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Der Israelit · 1915-10-21 · Heft 44 (21.10.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 44 (21.10.1915)
Date
1915-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 1 Mt. 44__ Schriften in nuten Uebersetzmiqen dem deutschen Publikum zuführte. Gobineau stellt seine Theorie, die einer gefunden Mischung der Rassen das Wort redet, in den Dienst der Völkerverbrüderung. In ker Hand seine? anqlodeutschen Jüngers Ehmubcrlain wird sie zu einer nnerschövflichen Quelle de? Bölkerbasse?. Gründlicher und überzeugender, als es im Herrschen Buche geschehen ist. kann der Nachweis nicht erbracht werden, daß „Chamberlains hochmütige Unwissenheit auf sämtlichen von ihm behandelten Gebieten nur durch, seine Gehässigkeit übertrofsen wird." Und dieser Triebfeder der Rassentheorie, dem blinden Judenhaß. dürfte seht in Deutschland für alle 9pi{ der Boden entzogen sein. Das Buch schließt: „Indem die einzelnen Leistungen immer hervoraehoben, die Errungenschaften de? anderen verschwiegen oder vertuscht, gewisse Dinge immer ins hellste Licht gestellt, andere inr tiefstem Schatten gelassen werden, entsteht ein Gesamtbild, welche? in manchen Teilen nur für das subtilste Auge von der nackten Lüge sich unterscheidet. Die Grundlage aller echten Wahrheit, die gänzlich uninteressierte Gerechtigkeitsliebe fehlt fast überall: daraus kann man erkennen, daß wir noch Barbaren sind." Diese Worte sind dem Ehamberlaiu'schen Buche „Grundlagen de? 19. Jahrhunderts" entnommen. Damit hat Chamberlain sich selbst und seinen Freunden endgültig das Urteil gebrochen. Schickfalsgemeinschast. Sine parallele zum Kohenzollern-ZubilSum. Von S- Luft in Mannheim. Vorurteilslose erkennen e? au, unsere Feinde werfen e? uns vor, wir selbst sehen und sagen es mit berechtigter Genugtuung, daß die Juden im Verhältnis'zu ihrer Fahl die Gestaltung und Ior'.'ntwickelung des Handels und Weltverkehrs, der Mcnjclcheitssitte unb Kultur von jefjer gar sehr beeinflußten imb nod) heute beeinflussen. Vo? urteilslose und wir selbst meinen, daß das zum Besten der Menschheitsgeschichte diente, unsere Feinde behaupten, es gereiche den Andern zum Nachteil. Beweise und Belege ließen sich ans Gegenwart unb Vergangenheit reichlich anführen, aber dann würde diese Darstellung weit über den Rahmen eines Zeitungsaufsatzes hinauswachsen. Wir wollen uns deshalb auf Behauptungen beschränken, die jedem Kenner der Jetztzeit und jedem, der einigermaßen mit den Geschehnissen der Vorzeit bekannt ist, als erweislich wahr gelten müssen. Der ASrüeltt. Besonders beachtenswert ist, daß schon ln den Uranfängen der jüdischen Geschichte, als unser Volk durch staatliche Macht keine Gefahr für sein-' Nachbarn bildete, miD biircfy seine Friedfertigkeit die beste Gewähr für freundnachbarliches Zusammenleben bot, von allen Nachbarvölkern angefeindet und verfolgt wurde wegen seiner reinaeistigen Höherstellung in Bezug auf die sittliche Weltanschauung. Die sonst einander feindlichen Völker mit den denkbar einander widersprechendsten Volkszielen verbanden sich, sobald es hieß, Die Inden an greifen und ihre idealen geistigreligiösen Anschauungen und Sitten zu bekämpfen, obgleich bas jüdische Volk nie Neigung zeigte, seine geistige Religion, seine höhere sittliche Entwicklung den andern Völkern aufzudrängen. Midian und Moab vcwbanden sich gegen Inda, sagt man deshalb sprichwörtlich, wenn man andeuten will, daß sonst feindliche Völker eine Zeit lang ihren gegenseitigen Haß, ihre einander widersprechenden' Ziele vergessen, um sich zur Vernichtung der gehaßten, einen Sitten- und Kulturspiegel darbietenden Juden zusammenzntun. Mioian imb Moab vereinigten sich gegen Inda, obgleich Moab ein Stammverwandter Israels war und Midian Judas Erbfeind. Ferner ist besonders beachtenswert,'daß nach der Zerstreuung der Juden über die ganze Welt sie trotz ihrer geringen Zahl auch weiter ihren großen Einfluß auf Verkehr und Sitte ausübten. Es ist dies um so verwunderlicher, als sie mit ganz geringen Ausnahmen für einzelne Zeitab'chnitte und einzelne hervorragende Männer in der staatlichen Qeffeutlichkeit nie eine