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Der Israelit · 1915-09-08 · Heft 38 (8.9.1915) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 38 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SSW IK. .1 fl Sr. Elbogens Rezension -er Kottel'schen „Geschichte -er luden." Von Dr. S. Halevy. In der literarischen Warte des „Hamburger Familienbl." Nr. 29 veröffentlicht Dr. El bogen, Berlin, eine Besprechung über das Geschichtsbuch von Dr. Kottek, die weniger einer Rezension, als einer Schmähschrift ähnlich sieht. Daß Elbogen die „Geschichte der Juden" von Kottek ablehnend beurteilen würde, konnte man leicht voraussehen. Kotteks Buch fußt ja auf Halevy, der in seinem „Dororh Harifchontm" die Autorität seiner Vorgänger Krcchmal, Rappaport, Grätz, Frankel und Weiß, die bis dohin als unerschütterlich galt,^ völlig vernichtet hat, und rin Mann, der wie Elbogen, deren Schule verschrieben ist, müßte schon einen sehr hohen Grad von Objektivität besitzen, wenn er einem Buche, das den „D. Har." zur Unterlage hat, gebührende Anerkennung zollen sollte. Daß aber Elbogen ganz überflüsstgerweise eine so auffallende Animosität on den Tag legt und sich auch hier seiner alten gehässigen Kampfesweise bedient, verrät nur allzu deutlich, daß es ihm hauptsächlich darauf ankam, dem in feinem Busen nicht weniger als zwölf Jahre glimmenden tiefen Groll gegen Kottek endlich gehörig Luft zu wachen. Bor zwölf Jahren wagte sich Elbogen in einer Rezension an eine Kritik des III. Bandes des „D. Har." heran, welcher bekanntlich zuerst erschien. Diese Kritik war nicht sachlich gehalten, sondern rein Persönlich. Ohne auf den Kern der Sache einzugehen, griff er lieber die Person des Verfassers und seinen persönlichen Standpunkt an, der mit dem Werke selbst nichts zu tun hat. Die Rezension erfuhr s. Zt. eine schonungslose Erwiderung seitens Kotteks in einer Broschüre „Rückschritt oder Fortschritt in der jüdischen Wissen schaff." Elbogen schwieg auf diese Erwiderung volle zwölf Jahre, doch wohl aus dem Grunde, da er nichts zu entgegnen hatte. Diese Tatsache spricht schon sü? sich allein Bände und enthebt eigentlich völlig der Notwendigkeit, auf Elbogens gehässige Rezension gegen Kottek zu reagieren. Da sie aber in einem weitverbreiteten Blatte erschienen ist, wollen wir doch seine Jnvektiven nicht unerwidert lassen. Der Hauptvorwurf, den Elbogen Kottek zu machen bat, ist, daß er völlig — hwribil© dictu — auf Halevys „D. Har." fußt. Aber gerade dieser Vorwurf ist das allergrößte Lob, das Kotteks „Geschichte der Juden" je gespendet werden konnte Kottek ist der allererste, welcher aus dem Gebiete der Geschichte der nach wahrem, unverfälschtem Wissen dürstenden Jugend etwas wirklich Neues und Lehrreiches geboten hat, nachdem seine Vorgänger immer wieder die veraltete Geschtchtsklttterung reproduziert hatten. Kottek gebührt das unbestreitbare Verdienst, das erste Schulbuch geschrieben zu haben, das auf einem exaktwissenschaftljchen, fundamentalen Werke basiert, nämlich auf Halevys „D. Har.", das uns aus historischem Gebiete eine ganz neue Welt erschlossen hat. Diese bahnbrechende Tat Kotteks kann durch etwaige Mängel, die seinem Buche nachgewiefen werden mögen, nicht im geringsten geschmälert werden. Was haken denn eigentlich die Parteigenossen Elbogens in ihren Schulbüchern getan? Sie haben in ihren vielfachen Aussagen immer wieder in verkleinerter Form Grätz kopiert, oder in den verschiedensten Farben ur o Tönen die Verunglimpfung unserer Thoragrößen zum soundsovielten Male neuvariiert. Elbogen selbst sagt in seiner Rezension gegen den III. Band des „D. Har.": „Diese Schule (die Grätz'sche) bilden, genau genommen, alle jüdischen Historiker der Gegenwart ohne Ausnahme, denn alle fußen auf Grätz'schen Resultaten." Kottek schlug nun seinen eigenen Weg ein. Da Halevy, wie jeder unbefangene Leser zugeben muß, die Haltlosigkeit der Grätz'schen Geschichtsschreibung unwiderlegbar nachgewiesen hat, so schloß er sich eng dem „D. Har." an, dessen Forschungen er als unumstößlich anerkannt hatte. In der neueren Zeit entwickelt Kottek, da wo sich die Notwendigkeit