Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 37 (2.9.1915)
- Date
- 1915-09-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Nr. 37 Der Israelit 2/September 1915 rufene Körperschaft, für jüdische Interessen einzutreten. Der „Board" hatdte Hoffnunggetäuscht. An einer öffentlichen Sitzung wurde erklärt, daß man keine Schritte zu Gunsten der „jüdischen Feinde" unternehmen dürfe, mir der Begründung, daß sich unter ihnen Spione befinden können, und daß das Interesse des Landes eine derartige Rückfichtnahme unzulässig mache. Die Folge dieses auch von den Behörden nicht erwarteten und durch nichts begründeten patriotischen Uebereifers ist die Internierung vieler galizischar Juden und die Abschiebung ihrer Familien nach der Heimat. Die jüdischen Zeitungen greifen den „Bord of Deputies" wegen dieser herzlosen Tat sehr scharf an. Die Herren aber, die von der allgemeinen wahnsinnigen Spionenfnrcht besessen sind, kehren sich nach dieser Kritik nicht im geringsten. Der blinde Chauvinismus geht sogar so weit, daß man in Ramsgate, wo eine Stiftung von Moses Montesiore mehreren jüdischen Gelehrten Unterkunft bietet, die galizischen Mitglieder, die dort seit vielen Jahren Ihr Heim haben, aus der „Klaus" entfernen wollte. Zum Glück kam ihnen die Polizei selbst zu Hilfe, die die Leute als völlig ungefährlich erklärte und der Verwaltung mitteilte, daß gegen das Verbleiben dieser harmlosen Gelehrten in Ramsgate nichts einzuwknden sei. knglsnSs kegiffrierungssoimtsg London, 16. August. Gestern war der Regtstrierung^sonntag. Die ganze Bevölkerung des Vereinigten Königreichs füllte die nationalen Registrierungkarten aus, die in der letzten Woche von einer Armee Freiwilliger ausgeteilt worden waren und gestern eingesammelt wurden. Für Juden waren besondere Formulare auSgegeben und jiddische Dolmetscher eingestellt worden. Die zweitausend belgischen Flüchtlinge in Carlcourt wurden gleichfalls registriert. wie Sie englische Prelle über Sie „3u9en?ügett berichtet. London, 25. August. Um nicht direkt die unerhörten Vorkommnisse in Rußland registrieren zu müssen, erzählt per Korrespondent des „Daily Chronicle", daß das Flüchtliitgsproblem in Rußland ungeheuere Ausdehnung angenommen habe. Das Vordringen der deutschen Heere habe zur Folge gehabt, daß sich die Bevölkerung der westlichen Provinzen von Rußland in einer stets anwachsenden Flut nach den inneren Landesleilen verziehe. Die Regierung habe spezielle Kommissäre ernannt und große Beträge für Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.' (Und plompierte Wagcn. Die Red. d. Israelit). Völkerschaften, deren Lebensgewohnheiten man als sehr festgewurzelt ansah, wurden in Stücke gebrochen und über die weiten Flächen des Reiches verbreitet.— Wie bitterer Hohn mutet es. an, wenn das Blatt ferner den Abschub der Juden in die innersten unwirtlichsten Gegenden Rußlands so umschreibt: „Ter Auszug hat ein sehr wichtiges Resultat herbeigeführt. Das Verbot für die Juden, sich außerhalb b stimmter Landesstrccken niederzulaffen, ist abgeschafft. Die Juden, die bis jetzt streng darauf beschränkt waren, sich innnerhalb von fünfzehn der südlichen und wrstlichen Gouvernements aufzuhalten, sollen von jetzt ab die Erlaubnis bekommen, in den meisten Teilen von Rußland zu wohnen . . . ." Rirrrrärrierr. Rumänischer Brief. Wnkarcst, 20. August. Die neueste Beschuldigung der Juden ist die der Dentschfreundlichkeit. Damit mag es seine Richtigkeit H iben, aber gemein ist es, damit ihren rumänischen Patriotismus zu verdächtigen. So beschuldigt das neugegründete Organ der konservativ-demokratischen Partei in Jassy „Gloria" die rumänischen Juden, in diesen historischen Augenblicken nicht an der Seite der Rumänen zu sein, nicht mit ihnen zu fühlen und nicht auf jener Höhe zu stehen, zu welcher sie „moralisch" verpflichtet gewesen wären. „Den Zentralmächten durch die Aehnltchkeit der Sprache, durch die wirtschaftlichen Beziehungen, durch den Einfluß der deutschen Kultur nahestehend — so heißt es in dem erwähnten Artikel — voller Anerkennung für die Behandlung ihrer Glaubensgenossen in Oesterreich-Ungarn, einen langjährigen maßlosen Haß gegen das Rußland der Pogrome empfindend, haben die rumänischen Juden sich von Anfang an die deutsche Sache mit einer Wärme und Leidenschaft zu eigen gemacht, die uns gegenüber wie eine Herausforderung aussieht. Und dies nicht individuell, sondern in kollektiver Weise, in einer Art ausgesprochcner Solidarisierung." Gegen die Bemerkungen des Verfassers des Artikels über die Ursachen