beherrscht Nds oder nur machtvolle Stellung einnahmen. lind noch eines ist sehr zu beachten bei einem allgemeinen, in nur wenige Sätze zusammengefaßten Ueberblick über die Geschichte des jüdischen Volkes. Der Mangel an selbstgewnßtem Stolze auf die eigene lleberlegenheib des Geistes und Wissens, der Sitte und Kultur, offenbarte sich vom Anfang bis zum Ende der jüoischen Volksgeschichte durch zu leichtes Nachabmen der fremden Sitte bis zur Ungleichung art fremden Götzendienst, an frembe Unkultur. Auch noch heute beklagen wir es, daß in gewissen jütischen Kreisen viel zu leicht die Zugehörigkeit zu unsrem Volke verheimlicht, verleugnet wird, aas. durch übermäßige Ansgleichungsversuche gesündigt wird. Man schämt sich nicht, damit zu sn echten, wenn man mit Nichtjuden Umgang zu pflegen. Gelegenheit hat, rühmt sich wohl gar, daß der, dessen Umgang man genoß, nicht ahnte, daß nran Jude sei. Wir wollen uns nicht ab-, sondern anschließen, aber haben wir nötig, unfern alten Bolksadel zu verleugnen, weil dieser oder jener unsere hohe Geistesentwicklung, die wir jahrtausendelanger Pflege durch unsere Ahnen zu 21. Oktober 1915 danken haben, nicht anerkennen will, oder weil er sie beneidet und begeifert? Müssen wir durchaus das Jüdische abstreifen, auch wenn das Fremde lucht besser ist? Müssen wir altehrwürvigc, gclllntsreiche, erhaltnngs-, ja beneidenswerte Eigenschaften und Sitten äufgeben, weil sie non Neidern bespöttelt werden? Vergessen wollen mir nicht, daß die leichte Ai-vassnng an Fremdes uns in der Zeit der Not auch zugute kam. Wenn Neid und Haß, wenn Willkür und Uebcrmacht .Handel und Verkehr der Juden zu beschränken sich bestrebte, so wußten ni-ierl Väter gerade diese Beschränkung so geminnbringend zu gestalten, daß sie zu ihrem Vorteil ansschlng: wenn ihre Wohnfreiheit begrenzt imb beengt wurde, suchten sie durch inniges Zusammenleben imb durch außerordentliche Entwickelung des Geistes in wissenschaftlicher, lerneifriger Betätigung auch diese Verfolgungsni:';i: ihrem Besten auszunützen, daß sie über die andersgläubigen Zeitgenossen von gleicher Lebenshaltung emporwuchsen, daß der Geist der Verfolgten den der Verfolger übertras. Ja, die Verfolgung war den Juden nützlich. Im Anfang ihrer Volksgeschichte entwickelte sich bei den Inder? durch die ewigen Angriffe und Verfolgungen der Nachbarvölker wie der feindlichen Landesgenossen eine Spannkraft des Charakters, die irr der höchsten Not unsere Vorväter befähigte, mit geringen Menschenmassen ihre kräftigen Feinde niederzuschlagen, wie es Erbfeinde und Stammverwandte, wie es Midianiter und Moabiter, wie es Philister und Syrier erfuhren. Diese durch Berfolgunaen erworbene Spannkraft ermöglichte cs dem kleinen Juda sogar, dem rämischeik Weltreiche lange in wiederholten Kämpfen erfolgreich entgegenzutreten. Und selbst denn, als die Inden'nur vereinzelt in kleinen Gemeinden zerstreut-, jede Möglichkeit verloren hatten, ihren Widersachern bewaffneten Widerstand zu leisten und gewalttätige Unterdrückung mit der Hand und Faust abzuwehren, auch da noch war die durch Verfolgungen erworbene Spannkraft des Geistes stark genug, um sie vor Brrnichtung zu bewähren. Je mehr starke Feinde sich gegen sie verbanden, desto mehr hielten sie unter sich zusammen: und so wurde die gem''ii?jame Not die Quelle ihrer Widerstandskraft, daß sie alle ihre Feinde überdauerten, daß sie heute noch trotz aller Leiden unerschüttert dastehcn, während ihre Unterdrücker und Neider zugrunde gingen. Mochte man ihre Verdienste herabwürdigen, mochte man sie für Not und Verarmung, für Pest und Seuche, für feindliche Eiaintb Ueberfälle, für alles Leid und Unglück, da>" die Gemeinschaft traf, verantwortlich machen, die Spannkraft der Inden überwand alles und zwang sogar die Völker, die sie vertrieben hat- . Moses Tonnt» Abschluß -er Tyoraschrist. Von Rabbiner I. Horovie.; (Jerusalem.) Vortrag, ,eh ilten im Verein „Mekor Chajim", Tkrank- Mrt a. M., am Ä. Tag Chol Haurood SukoS. (Schluß). In Menachoth 30 sagt Raiv z'p'.sz rt;otr. cri7N jmp *rrv mimtP. Diese 8 Verse der Thora lieft ein „Jochid" in der Synagoge. Was bedeutet das? — Nach Raschi mutz ein Einzelner