Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 34 (12.8.1915)
- Date
- 1915-08-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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12. August 1915 Der Israeli». No. 34; Sette 5 Volkes zu vernichten. Selbst die Beziehungen zu den Verwundeten wurden mthtrauisch beobachtet. Unter dem Vorwände des Kriegszwanges wurden die unsinnigsten Verfolgungen fremderBölker, besonders der Juden, eingeleitet. Wir sahen die allerdümmsten und einfältigsten Mahnahmen, um unsere Religion und unsere Nationalität in Galizien einzuführen. Als Beamte wurde der Auswurf der Provinzbeamten hingesandt, die die Ideale der kleineren Nationaliäten sofort töteten. Erst heute ist nach früheren nebelhaften Aufrufen des Generalissimus das Wort von der Autonomie für Polen gefallen. Gegen die armen russischen Juden wurde eine systematische Drangsalierung rohester Art unter der Beschuldigung der Spionage durchgeführt, wobei keinerlei Beweise erbracht worden sind. Das sind Maßnahmen, die an die allerwildeften Zeiten des barbarischen Mittelalters erinnern, Rußland in der ganzen Welt herabsetzen, unsere Freunde betrübten und unseren Feinden die größte Schadenfreude bereiten. Hinsichtlich des Prozesses gegen die sozialistichen Dumamitglieder habe ich Einsicht in die Akten genommen und erkannt, daß der Prozeß für alle Zeiten ein Symbol russischer Rechtverdrehung bleiben wird. Im ganzen Volke spreche man von Verrätern, was von der Regierung durch Hinweis auf Juden und nichtrusiifche Familien systematisch genährt würde und wodurch Pogromstimmungen, wie in Moskau, hervorgerufen würden. Auch das Bestechungssystem blühe immer weiter. Redner verlangte eine gerichtliche Untersuchung, da solche Handlungen als Staatsverbrechen zu betrachten seien, und schloß mit dem Verlangen einer vollständigen Aenderung des inneren Kurses, da für Rußland jetzt alles auf dem Spiele stehe. Miljukow wurde fortgesetzt von den stärksten Beifallsrufen unterbrochen und am Schluß mit Beifallssturm belohnt. Der Vertreter der Arbeitergruppe Kerenski sagte bezüglich der Behandlung der Juden: „Was haben wir in diesem Jahre opfervollen Krieges erreicht? Lediglich, daß wir überall gehängte Juden sehen! Man erklärte unschuldige Juden und Bürger als Verräter und dichtete ihnen nie begangene verräterische Handlungen an. Man scheute sich nicht, dabei Protokolle zu fälschen. Das russische Volk kennt aber dse Wahrheit und weiß, wo die wirklichen Verbrecher zu finden sind. Ich selbst bin nach Kuzy gefahren, um den den Juden dort vom Generalstab zugeschriebenen Verrat zu untersuchen. Von dieser Tribüne erkläre ich vor aller Welt feierlichst, daß alles, was von den Militärbehörden über dieses Dörfchen gesagt und geschrieben worden ist, eine verbrecherische Lüge, und daß das auf den angeblich dort begangenen Verrat der dort garnicht vorhandenen Juden bezügliche Protokoll eine glatte Fälschung ist! Wollen wir uns aus der gefährlichen Krisis befreien, dann müssen wir vor allem fordern, daß die volle Wahrheit dem Volke, das auf seinen Schultern die Lasten der Reichswehr trägt, bekannt gegeben wird. Ein Land mit verbundenen Augen und gefesselten Händen kann sich nicht verteidigen"! Als folgende Redner brachte der Vertreter der Sozialdemokraten, T s ch ch e i d s e u. a. zur Sprache, daß von den Juden die ehrbarsten Männer als Geiseln fest genommen werden. Er fragt: „Hat schon irgend eine Regierung solch einen Zynismus erreicht? Hier sprach man über die Autonomie Polens. Wann begann man darüber zu sprechen? Als ganz Polen vom Feinde besetzt war!" Kaum betrat die russische Armee Galzien, da fingen die neueingesetzten Behörden an, die Ideen der Schwarzen Hundert zu pflanzen, und zu den Juden, die erschienen, um zu