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Der Israelit · 1915-09-16 · Heft 39 (16.9.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 39 (16.9.1915)
Date
1915-09-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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«ette 1 ffc. BO »er AAraeltt. 16. September 1915 samtheit sich erneut zum Panter des Judentums finden und den Sabbath als sein Fundament wieder verehren und wahren lernen. Möge ein jeder es sich zu Bewußtsein bringen, was er sich und den Seinen raubt, wenn er des Sabbaths heilige Stimme gewaltsam zum Schweigen bringt. Israel als das „Licht der Welt", als der „Prophet an hie Böker" hat in erster Reihe die Pflicht, seine Kraft für die Wahrung der sittlichen Güter und geistigen Schätze einzusetzen. Darum soll es den Hang der Menschen zu Erwerb und Genuß wohl nicht überwältigen und unterdrücken, doch aber beherrschen und höheren Zielen unterordnen lernen. Daß wir dies können, erfahren wir gerade am Oiv der uns den Engeln des Himmels gleichstellt, die in der Lobpreisung des Höchsten ihre Aufgabe und ihren Daseinszweck haben. Was können wir nicht alles, so wir wollen und unsere ganze Kraft etnsetzen! So bringt der Versöhnugstag den Frieden den im Herzen der Menschen streitenden Mächten und verbirgt uns den endlichen Frieden auf Erden. In dieser Hoffnung erhebt sich unsere Seele und richtet sie sich auf an der himmlischen Gnadenverheißung: „rüttb 2'-)» *6 fjlifcpK, Nicht auf. ewig streite ich und nicht für immer zürne ich." Die Kriegsfackel wird verlöschen und wieder heiliger Friede die Welt und die Menschheit beglücken. An dieser Ueberzeugung soll sich unsere Bekennerschar aufrtchten und mit gesteigertem Verlangen mag sie den doppelt heiligen Tag begehen, daß alle des inneren Friede»s teilhaftig werden, den die Religion uns bckngen will, nicht nur dem Nahen, der nicht geirrt und gestrauchelt, sondern auch dem Fernen, der weit weit von der Bahn der Guten und Rechten abgewichen. Die Liebe Gottes deckt alle Verirrungen, wenn die Neue im Herzen die Umkehr anbahnt. Dieser Glaube ist die Wurzel und Blüte unserer Religion, wird vom Dl’ in uns gefestigt und zeigt uns das Licht der göttlichen Gnade, daß die Hoffnung auf den ewigen Völkerfrieden in uns erwächst und wir trotz des Waffengeklirrs nicht an der Verheißung der himmlischen Friedensboten irre werden: „Friede, Friede dem Fernen wie dem Nahen!" Mische patengememden für Ostpreußen. Von Waisenhausdirektor Peritz-Königsbcrg. (Schluß). Zur Wiederaufrichtung des ostpreußischen Judentums aus seinen Kriegsnöten hat der Ver- Kleines IeuAeton. Die Mengemeinden in Polen und Litauen. Polen und Litauen waren seit Jahrhunderten der Hauptsitz jüdischer Gelehrsamkeit und jüdischen Wissens. Die dortigen Gemeinden gelangten in der jüdischen Geschichte zu großer Berühmtheit. Gar manche Stadt, so schreibt die Wiener „Jüdische Korrespondenz", deren Eroberung jetzt aus strategischen Gründen eine so große Rolle spielt, ist auch in den jüdischen Kreisen weit und breit bekannt und die Befreiung derselben erfüllt die Herzen aller Juden mit grotzer Freude. Eine der berühmtesten Judengemeinden Polens war beispielsweise Lublin, wo große Gelehrte als Rabbiner wirkten UNd wo auch die Bierlands-Synode (rnLinn -isi) sich wiederholt versammelte. Lublin war auch berühmt durch seine grotzen hebräischen Buchdruckereien. Auch O st r o w, um welches so heftig gekämpft wurde, war ehemals eine berühmte jüdische Gemeinde. Dort lebte und wirkte der große Gelehrte und Talmudtnterpret Rabbi SamuelEidels, bekannt unter dem Namen „Mharsch o oh". Andere Gemeinden gelangten erst im vergangenen Jahrhunderte zur Berühmtheit, so beispielsweise K o w n o, wo der berühmte RabbiJzchok Elchanan Spektor in der zweiten Halste des 19. Jahrhunderts