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Der Israelit · 1915-09-08 · Heft 38 (8.9.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 38 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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^— -." :^>v*v--^V^ryfr , ._•? 8. September 1915 Der JSraeftt. No.38 -€#8; fo würde das eine Katastrophe zur Folge haben, deren Tragweite sichgar nicht absehen läßt. Sie würde den Untergang alles dessen bedeuten, was mit so viel liebender Hingebung angebahnt, ausgeführt und bis zum heutigen Tage erhalten wurde. Denn die bittere Not, d-ie d>r Ausbruch des Krieges dem heiligen Lande gebracht Hat, ist im Lause der Zeit nicht verminbc r t , s o n d e x.n i n e mp f i n d l i ch e r W e i s e verschärft worden. Zur Illustration dessen, wie in dieser schweren Zeit jede einzelne Spende für Palästina im vollsten Sinne des Wortes von lebenrettender Bedeutung sein kann, sei blos eine in schlichten Worten vielsagende Mitteilung des Herrn Schuldirektors Dr. Auerbach, zitiert: „Unter den in Ihrem Telegramm erwähnten verschiedenen Körperschaften. befindet sich auch eine kleine Gemeinde, von der ich Ihnen die fnrchtbare Tatsache mitteilen muß, daß deren Seelenzahl in dem Zeiträume von 9 Monaten, von 200 auf 175 zurückgegangen ist, d. h. 12 ist gestorben." Genau wie beim Ansbruch des Krieges liegen im heiligen Lande noch heute Handel und Verkehr völlig darnieder und diese andauernde Erwerbslosigkeit mit ihren Begleiterscheinungen, mit ihrer Armut, ihrem Elende, der zunehmenden Kürperschtväche und den schweren Krankheiten lassen das Schlimmste befürchten, wenn die stützende Bruderhand irr dieser Krise versagen sollte. Dazu darf es, dazu wird es nicht kommen. Wenn wir in diesen heiligen Tagen Gott um Leben, Gesundheit, um alle zeitlichen und ewigen Güter für uns und unsere Lieben bitten, werden wir uns der Gewährung dieser heißen Wünsche nicht dadurch unwürdig erweisen, daß wir selber mit unserer Liebe kargen und sie denjenigen versagen, die im Lande unserer Vergangenheit und Zukunft in so hohem Grade in dieser trüben. Gegenwart darauf angewiesen sind. Daß sie an beit hohen, heiligen Festen der unglücklichen Entcrbten auf heiligem Boden, in heiliger Liebe gedenken, dazu bedarf es nicht erst der Mahnung. Es fiele ein zu bitterer Wermutstropfen in den Kelch ihrer Festesfreude, sie könnten der Feste gar nicht froh werden, wenn sie das Bewußtsein haben müßten, daß auf heiliger Stätte ungezählte Tausende darben und leiden, ohne Otefe Armen mit einer Gabe bedacht zu haben, die ihre verzweifelte Lage lindert. Was wir wollen, ist mehr. Möchte sich in jeder Gemeinde ein Mann, sei er Rabbiner. Lehrer, Vorsteher oder wer sonst auch immer, finden, dem die Not unserer Brüder und Schwestern im heiligen Lande so zu Herzen geht und der darauf bedacht ist, auch andere dafür zu interessieren. Gott allein weist, nne 'lange dieser Kriegsjammer andauern wird. Diesem dauere Seit Elend ist nicht durch eine einmalige Gabe zu steuern, es kann ihr nur durch da regelmäßige, wo ch c n t li ehe ober in o putz ' Nche Spenden mit Erfolg entgegeno etreteuivardem. Ein Warm in.jeder«Gss. yuinde genügt,.um ein Erez-Jisroel-Komitce zu bilden, wo ein solches .tn-th nicht vorhanden ist, das sich die Aufgabe, stellt, die Armen nisiD Kranken des heilisten MMr-rHplcübßA öküW-l regelmäßige Beiträge zu unterstützen, bis mit Gottes Hilfe wieder normale, bessere Zeiten kommen. Ter Anfang ist bereits all vielen Orten gemacht, möge, dieses Beispiel überall Nachahmnug finden. Das große Verdienst, auch nur einen Baustein zum Wiederaufbau des heiligen Landes gereicht zu haben, möge allen Bauleuten die Erfüllung des heißen Wunsches B"*r6 IJPST sichern, der dieser heiligen Zeit ihr Gepräge verleiht und uns des Glückes würdigen,. mit eigenen Augen die Gewährung der Bitte 511 sehen: neiQV 'iivL? -pnxb. Der Sinn des Krieges. Welch scheinbar unüberbrückbarer Gegensatz zwischen der organisierten ä u ß e r en G e w a 1 t. ^J! v7l! 