erfahren, welches neue Schicksal sie erwarte, sagte man: „Seid nur loyal, und ihr werdet dieselben Rechte bekommen, wie eure Glaubensgenossen sie in Rußland haben." ... Gewaltigen Eindruck machte die Anklagerede des jüdischen Abgeordneten Friedmann. (Wir hoffen, sie demnächst im Wortlaute wiedergeben zu können. D. Red.) Er betonte den von den Juden von Anfang an durch riesige Opfer an Gut und Blut betätigten Patriotismus und schilderte dann im einzelnen die grausamen Verfolgungen, die ihnen in Polen und Litauen von der Armeeverwaltung als Lohn zuteil wurden. Ueber eine Million Juden wurden an den Bettelstab gebracht. Krtegsverwundete mit Auszeichnung wurden mit den Anderen in verschlossenen Viehwagen abtransportiert. Schwerkranke und Irre, auch mit infektiösen Krankheiten Behaftete waren mit dadei, so daß die Wagen, die tagelang nirgends halten dursten, mit vielen Toten in der Endstation anlangten. Man sengte und mordete in den Judendörfern auf Grund nachweisbarer Fälschungen der Behörden, wie der Fall Kuzy beweise. All diese Reden sind im amtlichen Protokolle einfach unterschlagen und das russische Volk erfährt nur von der im Zeichen ungestörter Einigkeit tagenden Duma, die alle Maßnahmen der Regierung und Armeeleitung begeistert gutheiße. In 9er eroberten Stadt. Lodz, 6. August. Aus Warschau wird hier die dort heute veröffentlichte Bekanntmachung des deutschen Oberbefehlshabers mitgeteilt. Sie lautet: Einwohner von Warschau.' Eure Stadt ist in deutscher Gewalt.' Aber wir führen Krieg nur gegen feindliche Truppen, nicht gegen friedliche Bürger. Ruhe und Ordnung soll gewahrt, das Recht geschützt werden. Ich erwarte, daß Warschaus Bürger keine feindlichen Handlungen unternehmen, dem deutschen Rechtsgefühl vertrauen und den Anordnungen unserer Truppenbefehlshaber Folge leisten werden. Der deutschen Heeresleitung ist aber bekannt geworden, daß der Feind Anschläge gegen die Sicherheit unserer Truppen in Warschau vorbereitet hat. Darum bin ich gezwungen, die Häupter und angesehensten Bürger der Stadt als Geiseln zu nehmen, die mir für die Sicherheit -er Truppen bürgen. An Euch ist es, das Leben dieser Eurer Mitbürger zu schützen. Wer darum Kenntnis hat von geplanten Anschlägen irgendwelcher Art, hat im Interesse seiner Mitbürger, wie der Ruhe und Sicherheit der Stadt Warschau die Pflicht, solches ungesäumt bei der deutschen Militärbehörde zur Anzeige zu bringen. Die Todesstrafe hat derjenige zu gewärtigen, der sich einer Unterlassung in dieser Hinsicht schuldig macht oder gar Anschlägen Vorschub leistet. Der deutsche Oberbefehlshaber. Leopold Prinz v. Bayern Generalseldmarschall. Ueber die letzten Tage in Warschau berichtet ein Reisender, der über Piaseczno aus Warschau nach Lodz entkommen ist, der „Gazette Lodzka" zufolge, folgendes: Besonders die jüdische Bevölkerung fürchte das Schlimmste von selten der Russen. Daß sie dazu Grund hat, beweist die Tatsache, daß am 20. und 21. Juli tu den jüdischen Stadtteilen Pogrome stattgefunden haben. Eine große Zahl jüdischer Geschäfte und Privatwohnungen sind ausgeraubt worden. Die Bevölkerung genannter Stadtteile hätten sich an beiden Tagen voll Todesangst in den Kellern versteckt gehalten. Am Mittwoch, d n 21. Juli, hat die Behörde die Verfügung erlassen, daß sämtliche Wagen, Lebensmittel, Vieh und Metalle nach der anderen Seite der Weichsel nach Praga geschafft werden müffe. Für den Fall der Weigerung wurde angedroht, die Vorräte einzuziehen und deren Eigentümer zu erschießen. Pogrome zur Ablenkung 9er Volkserregung. Stockholm- 5. August. Aus Petersburg hier ankommende Reisende befürchten, daß der Einzug der Deutschen in Warschau in ganz Rußland Progrome und Judenmaffakers entfesseln würde. Die Ruhe des russischen Volkes sei nur scheinbar. In