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Der Israelit · 1915-09-08 · Heft 38 (8.9.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 38 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Cdtc 1 «r. 36 meister nach uns unbekannten Maß. stäben nicht in Rechnung zog. Mit dieser erhebenden Gwtßhnl ziehen wir ungebrochenen Mutes in den heiligen Ernst 'er Tage ein. Es ist der letzte Ernst im Welten leben. Werden wir Esrogim haben? In dem soeben erschienenen Rosch-ha-schono- Hest des von der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen.Judentums" herausgcgebenen ,.,Jüdischeit Volksboten" lesen wir über die Esrogirw-Frage folgendes: „Als sollte der Weltkrieg sich auf allen Gebieten des jüdischen Lebens als der große „Hinderer" erweisen, so schien auch, die Versorgung mit E s r o g i m schon zum vorigen Hüttcnfestc stark erschwert; hier gelang es nnse- . rem Eingreifen, den Konsumenten durch unsere Vermittlung eine Kontrolle der Preise zu sichern und damit einer ungebührlichen Verteuerung vorzubeugen. In diesem Jahre ist die Lage infolge der völligen Einstellung des Tampferverkehrszwischen Palästina, Griechenland und Oesterreich eine erheblich schwierigere. Wir haben schon frühzeitig alle Schritte getan, um oic Einfuhr eines gewissen Quantums von Esrogim und Lulowim nach Deutschland zu sichern, haben unter starkem Risiko den Transport eines größeren Quantums von Esrogim aus Palästina auf dem Landwege über Kleinasien in die Wege geleitet und auch sonst mit wohlwollender Unterst ü tz un g des „A u swä rti g en Am t es" die Einfuhr von Esrogim aus Griechenland zu erleichtern gesucht. In wie weit allen diesen Maßnahmen Erfolg beschieden sein wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es s elb st bei rechtzeitigem Eintreffen der unterwegs befindlichen Transporte nicht rnöglich sein, annähernd soviel Ware ins Land zu bekommen, wie in normalen Zeiten. Der äußerst schwierige uno zeitraubende Landtransport hat die Spesen erheblich erhöht, so daß mit einem ziemlich hohen Preis für Arba minim gerechnet werden muß. Wir sind bemüht, aus dem von ans selbst angekauften und zum Teil dem Handel zur Verfügung gestellten QuantumeinegcwisscReserveznrück- Der Joraettr. zuhalten, aus der wir kleinen Gemeinden, die sonst ohne Arba minim bleiben t ö li n t e n, wenn nötig, zum twvmalen Marktpreise anshelfen zn können hoffen," Me heilige Zeit und das heilige Land. Von Rabbiner I. Horovicz aus Jerusalem, z. Z. Frankfurt a. M. Die heilige Zeit der „furchtbaren Tage" lenkt unsere Blicke angelegentlicher als sonst dem beiligen Lande zu. Kommt doch die gesteigerte Furchtbarkeit der Zeit nirgends in so erschütternder Weise zum Ausdruck, als im heiligen Sanbe. Ein solcher Blick zeigt Zeit und Raum, zwischen welchen menschliches Denken keine Brücke zn schlagen vermag, von Gottes Heiligkeit verbunden. An diese Heiligkeit Gottes knüpfen unsere Gebete an der Schwelle des Jahres die Hoffnung aus die Heiligung der Gesamtmenschheit und die Bitte um die Seinem Volke so lange versagte ehrende Anerkennung, die dmt heiligen Lande wieder die Freude und der Gottesstadt ihren Jubel wiederbringen wird. yvvb fWttn "JJHrS nnoir! Welcher grelle Gegensatz mit der traurigen gegenwärtigen Wirklichkeit! Freude und Jubel sind dem heiligen Lande und seinen Städten so fremd geworden, daß man unwillkürlich betroffen wird, wenn man ihnen in unseren Gebeten begegnet. Seit der ersten Verwüstung des heiligen Landes hat wohl keine der späteren einen so nachhaltigen Jamn>er zur Folge gehabt, als diejenige, unter wel cher es seit mehr als