'W * und Riesengeschütze, verwüstete Länder und zerstörte Städte, Millionenheere stürmender Kriegs- Helden und bewachter Gefangenen — das sind die Dinge und Begriffe, mit denen tausendstimmig der Krieg die Macht der rohen Materie Zu künden scheint. Und dennoch zeigt schon, ein Blick in die Schaufenster unserer Buchläden, mehr aber noch ein stilles Horchen an den Seelen der Menschen, welch' gewaltige Gedanken m a s s e n dieses scheinbar äußerliche, scheinbar sinnlose Geschehen in Bewegung gesetzt hat; wie es starr gewordene Begriffe in Fluß bringt, in Leben und Wissenschaft, Parteiprogramme und Dogmen zertrümmernd, neuen Schöpfungen des Gedankens' den Weg eröffnet, im Menscheninuern aber'neue Ströme lebendigen Fuhlens aufrauschen läßt. Diese Tatsache an sich, die gewaltige Wirkung des unter Jammer und Tränen dahinschreitenden Weltgeschickes, auf die Welt des Geistes darf dem denkenden Juden als willkommenes Zeugnis von außen für die Wahrheit seiner Gotteslehre erscheinen. Die „Flamme des sich umwälzende n Sch werte -s"-: den Krieg als immer wiederkehrende Krise der Völckereuttvlcklung lMt der große WelteumWer ja heben den Cherubim, neben der Gottesahnüng m der Menschenbruft, als W ä ch t e r am Wege 111 m Hast me d e s L e b e ns eingesetzt. *) Es ist als ob aus drejesn zum verlorenen Menschheits- Paradiese znrücksührenden Wege, den man Geschichte nennt, Völker und Staaten, nach lan- LeM^MMäkMMk^ÄUMHMrN, mikmächtigenl Ruck chprMrtegchpjztz^'werden, -ob rmhtt . dLr Wucht des' Stoßes auch die Funken stieben und ükanches Gebäude von Menschenglück in Schutt 4 nd Asche sinkt. Drei kleine --Büchlein, die im Laufe des ersten KriegsjahreÄ erschienen, find und die voin Standpunkt des Denk er s, des Historikers und des visionären Dichters sich mit dem geistigen Gehalte des Krieges auseinandersetzen, sollen hier als Beispiele für die eben geäußerten Gedanken angeführt werden. Karl Joel, der Baseler Philosoph, dessen grundlegende, starke Anklänge an die jüdisch-kabbalistische Metaphysik aufweisende Werke, in diesen Blättern wiederholt besprochen wurden, sieht aus dem großen Morden des Weltkrieges eine „neue Wellkultur"**) emporsteigen. Erfüllt von dem starken Glauben an den tiefen Sinn alles Weltgeschehens, wie ihn nur die theistische, man darf ruhig sagen, jüdische Weltanschauung möglich macht, leugnet Joel entschieden, daß es'sich in diesem Kriege um einen bloßen nationalen Interessenkampf handle. Vielmehr ist es das tiefste Problem der Mcnschenscele, der Kampf und der immer höhere Ausgleich des Ein Heils trieb es und des Frciheitstricbes, was dieser Krieg in ungeheuerer Projektion auf der Weltenbühne zum Aus trag bringt.' Auf Grund einer mustergültig gerechten und liebevollen Analyse der nationalen Charaktere R u ß l a n d s, F r a n k r e i ch s, Englands und Dentschla n d s kommt Joel zu dem Ergebnis, daß Deutschland der eigentliche Träger des organischen Prinzips in der Geschichte sei, jenes Prinzips, das die „Selbstständigkeit der Glieder mit der Geschl0ssenheit des Ganzen" vereint. Der preußische Militärgeist ist ihm nichts anderes als das K n 0 ch e n g e r ü st in dem großen Organismus des Volksganzen, der sich nun zum Organismus der Völkergemeinschaft auswachsen will - und Kn 0 ch e n müssen nun einmal hart sein. Um Deutschland als organisierenden Mittelpunkt aber wird ein Völkerbund sich schließen, in oem die Einseitigkeit der West- und Ostvölker sich zur Harmonie eint, ein „heiliges Reich leben- *> Pentateuch I. 3. 