Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 40-41 (21.9.1915)
- Date
- 1915-09-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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21. September 1915 Sette % «r. 40 u. 41 Da traf am Montag, den 13. September, als Retter aus der Not der von der „Freien Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums" vor Monaten aus Erez Jsroel bewerkstelligte Esrogim-Transport, kaum noch erwartet, in Frankfurt ein — und es ist nicht ohne Jntereffe für die Allgemeinheit, einiges aus der Geschichte dieses denkwürdigen Importes zu erfahren. Abgesehen von änderen, hier nicht näher zu erörternden Erwägungen politischer Natur, schien es schon mit Rücksicht - auf die Jntereffen Palästinas, der „Freien Bereinigung" Pflicht zu sein, von den zwei sich bietenden Import-Möglichkeiten (griechische Ware via Italien, Schweiz oder Balkan und Erez-Jsroel-Ware via Kleinasien—Balkan) die letztere zu wählen. Es traf sich glücklich, daß einer der größten Esrogim- Exporteure Palästinas, Herr Josef Hillmann aus Pethach-Tikwa, seit Kriesbeginn in Europa anwesend war. Ihn sicherte die „Freie Vereinigung" gegen die aus den Verkehrsschwierigkeiten in Kleinasien und der politischen Lage auf dem Balkan erwachsenden besonderen finanziellen Risiken, und Herr Hillmann unternahm es, unter angemeffenen Bedingungen einen größeren Transport von Esroqtm in Palästina abzuholen und rechtzeitig nach Deutschland zu bringen. Das Unternehmen wäre trotzdem gescheitert, hätte nicht in überaus dankenswerter Weise die Kaiserlich Deutsche Botschaft in Konstantinopel auf Ersuchen des „Auswärtigen Amtes" im Interesse der deutschen Gemeinden seinen ganzen Einfluß für uns geltend gemacht. Sämtliche Konsulate auf dem weiten Wege von Aleppo bis Bukarest stellten sich eifrig in den Dienst der guten Sache, und das ottomanische Kriegsministerium/ dem dafür besonders herzlicher Dank gezollt sei, verfügte, daß der Transport durch Kleinasien alle Vorteile eines militärischen Munitions-Transports genießen solle. So gelang es der unermüdlichen Energie Hillmanns in zehn müheretchen Wochen der zahllosen Schwierigkeiten der Wagen-, Kameel¬ und Eisenbahn-Beförderung und schließlich noch der rumänischen Grenz-Liebenswürdigkeiten Herr zu werden und pünktlich an dem Tage, den der Vertrag als Endtermin vorgesehen hatte, in Frankfurt einzutreffen. Möchte sich das alte Wort der Weisen "121 nrrtp dipsu 12N2V imia bz wiederum an all denen bewähren, die mit dem Festftrauß in der Hand ihr Haben und Genießen freudig dem Dienste des Gottes der Freude weihen, und aus der Not dieser Tage die Zeit des großen Hüttenbaus der All- _Der Mraeltt. menschhei.t in Jerusalems Mauern endlich emporreifen. q- * * Von anderer Seite wird uns zn dem Gegenstände noch geschrieben: Die Sorge darum, daß man in diesem Jahre keine Esrogtm haben würde,, ist ja nun verscheucht. Eine große Menge ist aus Palästina auf dem Landwege gerade noch rechtzeitig eingetroffen. Bis dahin waren in Deutschland nur einige wenige Exemplare griechischer Ware vorhanden, für die von Einzelnen willig Fantasiepreise bewilligt wurden. Inzwischen mag sich Mancher, der die Sorge vergesien hat, darüber gewundert oder auch geärgert haben, daß die unersetzliche Frucht um einige Mark teurer als sonst bezahlt werden mußte. Wer indesien durch diese Zeilen erfährt, unter welchen Umständen die Ware nach Deutschland