Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 31 (22.7.1915)
- Date
- 1915-07-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448506-2448537--67614-2488510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 8. Nr. 31. Der Israelit. 22. Juli 1915 monatelangem Zuschauen kennen lernten und doch nicht ruhten und nicht ruhen, bis sie auch ihre Völker dem Unglück geopfert haben. „Leitbare Wasserbäche sind Königsherzen in der Hand des Allmächtigen, der sie lenkt, wohin er will." Keine Logik, kein Recht, kein Bewußtsein von der schweren Verantwortung, die sie tragen, lebt in den Lenkern der Staaten. Sie würden nicht um Nichts Alles auf das Spiel setzen. 9?nr ein Gedanke vermag die Rätsel, die wir schauen, zu erklären: Zion soll durch ein Strafgericht erlöst werden. Die Unkultur, die Israel körperlich zu vernichten dachte, die „Zivilisation", die in leicht geschürztem Flitterkleid mit dem Lockruf des Verführers Israels soziale Oberschicht geistig und sittlich vernichtet hat: Staaten von hüben und drüben reichen sich die Hand, um die Zerfleisch» ng der Menschheit zu erwirken. Und das Opferlamm, das sie, preisgebend, bluten lassen, das sie, „weil sonder Gestalt and Schönheit, verachtet und ohne Männlichkeit, schmerzgewöhnt und leidenskundig als ein Volk von Gott verworfen und verdammt" in ihrem Hochmut gehöhnt: warum trifft es zuerst „das Schwert, das auf Edom herniedersaust und die Völker, die den Zorn erregt zur Schlachtbank zu führet! die Bestimmung trägt?" — „Gerecht ist Gott in allen seinen Wegen". Wir Menschen sind zu lieben, nicht zu richte» da. Wir haben zit schweigen. Zion soll durch ein Strafgericht erlöst wer- , beit. Glücklich, wenn wir das Strafgericht erfeitnen, glücklich, wenn wiv ba§ Erleben nur begriffen, wenn wir verstünden, welcher großen Zeit lebendige Zeugen zu sein wir aufgerufen werden, glücklich, wenn wir schauten, wie sich die Hälrde regen, regen, um Reumütige zurückznführen, wenn aus dem Streben gegenseitiger Vernichtung der Gedanke gegenseitiger Belebung erwacht und das Strafgericht die Pflichttat auslöst und Zedokoh das Losungswort wird zur Rückkehr gen Zion. Sind wir glücklich, weil des Messias Leidenszeit unseren Boden nicht berührt, und wir deutsche Juden, unsere Brüder in neutralen Staaten, und zum Teil auch in den feindlichen Ländern im Großen und im Ganzen nicht zu seufzen haben, so können wir doppelt glücklich werden, wenn wir der Welt die Erlösung bringen wollten, nach der sie schmachtet. Die Macht der Sitte würde Wunder wirken, würde alle Kräfte der Körperstärke besiegen. Wie ein Mann müßten wir in aufrichtiger Rückkehr uns erheben, in Opfermut für Sein Gesetz, in freudiger Hingabe an den Nebeumenschen, dann schlüge Zions Erlösungsstuude und das Morgenrot der Menschheit durchbräche die nächtliche Finsternis, die dicht und dunkel nun das Firmament fürchterlich drohend umwölkt. Hört ihr nicht die Stimme des Propheten an unsere Tage sich wenden, fühlt ihr seine Augen nicht auf unser Geschlecht gerichtet, wenn er spricht: „Zion wird durch ein Strafgericht erlöst, seine Reumütigen durch P flicht tat!" Adel und Generalkommando! Ein Befehl des Generalkommandos im VIII. Armeekorps untersagt die öffentliche Anpreisung von Wahrsagern, Phrenologen und Aehnliches. Das Generalkommando ist in der angenehmen Lage, in seiner Gegnerschaft gegen die „Wahrsager" nicht allein zu stehen. Die Bibel, das älteste und bedeutendste Kulturzeugnis der Menschheit, nimmt schon vor mehreren Tausend Jahren Veranlassung an verschiedenen Stellen sich gegen die „Wahrsager" auszusprechen. Wir lesen im 2. Buch Moses, Kap. 22, Vers 17: „Eine Zauberin sollst tu nicht leben lassen." 