Jahresfrist. leidet. Der Krieg hat zwar vielen Ländern und Völkern schweres Leid gebracht, aber kein Jammer kann sich mit demjenigen messen, der auf dem heiligen Lande und auf unseren dortigen Brüdern und Schwestern lastet. Während es sonst ein Trost ist, Unglücksgenossen zu haben, ist dos Weh, unter dem die ganze Menschheit und mit ihr die jüdische Diaspora leidet, die Ursache, die dem Notstand unserer palästinensischen Brüder und Schwestern seinen schärfsten Stachel gibt. Denn die Mitleidenschaft, in welche der Krieg jede Gemeinde und jeden Einzelnen gezogen hat, beschränkt das Mitgefühl der Betroffenen auf die eigene und nächste Not und läßt die Fürsorge für die räumlich ferner Stehenden mehr und mehr zurücktreten. Und doch ist und bleibt das heilige Land der Herzpunkt aller jüdischen Zerstreuten, B'icP in inüYlpa heilige Trümmerstätten sind's, denen sich betend jeder jüdische Mund __ 8. September 1915 ... znwendet. Ebenso ist aber auch das heilige Land das verkörperte Leid und Weh, das in erster Reihe auf die Bruderhand der in alle Richtungen der Windrose verstreuten Volksgenossen angewiesen ist. Es ist dies nicht nur eine mensch-- liche und religiöse, es ist auch eine patriotische Pflicht, seitdem die Türkei gemeinsam, mit unseren Heeren den Handschuh ausgenommen hat, den uns die feindlichen Mächte hingeworfen haben. Angesichts der jianm D’arnn /pnn des überwältigenden Ernstes der heiligen Zeit, sei es in der Scheidestunde des dahingehenden Jahres hier dankbar anerkannt, daß die jüdischen Zerstreuten im allgemeinen, insofern sie ihre Verbindung aufrechterhalten konnten, und ganz besonders die glaubenstreuen Zionsfreunde in Deutschland, diese Pflicht erkannt uno ihr in wahrhaft herzerhebender Weise gerecht geworden sind. Jeder Aufruf zur Linderung der furchtbaren Not im heiligen Lande hat allenthalben und jederzeit in den edlen jüdischen Herzen lebhaften Widerhall gefunden, trotz oer eigenen Not und Sorge. Biele Tränen sind getrocknet, viele Not ist gemildert, vieler Leben ist erhalten worden, dank der Hilfe, welche die Deuksch>-Holl. Palästina- Verwaltung durch die Spenden der deutschen Hilfsbereitschaft den Unglücklichen bringen konnte. Unter guter Leitung wurden Notküchen eingerichtet, in denen täglich schon über 3000 Perscncn gespeist werden. Es erfolgt eine ständige Mc hlvertcilung, die vielen verschämten Armen zu Gute kommt. Handel- und Gewerbetreibende merbeit durch entsprechende Geldbeträge und Gewährung von unverzinslichen Darlehen unterstützt und sind so in der Lage, ihre Tätigkeit fortzusetzen und von ihrem kärglichen Ertrag zu leben. Es .erhielten ferner regelmäßige Unterstützungen Familien, deren Ernährer als. Soldaten zu den Fahnen gerufen wurden. Beson- . dere Fürsorge wird auch den Thoragelehrten und Lehrern der städtischen Talmudthoraschulen zugewendct. Dadurch, konnten die Schulen im Betrieb bleiben und die Lehrer waren mit ihren Familien vor dem bittersten Hunger geschützt. Ties alles sind Veranstaltungen, die der schreckliche Notstand gebieterisch verlangt hat. Daneben war es eine angelegentliche Sorge der Verwaltung, die früher und für normale Zeiten begründeten Institutionen zu erhalten, damit ihre segensreiche Tätigkeit keine Unterbrechung erfahre. Jede einzelne dieser Veranstaltungen erfordert täglich große Beträge, obwohl sie sich durch die Knappheit der Mittel auf das allernotwendigste beschränken müssen. Müßten diese eine Einschränkung erfahren, oder blieben sie aus, nicht als Tage lähmender Trauer begehen, auch uns gilt die Mahnung aus alter Zeit: „Freude in Gott fei eure Stärke." Auf