Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 31 (22.7.1915)
- Date
- 1915-07-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Juli 1915. Der Israelit. No. 31 Sette 9 einem guten Nachtlager wurde gründlich enttäuscht. Das „zus primae noctis" auf dem Fußboden im überfüllten Massenquartier, nur mit einer Decke versehen zu schlafen, oder, besser gesagt, zu wachen, hätte ich gerne um billiges Entgelt verkauft. Auf einem Schemel zu meinem Kopfende hatte ich mir Tallis und Tefillin schon am Vorabend zurechtgelegt, und als 8er Morgen graute, erhob ich mich, und nach vollendeter Toilette legte ich auf offenem Kasernenhos in Gegenwart des wachhabenden.Postens Tallis und Tefillin an. Absichtlich hatte ich mein bestes Jaumtauftallis' mitgenommen, denn, wenn ich schon vor den Augen des Nichtjuden beten muß, dann soll der Eindruck auf ihn der denkbar beste sein. Mit dieser Spekulation auf die Psyche meiner Kameraden habe ich das Richtige getroffen, denn auch hier Ln D., wo wir nach Korporalschaften verteilt auf verschiedene Stuben verlegt wurden, verhält sich die aus 18 Mann bestehende Besatzung geradezu musterhaft, wenn ich Tefillin lege. In scheuer achtungsvoller Zurückhaltung dämpfen sie den Ton ihrer Unterhaltung, und mcht mit einer Silbe habe ich nötig, mein Verhalten zu erklären. Am gestrigen Schabbos fand ich Zeit, die ganze Sidro maawir zu sein, und zu Mincho weilten meine Gedanken an der Stätte, wo ich mich sonst im Kreise Gleichgesinnter einfand, um aus dem Mekaur Majim Chajim das Labsal zur Erfrischung der unter dem Sonnenbrand des Alltags ermatteten Seele zu schöpfen. „Von allem Schönen bleibt die .Erinnerung ewig!" Leben Sie wohl und grüßen Sie mir bitte Freunde und Genossen! a I. D. B. Vries aus einem feindlichen Gefangenenlager. X. X. 26. VI. 15 . Sehr geehrter Herr! Aufrichtig freue ich mich, daß Sie so oft an meine Wenigkeit denken und mich diesen Monat mit zwei Karten erfreut haben. Ihre Mitteilungen aus der Karte vom lOten habe mit besonderm Interesse ausgenommen und teile Ihnen auf Ihre Frage h!n mir, daß mir persönlich die Kriegsfreiwilligen Roow und Meiochoh unbekannt sind. Bosser lau, auch Soudes kenne ich nicht/ Desgl. Achilo gleich Aulom Woed, deren Namen nie hörte. Habe auch gern Kenntnis genonimen, daß Sie geschäftlich recht zufrieden sind. Wann werden denn Scholaum und Menuchoh eröffnet? Hat denn die Firma „Zum langen Stiefel", die neue Schuhfiliale von Ihnen schon Makkes bezogen? Von dem Ausverkauf der Klowim in Misrachftraße, wo noch viel Personal fehlt, genügend Arbeit, wenn bis Ostern Inventur gemacht werden kann. Zu Scheker & Comp, hatten die Auskunfteien nie viel Zutrauen, hatten von jeher zu viel Rischus und Kinnoh Sinnoh auf Lager/ glaube nicht, daß sie viel umsetzen werden, und wird nicht wundern von Ihnen eines Tages zu erfahren, daß diese Firma Concurs gemacht hat. Beziehen Sie ihre Esrogtm dann von anders her? Mir geht es persönlich gut, es ist herrliches Wetter und Schkorim über Masel, aber Stikoh, der Balbos ist hier ein Chochom, Mit den herzlichen Grüßen Ihr.... . Hoffentlich bald Howdoloh. Aus der Leidenszett der polnischen Gemeinden. Lodz, 1. Juli. In der Leidensgeschichte der jüdischen Gemeinden Südpolens kann das Städtchen Lopuschno 'im Kielcer Gouvernement eine der ersten Stellen einnehmen. Die jetzt hier bekannt gewordenen Etnzelnheiten der dortigen