Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 36 (26.8.1915)
- Date
- 1915-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 10. No. 36 Und, Mäimvnides, der diese Worte niederschrieb, war -er berufene Lehrer und Bildner des jüdischen Volkes. Besonders interessant ist der Umstand, datz es schon im Mittelalter jüdische Militärärzte gab, ganz so wie sie in unserer Zeit ihres Amtes walten. Der Leibarzt des Papstes Bonifacius lX war Angela, der in der Stadt Rom in so hohem Ansehen stand, datz er im Jahre 1399 von allen Steuerlasten befreit und ihm das Zeugnis ausgestellt wurde, datz er „in der Ausübung seiner Kunst zuvorkommend, wohlwollend und dienstfertig sich erweise, nicht auf Bezahlung dringe und in seinem Berufe außerordentlich erfahren sei." Meister Angela und dessen Söhne waren auch verpflichtet, jeden Römer zu heilen, der bei einem vom römischen Volke geführten Kriegszug verletzt worden war. Dafür war es bei Strafe verboten, ihnen während des Krieges die Pferde wegzunehmen, „damit die Aerzte bei erforderlicher Hilfeleistung schnell zur Stelle sein könnten." Ein anderer jüdischer Arzt i» Italien. Abraham Porta Bone, behandelte den Herzog Johannes de Medici, der durch Flintenschüsse im Kriege verwundet worden mar. In einem Schreiben vom Februar 1525 dankt ihm der Papst für die ärztliche Hilfe, die er dem Herzog angedeihen lasse. Von einem jüdischen Arzt in Spanien wird uns, berichtet daH er in einem Kriege mit großer Aufopferung tätig war und den verwundeten Soldaten über dreitausend Pfeile nusaezoaen habe. Auch die Handhabung der Waffen war bei den Juden im Mittelalter nicht selten zu finden. Der gefeirrtc Rabbiner Israel Bruno in Regensburg (um 1430) schreibt in seinen Rechtsgutachten: „Ich wurde befragt, ob es erlaubt sei, teilzunehmen an der Freude der Nichtjuden, wenn sie zur Wette ihre Pferde rennen lassen und der erste einen Preis gewinnt. Ich gestattete es, denn dieses Rennen ist nicht bloßes Vergnügen sondern eine Kraft, die man sich für den Kriegsfall aneigncn will. Derartiges sah ich auch von „mxl tjrtaninitteT Israel«" Männern, die einen streng frommen Lebenswandel führen." — Auch in den Gutachten des hochberühmten R. Meir v on Rothenburg (p. 1293) findet sich ein in dieser Beziehung sehr interessanter Bericht. A. hatte mit B. die Verabredung getroffen, daß er ihn das ritterliche Handwerk lehre, gab aber bald den Unterricht auf und verweigerte die Zahlung des vollen Lohnes. Nun entscheidet der berühmte Rabbi: „Er muß ihm den ganzen Lohn zahlen, wie sonst einem Arbeiter, denn es ist kein Unterschied zwischen einem Handwerk und anderen Arbeiten. Oft ist diese Kunst für den Menschen sehr wichtig, da sie ihn vot Räubern des Lebens retten kann". — Natürlich konnte von Hetzjagden und Tiergefechten, wie sie damals stattsanden, bei den Juden im Mittelalter schon aus religiösen Gründen keine Rede sein. Der bekannte Rabbiner Ezechiel Lanoau in Prag konnte sein Erstaunen nicht unterdrücken, als er die Anfrage erhielt, ob es einem Juden gestattet sei, dem Jagdvergnügen nachzugehen. An dem Gewerbe Nimrods nnd Esaus, so ermahnt Landau, sollte ein 'Nachkomme Abrahams, und mag er auch reich und vornehmen sein, keinen Gefallen finden. (Noda Bihuda ll Nr. 10). Mit besonderem Nachdruck sei noch auf diese Tatsache hingewiesen, datz sich die Juden im Mittelalter auch oft als Soldaten im Heere ausgezeichnet haben. In Neapel halsen die Juden die Stadt gegen die Angriffe Belisas (536) verteidigen. Die Juden in Spanien übten sich im Gebrauche der Waffen und zogen mit dem Heere in den Kampf -, sogar die Bewachung de erorberten Festungen wurde ihnen anvertraut. Die Juden in Worms griffen, als die Stadt vom Feinde belagert war, zu den Waffen, um der bedrohten Bürgerschaft Hilfe zu leisten. jNokeach 186). Solche Beispiele des tapferen, heldenmütigen, Verhalten der Juden im Mittelaller bei Verteidigung der Städte ließen sich noch mehrere anführen. Der schönste Zug aber im Leben der Juden im -- --- ■_ 26. August 1915. Mittelalter war ihr Idealismus. UnermtNÜch und unerschöpflich waren die Weifen und dse großen Sittenlehrer, jene glorreiche Zeit zu schildern und aüszumälen, da Not und Kamps aushüren und alle Menschen sich zusammcnfinden werden, von dem heißen Wunsche erfüllt, Gott zu dienen und Werke der Liebe und der Gerechtigkeit zu üben. „Sie verderben nicht und verletzen nicht nuf meinem ganzen heiligen Berge." sJes.11,9.) Die Juden im Mittelalter waren trotz der schweren Leiden und Verfolgungen, die sie zu erdulden halten, von der Hoffnung, von der Ueberzeugung durchdrungen, datz diese Heilvolte Zeit kommen werde, und dieses Bewußtsein gab ihnen die Kraft, im Kampfe für die siegreiche Wahrheit auszuharren. Täglich sprachen Jie in ihren Gebeten: „Wenn es auch lange währt, so harren wir dennoch jeden Tag der Erlösung, der Befreiung." Auch wir fürchten den Haß, die Lüge und Verläumdung der Völker nicht. Wir führen einen großen, gewaltigen Kampf für die Gerechtigkeit und Wahrheit, für die Kultur der Menschheit. Und Gott ist der Herr des Krieges und wird auch weiterhin unserer guten, gerechten Sache Sieg und Erfolg verleihen. Wer angenehme Stunden verleben will, gehe in das Scala-Theater, Schäfergaffe 29, Petersplatz. Das Central Theater. Allerheiligenftr. 89 nnd Vilbelerftr. 29 bringt vom 28. August bis 3. September die dreiaktige Tragödie „Das verlorene Paradies". Ritta Sachetlo, die sich übrigens ihre wirksame Hauptrolle selbst geschrieben hat, ist hier die junge Frau eines berühmten alternden Malers, die an der jäh erwachten Leidenschaft zum Stiefsohne zugrunde geht. Das dramatische Motiv wird packend gestaltet. Rausch Saschonohkarlen, viflttatten 109 St von 7 s Pfg. an S. 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