3. B. M., Kap. 19, zweite Hälfte des Vers 26: „Haltet nicht auf Ahnungen und nicht auf Zettenwahl." 5. B. M., Kap. 18, Verse 9, 10,11,12,13: 9. „Wenn du in das Land kommst, das Gott, dein Gott dir gibt, so lerne, nicht nach den Abscheulichkeiten dieser Völker zu tun." 10. Unter dir soll keiner gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer führt, kein Wahrsager, kein Zeitenwähler, Ahnungsdeuter und Zauberer, 11. kein Bannübender, Ob- und Jidonifrager, und keiner, der Fragen an die Toten richtet. 12. Denn von Gott verabscheut ist jeder, der diese Dinge tut, und infolge dieser Abscheulichkeiten vertreibt sie Aott, dein Gott, vor dir. 13. Ganz sei mit Gott, deinem Gotte. Samson Raphael Hirsch sagt in seinem Commentar zu 2. Buch Moses, 22, 17 etwa Folgendes: „Zauberei (Ktschuph) nichts als Täuschung, nichts als eine vorgebliche Meisterung der göttlichen Weltordnung, wäre mehr als eine zu belächelnde Torheit oder ein zu bemitleidender Wahnwitz als ein zu bestrafendes Verbrechen, wenn es nicht von so tief entsittlichendem Einfluß auf die Gesellschaft wäre. Zauberei ward stets nur im Dienste der Unsittlichkeit und des Verbrechens geübt. Für das dem Willen der Gottheit Gemäße konnte man dem Beistände göttlicher Waltung vertrauen. Nur für das, womit man sich im Widerspruch mit dem göttlichen Willen wußte, konnte man sich veranlaßt sehen, einen Schleichweg zu wünschen, auf welchem man trotz des göttlichen Willens, ohne den Beistand und wider den Gang seiner Waltung seine Ziele errreiche, und diesem Wunsche kam die Prätension der Zauberer entgegen/ sie leugnen die Unterordnung aller Weltkrüfte unter die Hoheit des göttlichen Willens, und wollen angeblich die Gott allein unterstehenden und seinen Willen vollbringenden j Wellkräfte paralysieren.! Ueber 3. B. M. 19, 26 sei auszugsweise Folgendes wiedergeben: >,Zum Ahnungswesen gehört es, wenn Jemand spricht, sein Bissen sei ihm aus dem Mund, sein Stock aus der Hand gefallen; sein Kind habe hinter ihm gerufen, ein Rabe habe ihm zugerufen; ein Hirsch habe seinen Weg gekreuzt, eine Schlange habe sich ihm zur Rechten, ein Fuchs zur Linken gezeigt, und der in allem diesem ein böses Omen für den Tag oder für ein begonnenes Unternehmen erblickt.Zwischen dem Wiesel, der Schlange u.s.w., dem Beginnen einer Zeitperiode mit einer lästigen Ausgäbe u.s.w. und dem Gelingen oder Mißlingen eines Unternehmens, der glücklichen oder unglücklichen Zukunft eines Menschen, ist kein ursächlicher Zusammenhang denkbar. Es kann diese weder eine Folge jener Ereignisse und Erscheinungen sein, noch können diese Ereignisse und Erscheinungen als Wirkungen jener etwa bereits im Vollzüge sich befindenden Zukunft begriffen werden.Ein solches Ahnungswesen wäre nun nichts als ein zu belächelnder denkwidriger Wahn, wenn es nicht gleichzeitig die Leugnung einer sittlich freien göttlichen Weltordnung und -Waltung involvierte und auf die sittliche freie Tätigkeit der Menschen einen schädlich hemmenden Einfluß übte, die Gott hinsichtlich ihrer Ziele, ihrer Zulässigkeit oder sittlichen Notwendigkeit lediglich auf sein Gesetz, sowie hinsichtlich der Ausführbarkeit aus die von ihm verliehene vernünftige Einsicht hingewiesen hat. . . . Nur physisch und für die Erzielung physischer Erfolge mit physischen Mitteln unterscheiden sich Zeiten von Zeiten, Abschnitte der Jahre und Tage. Allein darüber hinaus, sobald die physischen Bedingungen, an welche auch die Ausführung unseres menschlichen Tuns gebunden ist, gelöst sind, hängt die Ausführungswürdigkeit und die Ersolghoffnung alles unseres Tuns lediglich von dem Ja und Nein des göttlichen Sittrngesetzes und des danach von Gott zu erhoffenden Beistandes ab, und so ist auch Ahnungswesen eine Leugnung der