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Der Israelit · 1915-10-21 · Heft 44 (21.10.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 44 (21.10.1915)
Date
1915-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der JSraeltt. 21. Oktober 1915 ten, sie wieder herbeizusehnen, nachdem durch ihre Vertreibung, durch das Fehlen ihr^r Arbeit am! Bolksgedciheu, ihre schwerentbehrltche Geistes- und Arbeitskraft sich erwiesen hatte. Man kömtte obi^e Behauptungen und Feststellungen fast wörtlich wiederholen und das Mort Judentum durch Deutschtum ersetzen. Auch die Deutschen haben durch ihre hohe Stellung im Gebiet der Wissenschaft, wie durch ihre außerordentlich innere Tüchtigkeit einen außergewöhnlich großen Einfluß auf Welthandel und Berkehr, aus Menschheitsfitte und Kultur errungen, der von Vorurteilslosen anerkannt, von Feinden und Neidern ihnen vorgeworfen, von ihnen selbst aber mit berechtigter Genugtuung bekannt wird. Auch das deutsche Volk ist ein friedlich gesinntes, das von geistigen, gemütstiefen Neigungen beherrscht, mit Vorliebe ruhig seine und der Menschheit Fortentwicklung Pflegen möchte, das den Ehrgeiz besitzt, als Muster eines fleißigen, ehrlichen, für alle Stände gleichbesorgten Volksganzen in ruhigem Gedeihen unter seinem Feigenbaum uub Wcinstock dahinzuleben, ohne seinen Nachbarvölkern zu nahe zu treten. Und doch finden wir, daß auch, gegen Deutsche sich Midian und Moab, daß Völker mit widersprechendsten Jnterssfen, Völker von himmelweit verschiedener Ansicht über Kultur und Sitte, daß Deutschlands Erbfeinde und seine Stammverwandten sich miteinander verbinden, um es zu demütigen und zu schäaigen oder gar zu vernichten. Auch der Deutschen geschäftliche Entwicklung suchten Feinde oadurch zu behindern, daß man versuchte, ihre Waren durch besondere Kennzeichnung vom Markte anszuschließen und sie auf gewisse Geschäftszweige zu beschränken/ aber auch die Deutschen verstanden durch Tüchtigkeit und Anpassungsvermögen die böswillig gemeinte Zeichnung in ihr Gegenteil zu verwandeln, daß gerade die deutsche Entwicklung die Leistungen der feindlichen Mitbewerber besiegte und erdrückte. Auch den deutschen Stämmen wird mit Recht vorgeworfen, daß sie in ewigen, kleinlichen Streitigkeiten sich befehdend einander schwächten und dadurch den ringsum lagernden, schadenfrohen Neidern die Gelegenheit zu Angriffen boten. Das deutsche Volk, das durch feine geistige Ueberlegcnheit oerbient hätte, andere zu beherrschen, war durch kleinliche innere Zwistigkeiten lange, gar zu lange der Spielball fremder Laune und Willkür, war, anstatt das Herrschervolk im Rate der Völker zu sein, lange das Aschenbrödel der Geschichte. Auch beit Deutschen wirft man mit' Recht vor, daß sie gar zu leicht ihre eigene hochentwickelte Sitte opfern, um mit fremden, wech feinden, schöngleißenden Formen Götzendienst zu. treiben, anstatt mit ihrem eignen Werte zu Prangen. Auch der Deutsche sucht in der Fremde Heimatsitte und Gewohnheit rasch abzulegen, uni sich Fremden anzugleichen, wohlbedacht, daß er nicht mehr für einen Deutschen gehalten wird, stolz darauf, ivenn er sich rühmen kann, man habe ihn für einen echten Pariser, für einen eingeborenen Engländer oder Aankee gehalten. Und tu oer Heimat gar, da behandelt er jeden Fremden nicht nur höflich, wie es der Anstand gebietet, sondern wie einen höher stehenden Menschen, der sich alles erlauben darf, Frechheit und Rücksichtslosigkeit. Aber auch das hat sein Gutes. Die Anpassung an fremdes Wesen, die Gefügigkeit gegen fremde Wünsche, das bereitwillige Entgegenkommen gegen fremde Eigentümlichkeit öffnete den Deutschen die Bahn im Verkehr, ermöglichte zhnen den Sieg über weniger bewegliche, weniger kluge Mitbewerber. Auch darin gleichen Judentum sich und Deutschtum, daß auch beim Deutschen die gemeinsame Not eine bewundebttsrverte Spannkraft, eine unbezwingliche Entschlossenheit zu Kampf un. Sieg, eine außerordentliche Kraft zur Niederringung auch der stärksten feindlichen Verbände im deutschen Volke zu entwickeln vermag. Das mußten seine Feinde und Neider schon oft erfahren, und erfahren es jetzt in einer Weise, die alle Welt in Erstaunen