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Der Israelit · 1915-08-12 · Heft 34 (12.8.1915) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 34 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r . Feuilleton. Sie Kriegsgeschichten -es alten Mfcheh Gerfon. Nacherzählt von Sl. M. (Fortsetzung.) Auch heute, wo die Krieger ihren Einzug hielten, war David Rosenstock auf dem Felde. Er konnte vor elf Uhr von dort nicht obkommen und hatte Din a beauftragt, den an gesagten Offizier, für den die gute Stube im oberen Stockwerk schon seit einigen Tagen hergerichtet war, zu empfangen. Rosenstock hatte seinen ganzen Stolz darein gesetzt, als einziger Jude, oer mir einem Offizier beehrt war, seiner Aufgabe nicht nur gerecht zu werden, sondern es dem vornehmen Soldaten so gemütlich zu machen, als es^ nur irgend möglich war. Ja, vornehm mußte er doch gewiß sein! Alle Offiziere sind vornehm! Nun, Rosenstock hatte sich in dieser naiven Voraussetzung im vorliegenden Falle auch wirtlich nicht getäuscht, denn als Dina dem Premierleutnant Bettendorf unter der Haustüre entgegen ging, da verbeugte sich eine ritterliche Gestalt galant und vornehm vor ihr, reichte ihr zutraulich die Hand und sagte mit gewinnendem Lächeln: „Mein Fräulein, verzeihen Sie einem rauhen Krtegsmanne, daß er, wie ein Wolf in die Lämmerheerde, hier in Ihr friedliches Anwesen einbricht"! Dina wurde verlegen und wußte nicht, was sie sagen sollte. Auf eine solche Anrede Vonseiten des erwarteten Mannes war sie nicht gefaßt. Eine leichte Röte stieg in ihre Wangen. Dina sah wunderschön aus mit ihren- 21 Jahren. Ihr schwarzes Haar war in leichten Wellen nach hinten gelegt und ließ die blendend weiße Stirn völlig frei. Die braunen Augen blickten so treu und so gut, mit einem gewissen zärtlichen Scheine/ ein leichter melancholischer Zug um den Mund deutete auf. ein bewegtes Seelenleben, in das ein großer Schmerz mächtig eingegriffen: Der Vertust der Mutter, die man vor mehreren Jahren von der Straße, wo sie einem Schlaganfalle erlegen war, tot ins Haus getragen hatte, halte die Seele des Mädchens mit einem Liefen Kummer erfüllt, der auch jetzt, nach Jahren noch leise nachzitterte. „O bitte", klang es von Dina's Munde, während sie dem Leutnant die Hand reichte, „wir nehmen Sie mit Freuden auf. Sie aber scheinen von sich selbst allzu schlecht zu denken"! Mit diesen Worten löste sie ihre Hand aus der feinigen und ging mit leichten Schritten auf die Türe zu. Da erblickte sie erst den Burschen des Leutnants, der noch auf der Straße hinter der offenen Haustüre stand. Sie wies ihn nach dem Hose, wo ihm ein Knecht sein Quartier in einem kleinen Angebäude anweisen sollte und wandte sich dann wieder dem an der Treppe ihrer harrenden Leutnant zu. Sie schritt ihm voran ins Gemach und wollte sich wieder entfernen. Der Leutnant drehte sich plötzlich um und rief Dina, in leicht vorwurfsvollem Tone, mit einem gew'ffen Humor zu: „Sie wollen schon wieder gehen und wissen ja noch garntcht, wen Sie bei sich beherbergen"? zu Dina stand auf der Schwelleim Rahmen, der Türe, wie angewurzelt. . Der anheimelnde Klang seiner Worte hatte sie tief ins Herz getroffen., So hatte noch kein Mann zu ihr gesprochen. - < * : Die jüdischen jungen Leute im Dorfe waren zwar rechtschaffene Menschen, die eifrig ihren Geschäften ergeben wären, aber mehr auch nicht! Keiner hatte sie mehr interessiert,' sie schienen ihr alle ohne Salz, als negative