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Der Israelit · 1915-09-16 · Heft 39 (16.9.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 39 (16.9.1915)
Date
1915-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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16. September 1915 (Korrespondenzen und Aachnchlen. Deutsthes Ueirtz. Nus Sen okkupierten öebieten. Lodz, 10. Sept. In einer Polizeiverordnung für Stadt und Landkreis Lodz über die Inschriften der Läden, Werkstätten und die Anbringung von Straßenschildern wird verfügt, daß diese in deutscher, polnischer oder jüdischer Sprache abgefaßt sein müssen. Der Verkehr mit Warschau wird immer reger. Täglich treffen Kommissionen und Vertreter von Behörden, Zeitungen und gemeinnützigen Anstalten hier ein, um die Verwaltung und die nach der deutschen Ordnung neugestalteten Verhältnisse unserer Stadt zu studieren. Nach Freigabe der Einfahrt in Warschau, die für die nächste Zeit zu erhoffen ist, dürfte auch der Handelsverkehr zwischen beiden Städten neu aufleben. Wiakyflock, 3. September. Auch hier treten nach und nach geordnete Verhältnisse ein. In den letzten Tagen vor dem Nückzuck des russischen Militärs scheint hier alles drunter und drüber gegangen zu sein. Die Kosaken ließen sich in sämtlichen Käustäden, hauptsächlich in denen mit Lebensmitteln, Waren geben, für die sie nicht bezahlten. Fanden sie Wiederstand, so mißhandelten sie die Eigentümer der Läden, in vielen Fällen verhafteten sie letztere. Der Befehl, sämtliche Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren auszuheben, konnte von den Russen nicht ausgesührt werden. Sämtliche Motoren aus den Fabriken wurden in das Reichsinnere geschickt. Die kleineren Dampfkessel wurden fortgeschafft, die größeren mit Dynamit gesprengt, wodurch zahlreiche Brände entstanden. Stark gelitten haben die Fabriken von Pre tsmann, Poretzkt, Trilling, Niemzowitsch u. a. Sämtliche Vorräte an Tuch, Kleidungsstoffen und Decken, fertige wie rohe, wurden nach Rußland geschickt. Auch die Mehl- und Getreidevorräte wurden von den Russen weggenommennur das Weizenmehl konnten sie nicht mehr wegschaffen. Die Bürg er Miliz, die aus 2000 Mann besteht, wurde gleich nach dem Fall von Warschau gebildet. Ihre Tätigkeit nahm sie aber erst in der Nacht zum Mittwoch, den Wunden und blutrote Tränen gab Dtr Dein Vaterland, Hat Deinen Geist bespien, und gefesselt, geschwächt Deine Hand. Jude, vom roten Blut der gemordeten Brüder umschäumt, Hast Du in Nacht und in Not heimlich von Zion geträumt. Oh glaub, daß der graue Feind, der heut sprengt die Wälle der Stadt, Unter'm Kanonengebrüll für Dich Rosen und Manna hat. Heilige Helle dem Geiste und heiliges Schaffen der Hand. Jude, im dunkelsten Ghetto, er zeigt Dir gelobtes Land l Die heiße Feindeskugel, die Mauern und Menschen bricht, Erleuchtet Finsternisse, ist Gottes: „Es werde Licht'." Der in der Fenersäule, im Schmettern der Schlacht erscheint, Singe ihm ein Loblied! Reich Deine Hände dem Feind'. Der HSraeltt. No. 99 Sette s 25. August auf, d. h. am Vorabend der Besetzung der Stadt durch die deutschen Truppen. Das Bürgerkomitee besteht aus 40 Personen, 20 Christen und 20 Juden. Beim Rückzug beschädigten die Russen die Wafferleitung, so daß die Bevölkerung fast ohne Waffer blieb, auch das Elektrizitätswerk wurde beschädigt, so daß die Stadt abends in Finsternis gehüllt ist. Sämtliche Bekanntmachungen der deutschen Behörden erscheinen in deutscher, polnischer und jüdischer Sprache. Die Hofdierfleifdifrage in HJarfdiau. Warschau, 7. September. Der „Moment" bespricht in seiner Nummer vom 27. August die einzelnen Bestimmungen zu dem vorgesehenen Fleisch Monopol für Polen und schreibt dann: „Die ganze Organisation des Monopols in Warschau soll in den Händen der Lebensmtttelabteilung des Bürgerkomitces liegen, in dem sich kein Jude befindet. Deswegen ist gar nicht zu ersehen, wie es mit demSchächten werden soll und mit der Verteilung der koscheren Stücke (die vordersten) für die Juden und der treifen (untersten) für die Nichtjuden. Ueberdtes ist wohl zu beachten, daß bis jetzt über 10000 jüdische Familien in Warschau vom Fleischhandel gelebt haben. Allein an Koscherfleisch- Läden giebt es 600. Jetzt will das Bürgerkomiiee 1. die Ochsen selber