Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 42 (7.10.1915)
- Date
- 1915-10-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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■JHJ*,p - »JUJUjg ' AU* vmi w 1 7?T7. &ttKflEUT 3Ü3jb&£ 7. Oktober 1915. M 4L M 4L. Frankfurt a. M., den 29. Tischri 5676. > I um Der ^Frankfurter Israelit" wird mir dem ISraelit^ abonniert; Abouttemettt für beide Blätter zusammen Mk. 1.50 vierteljährlich (Inland). Inserate im „Frankfurter JSraelit" kosten 25 Pfg. für die fechSgefoaltene dolottel&eile; ^Rabatt natf) Tarif Antzatt. Die Woche: 1. Rabbiner <3. H. Schüler V'SST. 2. Die Winterarbeit des Mekor Chajim. 3. Aus unseren Vereinen. 4. Jüdische Bibliothek und Lesehalle, Langestr. 33. 5. Frau Dr. Marcus Hirsch n"r>. 6. Leo Kahn ^>"7. — Vereins-kaiender. — Familiennachrichten. Gebeizeiten. I Die Woche Is I i ttceeoecccccccBcceececeiiefiaciaeaBiMtfi Hlaövirier S. K. Schüler ^"2i. Am 112 V 2"1in haben wir einen Mann verloren, der nach dem Morte des Koheleth in Gottesfurcht und Erfüllung der Gottesgesetze seine Lebensaufgabe gesehen hat. Rabbiner S. jg. S ch ii l e r ^"21 entstammte einem altjüdischen Muse in Bayern. Er war in Antenhausen geboren und wurde von seinem Vater, dem srommen R. Ascher Michael 7"21, schon frühzeitig in den jüdischen Pflichtenkreis eingeführt und zum Thorastudium hingeleitet. Wie jener hehre Gottverkünder, dessen Namen er trug, blieb er alle Tage seines Lebens ein Gott Angehöriger. Er lernte bei dem Würzburger 21 Seligmann Bär Bamberger V'2T. Dann führte ihn sein Bildungsdrang in das Land seiner späteren Wirksamkeit nach Colmar zum Oberrabbiner Salomon Klein ^"21. Wohl ausgerüstet für den Lehrberuf trat er in die Praxis über. Sein erstes Amt bekleidete er in Haßfurt, wo er ein jüdisches Zaus gründete. In der Tochter feines Lehrers, des Colmnrer 21 1"27 fand er die Gefährtin seines Lebens, die ihm eine wirkliche my 1*7332 war, die beglückende Freundin, die Mitträgerin der Sorgen und Mühen ihres Mannes^ seine weise Beraterin. Bald erhielt der Verblichene eine Berufung an die TalmUd-Thoraschule in Hamburg, wo er hauptsächlich in den talmudischen Disziplinen unterrichtete, mit solchem Erfolg, daß heute noch sein Name im Kreise der dankbaren Schüler ehrend genannt wird. Als man ihm das Rabbinat in Biesheim antrug, verließ er die Großstadt und siedelte nach dem Oberelsaß über. Von 1884 ab war er mehr als 30 Jahre Rabbiner in Bollweiler. Als er zur geistigen Führerschaft gelangt war, blieb er. was ergewefen, ein Lehrer. Nicht im Preoigeramtc sah er seinen vornehmsten Beruf. Sein Ziel war, 1111 p211*?. Er fühlte sich als verantwortlicher Verwalter und Pfleger eines heiligen Schatzes. Das Wohl und Wehe seiner Gemeinden war für ihn ein Gegenstand ernster Sorge. Wie Samuel hat er niemals einem wissentlich Unrecht getan, nie jemand unterdrückt. Er weinte. nM mit Jjob zu sprechen, um den vom Geschicke Bedrängten, sein Herz war betrübt für den Bedürftigen. Es ging ihm tief in die Seele, wenn er von Not und Elend hörte, er suchte, wo er konnte, den Schmerz zu lindern, die Schwere des Leides zu erleichtern. Er war seinen Gemeinden ein Führer, der inr häuslichen und öffentlichen Leben mustergiltig voranging, der durch sein Vorbild und durch seine unermüdliche Arbeit seine ihm Anvertrauten zu gleicher Pflichttreue zu führen suchte. Dabei war er vl^27 “im mSf 21*r vom Geiste der Milde, des Friedens und der versöhnlichen Liebe beseelt. Eine zeitlang hat er an der Colmarer Rabbinervorbereitungsanstalt unterrichtet. Aber auch sonst hat er auf Rabbmerzusammenkünften und durch privaten Unterricht befruchtend auf viele elsässische v'321 eingewirkt. Er war weiterhin Anstaltsgeistlicher in Rufach und in dem durch R. Meir-Rothenburg bekannten Ensisheim. Ueberall wirkt er zur höchsten Zufriedenheit der Staatsbehörden, sodaß ihm Se. Majestät der Kaiser mit dem Roten Adlerorden auszeichnete. Er begnügte sich aber nicht mit den mit seincm Amte verbundenen Pflichten. In jenen Grenzlanden, die an den Staat stoßen, wo die religiöse Verneinung ihre höchste Blüte erreicht, war Nabbiner S £>. Schüler 8,12 11237, eine ersrrm