Wirklichkeit sind alle Russen durch die andaernd schlechten Nachrichten vom Kriegsschauplätze in einen Zustand furchtbarer Erregung versetzt. Um die Massen beim Eintreffen einer neuen großen Unglücksnachricht abzulenken, wird die Regierung sie sicherlich auf die Juden loslassen. Es sind bereits sichere Anzeichen dafür vorhanden, daß die Regierung die „altbewährte" Politik auch diesmal befolgen wird. Das berüchtigte Blatt „Der weiße Adler", das sein Erscheinen einige Zeit eingestellt hatte, ist vor kurzem wieder neu herausgekommen und fordert jeden Tag die echt ruffischen Leute auf, die jüdischen „Vaterlandsverräter" zu hängen, ohne daß die Zensur gegen die ungeheuerlichen Hetzereien des Blattes die geringsten Einwendungen zu machen hätte. Personalien. Wiesloch, 4. August. Heute bewegte sich ein stattlicher Leichenzug durch unsere Stadt. Es galt unser verehrtes Gemeindemttglied, Herrn Leopold Bodenheimer zur letzten Ruhe zu begleiten. Er hinterlätzt 7 Kinder, 3 Söhne und 4 Töchter, die ihren Vater betrauern und beweinen. Er war feinen Kindern ein überaus besorgter Vater. Seine Kinder wußten dies auch in vollem Maße in dankbarer Welse und kindlicher Liebe zu schätzen, da es ihnen ein Herzensbedürfnis war, ihrem alten Vater seinen Lebensabend so angenehm als nur möglich zu machen und ihn pflegten und versorgten, so viel in ihren Kräften stand. Der Verstorbene war nicht nur das älteste Mitglied der israelitischen Gemeinde, sondern auch der älteste Bürger hiesiger Stadt. Die israelitische Gemeinde betrauert in ihm einen ihrer besten Mitglieder, der sowohl in bürgerlicher Beziehung, als auch ganz besonders in religiöser Beziehung seine Pflicht erfüllte. Mehr denn 50 Jahre versah er an den hohen Feiertagen als Aushilfe den Borbeterdienst und war es für die versammelte Gemeinde ein Hochgenuß, wenn Herr Leopold Bodenheimer vor den Vorbeterpult trat und wußte er mit seinem erhebenden Vortrag die Gemeinde zur Andacht zu stimmen. Lange Jahre hindurch war er Vorsteher des WohltätigkeitS-Vereins und unter seiner trefflichen Leitung erfuhr der Verein ein schönes Emporblühen. Herr Rabbiner Dr. Oppenheimer aus Mannheim als Vertreter des in Urlaub befindlichen Herrn Bezirksrabbiner Dr. Pinkus in Heidelberg hielt die Leichenrede und gab in herrlichen Worten eine gehaltvolle Schilderung des Lebenslaufes des Dahingeschiedenen. Mtchelstadt, io. Aug. Dem Unteroffizier Leo Frank von Michelstadt wurde am 7. August das Eiserne Kreuz verliehen. Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich;« insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen« Soeben erschien in unserem Verlag: jotp "idd ««•» Das Buch Josua übersetzt und erläutert von Rabbiner vr. Raphael Brener Preis 3.50 broschiert, 4.50 gebunden Mit diesem Band beginnt die Serie der „Ersten Propheten". In schöner, formgewandter Sprache gliedert sich dieser Band den übrigen — im Hirsch'scheid Geiste und Erklärnngsart — bereits erschienenen Büchern der heiligen Schrift in würdiger Weise an. Eine herrliche Einleitung, zeitgemäß den Begriff n. die Bedeutung des jüdischen Krieges darlegend, dürfte eine büchwillkommene Beigabe fein. Sänger & Friedberg - Frankfurt a. M. Meinen werten Knuden empfehle auch in diesem Jahre: □■»Dirn d,)dl?il5 Dvmrw en gros sowie «n detail tim dv> Kerzen ->«7 Alles zu den billigsten Tagespreisen Grünebaum / Buchhandlung / Lassel,Vahnhofstraße7 ZedrAsche Buchhandlung L.Voas Nchfg. Berlin. KrurFrledrichstr.69 MWklm. Mein in Wolle und Seide SIM’eilM, Bilder non MdM- Ardraischr Buchhandlung <DM Ächsg. Berlin. NeueFrkedrichsir.69 empfiehlt sich als biüigste Vezugsquelle von Ssrogim Lulowim undHadaffim Joseph Oepen ■ Spezial-Atelier für 119 Scheitel und Perrttcken. ‘Vl 80lMtnfi«i m> Somittnr im silde 1914 D Preististen nvati$ 2