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Der Israelit · 1915-08-26 · Heft 36 (26.8.1915) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 36 (26.8.1915)
Date
1915-08-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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9 fonwiaiT r/ZrASV;f£j M 36. FrarrL^rrt a. M.. den 26 August 1916. 16 Elul 6676. 36 Der „Frankfurter JSraeltt" wirmit dem JSraelit" abonniert; Abonnement für beide Blätter zusammen Mk. l.50 vierteljährlich tInland». Inserate im „Frankfurter JSraelit" kosten 35 Pfg. für die sechSgespaltene Eolonelzelle: Rabatt nach Tarif. Inhalt. Die Woche: 1. Die Beerdigung Paul Ehrlichs. 2. Briefe ins Feld. — Bcreinskalender. — Gebetzeiten. — Aus dem Leben der Juden im Mittelalter. ^I»SV««V«WSS«SSVVSVS«VSSVVV«VV«V« j| Ais Woche | Ioc)C«e0«>eeeeeeeeii)e®eieGQaABeeöic9 Die Weerdigung ^ant Kijrttchs. Am Montag, den 23. August, fand auf dem Friedhof der Israelitischen Gemeinde die Beerdigung des weltberühmten Heroen der medizinischen Forschung und Wohltäters der Menschheit Paul Ehrlich statt. Es sprachen Vertreter der Stadt, der Universitäten, der von Ehrlich geleiteten Institute und vieler medizinischer Gesellschaften in Deutschland. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Lazarus. Er schilderte Ehrlich als den großen Wahrheitssucher, der nicht rastete bis die Wahrheit in der Wirklichkeit des Lebens dem Menschen ihren Segenequell erschloß. Der sittliche Grundzug seines Wesens war die Treue und in ihr begegnete sich bei chm der Deutsche mit dem Juden. Paul Ehrlich war treu, nicht zuletzt weil er ein Jude war und blieb. „Darum verehren die deutschen Juden ihn als einen, der ihnen vikltausendjährige Judentreue durch Wirkung und Wesen, durch Leistung und Leben fest im Deutschtum verankern half." Alriefe!«s Aetd. Der Verein „Mekor Chajim" versendet folgendes Rundschreiben an seme Mitglieder und Freunde: „Wie Ihnen wohl bekannt sein dürfte, hat die Versendung unserer„S abbat-Briefe" die seit nunmehr 6 Monaten regelmäßig an jüdische Soldaten, soweit uns deren Feldadreffen bekannt sind, erfolgt, großen Anklang gefunden, was auch zahlreiche Dankschreiben aus dem Felde bestätigen. Da uns jedoch daran gelegen ist, daß möglichst alle Interessenten, insbesondere alle unsere im Heeresdienste stehenden Mitglieder, diese Briefe erhallen, möchten wir Sie hiermit höstichst ersuchen, uns mittelst einliegender Karte die genaue Feldadresie Ihrer Angehörigen und Freunde, denen die Zusendung dieser Briese erwünscht wäre, aufgeben zu wollen". Vereinskalender. Verein Mekor Cllaiim. Samstag, morgens nach Schluß der Synagoge: Dinim; Herr Rektor F a l k; 12 Uhr mittags: Sefer Melochim; Herr Prof. Weyl; 4 Uhr nachm, im Veretnslokale: Mikro-Vortrag; Herr Rabbinatkandidat Donath. Sonntag, 91/. Uhr vorm, im Vereinslokale: Gemoro; Herr R. A. Posen. 7 Uhr abends im Bereinslokale Langestr. 18: rpjr py (nvi')-Vortrag; Herr Redakteur S. Schachnowitz. Montag, abends 83/, Uhr im Vereinslokale: Gemoro; Herr Dr. Joseph Breuer. Dienstag, 7'/. Uhr morgens: Gemoro; Herr R. A. Posen. Mittwoch, abends 8s/4 Uhr im Bereinslokale: Gemoro; Herr Dr. Josevh Breuer. Jeden Morgen nach Schluß des Gottesdienstes: Mischna Aqudas Jisroel Juaendgruppe. Samstag, 10 Uhr vorm.: Doroih Horischaunim; Herr Direkt. Dr. G.Lange (Damen u. Herren). 10 Uhr vorm.: Gemoro; Herr Dr. M. Lange. 10 Uhr vorm.: Gemoro; Herr Rabbiner Schüler. 11 Uhr vorm. Raschi zur Thora; Herr M. Hirschberg. 12 Uhr vorm.: Gemoro; Herr B. R a ch e l s o h n. Sonntag, 8 Uhr vorm.: Gemoro; Herr B. R a ch e l s o h n. 11 Uhr Sprechstunde der Lehrftellenvermittlung. Dienstag, 9 Uhr abends: Gemoro; Herr Dr. M. Lange. Mittwoch, 9 Uhr abends: Nwiftm; Herr S. Unna. 9 Uhr abends: Stenographie; Herr B.Stern. Donnerstag, 9 Uhr abends: Gemoro; Herr Direktor Dr. M. Lange. Agndas JiSroel Mädchengruppe. Sams, tag, 4 Uhr nachm.. Pirke Aboth: Herr Hirschberg. Montag, 9 Uhr abends: Turnen (Frl. Leyh). Dienstag, 9Uhr abettbä: Französisch; Sprach kursus Frl. R. Jeidel. Mittwoch, 8^, —10 Uhr abds.: HandarbeitSabend. Donnerstag, 83/4 Uhr abends: Stenographie; Fräulein Jda Katz. Heöehette«. *onn '2 nattr- Freitag Abend 6.45. Samstag Morgen 7.30. Samstag Nachmittag 5.00. „ Abend 8.05. Wochentags morgens 5.50. nachmittags 6.30. Aus dem Leben der Juden im Mittelalter. Eine zeitgemäße Skizze. Bon Dr. I. Münz in Bereut (Weftpr.) , Es ist belehrend und