Judenaustretbungen find haarsträubend. Als die Oesterreicher den Platz räumten und die Ruffen einrücken sollten, sammelte der Rabbiner, Rabbi Meir Jechiel Koppel, Geld und Vtktualien und ließ eine Menge Brot backen, um mit diesen Liebesgaben das russische Heer etwas freundlicher zu stimmen. Das Schicksal hat es aber gefügt, daß statt der Ruffen die Oesterreicher wiederkamen und alles Brot requirierten. Tags drauf mußten die Oesterreicher wieder den Ruffen den Platz überlassen. Im Städtchen befand sich kein Stückchen Brot. Die Bäcker ergriffen aus Angst die Flucht und wurden von der Bevölkerung, die die schlimmste Grausamkeit zu erleiden hatte, darum mit Recht beneidet. Die Ruffen behaupteten, die Juden hätten die österreichischen Truppen mit Brot und Geschenken empfangen, während sie die Soldaten des eigenen Landes aushunqern wollten. Auf der angeblichen Suche nach Deutschen ergoffen sich die Soldaten in alle jüdischen Häuser, plünderte alles Eigentum und mißhandelten jeden Juden, dessen sie habhaft werden konnten. Greise wurden bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, Frauen und Mädchen, die sich in den Kellern versteckt hielten, mißhandelt. Man sah bekannte polnische Bürger mit den Ruffen verhandeln und sie in die jüdischen Häuser führen. Gegen Abend wurden auf Geheiß des Kommandanten Woluschewsky (eines Polenvon Nationalität) alle Juden, etwa 1500 an der Zahl, auf dem Marktplatz versammelt. Der Anblick war ein niederdrückender. Die Polen weideten sich an der Angst ihrer jüdischen Mitbürger und riefen ihnen vertraulich zu, daß sie alle samt und sonders erschoffen würden. Da Hub ein gewaltiges Stöhnen und Jammern an. Die Alten sagten die Sterbegebete vor. Aber die Kosaken schlugen mit dem Kolben kräftig darein und erlaubten kein Wort der Klage. Stundenlang standen die Unglücklichen, von einem doppelten Kosakenring umgeben, ihres ungewissen Schicksals harrend. Nach dem Ende des grausigen Spieles zu fragen, wagte keiner. Nach endlosen Stunden brachte man den Befehl des Kommandanten, der lautete, daß man von einer „Füsilierung der Verräter" gnädiglich Abstand genommen, doch seien alle Juden, ohne Ausnahme für Greise, Kranke und Kinder, sofort aus der Stadt herauszuschicken. Und 1500 Menschen setzten sich in Bewegung und gingen hinaus in die kalte Winternacht. Ob und wo sie alle eine Ruhestätte gefunden, ist hier nicht bekannt. An Spenden ginge« ei«: Zur Verfügung für wohltätige Zwecke: Jos. Gottschalk Dormagen 10 M., Jonas Roer, Maubach, 5 M., Synagog.-Gemeinde Dinslaken 25 M., Dr. L. Stern Cöln, 30 M., Frau Ackermann, Hermeskeil, 2 M., N. N., Calcar, 5 M., Frau A. Auerbach, Cöln 10 M., A. Birnbaum, Fulda 1 M., Landst. Bonn Trier 5 M., Frau Roer Maubach, 5 M. Kür die Merwattungskasse des Wereius für die jüdischen Interessen Flheintands: Von einem Mitglied des Vereinsvorstandes 160 M. , Frau Rüben Katz Call 5 M. Kür Galizien: Bon einem Vorstandsmitglied des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands 30 M., Moses Zucker Würzburg für Flüchtlinge 10 M. An Liebesgaben: Eine Anzahl Pfeifen von Herrn August Abraham, Cöln, ein Paar Tefillin von Herrn Hermann van Cleef, Cöln. Kür Palästina eingegangen bei den Mitglieder» der Deulsch-Kouäudifche« Satästiuaverwattung Komitee, KSt«: Eingegangen bei der Redaktion: N. N., Rote Kästchen, 62 M., Hertz, Grevenbroich, 67 M., D. M., Cöln, 10 M., N. N. 0.50 