gelangte, der wird sich gerne bescheiden. Durch den Eintritt Italiens in den Krieg war der Stapelplatz Triest für den Handel abgeschniNen. Der Weg über Holland war für griechische Ware durch die Kaperungsgefahr und erschreckende Auflagen, welche England wie allen neutralen Ländern, so auch Holland macht, ebenso aussichtslos. Auch nach Salonichi konnte Ware nur unter sehr erschwerenden Umständen, wenn überhaupt, gelangen. In der Tat sind von der Salonichi-Ware nur verschwindende Mengen rechtzeitig angelangt. Die „Freie Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums" hatte darum bereits im Mai Vorkehrungen getroffen, Ware aus Palästina «ach Deutschland zu führen. Sie hat damit zugleich den inzwischen gelungenen Versuch gemacht, den durch die Heuschreckenplage ohnedies schwer geschädigten Pflanzern wenigstens einen Teil der noch brauchbaren Bestände unterzubringen. Preis und Kosten durften keine Rolle spielen, wenn es einen Weg gab. Und es gab nur einen Weg, da Schiffe von der Küste Palästinas und Syriens nicht gingen. Dieser eine Weg ging zu Lande über Kleinasien und von da über Konstantinopel, Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Schon in Friedenszeiten ist das ein weiter Weg. Jetzt im Kriege, wo die eingleisigen Bahnen, soweit solche in Palästina und Kleinasien vorhanden sind, von Mililärtransporten überlastet, wo nicht gar mit Beschlag belegt sind, war der Weg doppelt weit und doppelt gefahrvoll. Es waren nicht transporltechnische Schwierigkeiten allein — von dem Transport aus Kamelrücken und Wagen ganz abgesehen — die zu überwinden waren. Wer vermochte zu sagen, ob politische Verschiebungen aus dem Balkan nicht in letzter Stunde das rechtzeitige Eintreffen verhinderten! Es war deshalb ein kühnes Unternehmen, welches der Beauftragte der F. V., der Groß-Esrog-Pflanzer und Händler, Herr Hillmann aus Petach Tikwah wagte, als er, obwohl versehen mit Einführuugsschreiben und wohlwollenden Empfehlungen der deutschen obersten Behörden, sich auf den Weg machte, um in Aleppo (Syrien) einen großen Transport der begehrten Früchte abzuholen, den ihm auf telegraphische Weisung hin, sein Teilhaber von Palästina her bis dorthin entgegenbringen sollte. Die Reise von Frankfurt nach Aleppo geht heute über Wien, Budapest, Kronstadt, Bukarest, Sofia, Konstantinopel, und von der kleinasiatischen Seite aus eine Strecke weit per Bahn, dann in lagelangen mühsamen Wagensahrten (und welche Wagen , dann wieder eine Strecke weit per Bahn, (und welche Bahn) mit Militärzügen, dann wieder per Wagen, bis endlich Adana und Aleppo erreicht werden. Dort hatte Herr H. zunächst mehr als zwei Wochen zu warten, bis die Ware aus Palästina endlich anlangte. Aus überlasteten Bahnstrecken, auf schlechten Wegen zu Wagen, auf Kamelrücken war sie nach wochenlangen, mühseligen Transporten und mit schweren Kosten endlich nach Aleppo gelangt. Nun galt es, von Aleppo den gleichen Weg zurück so rasch als möglich zu reisen, damit die „Esrogim nicht nach Sukkos" anlangten. Die kaum sieben Wochen, die noch zur Verfügung standen, waren nur bei größter Energie, Geschicklichkeit und Wachsamkeit gerade noch ausreichend. Nur durch bas außerordentliche Entgegenkommen der türkischen Behörden wurde es gestattet, die Ware mit den Militärzügen, hie und da auch mit den meist nur einmal am Tage oder dreimal in der Woche verkehrenden Personenzügen zu befördern, von den