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Der Israelit · 1915-07-22 · Heft 31 (22.7.1915) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 31 (22.7.1915)
Date
1915-07-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Der JSraeltt. «ettt IS 9h. 31. - ' •••' ' M)k±- 22. Juli 1915 13. Lebensjahr — den Pentateuch und das Gebetbuch übersetzen, was verladt «an «ehr! Manche Lehrer rannten sich rühmen, daß ihre.Ächmer das voin schon 3» oder 4mal öurchgenömmen -Hütten. ' Helen wir aufrichtig: Wie niele Schulen gibt es heute, wo man noch solche -Erfolge erzielt? Freilich gab es schon vor 60 Jahren Gemeinden, «o die Schüler nicht über T “p hmauskamen und beim Uebersetzen regelmäßig das Mein und Dein verwechselten. ' Ueberhaupt, die Prä- und Suffixa, damit war es ein Jammersie verleideten den Kleinen zuweilen den ganzen Unterricht. Aber von diesem kleinen Uebel abgesehen, waren alle Beteiligten ganz zufrieden. Der inspizierende Rabbiner war befriedigt, wenn bei der Prüfung fließend gelesen und glatt übersetzt wurde, die anwesenden Väter waren stolz auf die Leistungen ihrer hoffnungsvollen Sprößlinge, warum sollte da gerade der Lehrer unzufrieden sein? Es gab trotzdem einsichtsvolle Männer, die die Schwäche des oben geschilderten Lehrverfahrens erkannten und nach Abhilfe suchten. Manche analysierten Ding- und Tätigkeitswörter, so wie sie es von dem deutschen Grammatikunterricht her gewöhnt waren - manche gaben ihren Schülern „kurzgefaßte" Lehrbücher der hebräischen Grammatik in die Handdie ganz fortschrittlich Gesinnten führten Lehrbücher ein, die nach der Methode des seligen Ahn die hebräische Formenlehre behandelten, oder verstiegen sich gar zur Einführung des „Iaphet", aber all das war so rein äußerlich, eS beeinflußte den hebräischen Unterricht nur in so geringem Maße, daß man behaupten kann: die sogen. Ehedermethode war die herkömmliche und übliche btS in die neuere Zeit. An ihrem eigentlichen Wesen änderte auch der Umstand nichts, daß das Chumesch mit jüdisch-deutscher Interlinearübersetzung dem sogen. Bambergerchumesch Platz machte» daß die Japhetsche Tfilloh den Lehrbüchern mit gegenüber st ehender Uebersetzung, wie Wiesen und Kioner, oder dem „Einstädter" weichen mutzte. Nur erschwert wurde jetzt der Unterricht. Die wortweife Uebersetzung mochte holprig und ungenau sein, es konnte früher aber doch nicht so leicht Vorkommen, daß ein Schüler — nach „Bamberger" — übersetzte: ,77.11- und er und seine Knechte, ditSp« teilten sich, rhh» in verschiedene Haufen. Daran war niemand anders schuld alS der verstorbene Buchhändler Kaufmann TOrfa Frankfurt a. M., der die jüdisch-deutschen Lehrbücher nicht mehr drucken ließ, zum großen Verdruß mancher Lehrer, die mit großer Zähigkeit an der alten Methode hingen und sie jetzt gefährdet sahen. Allmählich brach sich aber auch bei ihnen die Erkenntnis Bahn, daß man auf den alten Geleisen nicht mehr fortwandeln dürfe. Die bessere Einsicht war eine natürliche Folge des religiösen Verfalls, der auch in den Landgemeinden immer weiter um sich griff. Ein oberflächlicher Beobachter des religiösen Lebens, so wie es sich in den 6Oer und anfangs der 7ver Jahre des vorigen Jahrhunderts in den Landgemeinden deS rechtsrheinischen Bayern, in den beiden Hessen (Rheinheffen ausgenommen) und sogar in einem großen Teile Badens und Württembergs abspielte, konnte leicht auf den Gedanken kommen, daß alles aufs schönste und beste bestellt sei. Eine tiefe und innige Frömmigkeit schien bei jung und alt zu herrschen. Die religiösen Einrichtungen wie Schechita, Mikwo, Schule und Gottesdienst waren in gutem Stand. Die Spinnweben in den Ecken der Synagoge oder die Wachstropfen auf der Schulchandecke störten die Andacht ja nicht im geringsten und auch sonst konnte man über manches