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Der Israelit · 1915-10-14 · Heft 43 (14.10.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 43 (14.10.1915)
Date
1915-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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14. Oktober 1915 56. Jahrgang. Sranhfurf a. (TI., den 6. Marcheschwan 8676. WWWWSWM k - M9***mt*t pro Viertel tayrr Gewöhnliche AaSeaSc Ml. r.so. vrstansgabr (Kunstdruck Mk. 8.—. Auslandspreise: Sewöhulichr Ausgabe: Oesterreich-Unaarn » Ar.. Rußland 1 Lud., Lnelaad 2 rL.. Amerika 50 et,.. Mederlaude 1.»0 st.. Frankreich Ar«. Sü9. Abonnements bei affen Vostonstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verla«. HeftauSsabe nur direkt. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltenr Colonel-Zeile: Rabatt nach Tarif. Zlnseratenaunabme durch den Verlag deS JSraelit E. m. b. H.» Frankfurt a.M., Gr. Eschenheimerstr. 83 Del.584S.Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exved. deS In- und Auslands. Ptahoorfchrtftr» ohne Nerbmdllchkrll. Zahlungen lömtu: außer direkt an den Verlag erfolgen per NsnLo Mi -es K. K. MostspaskaHe tk»irn Mo. IS BW. A.''^ö Sei de« K VostfparSastenamt Bndapest M0.L84LS.. Ctsie £$i Ser MzEtt »o««trs»O»r v» Mist« und deren Filialen. 9er NsckiSmck der flrfihel und Correfpon9en?en 9es „Israelit“ ift nur unter genauer Quellenangabe, un9, soweit es ficti um größere fluffäfee bandelt, nur nach uorheriger ßenehmigung gestattet IrrhnUsSberstchl. l. Leitartikel: Uvr dem Forum des Weltgerichtes. --- 2.Aufs ätze: Die Juden und die industrielle Entwicklung Rußlands. — 3. Vermißte jüdische Familien- — 4. Homiletik: Rabbiner I. Horovicz, Jerusalem: Moses Tod und Abschluß der Thoraschrift. ----- 5. Kleines Feuilleton: Die Feiertage im Felde. - Ein Apfel für 50 Rubel. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Hamburg (Das Judenrecht in Rußland und der deutsche Handel.) — London (Freiheiten gegen Geld.) — Rvtterdanr (Von der französischen A. I. U.) — Netri-3)ork (Ein Protest gegen die Ermordung Leo Franks.) — New-Aork (Die Juden Polens danken Deutschland.) —7. Personalten: Frankfurt a. M. — Wiesbaden. — 8. Veretnsnachrichicn: Berlin. — 9. Vermischtes: Berlin. — Berlin. — Leipzig. — 10. Briefkasten. — Familiennachrichten. — 11. Feuilleton-Beilage: Der Spion. — Aus einem Feldpostbriefe. Vor dem Komm des Weltgerichtes. Eine amerikanische Stimme. Die Stimmung im jüdischen Amerika ist, wie »tnseren Lesern bekannt, durchaus d cu 11 ch freundli ch oder, richtiger, scharf gegen Rußland gerichtet, was umso bezeichnender ist, als sre auch die Stimmung der russischen Juden getreu wiederspiegelt. Gedunkelt, die irr Rußland ganz und gar nicht zollfrei sino, können hier in politischer Freiheit ungehemmt zur Lteußerung gelangen. Es spricht ans dieser Stellungnahme der Juden Amerikas, zu der es schon unter den obwaltenden Umständen eines gewissen Mutes bedarf, nicht Haß gegen die russische Heimat, sondern im Gegenteil glühende Liebe und die Hoffnung, daß über oas dunkle Gelände ihrer Kindheitsträume, all welches sie nur eine Ueberfülle von traurigen Erinnerungen bindet, bald ein neues, helles Licht erstrahlen wird. Wir entnehmen einer Betrachtung im New- Dorker „Tog" über die letzten russischen Niederlangen folgende Gedankengänge: Es gibt eine Form von Gerechtigkeit, an li mmmm «M Mm sen, weil wir sie immer erlebten und erleben,, es i\t die historis ch e Gerechtigkeit. Hier geht die Verteilung von Lohn'und Strafe an Gerechte und Ungerechte nach ewigen, unumstößlichen und uns irnmer in neuem Vertrauen aufrichtenden Maßstäben vg»r sich. Wenn das byzantinische Weltreich, nach Jahrhunderten völkerbedrückender und kulturvernichtender Arbeit, weniger dem äußeren Feinde als vielmehr der inneren Hohlheit zum Opfer siel: welln Spanien, aus dem Wege zur Größe und Weltmacht, rapid und unaufhaltsam zu sinken beginnt, nachdem es sich des besten Erhaltnngselcmcntes., der Juden, entledigt hatte, so sehen wir darin und in tausend