interessant, vom Standpunkte unserer tiefbewegten, kriegerischen Zeit das Leben der Inden im Mittelalter zu betrachten und dort viele Momente und Begebenheiten zu finden, die für die Gegenwart von hoher, aktueller Bedeutung find. Ein charakteristischer Zug im Leben der mittelalterlichen Inden ist ihre seltene Mäßigkeit und Einschränkung im Genüsse von Speise und Trank. Die biblischen Vorschriften, die sich auf den Nahrungsgenuß beziehen, waren ihnen unverletzlich und. sie folgten treu der Ermahnung: „Nur dieses sollet ihr genießen." Im Anschlüsse an diese Speisevorschriften wurde aber das folgende Prinzip aufgestellt und einpeschärf^; Bei der Wahl der Nahrungsmittel lasie man sich von einem vernünftigen Prinzip leiten. Man gewöhne sich nicht an Speisen, die den Gaumen kitzeln und eirim sinnlichen Genuß gewähren, sondern an solche, die zur Erhaltung des Lebens und zur Stärkung der Kräfte nötig sind. Aber auch von diesen Speisen genieße man nicht im Uebermaß und hüte sich vor Böllerei. Das Angenehme darf nur dann gewählt werden, wenn es einen diätetischen Dienst leisten soll. tDeoth 3,2). Sinnig und schön ist auch die Mahnung, die ein frommer deutscher Gelehrter, R. Jehuda ben Ascher (gest. 1341) über die Tugend der Mäßigkeit erteilte: „Erblicket den Lebenszweck nicht im Essen und Trinken, sondern im Dienste des Herrn. Die Speise ist für den Menschen wie das Oel für das Licht, cs erlöscht bei Zuwenig und Zuviel, aber eher bei dem letzteren. Darum seid mäßig im Esten." Viele Juden im Mittelalter zogen den Kreis der erlaubten Genttste für sich noch enger und übten eine Enthaltsamkeit, die uns mit Erstaunen erfüllt. Männer und Frauen, die regelmäßig einmal in der Woche fasteten, gehörten nicht zu den Seltenheiten. Von einem frommen Gefehlten der spätcrn Zeit, R. Abraham Kohen, wird uns die erstaunliche Tatsache berichtet, daß er von Sabbat zu Sabbat sastere. das heißt, er nahm an allen sechs Werktagen der Woche weder Speise noch Trank zu sich und aß nnr in den 24 Stunden der Sabbatweihe. Bei dieser asketischen Lebensweise behielt sich der fromme Rabbi die volle Frische des Geistes und besaß eine Körpcrkrafr, die über das gewöhnliche Maß herausging. — Bekannt ist auch die Erzählung von Moses Mendelssohn, daß er auf dem Brote, das oft seine einzige Mahlzeit war, genau mit strichen die Tagesration bezeichnete, um nicht am folgenden Tage ganz darben zu mästen. Und im Hause Mendelssohns, der sein ganzes Leben mäßig und anspruchslos blieb, verlchrren die größten Männer des Jahrhunderts. Zu dieser Mäßigkeit kam noch die Arbeit, die emsige Tätigkeit hinzu Der Jude im Mittelalter mutzte im Kampfe des Lebens schwer arbeiten und sich abmühen, um für sein Haus den i. öligen Lebensunterhalt herbeizuschaffen, und „das Brot der Trägheit aß er nicht." Trägheit, Faulheit galt ihm nach einem talmudischen Wort als eine Todsünde. So ermahnte R. Elieser ben Samuel Halevi (gest. 1357 in Mainz) in seinem Testamente seine Kinder: „Meine Bitte, ja mein Befehl ist, daß die Frauen nicht müßig sitzen, ohne Beschäftigung, denn Müßiggang führt zu Lastern. Sie mögen spinnen, nähen oder lochen. Meine Töchter mögen bescheiden gegen jedermann sein; so war ich mein ganzes Leben hindurch " — Soweit es auch bei derp Zunftwesen des Mittelalters möglich war, beschäftigten sich die Juden mit dem Handwerk und bekennten sich zu dem deutschen Sprichwort' „Handwerk hat einen goldenen Boden" In der Judengaste gab es jüdische Bäcker, Schneider, Fleischer, Maurer, Maler, Buchbinder, Glaser, Drechsler, Barbiere, die ihr Gewerbe fleißig betrieben. Heute wird auf die Abhärtung des Körpers durch Turnen und Spiele ein so großes Gewicht gelegt. Auch diese Mittel zur Erhaltung der Gesundheit waren merkwürdigerweise den Juden im Mittelalter nicht unbekannt. Kein geringerer als der gefeierte Maim o n i d e s kann hier als Zeuge auftreten. „Oft tragen die verschiedenen Körperübungen — so lauten seine Worte — zur Förderung der Gesundheit bei. Das Turnen, das Ballspielen, das Ringen, das Fechten, das liefe Anhalten des Atems — diese Uebungen find nicht immer eine unnütze, spielende Beschäftigung, sondern können unter Umständen einen bedeutenden sanitären Zweck erfüllen." < More Nebuchim III 25). B10LFSECK Die populärste Qqarre unsortiert 12^ sortiert 15>9| G-M.HOLZ J HOFLIEFERANT HOFLIEFERANT FRANKFURT aM : lUiLfÄL" :dKÜ.tuS*£.V.

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