hinwegsehenwas ländlichsittlich war. Man hörte gewissenhaft zu, wenn der Lehrer am JW in der Ehewra zum 20. oder 30. Mal auS dem ibü iipv immer wieder dasselbe vortrug und kämpfte wacker gegen den aufsteigenden Schlaf. Die Leute waren sogar in ihrer Art mxoo pipia; man wollte die schönste now haben und verwandte auf ihre Ausschmückung viel Zeit und Mühe - an den nupenn butften die drei rbersten Blättchen auch nicht das kleinste Loch aufweisen, sonst waren sie unweigerlich 7«S u. dgl. m. Aber der Schein trog. Man zehrte vom Kapital und Spuren eines tiefgehenden Verfalls machten' sich schon damals überall bemerkbar. Vor allem: eS wurde in den Gemeinden nicht gelernt und was man für echte Frömmigkeit hielt, das war das mono diwk nuto, so wie eS im Buch steht. ES ist nämlich eine ganz irrige Behauptung, daß früher im Cheder „gelernt" worden sei. Dieses „früher" liegt für Deutschland reichlich 1OO Jahre zurück. Die Männer, die in den 2Oer und 30er Jahren des v. Jahrhunderts aus der Religionsschule hervorgingen waren pan »op, fromme Amrazim, das geben wir gerne zu, aber lernen konnten sie nicht. Es gab zwar einige Lehrer, die kleine . Talmud - Thoraschulen unterhielten, zu denen man die erwachsenen Knaben schickte, die Lehrer oder Rabbiner werden sollten, aber gerade ihnen wurde nachgesagt, daß sie in ihren eigenen Religionsschulen recht wenig leisteten. Ein jiD7 war eben kein Kinderlehrer. So erklärte es sich aufs einfachste, warum in Deutschland seit langer, langer Zeit keine ll'ieo, Tfittoh und Machsor ausgenommen, gedruckt wurdeneS war dafür kein Bedürfnis mehr vorhanden. Wollte man sich aber ganz genau über das Maß an jüdischem Wissen in den Landgemeinden vergewissern, dann brauchte man nur am nipisjp das Nachtlernen zu besuchen; dort wurde gleichsam die Probe aufs Exempel gemächt, wie viel in -er Religionsschule „gelernt" wurde. Gehr erfreulich war baß, maß man ba. zu hören bekam, gerade nicht. Und doch war die Fähig. keil, eine Mischna richtig zu lesen, eigentlich das Mindestmaß dessen, was man von einer Schule erwarten konnte, die über so ungeheuer viel Zeit verfügte, wie das alte Cyeoer. Die Volksschule pellte ja an ihre Zöglinge so geringe Anforderungen, besonders in Bayern, wo während des ganzen Sommerhatdjayrs der Unterricht am Nachmittag ausgesetzt wurde, sodatz die jüdischen Schüler in dieser Zeit sters zur Verfügung -es Religionslehrers stanoen und 12 vis 15 wöchentlicher Religionsunterricht gar nicht zu den Seltenheiten gehörte. An diesen» Matzstav gemessen kann man tue Leistungen der alten Reltgionsschule nur als recht mittelmäßig bezeichnen. Es würde ja sehr interessant sein, den Gründen nachzuspüren, weshalb man sich mit oer ganz oberflächlichen Kenntnis des Ehnmojch und des Siddnr degnügre, aber has liegt außerhalb des Rahmens unserer heutigen Erörterung. *) Wir hätten uns auch gerne die vorstehenden Ausführungen über das alte Eheder geschenkt, wenn rticht wiederholt von einer uns nahestehenden Seile der alle i?ö7n Tr? wegen der damit erzielten Erfolge über alle Maßen gepriesen worden wäre. (Siehe „Lernen" in der Rettgionsschule, ein Aus- und Sammelcus von A. Mannheimer in Dettelbach in Nr. 25 des „Israelit", Jahrgang 1912 und dessen Arbeit „Die sogenannte Memorialmethode" in der Festschrist zum üv jährigen Bestehen oer Israelitischen Lehrerbiloungsanstalt zu Würzburg.) Da die Anhänger der unverfälschten mechanischen Methode leider noch immer ziemlich zahlreich sind, so liegt die Gefahr nahe, daß durch jene Artikel einige Verwirrung angerichlet wird, iva» sehr zu bedauern wäre. Bei näherem Zusehen stellt es sich nämlich heraus, daß »Mannheimer keineswegs dem Mechanischen Verfahren das Wort redet. Fordert er doch als etwas ganz Selöstverftändlichcs: „lautrichtiges Lesen, Beronung, Abtrennung