diesen Ton des sich in Gott dem Lenker und Leiter der Welt, dem Schöpfer und Vater der Menschen sicher wissenden jüdischen Bewußtseins wollen uns die Schofarklänge stimmen, mit denen wir unseren Jahresanfang als „Tag des Gedenkens" und als „Tag des Gerichts" feiern. Wir hören den Freudenruf der Tekioh, und Sarahs Wort, das junges Mutterglück ihr nach einem Menschenleben des Sehnens und Höffens eingegeben hat, wird in uns lebendig: ,/tt *7 nw prüf, Freude hat Gott mir gegeben", „wer daran hört wird sich freuen — mit mir", „nach mir". Der Sarah Erfahrung hat sich millionenfach wiederholt, nicht nur unserer ersten Stammmutter ist eine Sonne des Glückes aufgestrahlt, wo sie es nicht mehr erwartet und nach menschlicher Berechnung, nach dem natürlichen Lauf der Dinge gar nicht erwarten konnte. ES fragen unsere Lehrer: „Sarahs Freude war berechtigt. Welche Veranlassung zur Freude hatten aber jene, die von ihrem Glücke erfahren? Darin liegt der Ausspruch begründet, datz an jenem Tage auch viele andere mit Mutterglück bedacht wurden, andere wieder der lange entbehrten Sinneswahrnehmungen teilhaftig wurden". Ja, an jenem Tage, an dem Sarah so unerwartet erfreut wurde, erblühte die Hoffnung als liebliche Blume Im Garten der Menschheit, durch den der Strom des Glaubens zu rieseln ansing. Aus den Tekiohruf folgen die S ch e w o tim klänge, die uns daran mahnen wollen, daß. Bruchstück alles Irdische ist, Bruch auch menschliche-Grötze und Kraft darstellt, „denn nicht durch Kraft siegt der Mann". In den Pofaunenklängen des Weltgerichts, das der Richter der Erde in unfern Tagen abhalt, hatHunnaLWort volle Bestäsigmrg gefunden. Wir jubelndem Jahres Abschied. Still träumt die Flur. "" Sie hat an all dem reichen Segen dieses Jahrs sich satt getrunken. Jetzt eine Nacht noch, dann noch eine Nacht. Und schwerer Atem steigt aus ihren Furchen. — Bald wird sie schlafen gehen.- Ernst blickt der Mensche Längst überholt er schon de« zögernd schweren Tag am frühen Morgen. Aus hohen, trüben Scheiben dringet Kerzenlicht; Und drinn gebückte Männer, altersgraue Folianten, Ein summend Meer von leisgequälten Stimmen. Müd rinnt das Jahr. Flur, Mensch und Jahr, bald hüllen alle sich in Sterbekleider. — So muß es sein, ist immer so gewesen; Der Körper wie der Geist, die Zeit, Sie werden alt und brauchen Ruhe.- Weiß ist die Welt. — Nur einen Augenblick! Denn Tod ist nur hineingekehrte Kraft Bon Tausend lebensbrünstigen Keimen, Damit sie wachsen können. — Der Frühling kommt! — Du Herr, du täuschest nicht! Raphael L. itrfe-s fif r rtaräfri5rti>i: Vi ^tairik SchosarMnge. Bon Rabbiner Dr. M. Lewin in Wreschen. Jahresanfang > Welche Gedanken löst dieses Wort in einem jeden jüdischen Herzen aus! Die ganze Tonleiter menschlicher Gefühle und Empfindungen erklingt da auf seinen Satten. Gleich einem Wanderer, der wieder einmal ein neues unbekanntes Land betreten soll und erwartungsvoll mit suchender Seele dem Kommenden entgegenharrt, beschritten auch wir den Boden der dunklen ungewiffen Zukunft mit sehnendem Herzen unter Zagen und Beben, unter Hoffen und Wünschen. Das ist menschlich und dem Leben abgelauscht, daß wir nicht auf die Festigkeit der irdischen Stützen unser Vertrauen fetzen, datz sich vielmehr uns bei Beginn eines' neuen Jahres die bange Schicksalsfrage über hie Lippe drängt: „Wer wird leben, wer wird dem Zeitlichen den Tribut zollen, wer wird emporstetgen zu Ehre, Reichtum und Ansehen,'wen wird das Weltrad m die Tiefe ziehen?" Wir sollen aber nxtmiwiJuden mew und Zarmu das Fest »ohl picht in Mch

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