setzt. Mögen sie reden vom späteren Ausschluß der Deutschen von ihren Märkten, mögen sie faseln vor: Aussperrung deutschen Wettbewerbs, in ohnmächtiger Wut werden sie bald der Deutschen Unentbehrlichkeit erkennen lernen, ihnen zur Schmach, dem Deutschtum zu glänzender Rechtfertigung, zum herrlichen Sieg. Vielleicht ist es dieser Berührung, dieser Aestnlichkeit im Geschick und Wesen zuzuschreiben, daß das Judentum dem Deutschtum besonoe;s anhänglich ist. Wenn wir das letzte anderthalb Jahrtausend rückblickend verfolgen, war der Leidenskelch der Juden in deutschen Landen wohl nicht weniger, reich und bitter als in ihren andern leider so wcchselreichen Ruhestätten, und doch haben die Juden, wenn auch schon über 1000 Jahre verslessen sind, daß sie von Deutschland weggewan- Deu nach Ost uitö West, die deutsche Sprache festgehalten als Muttersprache. Ist es auch einerseits ein verdorbenes, so ist es andererseits ein treubcwahrtes Deutsch, denn in ihm finden sich alte deutsche Benennungssormen gehütet, die dem Forscher als Wegweiser zu sprachidialektischen Quellen, der Sprache überhaupt noch heute als Bereicherungsquellen dienen können. Selbst in den Ländern des Westens, wo das letzte Jahrhundert ihnen rascher manche Gleichheitsrechte bot, hat die Anhänglichkeit des Judentums an das Deutschtum sich bewährt, indem es die deutschen Benennungen beibehielt für alles Reinjüdische. Es gibt keine good week, keine bonne 9to. 44 Sette 3 seinaine, kein bon schabbes, sondern nur „gut Wach", „gut Schabbes"/ Mazzeklös und Tefillrnsäckklc erinnern küchentechnisch und religiös an Zusammengehörigkeit mit dem Deutschtum, und selbst ein geborener Engländer, der seit langen Geschlechtsfolgerethen dem Jnselreiche angc hörte, uitd der weder ein Wort deutsch verstand, noch sprach, konnte mir das ,,Allmächtiger Gott, bau deinen Tempel Schiere" von A bis Z ohne sprachliche Lücke Vorsingen. Nicht nur in der Sprache blieb das Judentum dem Deutschtum treu, auch in der Politik wurden und werden unsere Brüder in Ländern, wo Slaventum und Deiilschtnm sich bekämpfen, selbstverständlich als Parteigänger des Deutschtums angesehen, gehaßt uncverfolgt. Wir deutsche Juden dürfen uns des jetzigen siegreichen Bestehens aller Not und Gefahr doppelt freuen, als Deutsche und als Juden. Lorrespondenzen und Aachrichten. Deutsches Ketey. Sie fl I. ü. und Ser vierverbanS. Merlin, 15. Oktober. Zu unserem Bericht aus Rotterdam in der jüngsten Nummer über den Aufruf der Alliance» Israelite Universelle für den Sieg des Vierverbandes, teilt uns das deutsche Bureau der A. I. U. folgendes mit: Wie aus einem Artikel des „Temps" vom 29. September ersichtlich/ ist jener Aufruf von Paris aus wohl verbreitet worden, aber nicht die A. I. U., sondern das Zentral-Konsistorium der französischen Israeliten hat für diesen Aufruf gezeichnet. Mit der Ä. I. 11., die sich getreu threr Tradition jeder politischen Betätigung fernhätt, steht das Zentral- Konsiftorium der französischen Jsraettren in keinem irgendwie gearteten Zusammenhang. Angesichts anoerer Zeitungsmeldungen, die von einer Versendung des Ausrufs durch das Alliancebureau zu berichten wissen, wollen wir bei dieser Gelegenheit darauf Hinweisen, daß besonders durch folgende Tatsache die Legende von der Beteiligung der A. I. U. an politischen Bestrebungen gefördert zu sem scheint. stimmt war, damit -- wie die Weisen sich nusdrücken — wenn jemand eine Fälschung versuchen wollte, man die in der Lade verwahrte Mosesschrist zum Beweise Hervorbringen könnte." Allerdings scheim diese Leistung eine sür uns so unmögliche, undenkbare, datz man, um sie dem Verständnis näher zu bringen, ivohl annehmen darf, datz es sich hier nichr um das Schreiben von 13vollständigen Thoraschriften, sondern bloh um die Fertigstellung längst geschriebener handelt, wie wir ja heute noch vom Schreiben einer Sefer Thora sprechen, wenn wir sie durch Beifügung einiger noch fehlender Worte gebrauchsfähig machen. x:nn qvs rxin rmrn rx nre z:rz‘i Mo sch eh schrieb an diesem Tage diesen Gesang, sagt deutlich das Thvrawort mit dem gleichzeitigen Zusätze: "iv nirc*? ntpc nSrr '.