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Der Israelit · 1915-09-02 · Heft 37 (2.9.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 37 (2.9.1915)
Date
1915-09-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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2, September 1915 No. 87 Seite 6 die aus Rußland droht, hingewiesen hatre uno Exemplare der Nummer nach Rußland versandte, außerdem Gebete für den Steg der verbündeten Truppen verfaßt hätte. Als die Schergen des Polizeimeisters ein von Osias Wilf, an seine Schwiegermutter gerichtetes Schreiben auffingen und erfuhren, daß'sich dieser in Wien aufhielt, übten sie den Racheakt in der Weise aus, daß sie dessen Vermögen total vernichteten und seine Druckerei zu Grunde rich teten. Zuletzt ergriffen sie den völlig schuldlosen Schwager des Redakteurs, Moses Ebner, und verschleppten ihn, unberührt vom Flehen der alten Mutter und kleinen Kinder, nach dem Jnncrn Rußlands. Die Mion für Palästina- Me», 28. Aug. Die außerordentlich traurige Lage, in die infolge des Ausbleibens der galizischen Hilfsgelder die Angehörigen der österreichischen Kolelim in Palästina geraten waren, hatte einige genaue Kenner des heiligen Landes, insbesondere die Herren Rabbiner Horoviez aus Jerusalem,- Dr. G r u n w a l d - Wien und W. Reich -Baden zur Anregung einer besonderen Hilfsaktion in Oesterreich zur Linderung der augenblicklichen Not in Palästina veranlaßt,' die nun festere Formen gewonnen hat. Nach wiederholten Vorberatungen fanden vorige Woche unter dem Vorsitz des stellvertretenden Kultuspräsidentcn Kaiserl. Rat Dr. Gustav Cohn eine Vollversammlung der neugegründeten „Hilfskommission 1915" statt, an der eine große Reihe von Rabbiucn und Notabilitäten, u. a. auch der Attache der türkischen Botschaft in Wien tcilnahmen. Das Hilfskomitee hat bereits etwa 80,000 Kronen gesammelt, von denen 25,000 Kr. nach Palästina überwiesen wurden. Es sollen nun, unter vollkommener Aufrechterhaliung der autonomen Stellung der galizischen-Kolelim und deren lei tenden Instanzen für die Dauer neue Hilfe quellen in Oesterreich erschlossen werden, um die schwere Notlage der in Palästina lebenden, österreichischen Juden zu lindern. Ein großzügiges Programm, das sowohl die Unterstützung von Thorahgelehrten und arbeitsunfähigen Kreisen, als auch dieFörderung von Handwerk und Gewerbe, Gründung einer Vorschußbezw. Darlehenskasse, Häuserbau, Förderung landwirtschaftlicher Betätigung zc. vorsieht, wurde von der Versammlung angenommen. Da die leitenden Kreise gewissenhafte Berücksichtigung der religiösen Interessen zugesagt und auch Verständnis für die Ausrechterhattung des Thorastudiums im heiligen Lande gezeigt haben, so ist von der neuen Organisation, die natürlich nur die österreichischen Kronländer, nicht aber Ungarn umfaßt, viel Segen zu erhoffen. De- Israeli.' Krhrrrei;. 0er .Me Mögen ßam8". Duz er», 30. August. Vor kurzem ist in der Schweiz der Grund gelegt worden zu einer jüdischen, weltumspannenden Organisation, die augenblicklich berufen ist, die seelische Not von Tausenden von jüdischen Kriegsgefangenen zu lindern, und der auch in Zukunft, so lange der ewige Weltsriede nicht errungen und Israel sich in der Diaspora befindet, diese Aufgabe zufailen wird. Diese Or-, ganisation nennt sich „Der Rote Mögen David",' sie ist bestrebt, für die Heilung der Wunden, welche den jüdischen Seelen in den Gefangenenlagern geschlagen werden, alle ihr zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden. In der Schweiz, dem Geburtslande des Roten Kreuzes, sollte auch der Gedanke des „Roten Mögen David" j geboren werden. Möge dieser Gedanke in allen jüdischen Kreisen ebenso großen Anklang