Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 44 (21.10.1915)
- Date
- 1915-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-"irry ^rrr^^ Der I sroefirj - --- i «MUSS . Ein Cenfraloraan liir das orthodoxe Judentum I1) pggaapgi Begründet oon Dr. Lehmann in Niainr 36. Jahrgang. mssa Sranhfurf s M . den _21. Oktober 1915 13. Marcheschwan 5676. J«44. «immcmettt pro «irrteUechr r Gewöhnliche Ausgabe 9H.1.60, vrstauSgabe (Knnstdru« 9N. S.—. Auslandspreise: Gewöhnliche UuSgade: Oesterreich-Unaarn » Ar.. Hußlaud L Lud« England I sh, Amerika BO ata., «taerwube 1JO fl., Frankreich Fn. USO. Abonnements bei allm Voftaastaltea» Buchhandlungen, sowie dirÄt bei dem Berlaa. HeitauSaabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zerle; Rabatt nach Tarif. rrnseratenau» aüme durch den Verlag deS Israelit G. m. b. H., Frank» K a.M., Gr. Lschenheimerstr. 23 Del.88LS.Amt Hansa, ie sämtl. Annoncen-Exped. des In» and Auslands. Platzvorschriften ohne V erdindlichKett. Zahlungen können außer direkt an de» Verlag erfolgen per Conto bet der «. «. Gostsparkaste ßMe» Mo. 79 69*. Conto Set dem «. GostspartastenaMt «nbapest Mo.LSLSfl. Conto bet der Migaer Conemerrdant tu Mtga mrd derm Nlialm. 0er Nachdruck Ser Nrtlhel und LorresponSenren des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es lieh um größere flufläbe Sandelt, nur nach vorheriger Genehmigung geffattet- I«hchtt»üveFstcht. 1. Settortüel: Rasse und Kultur. — 2. Aufsätze: S. Lus;, Mannheim.- Schicksalsschläge. — 3. Homiletik: Rabbiner I. Horovicz, Jerusalem: Moses Tod nud Abschluß Ser Tisoraschrtft. ---4. Kleines Feuilleton: Die Feiertage im Felde. Jerusalemer Brotkarten für Frl. Kandis hungrige Kinder. — Der Weltkrieg im Lichte des Judentums. ---5. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Die A. I. U. und der Vierverband. — Köln sKriegstagung des rheinischen Rabbinerverbandes.) — syiünchen (Die Dienst- und Besoldungsverhältnisse der im Felde stehenden Gemeindebeamten in Bayern. — Warschau (Aus den okkupierten Gebieten.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Budapest, Budapest, Dees, Großwardein, Kassa, Savar. — Petersburg (Die Wahrheit üöer die Abschaffung der russischen „Tscherta".) — Stockholm (Neue Leiden der Juden in Rußland.) — Petersburg (Hetze gegen die jüdisch-russischen Kriegsgefangenen in Deutschland.) — — 6. Personalien: Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Wien. --- 8. Familiennachrichten. — 9. Beilagen: Feuilleton: Der Motka als Urtter. — Erziehung und Lehre: Krhrprobe »der Las sechste Gebot. — Der neue Thorabund. — H. Wieser, Pyritzs: Die Ausbildung im Thora-Kesen. — Korrespondenzen und Nachrichten. Raffe und Kultur. Wir haben bei anderer Gelegenheit bereits darauf hingewiesen, wie gründlich der Krieg milder Rassentheorie aufgeräumt hat. Sie hatte es nach langem Grübeln endlichheraus, oaß Raffe und Kultur unzertrennlich zusammengehören, daß körperliche Eigentümlichkeiten die Menschen in einer Kulturgenteinschast Zusammenhalten und die Stammeszugehörigkeit allein die Einheit im Denken und fühlen bedinge; da kam der Krieg, der die Völker und Nationalitäten nach ganz anderen Grundsätzen zusammen- und ausrinandersührte. Gemeinsame Not und gemeinsames Lebensinteresse schlangen über Nacht enge Bande um widerstreitende nationale Gruppen und Parteien, sodaß sie sich alle im großen Rahmen des Staatsganzen ohne weiteres fanden Es kämpfen Polen gegen Polen, Germanen gegen Germanen und Juden gegen Juden. In ganz despektierlichem Gegensätze zu der weisen Lehre eines Chamberlain von der aus der Aehnlichkeit kn der Schädelbildung sich ergebenden Zusammengehörigkeit, kämpft das anglo--sächsische Älbion an der Seite des Moskowitertums gegen das stammverwandte Deutschland, und der Bulgare läßt sich vvn der Art feines Schädelbaues über'das, .Ms er M sekn höheres StMtsinkeresse um. ein Gebot seiner Se bsterhaltung erachtet, nicht einen Augenblick hjmvegtäuscheii. Bei diesem augenscheinlichen restlosen Zusammenbruch ihrer Theorie haben die Nassen - forscher eine Art Rückzugs strategie entwickelt, die der Tragik ihres Loses w»ch die lächerliche Note verleiht. Chamberlain hat die Sprache nicht verloren. Er läßt seit Kriegsausbruch eine Schrift nach der anderen vom .Stapel, die auf diesem oder jenem Wege zu aller Rassenweishcrt letztem Schluß gelangen: die Juden seien an allem schuld. Der Geh. Reg.