erweist, über Situationen, Ereignisse und Persönlichkeiten, völlig neue Ideen, an denen keiner, dem es mit der historischen Wahrheit ernst ist, in Zukunft wird stillschweigend vorübergehen dürfen. Kottek hat somit den ersten ehrlich gewollten und auch gut gelungenen Versuch gemacht, die Geschichte der Juden nicht nach den Phantasmagorien eines Grätz, sondern nach den objektiven Tatsachen zu schreiben. In dieser neuen, herzerfreuenden Tat liegt das schwerwiegende Verdienst Kotteks, das durch keine noch so gall ge Rezensionen wegdtsputtert werden kann. Die Lehrbücher der Breslauer Schule gehen in ihrer Voreingenommenheit gegen Halevy soweit, daß sie ganze hochbedentsame Geschichts- Partien, welche erst von Halevy eruiert worden sind, unberücksichtigt lassen, obgleich sie sich doch durch dieses Verfahren schwer an der Jugend versündigen. Unschätzbar wäre für die Jugend die Kenntnis der hochinteressanten babylonischen Zeit vom Beginn des Exils bis weit hinaus über die Zerstörung des zweiten Heiligtums, dieser gewaltigen Periode mit ihren eminent wichtigen historischen Begebenheiten, die erst von Halevy ermittelt und in Bd. Io, sowie Bd. II uns vorgeführt worden sind. Welch'.segensreiche Folgen hätte die Einführung der Jugend in daS Prinzip der rWöH ’TID1 (Urtext der Msschnah) und der p3“H nt3pn 'Tv' (die grundlegenden Verordnungen der Weisen) zeitigen müssen, welches ebenfalls erst von Halevy erschlossen worden ist. Diese wie auch noch zahlreiche andere Geschichtspartien, die entweder ganz dem „D. Har." ihr Entstehen verdanken oder im „D. Har" vertieft, erweitert und auf eine neue Grundlage gestellt wurden, bieten einen überaus reichhaltigen und in seinem inneren Werte ganz unschätzbaren historischen Stoff. „Halevy" sogt Elbogen, „hat sich daS unbestreitbare Verdienst eiworben, einige Einzelheiten berichtigt, einige wenig beachtete Notizen ans Licht gezogen zu haben." Elbogen scheint in den zwölf Jahren nichts Gelernt und nichts vergessen zu haben. Schon tottel sagt ihm bet anderer Gelegenheit im „Rückschritt oder Fortschritt" S. 60: „Auf diese sinnlosen Worte brauchen wr nur mit dem Satze des Talmuds zu antworten: „SlD' Tin pH TH n« VN3N3, War lebhaft vor unseren Augen steht, kann nicht geleugnet werden." Trotz dieser eindringlichen Mahnung bringt eS Elbogen auch diesmal fertig, Worte ntederzuschreiben, vor denen ein jeder, der nur tm „D. Har" geblättert hat, die Achseln zucken muß. Während ein jeder, der sich etwas näher mit Geschichte befaßt hat, wohl weiß, daß Halevy ein Riesenwerk geschaffen, das auf dem Gebiete der Geschichte eine neue Epoche etngeleitet hat, daß Halevy für den gewatttgen Zeitraum, für den seine Forschungen bereits abgeschlossen sind, uns eine völlig neue Geschichte gegeben hat, bringt eS Elbogen fertig, Halevy daS Verdienst zuzuerkennen, „einige Einzelheiten berichtigt zu haben." Kennt denn Elbogen nicht die grundlegenden Partten in „D. Har." über die Sadduzäer, über die hadrianische und babylonische Zeit, über die rttttDH HD' und niJpfi HD', )ÄTT, oder um etwas aus dem II. und III. Bde. yerauszugretftn, die Partien über Hö^nn DVD und TlD^nn flö'nn über das Verhältnis zwischen dem babylonischen und jerusalemischen Talmud und über die Saburäer, alles fundamentale Abschnitte, wo die Vorgänger Halevys entweder planlos herumirrten wie bei den Sadduzäern und in der Hadrianischen Zeit, oder überhaupt ahnungslos dastanden, wie in der babylonischen Zeit und bet den NLVDN HD'. Der Geschichtsschreiber Weiß, welcher auf den Schultern von Grätz und Frankel steht und ihr Gesinnungsfreund ist, bekennt ganz freimütig, daß er und seine Freunde den Schleier, welcher über die Sadduzäerperiode gebreitet ist, nicht zu lüsten vermögen. Er sagt nämlich auf S. 100 seines I. Bd.: „Irgendwelche Ereignisse aus jener Zelt (der Sadduzäer), die uns über ihr Entstehen hätten Aufschluß geben können, sind uns nicht erhalten. Daher können auch alle unsere Bemühungen, die Entstehungsgeschichte der Sadduzäer zu erforschen, nie Aussicht auf Erfolg haben. Man braucht sich auch nicht zu * I »' *

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