Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1915-08-26 · Heft 36 (26.8.1915) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 36 (26.8.1915)
Date
1915-08-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448506-2448542--67683-2488585
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Veite 12 No. 86. Der Israelit. der shnaaogoterr Liturgie eine besondere Rolle spielen und zugleich als Musterdarstellungen anmutiger, biblischer Erzählungen gelten mögen, können schon auf der Mittelstufe, sollen aber jedenfalls auf der Oberstufe rm Bibellesen berüchlchtigt werden. In der Mittelklasse tritt das Bibellesen auf der Stufe der „Anwendung" regelmäßig auf, wenn es sich um einen Stofs handelt, dessen poetische Form der freien Darstellung durch den Lehrer sich entzieht. So Wird z. B. das Siegeslied der Debora, das Tankgebet der Hanna, das Gebet Salomos bet der Tempelweihe im Anschluß an die Geschichte zu lesen sein. Einzelne Stellen dieser Kapitel, namentlich die Haupt- und Kerngedanken derselben, werden m e m or i k r t. In der Oberklasse der Volksschule (in den entsprechenden Klassen höherer Schulen erst recht) gehört die Bibel prinzipiell in die Hand des Schülers. Hier kann schon die Darbietung des Stoffes mit Erjdlg durch das Leien des (deutschen) Bibelterres vermittelt werden. Die Einführung in die Kenntnis des gesamten brblischen Schrifttums, auch seiner poetischen und prophetischen $cUe, ist eine (leider bisher wenig beachtete) Forderung des jüdischen Religionsunterrichtes. Wir lassen in Berücksichtigung derselben auf der Oberstufe die Behandlung der geschichtlichen Partien der Bibel, die zum größten Teile auf der «Mittelstufe erledigt werden können, hinter das Bibel- (esen zürücktreten. Innerhalb derselben kommt eine Auswahl aus den „Propheten" und „Schriften" zur Behandlung. (Die Bücher des Pentateuch kommen ine Uebersetzungs- und Religionsunterricht zu ihrem Rechte.) Dre Verteilung des Stoffes erfolgt r:n allgemeinen so, daß die Lektüre der „Propheten" rn die Wiederholung der Geschichte der Könige eingeschoven wird, wobei jedoch längere Zeit bei einem und demselben Schriftsteller zu verweilen ist. Bezugnahmen der Propheten aus bekannte geschichtliche Ereignisse, auf Grundwahrheiten der jüdischen Religionsanfchauung (messianische Zeit!) und die Verwendung im Gottesdienste (Hastoroth) bilden die .Hauptgesichtspunkte für die Auswahl der zu lesenden Kapitel. Mit der Einführung in die Geschichte des biblischen Volkes mutz im Unterrichte die Erschließung des biblischen Schrifttums Hand in Hand gehen. Es ist höchste Zeit, daß der jüdische Reltgionsunterricht sich darauf besinnt, wie die Kenntnis und Wertschätzung der Bibel wieder au heben ist. Wenn aber die Bibel ihrem Volke wieder gegeben werden soll, dann a eh ö rt sie zuerst in die Hand seiner Jugend! ......■■ ■ Alte oder neue Sahnen? II. In deut vorigen Artikel haben wir 3 Methoden unterschieden 1. Die alte, rein mechanische Methode, 2. die sogenannte Memorialmethode, die einen vermittelnden Standpunkt einnimmt und auf Verständnis des zu übersetzenden Stoffes durch Zergliederung der zusammengesetzten Wortformen dringt und 3. die neue Methode, die wir nach ihren Begründern die Abraham- Herzberg'sche nennen. An der erftercn haben wir die geradezu verblüffende Einfachheit hervorgehoben. Die Memorialmethode zeichnet sich, wenn sie sachgemäß durchtzesührr wird, durch ungeheure Schwierigkeit aus. Man bedenke: eine Sprache, deren Erlernung auch den Erwachsenen noch Schwierigkeiten in Hülle und Fülle bietet, soll von Lehrern, die nach ihrer ganzen Ausbildung — sie ist die eines Volkse schul lehrers — für dieses spezielle Lehrfach — den Uebersetzungsunterricht — sowohl stofflich als auch methodisch nu>. mangelhaft vorgebildet