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Der Israelit · 1915-09-08 · Heft 38 (8.9.1915) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 38 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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-rt+n ■*&***■!***KM>^ggg»qiTOacn;^gaEa|l Kette 8 No. 38. Der JSraettt. wundern, daß dieser wichtige Vorgang, nämlich die Trennung der Sadduzäer, in Dunkel gehüllt ist . . . Die schweren Leiden der Zelt sind da für verantwortlich zu machen." Weist gesteht somit seine Ohnmacht selbst ein. Halevy. bemerkt zu diestm Eingeständnisse von Weiß Bd. I«, S. 359: „Diese Entschuldigungs forme! kehrt immer wieder bei jedem For^chungsobjekt und in jedem Forschungsgebiete. Ueberall haben sie (Weiß und seine Freunde) die eine stereotype Formel, daß dir Ereignisse in Dunke gehüllt find." Halevy selbst gibt uns eine weitumfassende Geschichte "8er'' SadduMtz. wo wir über ihre Entstehung sowohl, als auch über ihre Entwich lung restlos Aufschluß erhalten. Beinahe jede- Kapitel setzt uns neu in Erstaunen durch die Fülle der neuen Gesichtspunkte und Ereignisse, die sich vor uns auftuen und durch die geniale Lösung aller Schwierigkeiten, die für unüber wtndbar gehalten wurden. Dennoch besitzt Elbogen den traurigen Mut, Halevy das „unbestreitbare Verdienst" zuzugesteyen, „einige Notizen ans Licht gezogen zu haben." Dennoch gewinnt es Elbogen über sich, Kottek den Vorwurf zu machen, daß er Halevy vor Grätz den Vorzug gegeben habe, den Vorwurf also, daß er nicht mit Grätz im Dunkeln herumgetastet, sondern mit Halevy in der Sonnenbahn gewandelt. Elbogen spricht auch von Kritik gegen Halevy. Wie sieht aber diese Kritik aus? Bis jetzt liegen 3 Bände vom „D.Har." vor. Der allerwichtigste unter ihnen ist der erste Bd. Io, welcher zuletzt erschienen ist. Er ist deshalb der wichtigste, weil er beinahe die ganze Zeit des zweiten Heiligtums behandelt, welche doch im Leben des jüdischen Volkes zu der knlscheidendsten gehört. Dieser Band ist von keiner Seite jemals angegriffen worden, abgesehen von einem schmähsüchtigen Artikel seitens eines Breslauer Seminaristen, der eine tüchtige Abfertigung erhalten hat. Der Bd. II wurde in einer Rezension von Epstein aus Wien kritisiert. Kottek kst auch dieser Kritik in seinem „Rückschritt oder Fortschritt" in der wirksamsten Weise entgegengetreten. Epstein hat genau anderthalb Jahre nach dem Erscheinen der Kottekschen Broschüre in einer kurzen Bemerkung, die er in einem hebräischen Jahreshestchen pan abdrucken ließ, eine Erwiderung versprochen, hat aber sein Versprechen bis zu seinem Tode, der anderthalb Jahre darauf erfolgt war, nicht eingelöft. Eine zweite kritische Rezession gegen Bd. II des „D. Har." erschien in der „üsvus äos ötuäos juivss^ von Prof. Bacher in Budapest. Auch auf diese Rezension antwortete Kottek ausführlich in einem zweiten Teile von „Rückschritt oder Fortschritt^,*) ohne daß man von Bacher jemals weiteres darüber gehört hat. Welche Verehrung aber Bacher für das ,,D. Har." hegte, ersieht man am besten aus seinen eigenen Worten in der Rezension. Wir wollen die diesbezüglichen Aeußerungen Bachers nach der Zusammenstellung Kotteks im „Rückschritt und Fortschritt" hier wiedergeben, da sie so wohltuend von Elbogens Schmähungen abstechen, obgleich doch auch Bacher genötigt war, sich in der Anerkennung Halevys eine gewisse Reserve aufzuerlegen. Kottek schreibt S. 1: „Bacher erkennt voll und ganz die außerordentlich hohe Bedeutung des „D. Har." an, sowohl in Bezug auf die posittven Resultate, die cs enthält, als auch bezüglich der Kritik. Unter anderem bemerkt er auf S- 149: „Das Verdienst Halevys besteht hauptsächlich darin, von neuem die Geschichte der palästinensischen und babylonischen Schulen (Bd. II der hier in Frage kommt, behandelt die Zeit der letzten Tanaiten und die Amoräerperiode bis