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Der Israelit · 1915-07-22 · Heft 31 (22.7.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 31 (22.7.1915)
Date
1915-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 No. 31 Der Israelit. mendeputation, der je ein Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit und des Rabbinats, zwei Mitglieder des christlichen WohltLtigkeitsvereinS und ein Mitglied deS jüdischen Mohltätigkeitsvereins angehören. Die fotografische Aufnahme sämtlicher Einwohner des okkupierten Gebietes zum Zwecke der Ausstellung von Pässen hat in Lodz durch eine fotografische Kommission begonnen. Es werden immer fünfzehn Personen auf einmal fotografiert und die einzelnen Personen mit Nummern versehen. Zweifellos wird ein ganz außerordentlicher Teil der Bevölkerung nicht imstande sein, die hohe Paßgebühr von 10 Mk. zu bezahlen, doch dürfte, wie allgemein angenommen wird, im Sinne der Verordnung die Ermäßigung oder Niederschlagung der Gebühr in den meisten Fällen ohne Schwierigkeit erlangbar sein. — Das schweizerische Hilfskomitee für Polen hat zur Förderung der Säuglingspflege während der heißen Monate einen Waggon condenskerter Milch nach Lodz gesandt, der Dienstag hier eintraf. Um zur allmählichen wirtschaftlichen Wiederaufrichtung des okkupierten Gebietes beizutragen, hat der Oberbefehlshaber Ost eine Verordnung erlassen, wonach alle auswärts befindlichen Einwohner der okkupierten Gebiete, soweit sie nicht in festen Stellungen sind, bis 1. August in die Heimat zurückzukehren haben, widrigenfalls eine Steuer von 5-15% ihres in Polen befindlichen Vermögens erhoben wirddie Steuer kann bet dauerndem Fernbleiben wiederholt werden. Oesterreich. Gailjifdies Kriegselend- Me«, 16. Juli. In „Btoch's Wochenschrift" weist ein offenbar gut unterrichteter Einsender auf die aller Beschreibung spottende Notlage hin, in der sich die Juden in den jetzt von der Russenherrschaft befreiten kleinen Städtchen Mittelgaliziens befinden. Hungersnot und Epidemien von Blattern und Flecktyphus wüten unten der Bevölkerung. In D.bromil z. B., wo sich keine Apotheke und nur ein Arzt befindet, sollen schon ea. 500 Juden gestorben sein. Die bisher begonnene H lfstärigkett ist von katholischer Seite rein konfessionell organisiert, und schon darum ist ein sofortiges Eingreifen von leistungsfähiger jüdischer Seite dringend geboten. Die Gemeinden Wien und Budapest, denen die nötigen Mittel zur Verfügung stehen, beladen sich mit Blutschuld, wenn sie nicht unverzüglich zun> mindesten mit einigen Hundert- Zaren. Ein Wink und drei Henker ergreifen die Brüder. Der Flügelschlag des Todesengels klang leise durch die schwüle Luft. Feurigrot steigt der Sonnenball über Moskaus schneebedeckte Zinnen tun. Zischend stießt das Blut der Brüder. Es wird zunr Bergstrom, der mit seinem getvaltigen Rauschen die Wipfel der Bäume erschauern macht. Ihr letzter Hauch wird zunr Sturmwind, der über Länder und Meere braust, zu einem einzigen großen Seufzer. — Mischer Humor. Daß der jüdische Humor auch in den Nöten des Krieges nicht gänzlich eingetrocknet ist, zeigen folgende Stichproben aus Jargonzeitungen: Mit staunenswertem Heldenmut schlagen die Kosakenregimenter die gnlizischen Juden. Nach dem Anschluß Italiens an den Dreiverband gibt es nunmehr rvcs nynis ->- i- * Man sagt: „Wer Israel bedrängt, wird