finden, wie der vom Roten Kreuz in allen Menschenherzen es vermocht hat! Weit davon entfernt, in irgend welcher Weise eine „jüdische innere Mission" treiben zu wollen, wird der Note Mögen David nur die seelische Not derjenigen Kriegsgefangenen zu lindern suchen, welche diese selbst empfinden, mag dieselbe sich bei vielen auch nur äußern in den schwächsten religiösen Regungen, deren eine jüdische Seele noch fähig ist. Und deshalb ist das Werk des Roten Mögen David ein jüdisches Liebeöwcrk, das an alle jüdische Herzen appelliert. Wie der Rote Mögen David zu wirken gedenkt, geht aus den Statuten hervor, welche vovl Zentralkomitee bereits herauSgegeben sind und jetzt überallhin an solche Männer verschickt tverden, von denen es annehmen darf, daß sie den in ihren Ländern zu gründenden Lnndeskvmitees öeitreten werden. RrrHiand. Das Srfiitbfal 8er 6emein3e Korona. Stockholm. 27. Aug. Aus unsere Erkundigungen über d>e derzeitigen Verhäi-nissc in der alten Gemeinde zu Kowno acht uns über Stockholm folgender onchcmncher Bericht zu Stockholm, 29 Aug. An oit Redaktion des „Israeli" Franks ur t u. M „Betreffend Kowno kann Ihnen sagen, daß dort leider keine jüdische Gemeinde mehr err strert. Es sind alle Inden von dort a u 8 g c w i e s e n. Die Rabbi rer von Kowno uub Slobodka, sowie die I schiwa rs sind »rach Minsk ü berge sudelt." Humor in vorzüglicher Weise. Wir lesen in Lodzer, Warschauer und New-tz)orker Zeitungen: Dringende Bitte.' Der Großfürst sandie an Generalfeldmarschau v. Hmdenburg folgendes dringende Telegramm: Da bereits die I o m imnaurvi m in Sicht sind und ich entschlossen öm, an ihnen all meine Sünden zn bekennen und zu bereuen, so bitte ich, mir wenigstens eine „Sind t" (Im Jargon : Stadt und auch Sy n agogenplatz) zu lassen. Wohn r e ch t. Eine Depesche des Zaren nn Kaiser Wilhelm lautere: Nachdem sich die deutschen Truppen dem Inneren Rußlands nähern, müssen mir darauf bestehen, daß die Juden aus dem deutschen Heere ausgeschlossen werden, denn Juden habeit in den inneren Provinzen unseres Landes kein Wohnrecht. -P Mehr Licht. Man sagt den Russen nach, es fehle bei ihnen an Licht, da gehen sie hin — und necken Dörfer in Brand. Die Sidra. Bei welcher Sidra sind wir zur Zeit? Im Osten halten die Russen bei „kisczc". die Deutschen bei „Kisorvaw'; im Westen zur Zeit beide Teile bei „Nizowim", doch fangen die Deutschen schon langsam mit „Wajelech" an. Gesucht. Auf dem Wege nach Berlin, Wien und Krakau verloren wir: Warschau, Kowno, Brest und eine Reihe andere Städte und Festungen. Ehrliche Finder werden gebeten, sie gegen Belohnung in Petersburg oder Moskau abzuliefern, oder, falls wir uns dort n i ch t m e h r befinden, hinter den u r a l i s ch e n Bergen. Die russische ' nnwfwalze. Ehrlichkeit. Die Russen sind e h r l i ch e L c u t c. Beweis. Sie suwen Ostpreußen und Galizien prompt an die Eigen'.ünier zurück. (Ter Eindruck der Judenverfolgung in Rußland auf uusereLraven im Felde.) Wir ent nehmen einem Feidpostbriese.' „Nun lieber Herr N möchte ich Ihnen noch in ein paar Worten kund tun, was ich schon lange aus dein Herzen habe. Glauben Sie sicher, daß ich auch hier mit den armen unglückUchcu Opfern russischer Willkür suhle. Es in hinnnelschrciend, rvenn man die Berichte über die Ausweisungen und Pogrome zu Gesicht bekommt. Ist es denn überhaupt möglich? man muß sich diese Frage vortegcn, wird diele Missetat denn wirklich gesühnt werden? Gewiß, das Strasgericht waltet ja jetzt schon. Schlag ans Schlag folgt. Niederlage ans Niederlage^ Aber augenblicklich leidet ja nur das Volk und die Herreu mit dein breiten Gewissen schalten weiter ihres traurigen Amtes. Fühlen müssen wir mit den armen Menschen, die so entsetzlich