Naturen, die den Menschen kalt lassen. Der da vor ihr stand, hochaufgerichtet, ein bezauberndes Lächeln auf den Lippen, halb schmollend und halb schmeichelnd, — wie war er so ganz anders, ein rechter Mann, der einem die Lippen öffnete und das Herz pochen machte. — Der Mann — Dina empfand es wie ein Blitz — der Mann ihrer Träume---. „Mein Name ist Bettendorf", fuhr der Offizier lächelnd fort, „ich bin Premierleutnant, sonst aber ein ganz guter Kerl! Ein bischen Eigenlob, was? Aber es ist, wie ich sage. Und Sie, mein Fräulein, darf ich Ihren Namen wissen? Rosenstock", schloß. er zögernd, „sagt der Quartierzettel"? „Ich . heiße Dina, Dina Rosenstock", erwiderte das Mädchen. Plötzlich fuhr fie zusammen. „O, wie schlecht ich bin", sagte sie, „ich sehe Sie von einem weiten Marsche kommen und frage gar nicht nach 'Ihrem Begehr und biete Ihnen nicht einmal Me Erfttschung an. Ich darf Ihnen doch.ein GlaS Wein bringen und eine Kleinigkeit zum.Essen"? „Nun", sagte der Leutnant, indem er sich den Säbel abschnallte und denselben in die. Ecke. stellte, „unser Kosthaus ist eigentlich der „Löwe", aber na, verböten hat mir's ja Keiner— meinetwegen wenn ich bitten darf"? Jetzt erst, nachdem das Mädchen hinausge-. eilt war, konnte Bettendorf sich umschauen.' DaS Gemach war mäßig groß, aber hell und' freundlich. Seine zwei hohen Fenster gingen nach dem Hofe, auf welchem die Hühner gackernd im Sande scharrten. Das Möbel der Stube bestand auS einem toten Plüfchföpha nebst zwei gleichgebogenen Fauteuils, alles mit altmodisch geschweifter Lehne, einem ovalen Tisch, zwei Rohrstühlen, Bett, Kletderschrank, Waschtoilette mit Spiegel darüber und einem kleinen Eckschränkchen, wie sie damals Mode waren. An; der Wand über dem Sopha hingen zwei Stahlstiche, der eine die Opferung Isaaks darstellend, der andere Moseswie er auf dem Berge, an dessen Fuße Israel mit Amakek kämpft, die - Arme zum Himmel emporhebt, indeß Ardn und Chur ihn stützen. Bettendorf streckte sich behaglich in einen der Fauteuils und sah sich mit einer Art schmunzelnden Wohlbehagens die Bilder an. Dina aber schien das Frühstück, welches sie dem Leutnant angeboten hatte, schon länge bereitgestellt zu haben. Denn nach wenigen Minuten * bereits klopfte sie schüchtern an die Türe und trat auf Btttendorfs kräftiges herein" mit einem Tablett in die Stube, auf welchem sich Speise und Trank in reichem Maße, befand. Der Leutnant hatte Dina verwundert zugeschaut. So viel Grazie hatte er noch nie an einem weiblichen Wesen beobachtet. Er verfolgte jede ihrer Bewegungen mit den Augen, die sich wohl unter seinen Blicken unbehaglich fühlen mochte, ehe er ein Wort über die Lippen bringen konnte, wieder verschwunden war, starrte er immer noch nach der Türe, durch welche sie gegangen, bis er sich endlich kopfschüttelnd und immer murmelnd: „Wie schön, wie schön!" den. leiblichen Genüssen zuwandte, die das Judenmädchen da vor ihm aufgepflanzt hatte. Er war tatsächlich erschöpft und hungrig, von Morgenfrühe an, also volle sechs Stunden, hatte der Marsch gedauert — U Ü jetzt erst fühlte er es und rät sich gütlich an Speise und Trank. , - Als Dina. »lebet die Treppe herabkam, öffnete, gerade der alte Rosenstock die Haustüre. „Nun, ist er da"?' war seine erste Frage. „Gewiß", antwortete Dina, „und hat schon efrt Zehnuhr — so nennt man bet uns das zweite Frühstück — von mir angenommen"! Rosenstock vertauschte im Flur den bestaubten Feldrock mit einem