zu den Saburäern) und ihrer vornehmsten Glieder studiert und diese Quellen einer vertieften Prüfung unterworfen zu haben." Oder auf *) Siehe Jahrbuch der „Jüdisch-Literarischen Gesellschaft ' zu Frankiurt a. M., 1904 S. 150: „Hierin besteht hauptsächlich die Ueberlegenheit der Arbeit Halevys. Er versteht es, die Geschichte der talmudtschen Periode wieder aufzubauen, indem er neue Bausteine aus den zahlreichen Materialien, über die er verfügt, herbeiträgt und sie mit Geschicklichkeit verwendet." Oder auf S. 147: „Ein Forscher welcher derart über die Details verfügt und so geschickt und genial die scheinbar geringfügigsten Einzelheiten des babylonischen Testes benutzt" ... In Bezug auf die Wahrheit der Kritik, welche Halevy an den Werken seiner Vorgänger Rappoport, Frankel, Grätz und Weiß übt, führt Bacher auf S. 135 aus: „Sein Urteil ist gegründet auf den zahlreichen Fehlern und Jrrtümern, welche Halevy dank seiner tiefen Durchdringung und einer vertieften Kenntnis der Quellen in den Werken der obengenannten Autoren aufgedeckt hat und welche man ohne Vorbehalt als solche anerkennen muß." Desgleichen auf S. 150: „Halevy hat zahlreiche und grobe Jrrtümer seiner Vorgänger nachgewiesen und er hat gezeigt, wie sie oft genug die Quellen schlecht interpretiert und unvollkommen benutzt haben." Es bleibt nunmehr noch der Bd. III übrig, welcher zuerst kr chienen war und ebenfalls in zwei Rezensionen angegriffen wurde. Die eine stammt von dem schon genannten Herrn Epstein aus Wien, welchem Rabbiner Dr. M. Nacht in Focsant (Rumänien) in einer Broschüre „Schein und Sein" entgegnet hatte, ohne daß Epstein darauf zurückkam. Die zweite Rezension stammt von Elbogen. Daß ober Elbogen die Erwiderung Kotteks ruhig hingenommen hat und sich volle zwölf Jahre in allen Sprachen ausschwieg, haben wir bereits erwähnt. Kottek sagt gleich im Eingänge seiner Erwiderung: „Während wir bet der Behandlung des Epsteinschen Artikels es noch mit der Wissenschaft zu tun hatten, kommen wir nunmehr zu einem Artikel, der mit der Wissenschaft nichts zu tun hat . . . Als wir ihn lasen, über kam uns das Gefühl, daß es sich um einen Verzweiflungskampf handelt, in welchem die Wissenschaft mit Füßen getreten wird, um die Richtung zu retten" . . . So kläglich sieht es mit der Kritik gegen Halevy aus. Indes selbst wenn die vereinzelten Angriffe in den paar Rezensionen berechtigt gewesen wären, so hätten sie doch ganz geringen Wert, da sich diese Angriffe nie gegen die Grundauffaffung und die kapitalen Lösungsformen der Probleme richteten, sondern nur gegen unwesentliche Teile eines jeweiligen Abschnittes. Die Grundauffaffung und die fundamentalen Lösungen der Probleme sind jedesmal im „D. Har." durch eine kontinuierliche Kette von frappierenden, ineinandergreifenden Beweisen so fest begründet, daß jeder Ansturm aussichtslos wäre. Die vereinzelten Angriffe richten sich stets gegen Fragen sekundärer Natur, die das Gesamtbild nicht beeinträchtigen. Doch auch in diesen Fragen verfehlten die Angreifer sämtlich ihr Ziel. Ten größten Trumpf spielt Elbogen gegen Kottek durch die Bemerkung aus, daß er über die Zeit der Tanaiten mit kurzen Strichen hinweggeht, weil Halevys Forschungen über diese Zeit noch nicht vorliegen. Aber auch hier erwarb sich Kottek ein großes Verdienst, daß er sich weife Selbstbeschränkung auferlegt hat. Mit Unwahrheiten ist der Jugend, nicht gedient. Da Halevy, wie Prof. Bacher zugeben muß, nachgewiesen hat, daß seine Vorgänger, Grätz und seine Freunde, die Geschichte entstellt haben, so zog es Kottek in der tanattischen Zeit vor, soviel als nur möglich zu schweigen, um der naheliegenden Gefahr zu entgehen, reich ausgeschmückte Phantasien anstelle von wahrer Geschichte darzurieten. Hätte Grätz selbst soviel schweigen als ihantafieren können, der Wert seines Werkes wäre um ein vielfaches größer