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Der Israelit · 1915-10-14 · Heft 43 (14.10.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 43 (14.10.1915)
Date
1915-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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«fette S Nr. 43 Der ASraeltt. ' 14. Oktober 1915 künstlich geweckt 'und entfesselt. Was sollten heute die verwilderten Horden auf den Schlachtfeldern, ans denen um die höchsten Güter der Menschheit gekämpft wird, gegen den Ansturm eines apf der Höhe der Kultur stehenden „Volkes in Waffen" ausrichten können? Die Judeit bildeten den Kitt, der das ökonomische nno kulturelle Leben in Rußland rusammenhielt, sie hielten, kraft ihrer Initiative und Arbeitslust das Wirtschaftsleben im Flusse. Die russischen Machthaber unterdrückten aber dieses lebendige und lebenschaffende Element, so daß sein heilsamer Einfluß bald gänzlich verschwand. So zieht denn Rußlands durch eigenes Verschulden geschwächt und entnervt, ins Feld, gegen einen Feind, der in eben so langer kraftvoller Arbeit sich alle Voraussetzungen der gesunden Entwicklung geschaffen hat. Teuer muß Rußland seilte historische Schuld bei der nunmehr erfolgenden Weltabrechnnng bezahlen. Vor dem Forum des Weltgerichtes ist Rußlands Urteil gesprochen. Es wird vor unseren Angen vollzogen. . . Me Juden und die industrielle Entwicklung in Rußland.*) II. lieber die Arbeitszeit und den Lohn des jüdischen Arbeiters haben wir sehr dürftige Mateterialien. Aber auch dasjenige, was der Forschung bekannt geworden ist, klingt sehr traurig. „Ein Arbeitstag von 17—18 Stunden war in den achtziger Jahren keine Seltenheit, 14—15 stündige Arbeitszeit die Regel — und das bei einem Lohn von 6—10 Rubel für einen Monat." Seitdem haben sich die Zustände etwas, doch nicht bedeutend, gebessert. Die Strumpfwirker verdienten in Wilna im Jahre 1908 meistens nur 2—21/» Rubel Wochenlohn. Die am besten im Austedlungsrayon organisierten und sehr stark vertretenen Borstenarbeiter, die fast ausschließlich Juden find, haben im Laufe eines langandauernden wirtschaftlichen Kampfes die Verkürzung des Arbeitstages von 13—14 auf 10 Stunden durchgesetzt - im Jahre 1905 gelang es ihnen sogar, den achtstündigen Arbeitstag einzuführen, an dem sie auch später trotz aller Angriffe festhielten. Nach der Untersuchung von Dr. S. Rabinowitsch betrugen die Löhne in den Fabriken der *) Ans einem Artikel von Wladimir .Slogan in beit ..Süddeutschen Monatshefte n". Stadt Mogtlew am Djnepr im Jahre 1902 nicht mehr als 3—5 Rubel, bei Arbeiterinnen sogar im Durchschnitt nur 2 Rubel wöchentliche) Nicht besser sind die Verhältnisse bei den jüdischen Gesellen. „Während der Durchschnittsverdienst eines Fabrikwebers bei einem 11 Vs ständigen Arbeitstag 6—7 Rubel wöchentlich beträgt, sinkt derselbe bei den Gesellen der Handwerker, die 14—16 Stunden täglich arbeiten, bis auf 4 Rubel. Oder mit anderen Worten: bekommt der erftere 10 Kopeken pro Arbeitsstunde, so muß letzterer sich mit 4 Kopeken begnügen."-) Was schließlich die Hausindustrie anbelangt, so werden dort nach den Angaben von G. Cleinow selten 30 Kopeken pro Tag bei 12—14 stündtger Arbeit bezahlt.') Die Bildungsverhältnisse der jüdischen Arbeiterschaft sind trotz ihrer miserablen ökonomischen Lage verhältnismäßig günstig. Dies ist vor allem dem Umstande zu verdanken, daß die jüdischen Arbeiter ausschließlich der Stadtbevölkerung angehören,' eine nicht mindere Bedeutung spielt allerdings auch der alte Wissensdurst der Juden. Obwohl wir keine umfassenden Untersuchungen über die allgemeine Bildung der jüdischen Abeiter besitzen, kann man auf Grund verschiedener Angaben mit gewissem Recht annehmen, daß die Zahl der Analphabeten unter ihnen recht klein ist. An Hand einer interessanten Enquete über die Btldungsverhältnisse der jüdischen Arbeiter in Wilna, Warschau, Beditschew (Südrüßland) und Busin (Polen) konnte Dr. S. Rabinowitsch feststellen, daß, wenn