriegsnachrkchten die Juden des Verrates beschuldigt werden. In Kiew wurden alle Untertanen feindlicher Staaten ausgewiesen. Während der letzten drei Tage allein mußten tausend feindliche Ausländer Kiew verlassen. Seit Anfang Oktober darf kein Jude nach Kiew kommen. Sogar diejenigen, die das Vorzugsrecht genießen, im Innern Rußlands reisen zu dürfen, mußten Kiew verlassen. Die Lebensmittelnot ist unbeschreiblich groß. In Riga requirieren Soldaten alle Lebensmittel. Weiber und Kinder lungern vor den Geschäften und versuchen vergebens, die nötigste Nahrung zu kaufen, die aber oft nicht einmal für Geld zu haben ist. Trotzdem die Polizei die Leute zu beruhigen versucht und auseinander treibt, versammeln sich die Unzufriedenen immer wieder auf den Straßen. Um die Ruhe aufrecht zu erhalten, wurde die Polizei durch berittene Gendarmerie verstärkt, die Tag und Nacht die Straßen abpatrouilltert. Hetze gegen Sie jllSllsck-russiscken Nliegsgelsngenen in SeuMlsnS- Petersburg, 14. Oktober. In einer der letzten Nummern der „Nowoje Wremja" ist ein langer Artikel aus der Feder des bekannten russischen antisemitischen Journalisten N. Dulin enthalten, in dem der Verfasser ein angebliches Gespräch mit einem aus der deutschen Gefangenschaft zurückgekehrten russischen Schwerverwundeten widergibt. Der Zurückgekehrte soll dem Journalisten in einer Schilderung der allgemeinen Lage der russischen Kriegsgefangenen im Brandenburger Gefangenenlager vpn den großen Leiden erzählt haben, die die gefangenen Russen von ihren 15 jüdischen Mitgefangenen auSzustehen haben. Die „Russen" seien ganz dem „despotischen" Regime der jüdischen Gefangenen ausgeltefert gewesen, die sie verhöhnt, geschlagen und ihrer letzten Groschen beraubt hätten. Weiter klagte der angebliche Gewährsmann über eine bessere Behandlung der Juden siitens der Lägerbehörde, ihre besondere Verpflegung und überhaupt darüber, daß die jüdischen Gefangenen jede mögliche Bevorzugung und Begünstigung erfahren. Die jüdischen Gefangenen hätten sich, da sie das Deutsche beherrschten, glänzend mit den Deutschen verständigen können und sich bei den letzteren sehr beliebt gemacht, „vielleicht gerade deshalb, w.il sie ihre russischen Kameraden bis aufs Blut gepeinigt haben." Als aber die russischen Soldaten diese Schrecken nicht mehr ertragen konnten und einen Fluchtversuch vorbereiteten, — da habe sie — laut dem Zeugnis eines Mitgefangenen Polen — ein jüdischer Soldat bei den Wächtern verraten und sämtliche vier „Deserteure" (so heißt es wörtlich tm Bericht) seien erschossen worden. Auf die Frage der Journalisten, ob der Jude -nicht seine „verdiente" Strafe erhalten habe, erwiderte der Invalide mit größtem Gleichmut, die Kameraden hätten ihn ermordet. Auf eine zweite Frage, ob alle jüdischen Kriegsgefangenen ihre christlichen Kollegen in gleicher Weise behandeln, gab der Gwährsmann die Antwort: „Gewiß! Alle ohne Ausnahme." Die Tendenz dieser perfiden Verleumdung ist allzu durchsichtig. Personalien. Frankfurt a. M, 16. Okt. Gelegentlich eines Besuches Ihrer Majestät, der Königin von Bayern, im Neservelazarett Goeiheschule in Ludwigshafen ist dem fchwerver mundeten Kriegsfreiwilligen Herrn Leo Mendel aus Hamburg die hohe Ehre zu Teil geworden, von Ihrer Mojestät in leutseligster Weise mit einer Ansprache ausgezeichnet zu werden. Die Königin, sowie ihre Tochter, Prinzessin Hildegard, richteten aufmunternde Worte an den tapferen Helden, der sich sowohl das Eiserne Kreuz als auch das mecklenburgische Verdienstkreuz auf dem Felde der Ehre erworben hat. Zum Andenken erhielt er das Bildnis des Kaisers, des Sum22.0klober empfehlen wir: Gemischte ZwitscbcH" nerM*xv Eimer 7t beiseite" Sff.48 Eiin. 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Mehrere Rabbiner, der Vorsitzende der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, sowie viele Vertreter von Vereinen und Stiftungen gaben dem Schmerze ob dem herben Verluste beredeten Ausdruck. Vrieskasten. Fr. Th. L. in Fr. Wir haben Ihre Anfrage einer fachkundigen Stelle unterbreitet. Fr. C. Sch. in M Uns ist in der Sache nur Günstiges bekannt. D- L. F. in W. Wir haben Ihre Mitteilung der »zuverlässigen Stelle" übermittelt. Besten Dank. K. M., P. L. und viele Andere, uns liegen zur Zeit ganze Stöße von Feldpostbriefen vor und müssen wir die. verehrten Einsender um etwas Geduld bitten. Der Verkauf der Seefische steht unter städtischer Preiskontrolle. Für diese Woclie empfehlen wir in bekannt guter Qualität: Donnerstag eintreffend Bratfische ™35 Cabliau Cabliau mit Kopf Pfd. ohne Kopf Pfd. 48 64 Pfe. Pfe. Pfe. Pfe. Schellfische 58 Die Preise verstehen sich ab Verkauf stelle. Die beiden letzten Sorten werden nicht in allen Verkaufsstellen geführt. J. Latscha. G. Kok. Schade & Füllgrabe. C. Frühling. Monatsschrift fürLehreu. Leben im Judentum Herausgeber Dr. I. Wohtgemuch. Heft 10 des Jeschnrun ist erschienen und enthält die Aufsätze: Optimistische und pesftmisüsche Weltanschauung von Rabb. Dr. I. Unna. Mannheim. — Biblische Motive in Goethe s ,,Faust" von Oberlehrer 'Dr. Leo Den tschländer, Berlin. — Abraham Berlincr's wissenschaftliche Bedeutung von Dr. S. Epenstein, Berlin. (3322 . Abonnements zum Preise von Mk. 6.— für Deutschland, 7 Kr. für!! Oesterreich-Ungarn, Mk. 7.— für das übrige Ausland nimmt entgegen jj Verlag des Jescluarun, Berlin N 24, ) Krausnickstr. 2. 279475 49789250 920445