der Prä- und Suffixe, der Borbuchstaven, Vergleiche der gefundenen Wortsornren, Aussuchen des Stamme», Anschreiben an die Schultafel u.s.w." Sein Irrtum besteht nur darin, daß er dieses „vielfach verbesserte Lehrversahren für den alten 1187,1 111 hält, was nicht zutreffend ist. Die Memorialmethode, die er im Auge hat, ist u. W. nirgends „verlästert" worden. Sie ist auch gar nicht so alt, sondern eigentlich erst ein Produkt der neueren Zeit. Sie ist aus der Not der Zeit geboren und stellte sich ursprünglich als ein Versuch dar, der ernreißenden Irreligiosität durch eine bessere Methode einen Damm entgegenzustellen. Daß sie das nicht vermag, bedarf keines Nachweises. Bei einer schwankenden Gesundheit beobachtet der Mensch seine Tätigkeit, seine Nahrungsaufnahme u.s.w. viel schärfer, als wenn er sich kerngesund fühlt. Auch die Religiösität der Landgemeinden war ins Wanken geraten. Es konnte den Lehrern nicht lange verborgen bleiben, daß unterdessen ein neues Geschlecht herangewachsen Ivar, das von der, sagen wir, naiven Frömmigkeit der früheren Zeit recht wenig mehr besaß. Auch aus dem Dorf gab es jetzt religiös indifscrenre Familien, die dem hebräischen Unterricht recht viel Abneigung entgegenbrachten und deren Kinder nur mit Unlust und Verdrossenheit lernten. Und noch ein anderes kam hinzu. Auch da, wo es die staatlichen Schrrlverhältnisse erlaubt hätten, ging es jetzt nicht mehr an, über die freie Zeit der jüdischen Kinder nach Belieben zu verfügen. Die Stundenzahl für den hebräischen Unterricht wurde bedeutend vermindert und die Erfolge entsprächet: ganz den veränderten Zeitverhältnissen. Kein Wunder, daß die Lehrer den Bestrebungen, die aus eine Resorm des hebräischen Unterrichts hinausliefen, jetzt viel mehr Beachtung schenkten. Sie knüpft an die Namen Dr. Hecht und Dr. Rahmer an. Besonders die bekannte „Tefillah kezara" des Letzteren kam ven Wünschen der Lehrer entgegen, denn sie ermöglichte es, daß der Schüler mit Verständnis übersetzen lernte. Ihre Verbreitung war zwar nichts weniger als allgemein, aber ein recht großer Teil der Lehrer eignete sich die darin angewandte Methode an, und übte sie „ans dem Handgelenk" mit mehr oder weniger Geschick. Sie schlägt ungefähr den Weg ein, den Mannheimer vor Augen hat! Vor ca. 10 Jahren setzte in den jüdischen Lehrervereinen eine Diskussion über „Die Umgestaltung des hebräischen Unterrichts" ein. Sie hat abgesehen von einer Arbeit des Kollegen Abraham-Berlin, die eine scharfe Kritik der bisherigen und eine eingehende Begründung seiner eigenen Methode enthält, raum etwas Neues zu Tage gefördert. Alle Referenten waren einig in der Verurteilung des rein mechanischen, oder wie sich einige ausdrücken, des „memorialen" Verfahrens. Wenn sich irgendwo Widerspruch erhob, so geschah es eigentlich nur, um festzustellen, daß dre bisherige Methode nicht ausschließlich für die geringen Erfolge verantwortlich gemacht werden dürfe, was ja selbstverständlich ist. Wir haben bet diesen Debatten das Wesentlich st e vermißt. Der Schwerpunkt der ganzen Frage scheint uns weniger in der Methode als in den *) Uebereinstimmend erzählten ältere Kollegen, daß die E.ltern ihren Versuchen, in der Religionsschule nwrfi oder nix "n zu lehren, heftigen Widerstand entgegensetzten. Sie hatten das nicht gelernt, da brauchten ihre Kinder es auch nicht zu lernen. hebräTschen Kenntnissen des Lehrers zu liegen. Man hat die Reform des fremdsprachlichen Unterrichts damit begonnen, daß man die Forderung erhob, der Lehrer müsse die Sprache, die er lehren sollte, in Wort und Schrift vollkommen beherrschen und Man sandte die Neuvhhlologcn zu diesem Zwecke ins Ausland. Etwas ähnliches bedangen mir auch für das Hebräische. Me Reform des hebräischen Unterrichts mutz von den Lehrerbildungsanstalten