Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 44 (21.10.1915)
- Date
- 1915-10-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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21. Oktober 1915 Der Israeli». No. 44 Sette 5 alle trugen mit schreienden Farben die Firma: „Beshakneses". Der Charakter der Zeit und der Beter wäd grau. lieber 10,000 jüdische Soldaten suchten und fanden in den heiligen Gebeten ihre Erbauung. Wo es nur möglich war, selbst in den Spitälern/hatten sie ihr eigenes „Minjan." Die neue Synagoge in der Kazinzygasse war von orthodoxen Soldaten überfüllt. Es ging ein Tränenschauer durch die betende Menge, als der greise Führer der Gemeinde, Rabbi Koppel Reich, vor dem Schosarblasen in lapidarer Sprache die heilige Weihe der großen Zeit schilderte und zur Rückkehr mahnte. Auch bei den Anderen schien der verheerende Weltbrand Funken der Reue entfacht zu haben. Der Geschäftsgang stockte, die Läden waren geschlossen, die Kaffees leer, weil sich der Inhaber der Geist der Zeit bemächtigte. Es war aber alles nur flüchtig. Denn mit dem Aufblitzen der üblichen drei Sterne, die den Ausgang des Tages bedeuten, nach denen die „Andern" bedächtig auslugten, wurden am Sabbat-Schluß die Geschäfts geöffnet und das alte, traurige Kampfesleben nahm seinen düsteren Anfang. Z. V. A. Budapest. Seit einiger Zeit sammelte die Redaktion des „Egyenlöseg" zur Linderung der Not unserer Brüder in Palästina 80,327.77 Kr. In Anbetracht des Umstandes, daß dieses Blatt zu jeder Zeit dem Kole! gegenüber heftigste Opposition macht, ist diese Tat in schwerer Stunde überaus lobenswert. Budapest. Im Garnisonsspital 16 und 17 wurde an den vergangenen hohen Feiertagen der Gottesdienst für die Soldaten in einem hierzu adoptierten Raum abgehalten. Jeldprediger David v. Freudiger sorgte für die Erbauung der Krieger, denen er die nötigen Ritualien verschaffte. 250 Soldaten kamen durch seine Vermittlung zu ritueller Verköstigung. Dees. Der Klausenburger Gerichtshof verurteilte den hiesigen Karl Walther zu zwei Wochen Gefängnis wegen Aufreizung gegen eine Konfession. Er beschimpfte die Juden, weil sie nach seiner anmaßlichen Ansicht zu wenig Blutopfer im Kriege bringen und hat nun etwas freie Zeit, sein Urteil überdie Juden korrigieren zu können. Z. B. A. Grobwardein Die hiesige neologe Gemeinde leitet eine Landesaktion zum Aufbau der durch die Ruffen zerstörten Synagogen und jüdischen Schulen Oberungarns. Wo die Stadt aus eigener Kraft ein Filialdorf in Oberungarn errichtet, solle die Judenschaft daselbst für ihre Brüder das Bethuus und die jüdische Schule erbauen. Z. B. A. Kassa. Der in weiten Kreisen als streng gesetzestreuer Arzt bekannter Leiter der hiesigen Beobachtungsstation für infektiöse Krankheiten, Dr. Joses Lövi, wurde in Anerkennung seiner besonderen Leistungen im Dienste des Gesundheitwesens der Armee ausgezeichnet. Savar. Im Gefangenenlager des Eisenburger Kenntnis befinden sich über 500 jüdische Soldaten, diesen wurde vom Kommando anläßlich der hohen Feiertage das weiteste Entgegenkommen gebracht. Sie hatten ein eigenes Minjan in dem von der Militärleitung schon längst eingerichteten Bethaus. Eigene Borbeier sorgten für die Andacht und gefangene Kameraden sprachen Worte der Erbauung und des Trostes. Für wenige Stunden vergaffen die Unglücklichen ihr drückendes Leid, an das sie bei der Andacht nur dann erinnert wurden, als ein im Lager Mitgefangener Huligan durch e.nen Steinwurf gegen das Fenster des Bethauses ihnen demonstrierte, daß „echte" Russen in der Nähe feien. Er wurde exemplarisch bestraft und das heilige Festgebel konnte fortgesetzt werden. Z B. Ä. RuMand. Oie DJaftrheif über die Rbfcftaffurfg der rufiifdien „Tfcherta.