-in, als Moschest vollendet hatte die Worte dieser Lehre in ein Buch bis ganz zu Ende niederzuschreiben, coon „Bis ganz zu Ende!" Mit dieser Bezeichnung wird es in unserem Zusammenhänge zweimal betont, daß die Thora, wie wir sie in Händen haben, mit jedem Buchstaben bis zum letzten?r aip von Moscheh selbst geschrieben ist nach dem Urdiktate Gottes - n'.rrnp “iscs fügt im hinzu. So lange wir an dieser grundsätzlichen Wahrheit fefthalten, haben wir auch einen Zusammenbruch unserer Thoraidealo niemals zu befürchten. Wenn auch durch Abfall oder Verirrung, wenn durch die drängenden Leiden, durch die unsäglichen Zorans, die Thora in Israel iti vernachlässigt werden könnte: die grundsätzlich unverkümmerte Wahrheit, der Glaube an die ewige Unantastbarkeit und Unveränderlichkeit des durch Moscheh Rabbenu vollendeten Gottesgesetzes verbürgt auch die ewige völkergeschichtliche Existenz unseres Volkes, welches berufen und verpflichtet ist, die Bestimmungen dieser Thora zu erMev. Und diese beiden Worte con “y werden bei uns immer aufs Neue beleben die alte Wahrheit, die alte Ueberzeugung: x'.n u'te nrv '"iten mirn rxnr rro’te pcxa "x rvjno^ n::run. Kleines Feuilleton. Die Feiertage im Felde. (Aus Soldatenbriesen.j Zum zweitenmale ist es, datz ich das jüdische Neujahrsfest tut Felde feierte. Vor einem Jahre starte uns die wir vor Naneh lagen, die schöne Kehilla in Delme (Lolhr.) freundlich ausgenommen, die Gegend am Westrand der Argonnen jedoch besitzt keine Zivilbevölkerung mehr, und so waren wir ausschließlich aus uns selbst angewiesen. Ta waren wir aber freilich nicht verlassen, denn nicht nur, datz bei unserer Division eine große Anzahl Jehudim sich befindet, es sind auch sehr viele gute und fromme Juden dabei, die sich gern um ihre Kameraden sorgten. Bereits einige Tage vor Jomtof erreichte uns int Schützengraben Der Divisionsbefehl, datz die jüdischen Soldaten für die beiden Fickortage zu beurlauben seien und daß Gottesdienste auf der Saalburg, wv wir am Tischo bc-Av schon gewesen, und in Grandham startfänden. Am Erew Rosch haschonoh morgens begann ein Kanonendonner, der die Erde erzittern ließ. Obwohl es etwas links von uns war, bebten unsere festen Unterstände wie Pappe. Es war das schöne erfolgreiche Gefecht des 8. September in den Argonnen, das sick hier abspiette. Gegen Mittag griff das Ämter ans unsere Stellung Ger, trotzdem verließen wir den Graben, obgleich uns die Franzosen ^bis an die Grenze der Reichweite ihrer Geschütze mit Schrapnells bedachten. Es war ein heißer Ärg und schwer druckte die Last des Tornisters und des ganzen Sandsacks voll Liebesgaben, die mir die Feldpost zu Rosch ha'chonoh gespendet hatte. In E. . . nahm mich Herr Ossiz-Ltellv. D. von meiner Kompanie im Wagen mit nach V. . ., dem Quartierort unserer Bagage, wo wir bald gastfreie Ausnahme fanden und uns nach drei Wochen Schützengraben das ersehnte Bad in der Aisne genehmtgten. Am Abend schon fand sich ein mehr als kriegsstarkes Minjan bet Herrn G. ein, der an diesem Tage und zu dieser Stunde gerade ein neuerbautes Blockhaus bezog, das er nicht schöner hätte „einlernen" können. Herr G., ein geborener „Fulder", aber in Frankfurt a. M. ansässig, ist eine der beliebtesten Persönlichkeiten des Bataillons. Bringt er doch täglich die Säcke mit der ersehnten Feldpost nach vorne. Und zum Sortieren hatte er jetzt dies schöne Häuschen bekommen. Von alten Selten kamen nun örameraden, von Stellung, aus oen Rnhequartiereu in der Nähe, den Bureaus in V. . . Mir ward die hohe Ehre zuteil, daß ich vororen durste und eine Weihevolte Gebetsstunde verging, bis wir uns alle mir festem Händedruck, aber mit unterdrückten Tränen „Le Schonoh tauwoy" wünschen dursten. Hieran schloß sich ein gemütliches Abendmahl, zu dem alle an Konserven ihr Teil beisteuerten. Wir hatten richtige „Barches", schönen Ktddujchwein als.Stiftung des Herrn D., deit auch sein jüngerer Bruder, der in der Champagne steht, bemchr hatte, unseren Sützapsel mit Honig, den der Mekor Chajim-Berein Frankfurt a. Al. gespendet. Am anderen Morgen machten wir uns schon in Mer Frühe ans nach der Saalburg und ans allen Ä«g^ _-VL iL 'A._> l!1 f;> , ’n.

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