der Sympathien der Juden für die Zentralmächte und die Abneigung gegen Rußland läßt sich wohl nichts einwenden; was aber entschieden einen Widerspruch Hervorrufen muß, ist der Vorwurf, daß die Juden kein Verständnis für die nationalen Aspirationen des Landes haben. Tatsache ist, daß die rumänischen Juden in ihrer großen Mehrheit aus dem Standpunkt stehen, daß die Verwirklichung der nationalen Ideale nach einer anderen Richtung hin anzustreben ist, als jener, für welche gewissenlose Hetzer seit so langer Zeit schon, im Widerspruche mit der Ansicht der verantwortlichen Faktoren des Landes, vergeblich Propaganda machen. Amerika. Jüdifche Soldaten. Ikew-Hork, 7. August. Wir haben jüngsthin unseren Lesern über das kindische Unternehmen des nach Popularität haschenden Redakteurs des „Tog", Hermann Bernstein, berichtet, der, ohne von jemand dazu bevollmächtigt zu sein, bei den Heerführern aller kriegführenden Länder über die Leistungen der Juden in ihren Heeren Erkundigungen einzog. Bis jetzt hatte nur General Pau auf diese seltsame Anfrage reagiert, indem er Herrn Bernstein darüber belehrte, daß er in seinem Heere nur Soldaten und Franzosen, aber keine Juden kenne. Nunmehr bringt die genannte Zeitung in ihrer Nummer vom 7. August auch ein Antwortschreiben des General Hamilton, der ein englisches E^peditionsheec am Mittelmeer befehligt. Auch dieser General verwahrt sich dagegen, seine Soldaten jemals nach ihrer Religion gefragt zu haben, da schon die bloße Zumutung, die Juden könnten in ihrer Pflichterfüllung hinter den anderen Konfessionen Zurückbleiben, eine schwere Beleidigung der jüdischen Kriegsteilnehmer bedeuten würde. Zum Schluffe macht jedoch der General folgende interessante Mitteilung: „Es wird Sie interessieren zu erfahren, daß sich unter meinem Befehle eine rein jüdische Einzelgruppe befindet, eine Erscheinung, die meines Wissens in der Geschichte ihres gleichen noch nicht hatte. Die Männer der Gruppe sind aus der Türket vertrieben worden und mit ihren verhungerten Familien in Aegypten angelangt. Dort bildeten sie ein vollständiges Tran^portkorps, um unter meinem Kommando freiwillige Kriegs dienste im Kampfe gegen die Türkei zu leisten. Die ganze Truppe, Soldaten wie Offiziere, entwickeln großen Heldenmut, indem sie mitten in wütendstem Feuer die Kawpflinien mit Wasser und allen nötigen Vkktualien versorgen. Einer der jüdischen Freiwilligen wurde mir ob seiner Heldentaten besonders empfohlen und vom König auf meinen Vorschlag mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet." Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Abermals ergeht an das gesamte deutsche Volk die Aufforderung: Schafft die Mittet herbei, deren das Saterland zur weitere» Kriegführung notwendig bedarf? Seit mehr als Jahresfrist steht Deutschland einer Welt von Feinden gegenüber, die ihm an Zahl weit überlegen sind und sich seine Vernichtung zum Ziel gesetzt haben. Gewaltige Waffentaten unseres Heeres und unserer Flotte, großartige wirtschaftliche Leistungen kennzeichnen das abgelaufene Krtegsjahr und geben Gewähr für einen günstigen Ausgang des Weltkrieges, den in Deutschland niemand gewünscht hat, auf dessen Entfesselung aber die Politik unserer heutigen Gegner seit Jahren zielbewußt hingearbeitet hat. Aber noch liegt Schweres vor uns, noch gilt es, alles einzusetzen, weil alles auf dem Spiele steht. Täglich und stündlich wagen unsere Brüder und Söhne draußen im Felde ihr Leben im Kampfe für das Vaterland. Jetzt sollen die Daheimgebliebenen neue Geldmittel herbeischaffen, damit unsere Helden draußen mit den zum Leben und Kämpfen notwendigen Dingen ausgestattet werden können. Ehrensache ist es für jeden, dem Vaterlande in dieser großen, über die Zukunft des deutschen Volkes entscheidende Zeit mit allen Kräften zu dienen und zu helfen. Und wer dem Rufe Folge leistet und die Kriegsanleihe zeichnet, bringt nicht einmal ein Opfer, sondern wahrt zugleich sein eigenes Interesse, indem er WertjSaxl C •Konfekt regelt den Stuhlgang bei Erwachsenen und Kindern. Proben und anfklärende Broschüre F. 60 gratis durch die Pharmakon Oesellsehaft ehern. Fabrik, Frankfnrt a. Hain Kaisar Friedrich Quelle — Offenbaeh a. H.- Gegen Gleht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich. Stahu, Frankfurt a. M., Gttnthersborgaiiee 87. Tel. 259 n. 714 Familiennachrichten. Geburten. Eine Tochter: Leo Munk (Bamberger). Cöln a. Rh. Gustav Schwarz, fiutlentstrafto 14, nächst Schcmspielti. Kein Laden. 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