zum Haupte." Und doch ist die russische Fühlung kopflos. Warum weigert sich Rußland so b hmrlich, Befsarabien an Rumänien abzutreken? Weil cs nicht den „Rekord von Kischinew" verlieren mag. * * * Warum spricht die russische Regierung jetzt auf einmal vom Frieden? Sie sah wie ihre Führer in Galizien zurückhuften, da glaubte sie, man halte bei „Aasse Scho lau m." (AuS einem Feldpostbrief.) In den „Leipziger Neuesten Nachrichten" wird ans Nimirow in Galizien der Feldpostbrief eines Kriegsfreiwilligen veröfsent- 33. Juli ISIS tausend Kronen etngretfen, solange bis eine allgemeine Aktion in die Wege geleitet ist. Schwei;. Ein Ruf sn die neutralenvor dem Gouverneur erklärte, er möchte vor jeder Jury, die von dem Fall noch nichts weiß, innerhalb einer halben Stunde zwingend Nachweisen, daß Frank den Mord nicht begangen haben könne. Zürich, 15. Juli. Die sozialdemokratische Zeitung der Schweiz veröffentlicht einen Aufruf an das internationale Proletariat, worin die grauenvollen, sogar in den dunkelsten Tagen des Mittelalters beispiellosen Leiden der russischen Juden dargestellt und vor allen Dingen die Arbeiter der mit Rußland verbündeten Länder aufgefordert werden, gegen die blutigen Greuel ihres Verbündeten zu protestieren. Die Sozialdemokraten der neutralen Länder Europas und Amerikas werden an ihre proletarische Pflicht erinnert, damit „der russische Zarismus in den neutralen Ländern die Ausnahme finde, die er für seine Verbrechen verdient." Holland. öuhunffsarbeif. Kaag, 18. Juli. Unter dem Vorsitz des bekannten Staatsrates Prof. Oppenheim hat sich ein Komitee gebildet, das rechtzeitige Vorkehrungen treffen will für die nach dem Kriege zu erwartende Maffenauswanderung aus den östlichen Judenländern. Arnerlka. Leo Franh gerettet. Itew-York, 23. Juni. Das aufregende Drama Leo Frank ist an einem Ruhepunkte angelangt. Nachdem die Exekutive des Staates Georgia in Anwesenheit des Gouverneurs noch einmal an Hand von Ptatdoyers des Anklägers sowohl als des mit der Verteidigung betrauten ehemaligen Abgeordneten Howard den ganzen Prozeß durchgearbeitet hatte, wurde das Material dem Gouverneur zur endgültigen Entscheidung übergeben. Einen Tag vor der bereits festgesetzten Hinrichtung hat der Gouverneur entschieden, daß die Todesstrafe in lebenslängliches Gefängnis umgewandelt wird. Ein Aufatmen geht durch ganz Amerika, denn man ist nunmehr sicher, daß es der Aufklärungsarbeit der Verteidiger gelingen wird, die Unschuld Franks, an der kein Mensch zweifelt, früher oder später zu erweisen. ^tzJn dieser Beziehung ist eine Aeußerung Howards interessant, der bei der Verhandlung licht, dem wir folgendes entnehmen: „Auf den Trümmern sitzen die Juden und Weh-) klagen. Wie sie klagen - Ihr könnt es Euch nicht vorstellen. Auf dem Friedhöfe waren die Juden gerade damit beschäftigt, eine Frau und ihre drei kleinen Kinder zu bestatten. Die Frau war in den Keller ihres Hauses geflüchtet und die Russen hatten die Tür versperrt und das Haus angezündet. Die Frau war mit ihren Kindern erstickt. Ungefähr 50V Anden hatten sich in ihrem Gebetshause zusammengefunden. Darauf hatten die Russen die Tür verrammelt und die ganze Stadt angezündet. Durch die Glut des Brandes zersprangen die Fenster des Gotteshauses und der Qualm drang ein. Schließlich fing es selbst an au brennen. So sollten alle 500 Juden