ausgehen. Deren Zöglinge müssen n»cht nur i'in, sondern sehr gründlich Hebräisch lernen. Wir kommen nochmals auf diesen Punkt zurück. Kurz vor .Beginn jener Diskussion erschien die IO., aber nach völlig neuen Gesichtspunkten bearbeitete Auflage von Rahmers „Tefillah kezara": ihr Herausgeber war Abraham-Berlin. Das 1911 erschienene Werkchen von Herzberg-Bromber« rc& BHip beruht ja aus fast den gleichen Grundsätzen, ist aber, was praktische Verlvenobarkeit anlangt, dem vorerwähnten Lehrbuch bedeutend überlegen. Seitdem kann man von einer Methode Abraham-Herzberg sprechen. Ihre Darstellung ser einem Schlußartikel Vorbehalten. SM Außbaum Ts-. Ein Nachruf. Obwohl in diesen Blättern unseres auf dem Felde der Ehre gefallenen Amtsbruders Sally Nußbaum bereits kurz gedacht wurde, so hat er es doch verdient, daß auch an dieser Stelle ihm ein ehrendes Denkmal gesetzt werde. Das Judentum verlor an ihm einen zwar noch jugendlichen aber doch eifrigen und begeisterten Verfechter seiner höchsten Güter. Eine ungeheuchelte Frömmigkeit beseelte ihn und gab ihm die Kraft, auch im Felde stets seinen religiösen Pflichten nachzukommen. Ein inniges Verhältnis machte den Lehrer zum Freunde der Gemeinde, welche ihm durch Weiterzahlung des Gehaltes ihre Wertschätzung zum Ausdruck brachte. Im Herzen seiner Schüler hat er sich trotz seiner kurzen Wirksamkeit ein dauerndes Andenken gesichert. Wohlwollen. Menschenfreundlichkeit und ein entgegenkommendes Wesen verschafften ihm einen stattlichen Kreis von Freunden. Pflichttreue und Berusssreudigkejt sicherten ihm die Sympathien seiner Vorgesetzten. Heiterkeit des Gemüts und eine srischsprudelnde Lebenslust machten ihn in jeder Gesellschaft, besonders aber bei seinen jüdischen und christlichen Kollegen zum gern gesehenen Gast. Ein Sinn für alles Praktische, ein zielbewußtes Arbeiten, verliehen allen seinen Unternehmungen einen glücklichen Erfolg. Schon im Seminar zeichnete er sich durch einen eisernen Fleiß i»nd große Gewissenhaftigkeit ans, und auch nach seinem Eintritt in die Praxis arbeitete er rastlos an seiner Fortbildung. Er hatte sich hohe Ziele gesetzt, aber allen seinen Plänen bereitete der Tod ein jähes Ende. Um ihn weinen nicht nur seine Eltern, deren Stotz er gewesen, sondern auch seine Gemeinde und seine Freunde, besonders seine Kameraden, die nkit ihm ihre Ausbildung genossen und in ihin ein leuchtendes Vorbild für alles Gute und Schöne gesehen haben. s'N2WV p3OT fett. S. Müller, Grebenstein. Vrieskasten. H. in K. Ihre Vermutung trifft zu. In der Besprechung der „Geschichte der Juden" von Dr. Kottek s. A. ist der letzte Teil durch ein Versehen des Setzers weggeblieben. Er sei hier n^lchgetragen: „Das Werk, das so viel Neues und Interessantes bietet, sei den Kollegen zu ihrer eigenen Vorbereitung, oder, wenn sie an Mittelschulen unterrichten, zur Einführung an diesen aufs wärmste empfohlen Sie werden ja in vielem umlernen müssen, aber der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen, das ist ja gerade der Zweck des Buches. Der Preis beträgt für die Schulausgabe 3 Mk., für die Geschenkausgabe 5,50 Mk." B. in K Ich konnte die betreffende Notiz nicht finden. Mein Gewährsmann, der besonders in diesen Dingen sehr zuverlässig, ist der Ansicht, daß ein solcher Beschluß des Abgeordnetenhauses nicht vorliege. Wenn irgendwo den jüdischen Kultusbvarnten die Gemeindesteuer erlassen worden ist, so sei es aus Wohlwollen oder was näher liegt, aus Unkenntnis des Gesetzes geschehen. R in H.. Ueber die methodische Behandlung der rabbinischen Fächer, soweit sie in der Religionsschule gelehrt werden können, wird demnächst eine Arbeit erscheinen, voraussichtlich in Anlehnung an den hentigen Artikel „Alte oder neue Bahnen".

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