sein können, ohne Lehrbuch unterrichtet werden und das Schülermaterial besteht aus Abcschützen! Ist es da ein Wunder, wenn so viele,trotz des besten Willens Schiffbruch erleiden und schließlich wieder zu der alten bequemen Methode zurückkehren'? In einer Zeit, wo die Arbeitsteilung bis aufs kleinste durchgeführt ist, wo es für jedes Lehrfach Praparationen gibt, die ein lückenloses Fortschreiten ermöglichen und die dem Lehrer nicht nur viel Arbeit und Mühe ersparen, sondern auch von manchem Irrweg zurückhallen, weil sie das Produkt reiflicher Ueberlegung und langjähriger Erfahrung sind, soll man getrost zugreifen, wenn Aehnliches für den hebräischen Unterricht geboten wird, auch wenn es nicht ganz unseren Anforderungen entspricht. Wir haben deshalb seinerzeit das Erscheinen der Lehrbücher von Abraham und Herzberg mit unverhohlener Freude begrüßt, weil sie die ersten Ansätze zu einer vernunftgemäßen Methode bilden und im Grunde genommen nichts anderes sind als die planmäßig' ausgeb au re Memoriotmethode. Daß die genannten Lehrbücher vorläufig nur den Lehrstoff der Unterstufe behandeln, ist ein Mangel, dem leicht avzuhelsen ist. Wir lasten nachstehend Lektion 14 aus BHp ree? von Herzberg und zwar der Raumersparnis halber mit unpunktiertern hebräischem Text, folgen: a. Wir bitten Q)ott, er möge uns (41 ü d und Frieden schenken. 7y: 14U’py -’a'e.i-': —cr~ '-71 ,n:~Z‘ nz"z ,z'bv i'P 8>2,8cV*yV z'VT ,-ay ,Vxitr bv a:utr ^xis» bz .z-^vn ^zb ’p-N '-Sa xm 5,irx &ute8, Glück .1212 Segen .1212 Bolk . ay ,cy viel, zahlreich 21 b. lege L»s> du (wirst) mögest legen awi und t Friede aiVt? 10"pVVn* .-jay 'Vxie" nbv an eite an? .an ^na ay D’IWl ."U'2X XI,1 nns '2 ,77212: .1212 2'L> .C'ÜV ,obv .*]ey tont?» Vs Vyi 12:i"Vy 8aww 8iani .sib&n bzb pix xn nnx '2 ,a,l?y a't? Wie der verehrliche Leser sieht, zerfällt jede Uebung in 3 Teile. Durch die vorangesetzte kurze Inhaltsangabe soll die auch für den Gebetübcrsetznngsunterrichr erforderliche religiöse Stimmung geweckt werden. Sie bildet zugleich die Grundlage für die spätere Vertiefung in den Inhalt. Die Zahlen in dem Text weisen auf dasjenige Uebungsstück hin, in dem die betreffende Vokabel zum ersten Mal vorkommi. Unter b. wird die Uebersetzung der neu auftretenden Vokabeln gegeben unter Vorführung ihrer Bestandteile. Die Uebungssätze unter c. sind eigentlich das einzige Neue an der Methode. Sie dienen vor allem dazu, die Vokabeln einzuprägen: sie verhindern aber auch, daß die Wörter nur in den jeweiligen Verbindungen deS Textes gelernt und erkannt werden. Als das Wertvollste aber erscheint uns die Auswahl der Uebungsstücke, denn sie erleichtert ein Fortschreitcn vom Leichten zum Schweren. Wie aus dem vorstehenden Text ersichtlich,werden auch Teile eines Gebetstücks verwandt, wenn das Ganze zu viel Uebersetzungsschwrerigkeiten bietet. Granimatische Formen als solche verwendet Herzberg nicht aber am Schluffe der 32 Uebungen, die das Lehrbuch enthält, verfügt der Schüler nicht nur über einen schönen Wortschatz, sondern auch die wichtigsten Elemente der hebräischen Formenlehre sind ihm bu ch vielfache Uebung einigermaßen geläufig. Abraham-Berlin, der — was hier erwähnt werden muß — vor allem Großstadtkinder und Schüler höherer Lehranstalten im Auge hat, bei denen im 3. Schuljahr der deutsche Gram., atikunterricht zu gleicher Zeit mit dem hebräischen Uebersetzungsunterricht einsetzt, schlägt folgenden Lehrgang vor: 1. Angabe des Ziels. 2. Lesen des Textes. 3. Finden der Uebersetzung a. Zerlegung der Wortform in Stamm- und Bildungszeichen: b. Erinnerung an bereits gelernte Vokabeln und grammatische Regeln: c. Mitteilung der Bedeutung neu auftrerendei: Vokabeln; d. Versuchsweise Uebersetzung durch einen Schüler: 4. Vertiefung in den Inhalt. 