Kosten gar zu schweigen. Fuhrwerk war nur schwer in genügender Menge und genügender Beschaffenheit aufzubringen. Tag und Nacht, nur mit wenigen Stunden Pause an den Umspannplätzen, wurden die Kisten und Kasten, die schon die Reise über das Gebirge Juda, durch Galiläa und den Hauran, den Antilibanon und Libanon zurückgelegt hatten, über die schwierigen Wege des Hohen Taurus und der Anatolischen Gebirge geführt. Dort sind nicht Landstraßen im hiesigen Sinne. Es find oft nur Pfade über mächtige Gebirgspässe, und führen oft am Abgrund entlang, durch Schluchten hindurch, Wege, die hie und da von mächtigen Felswänden abgesprengt sind, und die zudem überlastet sind von den Fuhrwerken, welche Munition und Proviant, Bagage und Kriegsmaterial aller Art über den gleichen Weg führen. Endlose Maultierzügc, Kameliransporte, Ochsengespanne, die Kanonen ziehen, eine endlose Reihe. Wenn solche Landstrecken glücklich überwunden waren, so begann die Plage aufs Neue, damit die Militärbehörden nur wieder gestatteten, daß die Bahn den unmilitärischen Transport mitnehme. Dann die Sorge, daß nirgends die Ware zurückbleib?, daß sie behutsam verladen werde, daß nichts gestohlen werde. Und dieselben Schwierigkeiten von Etappe zu Etappe! Dennoch ging alles dank der Freundlichkeit der türkischen Behörden „gut" bis Konstantinopel, selbst über Bulgarien hinaus. Erst in . Rumänien türmten sich die Schwierigkeiten. Man kennt aus den Tageszeitungen und sonstigen Berichten, welcher Art die Hemmungen und Hindernisse sind, die gerade dort sich bieten und die zu überwinden sind. Während bis dahin die Zuvorkommenheit türkischer Behörden wohltätig empfunden wurde, zeigte sich in Sofia und Bukarest die ganze Zuverlässigkeit und gute Arbeitsweise der deutschen Vertretung. Wer einmal das Gefühl empfunden hat, sich mitten in dem Chaos orientalischer Verhältnisse, im Schutze und sei es auch nur im Amtsraum eines deutschen Konsulats oder einer deutschen Gesandtschaft zu befinden, der wird wissen wie wertvoll es ist, die tätige Hilfe deutscher Beamten zu genießen. Unsere deutschen Organe draußen haben nun auch in bereitwilliger Weise alles Ihrige getan, um die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich auftürmten, bis es gelang, von dem Uebergang aus bulgarischem Gebiet zu Schiff über die Donau bei Giurgiewo angefangen, bis zum Austritt aus rumänischem Gebiet bei Predeal, nach mehr als siebentägigem Zeitverlust in dem kleinen Rumänien, die Ware aus ungarisches Gebiet zu schaffen. Endlich, es war bereits der zweite nin'^v Tag angebrochen, rollte die Ware aus dem ungarischen Teil der Station Predeal. Der Unterchef der zur Hälfte ungarischen Station hatte noch mitten in der Nacht geholfen, daß der Waggon expediert wurde. Zum Lohn erbat er sich zwei Esrogim für seinen Kleines Feuilleton. Söttenfest Der Ruf des Schosars war verklungen, Al-Chet und Widui abgesungen; Rein stand die Seele vor dem Herrn: „Du hast erlöset uns von Sünde, Bon Scham und Schande! O verkünde, Wie können wir dir dankbar sein?" Worauf der Herr: „Wohlan, verlaßt Ein Jeder Kammer und Palast: Zieht draußen dann in Hütten ein! Und was an traulichem Behagen Euch gab das Haus, dem sollt ihr entsagen; Ich will bei euch zu Gaste sein!" Schon wollten alle ängstlich fragen: ,,Jetzt grade, wo die Stürme jagen, Der Winter vor der Türe steht?" Da klangs in ihnen wie Festgebraus, Und keinen ließ es mehr zu Haus; Rasch