24. **) Neue Wrltkultu r. Bon ftml Joel. Leipzig, 19i5. Kurt Wolf b Verlag. (Zehn deutsche Reden, herausgegeben von Axel Ripke.) Herrn zu im dankbaren Gedenken der HUfe Gottes, deren unser Vaterland gewürdigt wurde, und sprechen aus vollster Ueberzeugung: „bv »b ans na ’jip nan ’aw, Erhöht ist mein Horn durch den Allgütigen, lveit geöffnet ist mein Diund über meine Feinde, denn ich freue mich deiner Hilfe." Gott der Hort, des Tun untadlig ist, besten Gericht von Gerechtigkeit und Wahrheit getragen wird, ist aber auch unser Richter, kommt zu jedem einzelnen, um über ihn zu richten. Wohl dem, der frei von. Schuld und Fehl sein Haupt zu ihm erheben kann. Wo ist aber ein solcher Sterblicher zu finden? Darum mahnt der Scheworimklang: „Häufet nicht Reden des Hochmuts, nicht gehe Trotz aus eurem Munde —, denn ein Gott der Gesinnungen ist der Ewige und von ihpr werden erwogen die Handlungen" — erwogen und g e wogen und nicht nur die Handlungen, sondern auch die Gesinnungen und Beweggründe. So führt das Gottesgericht zur Selbstprüfung und Läuterung, zur Einkehr und Reue und der Scheworimton wandelt sich in Freude. Hin zum Panier Gottes, zu seinem Willen und zu seiner Thora, das ist die Deutung des dritten Schofarklanges. Die Hingebung Abrahams und die Opfersreudigkeit Isaaks, die das herrliche Band schmiedeten zwischen Vater und Sohn, daß inn' .nnw ia^i, sie beide zusammengingen — nicht nur ehe dem Sohne das volle Geheimnis dieses Opferganges enthüllt war, sondern auch dann, als er den vollen Ernst mit aller Deutlichkeit erkannt hatte, taucht vor unserer Seele als leuchtendes Beispiel und spornendes Vorbild auf, daß auch wir uns würdig machen des mau mar, uns als würdige Nachfahren solcher Ahnen bewähren. der Allgütige steht", - sein heiliger Wille gibt unserm Leben Gesetz und Vorschrift, damit wir ein LettfÜl hoSen, daran mix . n«S HMe«, «m im Strudel der Sünde nicht zuversinken. „Aus dem Berge Gottes -1 ina." Das Leben; soll : ein Heiligtum uns werden durch der Thora Satzungen.. Durch treue Hingabe an unser Judentum unö: seiNe Forderungen schwingen wir uns auf zum Berge Gotteszu jenen Höhen, auf denen die reine Lust des Göttlichen und Heiligen weht. Wer will sich da nicht auf«, rütteln kaffen aus seinen Träumen und spornen zur Selbstbesinnung und Selbstveredlung? Und wer möchte nicht Stammutter Rahel die Tränen aus den treuen Mutieraugen..wischen,, die sie. durch die Jahrhunderte untröstlich weint/ „i::’« 'a rvja bv, ob ihrer Kinder,die es nicht mehr sind?" DerAkedohgang Israels durch die Zeiten imd ^Geschlechter wird sein Ende erreichen, das verheißt uns der letzte Schofarklang, der wieder zu einer Tektoh wird. Freiheit und Erlösung, das' ist seine heitverkündende Offenbarung Er ruft der Kneses Jisroel zu: -pp 13c nj«Hö ’aaa, Halte zurück deine Stimme - vom Weinen und deine Augen von Tränen! „12p e" ’2 einen Lohn gibt es für dein Wirken, und es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet." Die Zeit wird kommen, wo aus der Tränensaat die Früchte reifen und Israel aushört, wo immer es ist und lebt und strebt, unter Feinden zu sein. Allein die Bedingung hierfür ist: ,,“|mnK? npn Hoffnung soll sein für deine Zukunft", weiter soll Israel das Gottesreich auf Erden pflanzen durch Hochhaltung seiner Ideale und geistigen Güter, „2723? a'3a iarpi, und es sollen zurückkehreu die Kinder in ihr Gebiet". Unser Glauben, unsere Thora, das bleibe unser Gebiet, in dem sich ein jeder von Israel wohl und heimisch fühlt, — das jeder mehr wie sein Lehen lieben soll. Achten wir.auf diese Schofarklänge, öffnen wir ihnen Herz nnd Seele,.— dann wird das Wyk Wirklichkeit heranreij«r: 7^3 rwi 27a cp3 an, den Tag der Vergeltung habe ich im Sinne und das Jahr für meine zu Erlösenden kommt." Kleines Feuilleton. Sllul. Bon He m. Selka in H all (z. Zeit an der Westfront.) Ist es Ellul wirklich wieder! Und die Sonne glänzt und glühet! Weinen schon Selichothlieder — Und die Rose duftend blühet! Ach! Das Jahr geht bald zur Neige, Und der Schofar wird erklingen — Durch des Waldes dichte Zweige Hör ich nur Granaten fingen. Langsam gehen alle Tage — Doch die Zeit verfliegt so schnelle — Nur in scheuer, treuer Klage Rinnet hier des Todes Welle. Ach, so viele müssen klagen! Wehe, weiße Tränen fließen; An den Rausch-Haschonoh-Tagen Wird sich's ins Gebet ergießen. Will man die Keduschah fingen. Wird, wie einst beim ersten Male, Das Unsano Tokef schwingen > Schtneiqvoll sich rwm ^«yneWMe. .

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