5. Besprechung der kultuellen Verwendung. 6. Ableitung neuer grammatischer Regeln und Beispielen des vorliegenden und vorangegangenen Textes. 7. Einprägung der neu gewonnenen Vokabeln und Regeln durch hebräische Uebungssätze. 8. Eventuell: Bildung einiger hebräischer Formen und Sätze. Bon Punkt 7 abgesehen entspricht der vorstehende Lehrgang fast genau dem, was denkende Lehrer auch früher schon bei ihrem Unterricht in Anwendung brachten, es find also im Grunde genommen alte Bahnen, die uns die Herren Abraham und Herzberg führen, und doch sind sie neu in der folgerichtigen Durchführung des didaktischen Grundsatzes des Fortschreitend vom Leichten zum Schweren. Neu sind sie aber vor allem gegenüber dem alten iivPi -pi, wie wir ihn im 1. Artikel geschildert haben. Der Letztere hat, wie bereits erwähnt, heute keinen Verteidiger mehr: es muß aber dahin kommen, daß er auch keine Anhänger mehr findet. Das wird der Fall sein, wenn die Kollegen den Fortschritten der Methode aufmerksam folgen und sich dem guten Neuen nicht deshalb verschließen, weil es neu ist. Wir hegen die feste Zuversicht, daß 'wie für die Unterstufe, so auch für die Mittel¬ und Oberstufe geeignete Lehrbücher erscheinen werden. Daß Herr Kollege Herzberg auch für den Pentateuch ein entsprechendes Lebrbucb ausgearbeitet hat, das seinem L»ip rctr parallel läuft, sei hier noch erwähnt. Wir sind nun weit davon entfernt, uns bei unseren heutigen Verhältnisien von irgend einer Methode oder irgend einem Lehrbuch überraschende Erfolge zu versprechen. Die Religionsschule der Gegenwart wird nur in seltenen Fällen die Leistungen der Vergangenheit erreichen. Unsere früheren Kollegen befanden sich in der glücklichen Lage der reichen Hausfrauen, die tief hinein in die Tasche greifen können; sie geboten fast u numschränkt über die Zeit der ihnen anoertrauten Jugend. Wir dagegen gleichen den armen Handwerker¬ und Taglöhnersfrauen, die mit den knappsten Mitte l n auskommen müssen. Da gilt es, jede Minute ausnützen und alle Vorteile einer vorgeschrittenen Lehrkunst anwenüen. Bietet sich uns ein Lehrbuch, von dem wir uns Vorteile für unseren Unterricht versprechen, so müssen wir es selbstverständlich verwenden, denn für unsere Jugend ist das Beste eben gut genug. Die Frage aber, ob man an einer alten Methode sesthalten oder neue Bahnen einschlagen soll, beantworten wir mit dem Dichterwort: „Am guten Alten in Treue halten, am besseren Neuen sich stärken und freuen, wird niemand gereuen". Welchen Weg man aber auch wählen mag, ohne Treue und Gewissenhaftigkeit im Lehramt ist jeder Erfolg ausgeschlossen. Nur wer seine volle Schuldigkeit getan, der kann sich, wenn das Erreichte hinter dem Gewollten weit zurückbleibl, aus das Wort unserer Weisen berufen: cdb? zvb 121? p2'L' 12V2*, arctan inx: 7I21I2N inx 26. August 1915 Wer aber in gewohnter Weise fortwurstelt, der wirkt nicht nratf nw*j. Zur Fortbildungsstage. Von M. L. in N. Die Hochsaison des Chasonus, die a’xn; 2"w> stehen vor der Türe und da ist es wohl an der Zeit, darauf hinzuweisen, daß für den Lehrerchason die Zeit gekommen ist, nicht uur den gesanglichen Teil der ihm zufallenden mVen zu wiederholen, sondern sich vor allem in den Geist derselben zu versenken. Im Seminar wurde eine Anzahl der schönsten Pijutim besprochen, mehr kann es nicht tun, so wünschenswert es auch wäre, daß darin noch mehr geleistet würde. Es kann auf den meisten Gebieten nur grundlegend wirken. Ist doch die Seminarzeit nur £ Jahre, welche Menge von Stoff mannigfachster Art gilt es in dieser kurzen Zeit zu bewältigen. Darum muß sich das Seminar notgedrungen damit begnügen, anzuregen und den Weg zu weisen. Die Hauptarbeit muß für die Zeit nach dem Seminar, die sich auf Jahrzehnte erstreckt, dem Lehrer überlassen werden. Der Lehrer