Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 31 (22.7.1915)
- Date
- 1915-07-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Mraelir. No. S1 Sette b 22 Juli 1-18 es gibt keine größere Tragödie als eine Politik, welche die alten Leute in die Synagogen schickt und die Jugend in areligiöse hebräische Schulen, eine Politik, die Synagoge und Haus zu Grunde richten muß. Der Redner wandte sich dann, gegen die schroffe Betonung des Raffenbewußtseins, das nur Feindschaft und Blutvergießen! auf Erden verursacht hübe, und das man deshalb, gewiß nicht auf das Judentum übertragen dürfe.! Personalien. Frankfurtn. M., 21.Juli. Satt Grünebaum/ Hölderttnftraße 27, Beamter der israelitischen Gemeinde dahier, erhielt die Hessische TaperkeitSmedaille. Sulzbürg, 12. Juli. Am vorletzten Sabbat starb hier Herr Jakob David Neustädter, einer der Besten unserer Gemei» de, im 68. Lebensjahre. Mit ihm ist ein wahrhast frommer und bescheidener Jehudi dahingegangen. Selbst bewandert im Studium der heiligen Bücher, lernte er nicht nur selbst mit Fleiß Thora, er versäumte auch keine Gelegenheit, die Erläuterung von Gottes Wort durch andere zu hören. Biele Jahre schon wurden die Schiurvorträge der beiden hiesigen Chewras in seinem Hause abgehalten. Er versäumte, soweit es nur immer in seiner Kraft stand, keinen Gottesdienst und verstand es, im Vereine mit seiner gleichgesinnten Gattin meisterlich, seinen Kindern eine echt jüdische Erziehuug angegeihen zu lassen. Sein Wohltätigkeitssinn machte die Armen zu seinen Hausgenossen. Viele Jahre war er Vorstand des Jugendoereins und Verwaltungsmttglied verschiedener bürgerlicher Vereine. Bezeichnend für seine Bescheidenheit ist der Umstand, daß er, als ihm derChower- Ttlel verliehen werden sollte, denselben ablehnte, mit der Bemerkung: „Er sei der Ehrung nicht würdig". Zu seiner Beerdigung waren Verwandte und Freunde aus nah und fern herbeigeeilt. Die herrlichen Eigenschaften des Verstorbenen und der Verlust, den Familie, Gemeinde und Vereine erlitten, schilderten am Grabe die Herren Distriktsrabbiner Dr. Weinberg, Kultusvorstand Josef Regensberger, Lehrer Max Rosenbaum und namens der Hinterbliebenen ein Sohn des Verstorbenen, Herr Gustav Neustädter rvMün. Kailerslauter«, 15. Juli. Lehrer Joseph B l ü t h e der seit 35 Jahren die Stelle eines Religionslehrers und Kantors hier versieht, erreichte am Samstag, den 10 Juli in ,V3 körperlicher und geistiger Frische das 70. Lebensjahr. In Anbetracht der dem Jubilar eigenen großen Bescheidenheit und der ernsten Kriegszeit verbat er sich jedwede Feier. Der Synagogen-Ausschutz, der Herr Bezirksrabbiner und sämtliche Mitglieder der Kultusgemeinde ließen es sich jedoch nicht nehmen, dem Jubilar die Verehrung und Dankbarkeit der ganzen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen, rwroi n:na 'n S]’DV nur nuo iy!' Würzburg, 0. Juli. Der Armierungssoldat Siegfried Langstädter, Sohn des Isidor Langstädter in Memmelsdorf, Lehrer an der Israelitischen Volksschule Venningen (Pfalz), früherer Schüler der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, wurde mildem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, „weil er seinen Kameraden durch Fleiß und Unerschrockenheil ein leuchtendes Vorbild ward." Er befindet sich zur Zeit als Verwundeter im Israelitischen Verwundetenlazarett zu Würzburg. Vermischtes. Pikse«, 14- Juli. Am letzten Sonntag hielt Herr Rabbiner Dr. Lin k auf Wunsch der ins Feld ziehenden jüdischen Soldaten einen Gottesdienst in der Synagoge ab und hielt an die Krieger eine entsprechende Kriegspredigt, worin er sie zur Treue für Kaiser und Reich anfeuerte und sie bat, das Judentum auch aus dem