-Rat Georg Fritz macht sogar das „Naturgesetz" der Rasse zum Ausgangspunkt seiw-r politischen Forderung aus Sperrung der Grenze für die Oftjuden. (Siehe Leitartikel in Nr. 42 unseres Blattes.) Es ergibt sich daraus, wie auch heute, trotz der gewaltigen, dröhnender: und erschütternden Sprache der Waffen, immer noch geboten ist, weniger kritische Kreise vor dem Rassenwahnsinn zu warnen und zu schützen. Man wird aus diesen Erwägungen das jetzt zum zweiten-- mal erschienene Buch „Rasse und Kultur" von Dr. Friedrich Hertz*) mit Freuden begrüßen. Was das Werk noch im tiefen Frieden, in seiner ersten Auflage gelehrt, es findet bei seiner Neuerscheinung im Kriegsjahre ein? machtvolle Bestätigung iu der überwältigenden Wucht der Ereignisse. Woran die Rassenwissenschaft in der Hauptsache krenkt, führt uns der Verfasser schon in der Einleitung klar vor Augen. -M ist nicht der Weg der Forschung, der zu einem Ziele führt,, sondern iimner ein vorher ins Auge gefaßtes Ziel das den Weg bestimmt. Zuerst steht das Dogma von dem Wert oder Unwer eines Volkes und der Unübertresflichkeit der eigenen Rasse. Das wissenschaftliche Beiwerk ist da rn rasch herbeigeschafft und nach Wunsch zurechi gestutzt. Mit „voraussetzungsloser" Wissenschaft hat diese Art von Forschung nichts gemein. Sich über alle oie Ergebnisse der wahren Wissenschaft hinwegsktzend, operieren die Rassentheoretiker samt und sonders mit Behauptungen, die in ihrem Munde baio durch die öftere Wiederholung zu unumstößlichen Axiomen werden. Sie kennen nur zweierlei Rassen, edlere und minder edle. Die *) „Rasse und Kultur" von Dr. Friedrich H e r tz. Zweite, neubearbeitete und vermehrte Auflage von „Moderne Rassentheorien". Alfred Kröwr (n Leiprtz, 191b. PhilosoWsch-soziologische Bücherei xxxiv. " saftet ö m, gebunden « Mk. erftcreii erhalten sich auf der Höhe, während sich die anderen nie aus der Tiefe erheben werden. Von der Unrwandlungs- und Arrpassungssähigkeit der Organismen, von der wissenschaftlich mit unzähligen Belegen aus Leben und Geschichte bewiesenen Lückenhaftigkeit in der Vererbung der inneren und äußeren Eigentümlichkeit, mithin von der Entwicklungsfähigkeit, Veredlungs- oder Berscblechternngsmöalichkeit der Rasse will diese Forschung nichts wissen. Das Rassendogma steht von fort;herein unwiderruflich fest. Und auf diesem schwanken Grunde erhebt sich der stolze Bau, der heute, vom Sturm der Zeit berührt, wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. Die auserwählte Nasse der Germanen wird beispielsweise durch Chamberlain bezeichnet durch „große, strahlende Himmelsangen, goldenes .Haar, Riesengestalt, Ebenmaß der Muskulatur, länglichen Schädel, hohes Antlitz usw." Hertz ist so boshaft, festzuustellen, daß Bismarck, Luther, Raffael, Beethoven, Goethe, Schiller, Kant, Schopenhauer und viele andere, ausgerechnet Breitköpfe tvaren, und, ganz gegen die Theorie des Rassenapostels von. der Auserwähltheit des länglichen Schädels, doch ganz tüchtige Leute geworden sind. Das letzte wegbestimmende Ziel der Rassentheoretiker ist, die Minderwertigkeit der Semiten im Lichte Der Höhenkultur der Arier zu zeigen, wobei natürlich das größte Gewicht aus körperliche Merkmale gelegt wird, die sich viel richtiger ans Geschichte, Entwicklung, Milieu und Lebensart heraus erklären lassen. Hier werden psychisch-soziale Erscheinungen fälschlich als Ras^ scnn'gintümlichkeiten angesprochen, indem die zahllosen Menschen- und Sprachvermischungen, der ganze geistige Kräfteaustausch zwischen den Völkern, die wir heute als Arier oder Semiten bczcichnen, gänzlich außer Acht gelassen werden. Tie Rassenwissenschaft ist kein deutsches Eigengewächs, sie ist ein Importartikel, der von Frankreich cingeführt wurde, allerdings in Deutschland, wo er sein bestes Absatzgebiet fand, eine eigene Entwicklung erfuhr. Der Franzose- Graf Arthur Gobineau, mit dem sich Hertz kurz befaßt, fand mit seiner in Frankreich belächelten Theorie, von der Sprachverwandtschaft auf das Vorhandensein einer inneren Verwandtschaft zu schließen, im Deutschland des Richard Wagner c-ine begeisterte Jüngerschaft, die, in einer Gvbineau-Gesellschast vereinigt, all seine in oer MrHerrlichung der arischen Rasse gipfelnden Mfli