göttlich freien Waltung und eine Unterstellung der sittlich freien Menschentat unter nur dem Menschenwahn angehörende, ihr völlig fremde Einflüsse. k-,: - .Wer sittlich freier Gottesdiener ist, den hebt das Bewußtsein des sittlichen Ideals seines Wesens hoch hinüber über das ganze Bereich einer die Welt in die Nacht dunkel waltender physisch mechanischer Wirkungen begrabenden Vorstellung, der steht mit seinem ganzen Tun und Lassen vor dem klaren Diktat des Hellen göttlichen Sittengesetzes, unter der nicht mechanisch physischen, sondern sittlich frei in Recht und Liebe waltenden Gottesvorsehnng, der fürchtet nicht Wiesel und Schlange, nicht Bissen- und Stabfall, rsicht das Heute oder Morgen. Der kennt nur eine Furcht: die Sünde, nur ein'Vertrauen: die Pflichterfüllung; dieses Pflichtbewußtsein ist seine ganze Klugheit, und scharf scheidet der zwischen der für die physische Welt gegebenen physischen Ordnung und dem freien Gotteswalten, unter welches ihn Gott mit der Tat seiner sittlichen Freiheit gestellt." Soweit S. R. Hirsch. Nach Würdigung des Vorstehenden muß man es dem Generalkommando aufrichtig danken, daß es das Wahrsager- und Phrenologen-Unwefen mit Entschiedenheit untevbvüät unb?stoav ganz besonders in Hinsicht aus die Zeitverhältnisse, in denen wir leben. So wahr es ist, daß wer der Stärkere und Geübtere ist, aus diesem Ringen siegreich hervorgehen wird, so wahr ist es aber auch, daß cs noch etwas nrit materiellen Mitteln Anwägbares gibt, das zum endlichen Siege beitragen wird. Und dieses Unwägbare ist der Beweggrund und das sittliche Ziel des Kampfes. Während wir von vornehmsten Friedensbestrebungen und Friedenshoffnungen beseelt, in unserem Einzel- und Volksleben nichts Anderes kannten, als unsere Pflichterfüllung, jeder auf seinem Posten, überfällt uns nach wohl erwogenem Plan eine Rotte beutegieriger Wegelagerer. Gegen solche Untat sich mit dem ganzen Ausmaß seiner Kraft zu wehren, ist eine gottgebotene Menschenpflicht, zu solchem Tun dürfen wir göttlichen Beistand erflehen und seiner wertvollen Unterstützung gewiß sein. Und mag auch. den Einzelnen in diesem Kampf der Tod ereilen, mag auch das Lebensglück eines Anderen in Scherben gehen, jede Einzelphase dieses Kampfes ist von Gott gewollt; aber .auch nur von Ihm, andere Mächte.wirken nicht mit, haben keinen Einfluß auf unser Geschick. Während am Hofe des russischen Zaren solche heidnische Mantik treibende Beschwörer aus Kosten des Zaren unterhalten werden, befiehlt ein deutsches Generalkommando ihre Unterdrückung. Wo ein &taat sich derartig in den Dienst der göttlichen Weltwaltung stellt, wenn an der Spitze eines solchen Staates ein Fürst von solch hohem sittlichem Pflichtbewußtsein steht, wie unser Kaiser, da kann man über den Ausgang des Kampfes nicht zweifelhaft sein. Und variierend können wir mit König David flehen: „Gott gebe dem deutschen Volke allem obsiegende Macht^ Gott segne das deutsche Volk mit Frieden!" J.D.B. Soldatenbries. „Noch ein Händedruck und ich Erließ den Freund, der mich fürsorglich bis ans Bezirkskommando geleitet hatte. Der Abschub nach Coblenz war weniger interessant als anstrengend, aber mit Hülse meines Humors hatte ich bald meine eigene Abschiedsstimmung und diejenige meiner Kameraden verscheucht, wenigstens äußerlich, und so war ich bald schon am ersten Nach?- mittag „zum Liebling der Kompanie avanciert". Selbst mein Gepäckträger, ein biederer Badenser, der meinen Koffer mit der reichhaltigen Kücheneinrichtung trug, meinte, das wäre echt rheinischer Humor, als er auf seine Frage, warum der. Koffer so schwer sei, eine Kölsche Antwort erhielt. Es war schon spät, als-wir auf den Höhen der Karthause anlangten und die Sehnsucht nach