Sthiachtselde zu Ehren zu bringen. Bezeichnend für die Wirkung war, daß aus der Mitte der Soldaten ein Krieger evangelischen Glaubens an den Herrn Rabbiner herantrat und sich ebenfalls seinen Segen erbat. Im Namen der Soldaten dankte Herr Moritz Gold aus Budapest Herrn Rabbiner Dr. Link für die erhebenden Worte. Köbli«, 16. Juli. Herr Prediger Kahn, Köslin, bittet um Zusendung von Siddurim, Chumoschim, hebräischer und Jargon-Literatur, Tfilin, Arba Kanfoth und Tallestm für ca. 30 jüdische Russen (Gefangene) in Thunow-Nassow. Vereiisnachnchten. Würzburg, 14. Juli. Die zuständigen Rabbinate für W e r n e ck und Lohr unterbreiteten, unter Verständigung und Zustimmung aller unterfränkischen Rabbiner, der Kgl. Regierung das Ansuchen, daß diejenigen Insassen der Anstalt Werneck, die rituell verköstigt zu sein wünschen, nach Lohr übergeführt werden, daß ferner in Zukunft sämtliche israelitische Geisteskranke des Kreises Unterfranken, die entweder selbst den Antrag auf rituelle Verpflegung stellen, oder für die seitens ihrer Familien ein solcher Antrag gestellt wird, gleich bet ihrer Ausnahme der Anstalt in Lohr zugewiesen werden. Dieses Gesuch wurde durch Regierungs-Entschließung vom 11. März 1815 genehmigt. Um die Einrichtung in Lohr auf eine feste Basis zu stellen, sind beträchtliche Mittel erforderlich, die nur durch Gründung eines Vereins und Inanspruchnahme des jüdischen Wohltätigkeitssinnes ausgebracht werden können. Am 20. Juni 1815 wurde nun in Würzburg ein „Verein zur Ermöglichung der rituellen Verpflegung israelitischer Nerven- und Geist eskranker im Regierungsbezirke Unterfranken und Äschaffenburg" gegründet und die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister beschloffen. Zweck des Vereins ist nach § 1 der Statuten die Fürsorge für die jüdischen Nerven- und Geisteskranken, welche in den im Regierungssezirk Unterfranken und Aschaffenburg bestehenden Kreisanftalten untergebracht sind, im Sinne der Versorgung mit ritueller Kost und die Ermöglichung derselben durch die notwendigen Schritte bei der Kgl Behörde, durch die Bereitstellung der notwendigen Mittel und durch Bestellung von Organen zur geeigneten Ausführung. Die Verpflegung muß in strengster Wahrung der Vorschriften des Schulchan Aruch erfolgen.. Mitglieder des Vereins können nach 8 2 der Statuten einzelne Personen. Vereine und Gemeinden werden. Der Mitgliederbeitrag beträgt für eine einzelne Person mindestens 2 Mark fürs Jahr, r er Beitrag der Vereine und Gemeinden ist in das Belieben desselben gestellt, beträgt bei Gemeinden jedoch mindestens 10 M. In die Vorstandschaft wurden gewählt: Distriktsrabbiner Dr. Breuer in Aschaffenburg als Vorsitzender, Distriktsrabbiner Dr. Stein in Schweinsurt als stellvertretender Vorsitzender, Lehrer Israel Wähler in Hörstein als Schriftführer, Kaufmann Bernhard Hirsch in Lohr als Kassier, Kaufmann Samuel Wunders he iner in Würzburg als Beisitzer, Fabrikbesitzer Nathan Mayer in Aschaffenburg und Kaufmann Hermann Weichfelbaum in Detrelvach als Ersatzmänner. — Wenn auch in dieser schweren Zeit die jüdische Wohltätigkeit stark in Anspruch genommen ist, so ist doch anzunehmen, daß die Einrichtung in Lohr im Hinblick auf ihre Wichtigkeit des wohlwollenden Jntereffes weiter Kreise gewiß fein dürfte, zumal auch sie insofern in das Gebiet der Kriegsfürsorge fällt, als infolge des Krieges — wie dies von sachverständiger Seite betätigt wird — leider eine sich vergrößernde Zahl von Nervenkranken zu gewärtigen sein dürfte. Sprechsaal Sehr geehrter Herr Redakteur? Gestatten Sie mir eine kleine Berichtigung des „Karlsbader Brieses" in Nr. 27 Ihres Blattes. Da heißt es: „Im Kriege, meinen sie, stehe