besseren und reineren und überlegte, ob er deni Gäste seine Aufwartung machen sollte. „Ist er freundlich und liebenswürdig, oder kurz und brummig"? „Geh' nur hinauf", rief Dina zur Küche heraus, die auf dem Flur lag, „ich denke, er wird sich freuen, wenn er Dich sieht"! Rosenstock, der schon vor Neugier brannte, ließ sich das nicht zweimal sagen. In zwei Sätzen war er die Treppe oben und stand vor der Tür zur guten Stube. Da stand Rosenstock vor dem Antlitz des „vornehmen" Offiziers und überbrachte ihm unter vielen Verbeugungen seinen Wtllkommsgruß. „Danke", erwiderte der Leutnant, indem er sich ein neues Ei aufklopfte, „danke sehrgeht nun einmal nicht anders, muß Ihnen leider die Unbequemlichkeit machen"! „Durchaus nicht, durchaus nicht", beschwichtigte Rosenstock, .„Krieg ist Krieg. Da ist so manches anders als im Frieden. Na, und Etnquatierungen gibt's ja auch tm Frieden. Ist aber eine andere Sache, dem Spiel entgegen zu gehen oder dem bitteren Ernst! — Sie sind nun da solch' junges Blut, Herr Leutnant, verzeihen Sie, daß ich das sage, aber — nicht wahr? — Sie sind's doch und sollen nun den Feuerschlünden der Preußen ins Auge sehen und mit Ihnen so viele junge Leben, und alle, alle würden sie sich hinopfern. O, es ist heldenhaft aber traurigder Krieg ist traurig, schrecklich traurig —! Wir Juden, sehen Sie", setzte Rosenstock langsamer hinzu, „wir sehnen die Zeit herbei, wo aller Krieg aufhört, wo der Wolf neben dem Lamme lagert und. wo man aus den Schwertern Sicheln und Sensen macht, wie der Prophet sagt! Ist doch viel schöner — nicht wahr, Herr Leutnant"? Bettendorf hatte, ruhig weiter essend, den schwunghaften Erörterungen des Alten zugehört. Er dachte sich, wie es wohl auf den Alten wirken würde, wenn er ihm widerspräche. Er besaß genügende Kenntnisse vom alten Testament, um Rosenstock mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. „Und Josua", so begann er, „was war denn der? Hat er nicht ganze 31 Könige im Kriege besiegt? Und die große Königsreihe der Reiche Juda und Israel, haben sie nicht alle, oft sogar sehr große und blutige Kriege geführt"? Rosenstock war verblüffe Auf einen solchen Einwand war er nicht gefaßt. Er hatte wohl erwarten dürfen, daß der Leutnant den militärischen Standpunkt hervorkehren und vori ihm aus die Notwendigkeit des Krieges betonen würde. Aber daß er, der Christ, der Offizier, in der Bibel erfahren sei und von dort seinen Einwand holte, das machte ihn ansc ngs ganz starr. „Wunderbar", sagte er langsam, den Offizier genau betrachtend, „wie Sie Bescheid in der Bidet wissen! Hält' ich, verzeihen Sie, n cht gedacht. Aber sehen Sie, um darauf zurückzukommen, jene Kriege waren notwendig, um dem Volke Israel diejenige Stellung zu schaffen, i der es den allgemeinen Weltfrieden herbeiführen konnte — —. Das ist ja, leider, überhaupt das Schicksal unseres Stammes, daß er den Frieden erkämpfen muß, sich selbst, wie der Welt!" (Fortsetzung folgt.) 12. % Für i entfas lii Wir fi der am halt exi freier bis Mk Händw gevorzr nndZe au den j Syna 8 o i 3m von gen liirfrei, t u. einige studiert Halber i schüft c sMigkei (ißt wtri ragen di I. ist Hassen Krankst Für r Mscheg, 1 jÜA 1 Lehi Kost ui Lamsta I sofort ge gcschäft. an die (! Junger 8 als B« Manns Offerten an die Q 3ung fud ut eine ichäft.,! au die ( ln Lehr! aeschloss, Radel! i »ab Zentral Metzen Pros, m Loge«! Borzttg Eigene

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