alle diese Verse ohne Unterbrechung vorlesen. Rabbiner Hirsch VS7 findet diese Bestimmung ähnlich mit dem Grundsatz von 727 pp'ccc;*x. Wie die Strafrede, soll auch dieses schmerzliche Ereignis nur von „Einem" gelesen werden. In der Tat sind auch im Schulchan Aruch Orach Ehaim 28 diese beiden Bestimmungen aneinander gereiht. Schwierig bleibt aber eine Formulierung dieser talmudischen Bestimmung, wie sie im Rambam rfren jrafor 13 vvrkommt. Es heißt daselbst : „Die letzten 8 Verse der Thora darf man in der Synagoge vorlesen, auch wenn weniger als 10 Personen dabei sind. Obgleich diese Verse ebenfalls zur Thora gehören und Moscheh sie nach göttlichem Diktate geschrieben hat, sind sie doch unterschieden, weil sie sich anhören, wie eine Begebenheit nach dem Tode Moscheh's. Deswegen dürfen dieselben auch von einem Einzelnen sd. h. wenn auch kein Minjan da ist) gelesen werden." Gegen diese Motivierung des Rambam werden schwerwiegende Bedenken erhoben. Wir dürfen es aber auch nicht einen Augenblick für möglich halten, daß der Rambam einer falschen Vorstellung über die Authentizität dieser 8 Verse irgendwelche Konzessionen bei der öffentlichen Vorlesung einräumen wollte. In einer interessanten Abhandlung über dieses Thema von Rabbiner Dr. Hoffmann in der jüngsten Nummer des „Jeschurun" wird auf eine vortreffliche Erklärung der Talmud stelle Men och aus im Mordechai hingewiesen: Unter „Jochid" in der angeführten Talmudsteüe ist eine hervorragende Persönlichkeit, ein Talmid Chochom zu verstehen. Und gerade deshalb, weil zu befürchten steht, daß diese 8 Verse nicht dieselbe Wertschätzung finden werden, wie die übrige Thora, sollen Liefe von einem ausgezeichneten Manne vorgelesen werden. Diese Erklärung, die auch von Darke Mosche und Perischa zitiert wird, ist eine recht befriedigende und entspricht auch unserer Gepflogenheit. Wenn wir nun das Grundprinzip dieser Motivierung festhalten, ist auch die Formulierung derselben talmudischen Entscheidung im Rambam tvotti rn’ßfi einwandtfrei und korrekt. Bei sowohl wie bei rronn nanp lautet nämlich der Din, baß man ein mit Minjan begonnenes Gebet oder öffentliches Borlesen einer rrer« auch in dem Falle beschließen kann, wenn snrrpv ins», d?h. wenn einige vom Minjan nicht mehr anwesend sind. Beim Borlesen der n2*uri ’b ist aber dieser Din von besondererWichtigkeit. Wenn man das Borlesen der 8 letzten Pesukim in Ermangelung eines vollzähligen Minjans unterlassen möchte, könnte vielleicht doch jemand zu der Annahme verleitet werden, daß man das Borlesen derselben nicht wegen Ermangelung der nötigen 10 Personen, d. h. wegen nippe N7NO, sondern deswegen unterlassen habe, weil die Dignität dieser Schlußsätze nicht in dem gleichen Range mit der übrigen Thora steh.'. "p’S^ — sagt der Rambam — C577N impf? '*vpt»^ 7?!C. Um einer solchen Verfehlung, einer solchen unstatthaften Auffassung keinerlei Vorschub zu leisten, ist es direkt gestattet, diese 8 Verse, wenn auch kein Minjan da ist, öffentlich vorzulesen. Der jüdische Minhag hat dieser Bestimmung noch eine schärfere Note verliehen, durch die Einführung, daß die abschließenden Thorasätzc nur von einem in min oder wenigstens in v'pvi viLv ausgezeichneten Manne vorgelesen werden, obwohl nach den' Din am Simchas Thauro auch ein srrp, und selbst als rrnn fnn, anstandslos ausgerusen werden könnte. Seür bezeichnend ist es daher auch, wenn das Midraschwort zum Schluffe noch betont: -ioin BHpn nrr 737 cp n^7. Die letzten Sätze bilden auch ein letztes Kreditiv für die Thoras Moscheh. „Nicht steht wieder ein Prophet aus in Israel wie Moscheh". Dieses Zeugnis spricht der Ruach Hakaudesch, von welchem auch die letzten Worte getragen sind. An diese ungewöhnliche menschliche Begabung denkt man auch zunächst, wenn nach der Ueberlieserung der Weisen Moscheh an seinem Todestage 13 Thorarollen schrieb, von welchen er je eine ben 12 Stämmen übergab und eine in der BundKlade zurückbehielt. „Dreizehn Thoraschriften schrieb Moscheh an diesem Tage, für jeden Stamm eine, während ein von seiner Hand geschriebenes Exemplar für das Allerheiligste be-

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