man jenseits von koscher und treso und brauche nicht einmal in einem Spital, das vom Steuerobolus der jüdischen Kurgäste erhalten wird und nur von jüdischen Soldaten belegt ist, für rituelle Ber-östigung zu sorgen"- Der Herr Berfaffer ist durchaus falsch informiert. Denn erstens ist das Spital von der Militärbehörde für die Kriegsdauer requiriert worden, hat also derzeit mit der jüdischen Gemeinde nichts zu tun; zweitens ist das Spital nicht nur nicht von nur jüdischen Soldaten belegt, sondern unter den annähernd 300 Insassen des Spitals sind durchschnittlich nicht mehr als 8 10 Juden. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Dr. Ziegler, Rabbiner. Srieftafien. S. A. in E. Das Gedicht ist tief empfunden und ehrt den gefallenen Helden im höchsten Grade, eignet sich jedoch in seiner Form nicht für den „Israelit". Einsender aus Äkurienbad. Solche persönliche Anhimmelungen gehören nicht in den redaktionellen Teil. I. O. in K. Es ist nicht üblich, über „Silberne Hochzeiten" zu berichten. L. in Cz. l; Aus Oesterreich kommen Briese und Zeitungen in hebräischen Lettern unbeanstandet hierher. 2. Der Jffur ist, ivie Sie sagten, sehr groß. 3. Eine solche Karte existiert bis jetzt nur für Palästina. 4. Persien. für (len Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Monatsschrift fürLehreu.Leben im Judentum Herausgeber Dr. I. Wohlgemuth. II Heft 7 des Jeschurun ist erschienen und enthält die Aufsätze: „Das Heeri wesen und die jüdische Erziehung" von Rabb. Dr. S. Carlebach-Lübeck. —!' „Probleme der Pentateuchexegese VIII: Die Sintflut (Schluß)" vou Rektor!; Dr. X. Hoffman»-Berlin. — „Die Auslösung der Gefangenen" vo>. Rabb. i! Dr. I. Münz - Bereut. — „Das Kriegsfasten" von Rabb. Dr. A. Nenwirth-!| Mainz. — Talmudische Miscellen von Rabb. Dr. I. Schiffer-Karlsruhe. —! Ein Feldpostbrief. — Ter neunte Ab. i Das nächste Heft erscheint als Doppelheft s. G. w. anfangs Septemb. ii Abonnements zum Preise von Mk. 6.— sür Deutschlattd, 7 Kr. für Oesterii reich-Ungarn, Mk. 7.— für das übrige Ausland nimmt entgegen Verlag des Jeschurrrrr, Kerlirr N 24 li Kransnickstratze 2. Nachruf! Am 15. d. Mts. verschied zu Berlin in der Blüte seiner Zahre Herr Dr. Isaak Stein Rabbiner der Kreis-Synagogen-Gemeinde zu Memel. Derselbe ivar Mitglied des nnterzeichneten Kuratoriums und tranernd stehen wir an der Bahre dieses zu früh dahingegangenen, hochverehrten Mannes, der unserer Anstalt stets sein vollstes Interesse und seine Arbeitskraft widmete. Für das Schicksal der armen Kranken zeigte er lebhafte Anteilnahme, erfreute sie oft durch seine Besilche und tröstete sie durch seinen gütigen Zuspruch. Das Gedeihen und der sichere Fortbestand der Anstalt lag ihm anl Herzen, und er bat iür viele GöNtler und wohltätige Freunde verschätzt. Wir werden seiner stets in Dankbarkeit gedenken und seinen Nanien unter denen der Wohltäter der Anstalt zum dauernden Gedächtnis verzeichnen. Memel, den 16. Juli 1915. Du Karataiiaai das JSdisck. Kraakaokaatts sa Memtl. Statt jeder belonderen Anzeige! Miriam Eisenmami Rechtsanwalt Dr. Herbert Brinkmann Verlobte. Antwerpen Juli umö Frankfurt*!!. z. Zt. Bad Homburg v. d. II. Scheffelstras.se 7. Relig. Heir at n. d. Schweiz Für meinen Schwager, 35 I. alt, geborener Schweizer auf religiöser Basis stehend, sehr gebildet, von vornehmenk Charakter und tadellosem Rnf, mit eigenem glänzendem Geschäft und bedeutendem Vermögen, suche ich nach erster Großstadt der Schwei; nassende Lebensgefährtin mit entsprech. Mitgift, jedoch nicht Hauptsache, hingegen angenehmes Aeußere und Herzensbildung Bedingung, am liebsten Süddeutsche oder Schweizerin. 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