war mit Hütten die Flur besät. Und was an lachenden Gaben die Auen Hervorgebracht, eine Freude, zu schauen, Das trug man in die Hütten hinein: Rotwangige Aepfel, Wallnüffe, Zitronen, Kürbisse, Goldtrauben, Melonen, Gewinde aus Blumen und Laub von Wein. Es währte das Fest acht herrliche Tage Bei Hallel-Gesängen und Freundesgelage; Dann rüstete man sich nach Hause zu gehn. Der Abschied machte das Herz ihnen schwer; Noch schwerer aber hat der Herr Seine Kinder wieder scheiden gesehn. „Ihr habt bis heute mich gastlich bewirtet; Eure Hütten, die ihr so lieblich mir zieriet, Die laßt ihr den Winden, dem herbstlichen Regen. Doch eh' ihr jetzt geht, lad Ich euch zu Gast: Auf einen Tag noch haltet Rast; Dann gehet an eure Arbeit mit Segen!" Sie hatten ihr Haus mit verzagtem Gemüte Verlasien; nun kehrten sie aus der Hütte Zurück, durch die Kraft des Glaubens gefeit. Im eigenen Heim der erste Tag, Dem Herrn als Festgabe dargebracht, Hat das Haus fürs Jahr zum Tempel geweiht. R. L. Roschhaschonoh im Felde. (Aus Feldpostbriefen.) Wir sind am Donnerstag Nachmittag um 5 Uhr hier zu 6* Mann abmarschiert. A . . . und noch ein Kamerad haben uns abgeholt, wir haben erst noch die Post abgewartet, die mir u. a. noch einen sehr lieben Brief vom lieben M . . . brachte. Etwa eine Stunde gingen wir bei sehr schönem Wetter zu Fuß .nach N. Ich hatte tüchtig Fourage mitgenommen, auch für meine Kameraden, da ich nicht wußte, wie es mit der Verpflegung war. In N. wurde uns von der Ortskommandantur eine ganze Billa zur Unterkunft angewiesen, sie war aber ganz leer und unverschlossen und nur einige Bündel Stroh waren zum Nachtlager vorgesehen Immerhin hätten wir es schon ganz gm dort ausgehalten. Aber Herr Dr. L. hatte die Liebenswürdigkeit uns freizustellen, ob wir nicht lieber bei ihm Logis nehmen wollten, was wir dankend annahiuen. Und so kamen wir in einem sehr Hellen luftigen Saal unter, und jeder haue ein vorzügliches sauberes Bett. Den Gottesdienst hielten wir in einem Schlosse ab, das inmitten eines großen Parks liegt und zu dem Herrn Dr. L. unterstellten Gebäudekomplex gehört. In dem Zimmer, in dem wir orten, waren zwei Tische mit blütenweißen Tischoniüchern und einigen Rosen darauf, ferner ein Stehpult für den Vorbeter aus dem zwei Kerzen brannten. Außerdem war der Raum durch elektrisches Licht erhellt, sodaß dns Ganze einen sehr feierlichen und jontesmäßigen Eindruck machte. — An dem Gottesdienst nahmen abwechselnd noch andere Soldaten aus E. und der Front teil, außerdem ein Zahnarzt Dr. W. und Unteroffizier R. Im Ganzen waren wir stets 12—15 Mann. Am ersten Abend orte A. und nach dem Oren stellte sich heraus, daß Herr Dr. L. auch in geradezu glänzender Weise für Verpflegung gesorgt hatte. Wir nahmen sämtliche Mahlzeiten bei ihm ein. Es gab jedesmal irgend eine Suppe mit Fleisch oder Würstchen und heißen Kartoffeln und dann noch sehr feines Kompott und Tee. Außerdem erhielten wir morgens nach dem Oren Kaffee mit Kuchen u. s. w., woraus Herr Dr. L. sich etwa eine halbe Stunde in seinen Betrieb zurückzog und dann zur Fortsetzung der Mahlzeit wieder erschien. Auch den Jehl Rozaun über Aepfel und Honig haben wir nicht vergessen. Das Einzige was wir nicht hatten, waren die neuen Früchte am 2. Abend. Am Morgen haben wir uns erst gut au^geschlasen, da Herr L. nicht so früh anfangen wollte wir haben dann von etwa halb 9 Uhr bis halb 12 Uhr geort. Herr Dr. L. hat