auch jüdische Arbeiter weder russisch schreiben noch lesen konnten, sie doch eine jüdische Bildung genossen hatten. „Jüdisch hatten fast alle männlichen Arbeiter gelernt, und infolgedessen ist auch die Zahl der Analphabeten sehr gering: sie bildet in dem zur Hälfte analphabetischen Rußland nur 1,7 Prozent". Die Organisationen des jüdischen Proletariats in Rußland sind vornehmlich politischen Charakters, und zwar deshalb, weil die politische Entwicklung des Landes das Bestehen irgendwelcher wirtschaftlichen Vereine ohne politischen Anstrich von vornhereilt ausfchloß. So hat sich der wirtschaftliche Kampf der jüdischen Arbeiterschaft von Anfang an innerhalb ihrer politischen Organisationen abgespielt. Die ersten jüdischen 9 S. Rabinowitsch, „Die Organisationen des jüdischen Proletariats in Rußland", Karlsruhe 1903. 9 S. Margolin, „Die wirtschaftliche Lage usw." p. 266. 9 G. Cleinow, „Die Zukunft Polens", Leipzig 1908. Bd.!. p. 223. 1 Sozialisten waren ausgesprochene Kosmopoliten und hatten für die jüdische Arbeitermasse als solche nicht viel übrig. Erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entsteht unter ihnen das Bedürfnis, in einer jüdischen Masse zu wirken, „jedoch kommen auch sie blos mit abstrakten Forderungen, ohne auch nur den Willen zu haben, volkstümlich zu sein." ') In den achtziger Jahren entsteht unter den jüdischen Arbeitern der Wunsch nach einigen jüdischen Or gantsationen. Im Zentrum der östlichen Jndeuheit, in Wilna, begründeten im Jahre 1888 die jüdischen Strumpfwirkerinnen eine Klasseihnen folgten die Borstenarbeiter. Im Jahre 1897 werden die jüdischen Arbeiter in dem „Allgemeinen jüdischen Arbeiterbund für Litauen, Polen und Rußland" vereinigt, der unter detn Namen „Bund" bekannt ist. Der „Bund" hat dem jüdi'chen Proletariat die europäischen Methoden des Klassenkampfes beigebracht und mit großer Geschicklichkeit, Klarheit und Nüchternheit die politische Arbeit und die ökonomischen Kämpfe der jüdischen Arbeiterschaft lange Zeit hindurch geleitet. Vom Ende des Iaht es 1897 bis zum Sommer 1900 fanden 312 jüdische Streiks statt, von denen der „Bund" in Kenntnis gesetzt worden ist. Die Gesamtzahl der Streikenden betrug 27 890. Die Zahl der von dem „Bunde" organisierten Arbeiter hing natürlich sehr stark von den politischen Verhältnissen des Landes ab. Die Höchstzahl überstieg wohl nie 25000. Anfang oes Jahres 1907 fanden im Ansiedlungsrayon 7 Kreiskonferenzen des „Bundes" statt, die 5384 organisierte „bundistische" Arbeiter vertraten. Wie verbreitet und umfangreich die Arbeit des „Bundes" war, kamt man daraus er sehen, daß allein in neun Monaten — Februar bis Oktober 1907 — 114 Konflikte zwischen Arbeitern und Unternehmern im Tätigkeitsgebiet des „Bundes" bekannt geworden sind. Davon sind 39 Aussperrungen und 75 Streiks. Die Gesamtzahl der an den Kämpfen Beteiligten war nicht zu ermitteln. In 51 Konflikten (d. h. 450/0 der registrierten) war die Gesamtzahl der Streckenden und Ausgesperrlen 11124. In 43 Fällen haben die Arbeiter einen vollständigen. Sieg davongetragen, in 13 Fällen nur einen telweisen. Die Gewerkschaftsbewegung erzielte bei den jüdischen Arbeitern zunächst große Erfolgs. Innerhalb des Jahres :907 wurden 26 nerigebildete geheime, 24 früher illegale, nunmehr legalisierte Gewerkschaften registriert. Die jüdischen Gerber konnten im selben Jahre 1907 17 Gewerkschastsvereine mit 4—4'/- Tausend Mitglie- 0 S. R a b i n 0 w i t f ch, „Die Organisationen usw." p. 146. m Moses Tolllid Abschluß der Thoraschrist. Bon Rabbiner I. Horoviez (Jerusalem.) Vortrag, gehalten im Verein „Mekor Cliaiim", Frankfurt a. M.» am 3. Tag Chol Hamond Sukos. (Fortsetzung). Der Tod an und für sich ist und bleibt ja für uns ein ungelöstes Rätsel. Ob mit dem nach unserer Vorstellung eingetretenen Tod jedes Bewutzlsein und alles Empfinden sofort nushört, ist eine Frage, die auch in der wissenschaftlichen Welt heute noch als eine offene gilt und