lebte und wirkte. Auch die Städte, die erst jetzt erobert wurden, resp. um die noch gekämpft band der ostpreußtschen Synagogengemeinden die unversehrt gebliebenen jüdischen Gemeinden im Reiche anfgefordert, nach Art der Patenschaft für die Städte die Krtegshilfe für die einzelnen unserer zerstörten oder schwer geschädigten jüdischen Gemeinden allein oder gemeinsam mit anderen zu übernehmen, wobei die von ihnen angenommene Gemeinde als ihre Krtegs-Filtalgemetnde gelten, von ihr neu hergerichtet und für eine Reihe von Jahren bis zur wiedererlangren Selbständigkeit nach Bedürfnis unterstützt werden soll. Der Verband der ostpreußischen Synagogengemeinden will den angemeldeten Patengemeinden ihre Kriegsfiliale zuteilen bezw. in Vorschlag bringen oder sie bei nur Teilbeteiligung für eine Krtegsfiltale verbinden. Es war zunächst gedacht, den notwendigen Gesamtaufwand für alle Kriegssilialen prozentual auf die beteiligten Patengemeinden zu verteilen, aber dies erwies sich wegen der fehlenden festen Unterlagen als undurchführbar, so daß es den einzelnen Patengemeinden, wie es einige von den angemeldeten schon getan haben, überlassen bleiben muß, nach ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem guten Willen die Höhe ihrer Beisteuer für die Kriegsfiiiale selbst zu bestimmen. Doch wird für die Patenschaftsbeteiligung bei einer bestimmten Gemeinde eine Mindestleistung von 1000 Mark, ev. auf mehrere Jahre verteilt, vorausgesetzt, um diese Unterstützungsweife von der einfachen Hilfstätigkeit für unser Ostpreußenwerk bedeutsam zu unterscheiden. Wenn die bereiten Gemeinden, wie es bei den Ortspatenschaften geschieht, auch ihre einzelnen Gemetndemitglieder, Vereine usw. zu freiwilligen Jahresbeiträgen für die Sache heranztehen, so dürfte es auch kleineren Gemeinden möglich sein, einen Patenschaftsteil für eine unserer kriegsgeschädigten Gemeinden zu übernehmen. Selbstverständlich werden auch wohltätige Einzelpersonen durch eine entsprechende Spende als Pate für eine Gemeinde angenommen. Der Name der Patengemetnde und der selbständigen Personen sollen auf einer Gedenktafel in der Synagoge ihrer Krtegsfilialgemeinde verewigt werden. Alle sonstigen gütigen Beihilfen von Gemeinden und Privaten zur religiösen Hilfe für unsere ostpreußischen Gemeinden werden in einem „Allgemeinen Kriegshilfssonds für jüdische Gemeindehilfe in Ostpreußen" gesammelt und vom Verbände für den Zweck ausgegeben werden- Für die „Htlfsgemeinden" und Spender wird heim Verbände ein besonderes „Gedenkbuch der Kriegshelfer 1915" geführt werden. wird: Wilna, Bialystok und Breft-Litowsk, sind unter den Juden weit und breit berühmt. Wilna wird das „litauische Jerusalem" genannt: dort lebte und wirkte der hervorragende Rabbi Eli ahn, bekannt unter dem Namen „Der Wilna er Gaon"; aus den Wilnaer Rabbinerschulen ging eine große Anzahl berühmter Rabbiner hervor und auch die moderne hebräische Wissenschaft fand in Wilna große Entwicklungsmöglichkeiten. Die Wilnaer Talmud-Ausgaben gelten bis heute als unübertroffen. Bialystok gehört zu den größten und reichsten jüdischen Gemeinden Litauens in den letzten Dezennien. Dort wirkte auch der hervorragende Rabbi Samuel Mohilewer, einer der Begründer der jüdischen Kolonisation Palästinas. Breft-Litowsk ist eine der ältesten und berühmtesten Judengemeinden Wolyniens. Auch gegenwärtig gehört die dortige Judengemeinde zu den angesehensten im Lande. Der „Brisker Raw", Rabbi Chaim Solowajczik genießt in ganz Rußland und auch im Auslande höchstes Ansehen und Wertschätzung, auch die dortige Jes chiw a ist weit und breit berühmt. In den befreiten Gebieten befinden sich auch die Residenzen einiger der hervorragendsten chassidischen Rabbis, so z. B. Gora Kalwarja, zu dessen Rabbi Tausende und Abertausende Anhänger aus allen