leiden müssen, und jeder denkende Mensth muß meinen mir ihnen und ihren Schmerzen. Wie mir zu Mute in, lieber Herr, rvenn ich solche Aristc! lese, kann ich Ihnen nicht sagen. Und wie rvi'.d ee Ihren vielen Freunden ovnmnjc? -ein? - rol frlT i >M\ ^rlfT Tj |*r ‘ . Die Duma. Stockholm, 25. Aug. Neben den hier veröffentlichten Anklagereden gegen die Negierung kam noch manch hartes Wort in der Debatte zum Ausdruck, die mit der Einsetzung einer Kommission zur Be kämpf una, des Deutschtums schloß. Vorher kam die von den Arbeitsgruppen und den Sozialdemokrateneingebrachte Interpellation über die unerhörten I u d e n v e r f o l - gungen während des Krieges zur Verhandlung. Die Interpellanten, denen sich auch die Kadetten anschlossen, beantragten, die Interpellation als dringlich zu behandeln, aber die aus Nationalisten und Oktrobisten' bestehende Majorität lehnte die Dringlichkeit mit 122 gegen 77 Stimmen ab. Di.- Interpellation wurde einer besonderen Konkmtssiou überwiesen, die nach zwei Wochen der Duma einen entsprechenden Bericht zu unterbreiten hat. Aufhebung öes Juöenrayons? Kopenhagen, 22. Aug. Man verfährt in Rußland mit den Juden genau wie mit den Polen. Man versprach letzteren das Polcnland im Momente, als man den letzten Stützpunkt dieses Landes verlor. Nun hebt man das Ghetto aus, nachdem der größte Teil des sog. Judenrayons in den Besitz der Zentralmächte gelangt ist. Wie Ironie hört sich der Bericht der Petersburger Telegraphen-Agentur an, die russische Regierung beabsichtige in allernächster Zeit dell Juden das freie Aufenthaltsrecht in ganz Rußland zu gewähren. Man weiß nur zu gut im jüdischen Rußland, wo der Jammerschrei aus den plombierten „Judenwaggons" noch nicht verhallt ist, was man von diesen Versprechungen zu halten hat. Nachträglich scheinen doch die russischen Machthaber etwas wie Angst zu verspüren, sie könnten zu viel versprochen haben. Sie lassen durch die Londoner „Tinies", die schon zu Friedenszeit so etwas wie ein offiziöses Organ der russischen Regierung war, melden: „Der Bericht, daß die russische Negierung beschlossen hat, die jüdischen Ansiedlungsrayons aufzuh:ben, ist verfrüht. Da sehr große Massen von Juden aus Galizien und Polen zwangsweise nach öen inneren Provinzen geschafft werden, war die Aushebung der Vorschriften über die Niederlassung tu diesem Falle notweudig. Einige einflußreiche Mirglieder des Ministeirates haben die Ueberzruguua geäußert, daß sie die weitere Beibehaltung der ein schränkende»! Vorschriften für unnötig halten, zumal, da durch sie die aus den Ansicolnngsranous nach der: inneren Provinzen verlegten Munitionsfabriken stark gehindert würden." Demgegenüber weiß die „Agence Havas" mit aller Bestimmthert aus Petersburg zu berichten, daß der Ministerrat beschlossen habe, die Juden bis zur Revision aller sie betreffenden Gesetze fr ei cu A u f c n t h a l t in allen Stäb reu ves Reiches zu gewähren, mit Ausnahme von Petersburg, Moskau und den übrigen Residenzstädten. Eva dementsprechender Utas werde diese Woche noch ersckeinen. Mai', muß den Wortlaut des angekündigteu llkaseo abwarten, um die Tragweite der Maß nahm m beurteilen zu können. Gngtand. Dis galizischen „Seinöe". Tondon, 26. August. Als mar. vor einiger Zeir a>: die Internierung der feindlichen Ausländ'-r Heranging, zeigte »nun sich m Regieruttgskreisen geneigt, die galizischen Juden, die Hier seit Jahrzehnten wohnen, von dieser Maßnahme auszuschließen. Es hätte nur eines ernpfehlenden Wortes bedurft, um den tausenden armen Leute die Bewegungsfreiheit zu erhalten, und aller Augen waren auf den „Board of DeputteS" gerichtet, als auf die einzige be-

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