Säule, ein moralischer Hält für den treuen Kern. Er sammelte sich einen Kreis von ff'XT, mit denen er wöchentlich mehrmals in Mülhausen zum Lernen zusammenkam. Aber auch über die Grenzpsähle hinaus erstreckte sich sein Einfluß in der Pflanzung und Bearbeitung der Thora. Als er vor 3 Jahren aus^dem Amte schied und zu seinem Sohne nach L-t. Ludwig übersiedelte, gab er sich nicht der tatenlosen Ruhe hin. Tag und Nacht über dem jüdischen Gesetz? ZU sinnen, zu lernen, zu lehren, zu hüten uno zu tun, — das war seine Muße, sein Ruhestand. Da kam der Krieg, und der Siebzigjährige — auf der Reise erreicht er das biblische Alter — trat aufs neue die Pilgerfahrt an und begab sich zu seinen Kindern nach Frankfurt u. M. Hier drückte er seinem Leben das letzte Siegel aus. Frankfurt hatte für den Verstorbenen schon immer einen guten Klang. Es waren nicht die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten oer Großstadt, die es dem anspruchslosen, .von allem Materialismus unberührten Menschen angetan hatten. Ihm gab es nichts Höheres, als zu wohnen 1111 Dip22. Die gottesdienstlichen Veranstaltungen lösten in ihm eine ^27 11227 .1122 aus, und hier fand er, was er suchte-pi2i V021, Anschluß an Gleichgesinnte und Gelenenheit, 1111 zu verbreiten. Mit einem Bewunderung hervorrufenden Gedächtnis ausgestattet, mit ungebrochener geistiger Kraft stand er jedem zur Verfügung bereit, der nur lernen wollte. In der Agudas Jisroel, im Mekkor Chajim-Verein, in Privatzirkeln wirkte er für Kenntnis und Verständnis der.11171- Fern von jeglicher Selbstüberhebung betrachtete er jeglichen als seinesgleichen. Er fühlte sich nicht höher als seine v'1'2^1, ihm war jeder in seinem Berufe gleich geachtet. Er wußte nichts von eigener Größe. Bescheidenheit, Iw war eine Wesenseigenschaft seiner Persönlichkeit, die wahrhaft erfüllte, was Gott vom Menschen fordert: 121X1 ED “2 1127J? 017 mb 122111D1. So war auch sein 111'OI Wurzelecht, ein Ausdruck seiner inneren lieberzcirgung, eine Uebereinstimmung von Denken uns Handeln. In solchem Geiste hat er auch seine Kinder erzogen, sie nach sich verpflichtet zu einem sittsnreinen Wandel vor Gott, zu pflichtgetreuem Leben im Verkehr mit Menschen. Er hat das Glück gehabt, die Früchte seiner Erziehung reifen zu sehen. Der aus seinem Hause ausgehende Strom jüdischen Lebens v'27*0 ir21*6 '*n, ist zu vier Ursprüngen geworden. In diesen echt jüdischen Häusern, im Herzen seiner D’Tobl, im Kreise aller, die ihn kannten, wird die Erinnerung an den von uns gegangenen 'n 1217 licht und klar sortleben und allzeit zum Segen weiterwirken. 1212*? pH2 121- Die Winteraröeit des Mekor Chajim. Der Lehrplan des Vereins für das Winterhalbjahr 1915/16 umfaßt folgende Schiurim: Sonntag, morgens nach Schluß der Synagoge: 13272, Herr Rektor B. Falkvormittags 97« Uhr: mö3(a‘nc5 'ca), Herr Rabb.-- Asfessor G. Posennachmittags 4 Uhr: *023 (m» m»* 'ca), Herr Dr. Joseph Breuerabends 6 Uhr, je nach besonderer Ankündigung in der lokalen jüdischen Presse und durch Anschlag: D'X’23 Herr Dr. Joseph Breuer - 71117 s1^27: Herr Rabbiner Dr. S. Breuer, 27112: Redner Vorbehalten, D’Ol’S: Herr Dr. Joseph Breuer. Montag, morgens nach Schluß der Synagoge, abends 87« Uhr: 13272, Mitglied er- Lernen, 13272: Herr Rektor B. Fal k. Dienstag, morgens, nach Schluß der Synage, abends 87« Uhr: 13272, Mitglieder- Lernen- *023 (a*ncc to); Herr Rabb.-Affefsor G. Posen. Mittwoch, morgens nach Schluß der Synagoge, abends 8'/« Uhr: 71137 ^27 112V, Herr Rektor B. Falk- *023 (nir mw* 'ca), Herr Dr. Joseph Breuer. Donnerstag, morgens nach Schluß der Synagoge: 13272 , Mitglie der - Lernen. Freitag, morgens nach Schluß der Synagoge: 13272, Mitglieder-Lernen, abends nach Schluß der Synagoge: *Op2, Mitglieder- Vortragabends 87, Uhr: Zwanglose Zusammenkunft. Samstag, vormittags nach Schluß der Synagoge, wenn daselbst weder Predigt noch Vortrag gehalten wird: E'3'1, Herr Rektor z$ alt; mittags 127« Uhr, alle 14 Tage 1. Vortrag : 2. Oktober: i'x'23 (o^a), Herr Professor A. W e y l; nachmittag# 3% Uhr: 2pi7’ pI7, Herr Redakteur Schachnowitz, daran anschließend nn:a r^cn. 1 1 hä 1 A t * | : k / i I 7 »'S ri •1 i 1