gewesen. Elbogen fährt fort: „Seinen Standpunkt kennzeichnet der Verfasser wie folgt: „Das Judentum . ist als ein ganzes gegeben und der Begriff ler Fortentwicklung ist ihm fremd." Dann mutz retlich sofort die einschränkende Anmerkung 8. September 1815 hinzugefügt werden „abgesehen natürlich von den Takonot und Geserot." - Wir begreifen nicht, was für einen Zweck es hat, bekannte Tatsachen zu verdrehen. Welches Kind weiß nicht, daß die 'Takonot und Geserot I mit der Streitfrage, ob das Judentum auf Tradition vom Sinai her beruhe oder ob es Menschenwerk sei, nicht das MÜlgste zu tun hat.^ Die Takonot und Geserot find größtenteils dazu da, um das Thoragesetz zu umzäunen, um die Möglichkeit völlig auszuschlteßen, daß das Thoragesetz durch Unvorsichtigkeit Abbruch leidet. Wer die Verordnungen der Weisen genau befolgt, kann nie in die Lage kommen, selbst unwissentlich gegen ein Thoragesetz zu verstoßen. Die Takonot und Geserot sind daher die stärkste Stütze für die Ueberzeugung der Gesetzestreuen, daß die Thora am Sinai geoffenbart worden sei. Was für einen Zweck kann es nun haben, irreführende und den bekannten Tatsachen zuwiderlaufende Bemerkungen zu machen? Neben den Fragen allgemeiner Natur, die wir hier ausführlich behandelt haben, streift Elbogen auch eine Reihe von einzelnen Punkten im Kottekschen Buche. Wir müssen es uns leider versagen, auf all dieses näher einzugehen, obgleich es sehr verlockend wäre. Wir sind nicht in der glücklichen Lage wie Elbogen, dem das Privileg zusieht, alles Beliebige zu sagen, ohne den Wahrheitsbeweis dafür antreten zu müssen. So sagt z. B. Elbogen: „In dieser Weise kehren alle aus Halevy bekannten neuen Erfindungen von dem gleichen Wahrheitsgehalte wie die oben beleuchteten in dem Buche wieder." Wo, so möchten wir ganz bescheidenllich fragen, hat jemand den Nachweis zu erbringen versucht, daß Halevys Riesenforschungen, die nie etwas Grundlegendes ausfprechen, ohne es durch eine Reihe von unerschütterlichen Argumenten zu erhärten, „Erfindungen" sind. Nicht einmal Elbogen selbst wagte es in seiner Rezension gegen den III. Bd. des „D. Har." auszusprechen. Während Halevys Vorgänger Behauptung auf Behauptung kühn übereinander häufen, ohne sich jemals die geringste Mühe geben zu w.llen, diese aus der Phantasie gegriffenen Hypothesen zu begründen, schreibt Halevy nie einen grundlegenden Satz hin, dem nicht eine Kette von unumstößlichen Beweisen aus den primären Quellen voraufgeschickt waren. Doch, wie gesagt, Elbogen braucht sich um Argumente wenig zu kümmern. Uns dagegen wird es zur Pflicht gemacht, die Berechtigung eines jeden kritisierenden Satzes doppelt und dreifach zu demonstrieren. Diese fortwährenden Demonstrationen führen aber zu einer Weitläufigkeit, die im Rahmen eines Artikels unzulässig ist. Schließen wir mit den markigen Sätzen Kotteks am Schluffe seiner Broschüre: „Rückschritt und Fortschritt." Nur noch eines wollen wir hier den Herren vom Schlage des Herrn Dr. Elbogen sagen: „Die guten, glücklichen Jahre, in denen man so vielfach unter der Maske der Wissenschaft gegen die Wissenschaft zu handeln sich erlaubte und in denen man mit Zitaten, die nicht zur Sache gehörten, mit Um* deutung und Verdrehung der Quellen seinem voreingenommenen Standpunkt einen wissenschaftlichen Mantel umhängen konnte, sind vorüber, um nie wtederzukehren. Statt dessen hat eine Wissenschaft Geltung bekommen, die auf festem Boden ruht, die ohne jegliche Tendenz dürch herrliche Forscherkraft allein die Wahrhe t zu ergründen bestrebt ist. Wenn auf diesem Boden die jüdische Wissenschaft weiter fortschreitet, dann wird sie auch ihr Ziel erreichen, sie wird wirklich schaffen und bauen und wir werden eine Wissenschaft erhaliea, die zum Ruhme gereicht unserer Nation und der Geschichte und Literatur im allgemeinen."

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