Teilen Polens und Galiziens wallfahren. Bekannt sind auch die Rabbis von Sochaczew, Ra dzymin, Nowo- Aleksandro w und Biala. Das Städtchen Kozk ist bekannt als Stammsitz der Rabbi-Familie Friedmann, deren Urgroßvater infolge der Verfolgungen aus Kozk flüchtete und sich in S a d a g o r a (Bukowina) anfiedelte. Seine Nachkommen wirkten zuletzt in Sadagora, Bojan, Czortkow, Husiatyn, Ottynia rc. Auch dte Patenschaften werden die Mithilfe des Synagogenverbandes noch Wetter nötig machen. Wo mehrere Gemeinden bei einer Kriegsfiliale Beteiligt sind, ist es schon wegen der geordneten Verbindung ihrer Tätigkeit notwendig. Aber auch sonst wird die Leitung des ganzen Hilfswerkes durch den Synagogenverband im Interesse einer zweckmäßigen Durchführung der geplanten Maßnahmen und für eine genaue Kontrolle über die Verwendung der bewilligten Gelder aufrecht erhalten werden MüffkN. Es wird sich darum empfehlen, daß auch die Patengemeinden ihre Hilfsgelder an den Synagogenverband senden, von dem sie in Bedarfsraten an die bestimmten Kriegsfilialen auszuzahlen sind. Die Paten gemeinden erhalten dann Abrechnung vom Synagogenverband und regelmäßigen Bericht über die Entwicklung ihrer Kriegsfilialen. Das große Werk des religiösen Wiederaufbaues der zerstörten jüdischen Gemeinden kann nur gelingen, wenn alle leistungsfähigen jüdischen Gemeinden unseres Reiches, wenn alle deutschenJuden dabet mithelfen, dankbar eingedenkt des Glückes und der Gnade, die Üjnen zu Teil geworden ist, daß des Krieges Verheerungen, Raub, Mord und Brandschatzung, wie Ostpreußen sie erdulden mußte, sie nicht betroffen, daß ihre religiösen Güter unversehrt geblieben und daß ihre Herzen sich in ihren Gotteshäusern froh zum liebenden Allvater tm Himmel erheben können, mit Dank und Preis für die Hilfe, die er unserem deutschen Vaterlande hat zu Teil werden lassen. Ein Liebesopfer wird von allen glücklichen Glaubensgenossen hier gefordert, ein Beitrag zur Aufrichtung eines religiösenKriegsdenkmales in Ostpreußen. Ein vaterländisches Werk soll damit geschaffen werden. Möge unser Aufruf dazu in allen jüdischen Gemeinden offene Herzen finden. Vemißte jüdische Familien. XXXIV. Es sucht: Es werden gesucht: Distriktsrabbinat Ans- NusenJager aus Radom, dach in Bayern. Sualzierstr. 24. Jac. Blichen a. Radom, Nowogrodskastr. 5. Meldungen nimmt auch die Expedition 'des „Israelit" entgegen. (Ungarisch jüdisches Museum und Kriegs-- archiv.) In den nächsten Tagen wird das Ungarisch Jüdische Museum und Kriegsarchiv, welches von dem Ungarisch-Israelitischen Literatur-Verein gestiftet wurde, der Oeffentlichkeit übergeben. Welch wertvolles Material das Museum während einiger Jahren zusammengebracht hat, zeigt uns dte neueste Nummer der von Dr. Joses Parat redigierten Zeitschrift „Mult es Jövö", welche ihr Augustheft ganz dem Ungarisch-Jüdischen Museum gewidmet at. Der Gründer des Museums, König!. Rat Dr. Franz Mezey, der Kustos des Museumrats, die Professoren Dr. Kohlbach, Dr. Max Weisz und Dr. Mandel 'würdigen in je einem Artikel die verschiedenen Sammlungen des neuen Museums, aus welchem die wertvollsten Gegenstände in ea. 50 künstlerischen Reproduktionen im „Mult es Jövö" dem Publikum vorgeführt werden. Eine sehr wertvolle Abteilung des Museums ist das ungarisch-jüdische Kriegsarchiv. An der Stiftung des Kriegsarchivs haben sich die Vornehmsten der ungarisch-jüdischen Gesellschaft beteiligt. Den Juden im Osten*). Von Gertrud Epstein. Jude im dunkeln Ghetto, Du hörst den Kanonenschrei: Hörst es mit Gleichmut vielleicht, daß der Feind an den Mauern sei. Denkst, daß sein Schlag es nicht besser als die Schläge der anderen meint, Denn was Dich immer umgab, hieß noch niemals £ anders denn „Feind!" *) Aus der „Bossischen Zeitung."

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