schlachten und den jüdischen Schlächtern Fleisch verkaufen, und 2. die Zahl der Läden von 600 auf höchstens 50 beschränken! Dabei ist zu bemerken: In Lodz besteht das Fleischmonopol schon und ruht auf ganz anderen Grundlagen, als wie es der Vorsitzende der Lebensmittelabteilung des Bürgerkomitees, Herr Pietroschkewicz, in Warschau plant. In Lodz kaufen die Schlächter lebende Ochsen nach dem vom Bürgerkomitee festgesetzten Preis. Die jüdischen Schlächter schächten das Vieh selber und verkaufen das Fleisch den Ladeninhabern. Es existiert eine feste Taxe für die Läden, deren Zahl nicht begrenzt ist. Eine solche Ordnung ist viel bequemer und ruiniert nicht soviel Familien, die bisher vom Fleischhandel gelebt haben. Jetzt, wo die Zahl der Arbeits- und Brotlosen die höchste Stufe erreicht hat, schläft unsere jüdische Gemeinde und erwacht erst dann, wenn die Massen ihre Türen belagern und sehr traurige Szenen Vorkommen. Wäre es nicht wichtiger, rechtzeitig die Not zu verhüten? Vielleicht finden sich andere, die sich der Sache annehmen? Dann muß aber bald gehandelt werden. Die Organisation geht still aber energisch von statten, und wenn die Sache abgetan ist, ist es zu spät. Man kann doch nicht dulden, daß ein Mensch, mags auch Herr Pietroschkewicz sein, das Schicksal von 10 000 jüdischen Familien entscheidet! Vielleicht ist es möglich, einen Aufschub des Monopols zu erwirken bis zur Einführung der reformierten Stadtverwaltung in Warschau, in der sich auch jüdische Vertreter befinden?!" Rußland. Rabbi Jijrtioft Jaftob Reines V'sci Stockholm, 7. September. Eine erschütternde Trauerkunde kommt aus Rußland. In Lida bei Wilna, wo er lange Jahrzehnte für Judenheit und Judentum mit Kraft und Eifer gewirkt hat, starb Rabbi Jizchok Jakob Reines im Alter von 76 Jahren. Rabbi Reines zeichnete sich schon in frühester Jugend durch außergewöhnlich regen Geist und unermüdliche Arbeitskraft aus. Mit siebzehn Jahren gehörte er zu den besten Schülern der Wolofchiner Jeschiwah und wenige Jahre darauf erhielt er die Rabbinatsautorisation von den größten Kapazitäten der Zeit. Er wirkte nacheinander in den Gemeinden Schukian und Schwinziany und wurde im Jahre 1885’ auf den berühmten Rabbtnersitz der altehrwürdigen Gemeinde Lida berufen. Hier entfaltete er eine literarische Wirksamkeit, die das Staunen der Mitwelt erregte und seinen Namen, weit in die Welt hinaustrug. Unter feinen zahlreichen Werken steht an erster Stelle das im Jahre 5642 in Wilna erschienene, auf dem Gebiete der logischen Ergründung der Halacha bahnbrechende Buch rran önin. Neben den zwei Teilen dieses grandiosen Werkes sind in rabbinischen Kreisen als homiletische wie halachische Hilfs- und Nachschlageltteratur u. a. gut eingeführt die Werke D^nj am» .ttik np»/ apra nw Schriften wie ii'L bp tnn -iik, rowr bü u. v. m. dienen den Zettsragen und bewegen sich in den Gedankengängen von Kalis cher und Mohiliwer ^"2e?,die den Bestrebungen zur Wiederbelebung des heiligen Landes im Sinne der O'tf 'aairr kräftig das Wort reden. Reines machte auch die Entwicklung des Chowaweh-Zionismus zum Herzlichen Zionismus mit, wodurch er sich die Gegnerschaft der hervorragensten Rabbiner Rußlands zugezogen hat. Er war Begründer der Mtsracht-Fraktton, an deren Leitung er bis zuletzt verharrte, ohne sich von all den bit- Für de« Reklameteil ist die Hefe«!ttoi nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansschlieglich Lache der Leser, dis t« Neklameteil enthaltene» L«psehl»»se« ritueller Ware« oder sonstiger Angabe« religionsgesetzlichen Lharakters ans f$n Anverlafft-keit »« prüfen. jGaxh C •Konfekt regelt den Stuhlgang bei Erwachsenen nnd Kindern. Proben nnd aufklärende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharm atkea BeaeUsekaft eku, Fabrik, Fr amklart a. Mail Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbaeh a. M. — Gegen Gieht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrieh; Stalu, Frankfurt a. Gflnthersburgallee 87. Tel. 259 n. 714 Gustav Schwarz, BatlaalstraBa 14, nächst Schauspielh. Kein Laden. Telephon Hansa 8570. Besonders billige Preise. (3168) Telegramm-Adresse: Nesop Frankfnrtmaia. Telephon: Nr. 83. Amt Hansa. Speüalhans für Silberwaren Modellier n. 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