M., Josef Wolf jr., 0.20 M., llllox Tanchen, 10 M., Chewroh Daurschei Cheffed, Cöln, 25 M., Julius Silberschmidt, Groß-Reken, 5 M., M. Heumann, Stegburg, 3 M., Frau Ratzersdorf, Neuen- 7 ahr, 7 M., Frau Marcuse, Neuenahr, 3 M., von einem Vorstandsmitglied des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands 30 M. , Gemeinde Hsinsberg, 20 M., Marttn Simon, Berrendorf, 15 M., Frau Jos. Levy, Siegburg, 10 M., Mos. Löwenstein, Commern, 60 M., davon 30 M. für Schulzwecke , Lehrer May, Calcar, 42 M., Jak. Herz, Wassenberg, 15 M., Benno Hirsch, Cöln, 20 M., M. Liffauer u. Co., Cöln, 10 M., Redakteur Schachnowttz, 2 M., N. N., 3 M., M. H. in R., 15 M., Frau Isaak, Calcar, 5 M., Unteroffizier Heymann, Neuburg, 3 M., Einj. Gefr. Heymann, 10 M., durch Dr. Eschwege, Hamborn: Markhoff, 2 M., A. Neustädter, 3 M., Rudi Elias, 0.50 M., Karl Neustädter, 1 M., N. N., 2 M., Frau N. N., 5 M., Hermann Kaufmann, Eschweiler, 3 M., Löwenstetn, Cöln, 5 M.. aus der Büchse bet N. N., 77 M., Jul. D. Bter, 1 M. Durch Jos. Stauß, Siegburg: Moses Walter, Cöln, 7.5o M., Isidor Friedländer, M.-Gladbach, 20 M., Frau Leonhard Feith, 10 M., Lehrer Oppenheimer, Goch, 13.50, M. Eppstein, 3 M. N. N., 2 M., Talmud Thora-Verein, Val-, lendar, 17 M., Frauenverein, Vallendar, 20 M., Ernst Löb, Vallendar, 5 M., Sammlung Frau v. d. Walde, Coblenz, 11 M., Benno Hirsch, Cöln, 20 M., Gebr. Liffauer, Cöln, 10 M., N. N., 30 M., durch Herrn Lehrer Oppenheimer, von Herrn S. Koppel, Goch, 10 M., Frau A. Jsaac, Calcar, 5 5 M., Gemeinde Drove, durch Herrn Daniel, 33.44 M., Andreas Jsaac, Calcar, 13.10 M., Ein Landsturmann, 1 M., Frau Trautmann, Rheine, 14 M., N. N., Cöln, 54 M., Frau Alfons Heymann, Höchster, 4 M., Frau Heinr. Behr-Nümbrecht 5 M., Andr. Jsaac, Calcar 14.50, Frl. Rosalte Simons, Cöln, 3 M. Eingegangen bei Herrn Rabbiner Dr. Carleb ach: Sammlung Js. B. Cahen, Geilenkirchen, 281.30 M., Frl. Eva Feiber, Aldenhoven, 3 M., gesammelt durch Frau Aug. Abraham wahrend der Schiwoh um ihre sel. Schwester, 4.47 M., Dr. Wolfing, Würzburg, 10 M. Eingrgangen bei Herrn Louis Rothschild: durch Rabbiner Dr. Mtchalski, Recklingshausen: Palästinatag von Adaß Jisroel, Geilenkirchen, 30.06 M., Dr. Mlchalski, Recklinghausen, 1.24 M., Frau Jacobt, Herten, R. M. B. H. 5 M., durch Kantor W. Simon, Neuenburg, W. Pr.: Challo Geld aus den Büchsen der D. H. P. V. der Frauen von Neuenburg, 28.46 M., Schülerin A. Schoops, 1 M., S. Blumenthal, 3 M., Jsr. Frauenverein 15 M., Chewro Malbisch Arumim, 6 M., Chewro Kadischo 15 M., Simon Kaiser 1., Mardorf, Opfer- und Challogeld, 3.25 M., M. Dinkel, Köln, für einen Thoragelehrten 40 M. Durch Rabbiner Dr. Michalski, Recklinghausen: Weinberg, Wanne, Matnas Jad, 47.20 M., Gemeinde Vreden, 81.50 M., Dr. Frtedmann, Gelsenkirchen, Mamas Jad, 1 M., Wolf, Gelsenkirchen, Matnas Jad, 1 M, Froehltch, Gelsenkirchen, Matnas Jad, 5 M., Gebr. Meyer, Gelsenktrchen, Matnas Jad, 10 M., Nathan Rothschild, Matnas Jad, 20 M., N. N., 5 M., N. N., Matnas Jad, 20 M., B. Rothschlld, 5 M., N. N., R. M. b. H., 10.50 M., Frau S. Wolf, 1 M., Aron Wolf, 5.50 M, Moneta, 1 M., Palästmatag, Gemeinde Recklinghausen, 116.50, Herm. Cahn, Cöln, 5 M., Levy, Antwerpen, 1.80 M., Frau E. Coden, 1 M.,A. Gibbermann für Talmide Chachomim, 12.50 M., Derselbe für Jeschiwoh Schaare Tauro des Herrn Rabbiner Kuk in Jaffa, 12.50 M., Dinkel, für einen Talmid Chochom, 40 M.