muß sich im Amte fortbilden. Ist der gewiffenhafte Religionslehrer auch ziemliche in Anspruch genommen, so bleibt ihm dennoch Zeit genug zum Studium übrig. Neben dem Schiur kewa in Mischnah, Gemoroh usw., den er als Jude einhalten. mutz, und der für einen jüdischen Lehrer mehr als für jeden anderen unerläßlich ist, muß er sich einem stetigen Fachstadiu't' widmen. Ein Zweig dieses Fachstudiums sind die Pijutim. Im Seminar wurden wir seinerzeit angeleitet, mit Hilfe des Kommentars von Heidenheim in das Verstädnis eines Kalir, eines Donasch, eines Jbn Esrah eiyzudringen. Dadurch angeregt, schaffte ich mir die Machsorim mit dem Heidenheim'schen Kommentar an und erarbeitete selbständig, andere Pijutim. Im Amte suchte ich mich vor den Feiertagen auf die betreffenden Pijutim vorzubereiten. Ich wurde jedoch wegen des weitschichligen Stoffes nie fertig. Da stellte ich mir den Plan auf, ganz Pajorh unb Seltchaus der Reihe nach in der freien Zeit zu studieren und die Zeit vor den Feiertagen nur zur Wiederholung zu benutzen. Der Chasen, der die Gebete, die er vorträgt, gründlich versteht, wird als ganzer Mann, der sich seiner Aufgabe bewußt ist, an den Omud treten. Sein Hauptgedanke beim Beten wirb nicht sein, in welcher Tonhöhe er zu schließen hat, sondern er wird in der Tefilloh leben. Hat doch wohl jeder von uns es selbst erlebt, daß Baale Tefflloh beim Vorbeten wie Kedauscheh eljaun erschienen. Es sind zwar dieselben Menschen, wie wir sie sonst kannten, und dennoch erscheinen sie anders wie gestern und vorgestern. Sie sind eben von dem Vorgetragenen ergriffen, weil das Gebet in ihre Seele zu dringen vermag. Nicht an die nachträgliche Kritik des Publikums denken sie, vielmehr an den, vor dem sie stehen, und zu dem sie sprechen. Das Urteil über solche Cha» sonim ist trotzdem ein günstiges, denn wie „Rachomono libo boi", so will auch der Mensch nicht nur Kehlkopf sondern auch Herz. Wie kann aber „Lew" vorhanden sein, wenn das Herz nicht weiß, was der Mund spricht?' Es ist deshalb unausbleiblich für den Lehrer, der gleichzeitig Chason ist, das Machsor gründlich zu studieren. Anfangs wird es ihm schwer fallen, aber allmählich wird er sich heimisch' fühlen in der Fülle der Schönheit unserer Poesie. Er wird in den Mußestunden nicht nur nach einem Geibel oder Mörike, sondern auch nach einem Kalir greisen. Wir verlangen vom Chason ausdrucksvollen Bortrag. Wie kann er aber ein Lied ausdrucksvoll vortragen, dessen Inhalt er nicht vollständig beherrscht. Singt er aber „Zoadu beme Schaal zosu beruach sechel, ono junton unkablu melucho" und weiß nicht, was er sagt, so ist das Rezitieren dieser Stelle erheuchelte Begeisterung. Innerlich muß er unbefriedigt bleiben, sein Selbstbewußtsein wird geschwächt. Wie erheben aber unsere Gebete, die bald voll zarter und inniger, bald voll mächtiger und feuriger Poesie sind, den Scholiach zibbur, der vor» ihrer Glut ergriffen zu werden vermag, wie reißt auch ein solcher Scholiach seine Schaulchim in heiliger Begeisterung mit fort! „Lew fchaufchim nochacho kammajim" verlangten unsere Alten vom Chason. Diese Forderung gilt noch, und ihr kann nur genügt werden durch stetiges Sichvertiefen in die unendlich reiche Poesie unserer Pijutim." Lorrefpondenzen und Nachrichten. Aus Bayern. An den I sr. Pr äp arandenschulen Burgpreppach und Höchberg hat zwar zufolge einer k. Reg.-Entschliehung das neue Schuljahr diesmal schon am 15. ,xuli begonnen. Nichtsdestoweniger werden, wie uns mitgeteilt wird» Schüler, welche die rechtzeitige Anmeldung versäumt haben, auch nach Beendigung der Ferien (5. Oktober) noch ausgenommen, wenn sie die Vorbedingungen erfüllen und die Anmeldung bei dem betr. Schulvorstande alsbalb erfolgt. ■■ / '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.