“ Petersburg, 1V. Oktober. Die „Rjetsch" hatte in ihrer Nummer vom 23. September das auch in der deutschen Presse vielfach erörterte Telegramm des Direktors der Petersburger Internationalen Bank Wischnegradski an Baron Rotschild in Paris ver öffentlicht, das sich, anscheinend um die Londoner Hochfinanz den russischen Anleiheplänen geneigter zu machen, mit der angeblich von der russischen Negierung geplanten Erweiterung der Rechte der Juden befaßte. Das Telegramm enthielt die Mitteilung in ganz prägnanter Form daß den Juden das Aufenthalts- und Grunderwerbsrecht für alle russischen Städte mit Aus nähme der Residenzstädte, und außerdem das Recht zur Benutzung der öffentlichen Unterrichts anstalten eingeräumt werden sollte. Nunmehr sieht sich dieselbe Zeitung „Rjetsch" genötigt, in ihrer Nummer vom 26. September darauf hinzuweisen, daß der darauf bezügliche Zirkularerlaß des Ministers des Innern andere Angaben enthielte und sie schreibt dann: „Im Telegramm Wischnegradskts wird gesagt, daß den Juden in allen Städten und kleinen Plätzen das Wohnen, mit Ausnahme der Haupt- und Residenzstädte, gestattet sei, und daß ihnen das Recht, immobilen Besitz zu erwerben, für alle Plätze ihres neuen Aufenthalts eingeräumt sei} indessen ist im Zirkular des nisters des Innern eine Ausnahme, nicht nur für die Haupt- und Residenzstädte Vorbehalten, sondern auch für die Orte, die dem Ressort des Kriegsmintstertums unterstehen. Außerdem ist in dem Zirkular nichts davon gesagt, daß das Grunderwerbsrecht sich auch auf die Orte bezieht, für die sie erst von setzt an Aufenthaltserlaubnis erhalten." Es versteht sich von selbst, daß Herr Wischnegradski niemals dem Baron Rothschild Mitteilungen gemacht hätte, für deren Zuverlässigkeit er sich nicht hätte verbürgen können,- noch weniger würde er sich erlaubt haben, Voraussagungen für die Zukunft zu machen, wenn er nicht dafür ganz begründete Unterlagen gehabt hätte. Wenn er also Rothschild versichert, daß die Erweiterung der Aufenthaltserlaubnis für immer bewilligt sei, so muß er zu solcher Mitteilung von autoritativen Personen ermächtigt worden sein. Wenn es sich andererseits herausstellt, daß im Zirkular weitere Beschränkungen enthalten sind, als im Telegramm, so kann man wohl ohne Fehler annehmen, daß zunächst die Erlaub- Runmehr hält der Prediger eine der Weihe des Tages entsprechende Ansprache. Dann wird Schofar geblasen^ and das Musafgebet beschließt den Gottesdienst. Wir lnachen uns auf den Heimweg, denn wir wollen zum Mttagessen wieder zurück sein. Am zweiten Tag m machen wir uns zeitig Ms den Weg, denn wir haben fast 2 Stunöen bis N. zu gehen, wo heute der Gottesdienst stattsindet. Wir 'durchziehen eine wunderschöne Gegend, überall sängen die Bäunle voller Aepfel. Hier merkt man nichts vom Krieg. Wir kommen uns säst wie Taunus- Ivanderer vor. Nur der Hurrahhur, wie wir den Helm getauft haben, und das Koppel mit dem Seitenzewehr erinnern uns an mtseren kriegerischen Beruf. Die Versammlung ist fast genau so stark wie am Vorlage, und der Gottesdienst nimmt ungefähr denselben Verlauf. Gegen Mittag trennen wir uns, teils geht 's wieder tn die Ruhequartiere, teils wieder in den Schützengraben. Der m ist für uns vorbei. Am Abend versammeln wir Juden vom 1. Bataillon Keg. Nr. 80 uns nochmals, um, den Freitag Abend tot Gebet zu begehen. „Baut bescholanm" ertönt es., jeder von uns hofft es! Am anderen Morgen fuhrt uns ein Uebungsmarsch durch dieselbe Gegend, die wir am Tage vorher, als wir zum Gottesdienst gingen, durchstreift haben. Wieder denken wrr an die Vergangenheit, lassen die beiden Tage n*“i nochmals an uns vorüberziehen. „In der Heimat da gibt's ein Wiederiehen", erklingt es aus hunderten von Männerkehlen and hierein mischt sich mein Wunsch : Tchadesch olenu lchonoh tauwoh. Go war mein Rosch-Haschonoh 5676 im Felde. Euer H. W. Jerusalemer Srolkarlen für M Sondis hungrige Kinder. Geduldig Kinder, habt Geduld, Ihr braucht Euch nicht die Arme auszurecken, Ihr Großen haltet Euch im Hintergrund, Ihr werdet mir die Kleinen ganz verstecken. Heut wird der Tisch nicht hier für Euch gedeckt, Zwei Karten jede, sie dem Bäcker hinzutragen, Zwei kleine Lärvchen Brot er dafür gibt, Den Jomtes-Tesch