über die bereits unsere Weisen verschiedener Ansicht waren, wie dies aus der Gemoroh Berochorh 18 ersichtlich ist. Bei geistig und sittlich hervorragenden Menschen, bei welchen ein ganzes Leben hindurch das Seelische das Körperliche überragt, wirken die Seelenkräste mit einer solchen Intensität gerade daun weiter, wenn die Scheidung von Körper und Geist sich vollzieht. „Wenn die Seele den Körper verläßt, hört man ihre Stimme von einem Weltende bis zum anderen". Es geht uns in der Tat jede Schätzung darüber ab, wie der durch den Tod sreiwerdende Geist noch eine Herrschaft über die abzustreifenden Körperfessel ausübt, die ihm während des normalen Lebens versagt war. Es gleicht dies einem verglimmenden Lichte, das gerade während des Verlöschens noch einmal mit einer Helle aufleuchtet, die ihm sonst abging. Ja, gerade in der Stunde des Scheidens von dieser Welt — lehrt ein altes Wort — sieht der Mensch, von einem höheren Geiste getragen, was er Zeit seines Lebens nicht sehen konnte. tzpw-LMi spin: Der Geist hat eine größere Schwungkraft — wenn die Abschiedsstunde für ihn schlägt. Vielleicht ist es uns gestatte:, in diesem Sinne eine Erklärung dafür zu finden, daß Elischa in letzter Stunde von seinem Lehrer "nre C’JtP ’S, den doppelten Geist verlangen durfte und Elijahu ihm diesen Wunsch gewähren konnte. "jnsö np* >nis nx-in ex, wenn der Schüler den Meister im Moment des Scheidens von der Erde sieht und der segnende Blick des Meisters auf ihm ruhen kann, dann bildet ein solcher Moment die Krönung eines geistig verklärten Lebens. Wenden roir uns nach dieser Abschweifung, die zum besseren Verständnis unseres Themas nötig war, wieder unserem Falle, dem scheidenden Lehrer von ganz Jisroel, Moscheh, dem Manne Gottes, zu, so begreift es sich, baß wie fein Leben, auch fein Tod das Leben und Sterben gewöhnlicher Menschen in einer Weise überragt, für die uns jeder Maßstab abgeht. Er war kein Mensch im gewöhnlichen Sinne, er war ja gerade im Moment des Scheidens in solch nahe Beziehungen zu 'nrn getreten, daß ihm in letzter Minute das Prädikat tttfrKn 2"X vom Thorawort verliehen wird, und das Mldraschwort.... cp^xn nbvsb'. ''8N2 V'X neeb:. Der vdesgcing Mosche Rabbenus niachte ihn — wenn man sich so ausdrücken darf — zu einem Gottähnlichen. Sein Tod vollzog sich ganz sicher nicht unter den Bedingungen, unter welchen sich sonst das Sterben vollzieht. Der Tod, der sonst das Auge seiner Opfer bricht, konnte es hier nicht einmal trübest. jibipö ”'3? nnre ab. Von dem alles bewältigenden Tod, der sonst dem ihm Erliegenden das fahle Gepräge des AbgestorbenseinS aufprägt, wich hier nicht einmal die Lebensfrische, die diesen Körper durchlvogte. izv fl’rr^nri? rrnb s: sb vjb “Sin n:rv: sb\ Hi ad) der Ueberlieferung konnte der Todeseugel in diesem Falle überhaupt nicht seines Annes walten. Die Neschomoh Mosche Rabbenus wollte die heilige Hülle nicht verlassen. Es gebe keinen rtro Sjp ibi;b inic'riyE nnc antwortete sie selbst auf die Berufung Gottes. Einen reineren Körper als den Moscheh Rabbenus gäbe c& überhaupt nicht in der ganzen Welt. Das sind allerdings Gesichtspunkte, die mir in den seinen Zusammenhängen kaum ahnen können, die aber in der Darstellung des Thorawortes durchaus nicht fremdartig klingen. Wir dürfen uns eben auch erneu Tod Moses nur in der Darstellung des Thorawortes denken. mis “nip'i, berichtete -das Gotteswort und die Ueberlieferung fügt hinzu: Moscheh Rabbenu wurde von "VN begraben oder er begrub sich selbst. „Bis auf den heutigen Tag kennt man auch nicht eine Grabstätte Moscheh Rabbenus". Insofern wir von einer Grabstätte Moscheh Rabbeuus sprechen, müssen wir uns nach der Ueberlieferung sagen, daß diese Grabstätte zu den 10 Wunderdingen zählt, welche wir mit unserem alltäglichen Borstellungsvermögen nicht erfassen können, deren Ursprung aber his zur grundlegenden Ordnung und Beschließung der 6 Schöpsungs- ..

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