anderen historisch?it Erscheinungen unverkennbar den Finger Gottes, das Walten des Weltgerichtes der Geschichte, das Staatell und Völker, wenn sie einmal für den Untergang reif, ihr eigenes Grab schaufeln läßt. Sie versinken in der Leere, die sie selbst, in Verkennung ihrer geschichtlicheiT Aufgabe, uni sich geschaffen haben... Uno nun erleben wir es, daß Rußland vor dkm Forunk der Weltgeschichte das Urteil gesprochen wird, erleben es, wie dieses Urteil auch vvllstreckt wird. Die Dinge nehmen ihre rasche und sichere Entwicklung. Die russischen Armeen fliehen, ohne Halt und ohne Rast, überall brennt und wankt der Boden unter ihren Füßen. Mit ihnen flieht die Macht und das Ansehen Rußlands, zerrinnt die Legende vom unüberwindlichen Helden, der ein ganzes Jahrhundert Europa in eisernen Banden. hielt und finstere Schrecken, eine Atmosphäre von Gewalt über den ganzen Erdball verbreitete. An diesem sicheren Gange des Schicksals wird nichts mehr ändern, weder die Millionen frischer Soldaten, noch die amerikanischen Granaten, noch die goldenen Kugeln, die in Form von Milliarden-Anleihen aus England und Amerika kommen. Im Jahre 1904—1905 war mit denn japanischen Kriege das Schicksal Rußlands bestimmt, das Menetekel am Horizonte in Flammenzeichen erschienen, 1915 erhalten die Zeichen ihre grauenvolle Erfüllung. Rußlands Schicksal ist besiegelt, seine Weltmacht zerschmettert. Weit mehr als Serbien oder Belgien, mußte es vor den Angen der ganzen Welt seine tiefste Erniedrigung erleben. Wie ein Symbol mutet das neueste Kuriosum aM der^russischen Mont m: Zwischen den Kästchen Munition, die zur Verteilung gelangten, befanden sich viele, die statt mit Patronen, einfach mit Straßenkot gefüllt waren. Selbstverständlich war das, nach der Meinung der Petersburger Zeitungen, die Arbeit von Inden und deutschen Spionen, die sich in die russischen Munitionsfabriken einschmuggeln konnten . . . Das ist aber für den Außenstehenden wenig wahrscheinlich. Es handelt sich in Wirklichkeit um eigenen, echt russischen Kot, der ein Symbol für das ganze russische Leben ist. Warum sollen nicht die Wahrzeichen des Krieges für Rußland, das in die letzten Phasen seines Unterganges eingeaangen ist, Kot und Schmutz sein? Freilich kann inan mit solcher Waffe nur gegen die eigene Bevölkerung den Vernichtungskamps führen, nicht aber im Ringen der Völker Lorbeeren ernten unc die nationale Ehre urrd Größe retten. Die russischen Armeen fliehen in panischer Angst, ohne irgendwo festen Boden zu gewinnen. Ganz wie die Wanderarmeen der Juden, die man kurz davor in Kowno und Kurland, Litauen und Wolhynien aus Haus und Heimat aejagt und die ohne Brot und Obdach, ohne Ziel und Hoffnung in der weiten Welt herumirrten und noch umherirren. Ueberall die gleiche Erscheinung: Erst werden die Juden unter Hieben der Kosaken-Nagaikas aus der Stadt gejagt. Ihnen aus dem Fuß folgen aber bald, von dem Feinde getrieben, die Kosaken selbst. Wohl krampst sich das Herz zusammen, wenn man an die vielen Unschuldigen denkt, die die Sünden der Verbrecherbande, die die Geschicke des russischen Volkes in Händen hat, so schwer mit büßen müssen. Ob und inivieweit das verhetzte Volk oer Pogrome direkten Anteil an den Verbrechen der Regierung hat, soll dem späteren Geschichtsschreiber zur Entscheidung Vorbehalten bleiben. Die Schuld der Regierung liegt aber offen vor aller Welt. Sie hat ein ganzes Volk außer Gesetz und Recht gestellt und hat damit Recht und Gesetz selbst geschändet und vergewaltigt: sie hat eine ganze, nach Millionen zählende arbeiissrohc und landestreue Bevölkerung für vogelfrei erklärt und all die Unzufriedenen und Verdrossenen, die sie von sich und ihrem Treiben abzulenken, große^Jnteresse hatte, gegen die Hütten der ScljutzloM gehetzt. In vielen Jahrzehnten eifriger, systematischer Arbeit wurden alle Begriffe von Sitte, Moral und Gerechtigkeit vernichtet und die Bestie im Menschen ..-j i ■a \ i!! li' H. t : * » r 3 i i! 1 e* -

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