zu zieren, was wird Vater sagen? Und manche denkt: „Mcht heimlich brauch ich mir Für Atutter heut vom Munde abzusparen." „Was hast Du unter Deiner Schürze denn?" Braucht heute nicht die Lehrerin zu ftagen. Und aller Augen schauen strahlend auf In ihren Blicken liegt ein Dank darin. Das Jomter-Brot zu holen zieht die Schar, Eilenden Trittes nun zum Bäcker hin. (Der Weltkrieg im Lichte -es Judentums.) Unter diesem Titel sind die Kriegsaufsätze von Dr. I. Wohlgemuth im „Jeschurun" in Buchform, j Verlag des Jeschurun, Berlin), erschienen und werden in dieser Ausstattung von der jüdischen Welt mit hohe! Freude begrüßt werden. Sie behandeln, nach der kurzen Vorbemerkung des Verfassers, von verschiedenem Gesichtspunkie die Frage: „Wie stellt sich die Lehre des Judentums zu den Problemen, die der Weltkrieg der Religion ausgibt v" Wir werden das bedeutsame Werk eines bewährten Meisters des jüdischen Wortes und Gedankens an geeigneter Stelle einer eingehenden Würdigung unterziehen. ms in dem Umfange vorgeschlagen war, in dem Wischnegradski sie erwähnt, und daß erst nach derAbsendung dieses Telegramms die Mangel einer Veränderung nach der Seite der Beschränkung hin unterworfen worden ist. Neue Leiden der Juden in Kußland Stockholm, 14. Oktober. Der Gouverneur von Poltawa hat 12000 jüdischen Flüchtlingen den Befehl erteilt, unverzüglich sein Gouvernement zu verlassen. Die Mehrzahl der Juden war aber dort schon seit langer Zeit ansässig und übte friedlich ihr Gewerbe aus. Der Versuch, das Verbleiben dieser Leute durch Fürsprache der Munizipalbehörden zu erreichen, war vergeblich; der Befehl wurde vollzogen. Dasselbe Schicksal hatten auch die jüdischen Flüchtlinge des Tambower Gouvernements. Im Distrikte von Oschmjany wurde die jüdische Bevölkerung mit Gewalt „evakuiert". 30000 Juden wurden dadurch obdachlos. Sie wandern zu Fuß die lange Landstraße Smorgonje-Mtnsk einem ungewiffen Schicksale entgegen. Nur 300 sehr Wohlhabende fahren auf Wagen. Die Moskauer jüdische Gemeinde erhielt der „Rjetsch" zufolge aus Bransk folgende Mitteilungen: Einem von Roslaw kommenden jüdischen Flüchtltngszuge, der in Setschinsk Halt machte, brachten die dortigen Juden Lebensmittel als Liebesgaben. Die russischen Beamten verboten aber nicht nur, die armen Flüchtlinge zu speisen, sondern sie warfen alle Lebensmittel, die gebracht wurden, weg oder vernichteten sie. Den jüdischen Frauen, die ihre Abteile verlassen wollten, um für ihre hungrigen Kinder auf dem Bahnhofe etwas zu kaufen, wurde das Aussteigen verboten mit der Begründung, man glaube nicht an diese Art von „Ausreden". Auf diese Weise blieben die Säuglinge ohne Milch und alle Flüchtlinge mutzten hungern. Aus Jwan-Wosnesjensk berichtet„Rjetsch" weiter, daß unter die Bevölkerung vieler Städte antisemitische Flugschriften verteilt werden, in denen Für den öle! lame teil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist eS ausschließlich Sache der Leser, vis i« Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« »ver sonstiger Angaben religioaSgesetzlicheo LtzarakterS ans ihre Znverlasstakeit z» vrSse«. -Konfekt regelt denJStulilgaiig Erwachsenen and Kindern. Proben und anfklärende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharmakon Besellsehaft ehern. Fabrik, Fraiktirl a. Aal» Kaiser Friedrich Quelle - — - Offenbaeh a. M... -> ■ Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich SttlL, Frankfurt a. M., Günthersborgallee 37. Tel.259 u. 714 Familiennachnchten. Geburten: Einen Sohn: Simon Epstein (Baer) Freiburg i.B — Jak. Lewkowitz (Rosenberg) Regensburg Goldene Hochzeitsseier: I. S. Gans u. Frau Rotenburg a. Fulda. Labbat'Anfang u. Ausgang. trpiroü’ . n ft Ta Anfang 9*tnm AuSgang 1 1 f S" F 1915! 5676 Uhr jMin. 22. 14. üttutffttrt a. M.! 4 50 Oft Marche» 6 05 Berlin . . . . — — schwan. — — München . . . 5 — 5 51 Strastbnrg . . 5 15 6 05 Stuttgart . . . I 5 — 6 — Pose» . . . . — — — — Nürnberg. . . - — — — Hamburg, . .1 4 44 $