umkonnnen. „Aber", so erzählte mir eine Jüdin, die dabei gewesen war, „wir haben die ganze Zeit unaufhörlich zu Gott gebetet, und er hat uns erhört: Mit einemmale wurde heftig geschossen, und eine halbe Stunde später öffneten die Deutschen d i c T ü r." Jeder fand sein Haus als einen brennenden Lchutthansen wieder. Elf von den Fünfhundert sind erstickt. Ein Jude ries mich an, als ich durch die Stadt ging, und zeigte mir einen vollständig verkohlten Russen. „So hat ihn Gott gestraft. Er hat mein Laus in Brand gesteckt. Er bekam einen Schuß und mußte so verbrennen." Die Wut auf die Russen ist bei unseren Soldaten jetzt grenzenlos. Als elf Gefangene durch die Stadt kamen, wurden ne auf den Friedhof geführt, wo man sie der toten Frau mit ihren Kindern gcgenüberstellte. Vielleicht waren sie unschuldig an den Greueln, jedenfalls benahmen sie sich völlig teilnahmslos. Aber verwundern darf sich niemand mehrwenn auch wir jetzt kein Mitleid mehr mit den Russen haben. Lebt Wohl! Heil und Sieg!..." Der jüdifdie Kongreß. Mew-Yorü, 23. Juni. Die zionistischen Körperschaften haben sich mit "einer Reihe von Logen zusammengeschloffen, um die wiederholt behandelte Idee eines großen jüdischen KongreffeS zur Formulierung der jüdischen Forderungen für den Friedenskongreß zu verwirklichen, auch wenn daS Amerikanisch-jüdische Komitee und die führenden Männer wie Schiff, Marshall bei ihrer ablehnenden Haltung bleiben. Orthodoxer Gemeindenerbanö. — Die Verweltlichung des Judentums. Hlew-Hork, 11. Juni. Der Verband orthodoxer Gemeinden hat unter Vorsitz seines Präsidenten Dr. Bernhard Drachmann seine Jahresversammlung abgehalten. Referate hielten Rabbiner Margolies über' die Aufgaben der orthodoxen Organisationen, W. Liebermann über orthodoxes Judentum nnd bürgerliche Ideale und Samuel Heymann über Talmud-Thoralehrpläne. Interessant war ein Bortrag von Rabbiner Goldstetn über die jüngere Generation der orthodoxen Rabbiner in Amerika. Der Redner forderte, daß die orthodoxen Rabbiner nicht nur wissenschaftlich auf' der Höhe der Zeit stehen sollten, sondern auch Interesse für alle Anliegen der Jugend „einschließlich des Sportes" haben müßten. Die feierliche Abtturientenentlassung am jüdisch-theologischen Seminar Dr. Schechters brachte neben einer Programmrede des Rektors, die optimistischer Weise als Resultat des Weltkrieges den Sieg der Barmherzigkeit und des Friedensideales prophezeite, eine Ansprache von Dr. Cyrus Adler, die einige bemerkenswerte Aeußerungen enthält. Der Redner wandte sich gegen die auch in konservativen jüdischen Kreisen um sich greifende irrige Anschauung, als seien Synagoge und Schule getrennte Gebiete. „Eine solche Trennung, so meinte ^er, kann nur aus einer Uebertreibung dessen begründet werden, was manche Leute hebräische Kultur nennen. Eine verweltlichte hebräische Schule ist ein ebensolches Paradoxon, als ein religiös-neutraler jüdischer Staats und Für de« ReklameteU ist die Redaktion nicht verantwortlich: insbesondere ist e» ansfchlietzlich Sache der Leser, dis i« Reklametett enthaltend« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger Angaben religionsgesetzliche« Ltzarakters ans ihre Zuverlässigkeit z» prüfen. Kaiser Friedrich Quelle ■ Offenbaeh a. M. —— Gegen Gieht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahj., Frankfurt a. M., Gftnthersborgaliee 87. Tel. 259 u. 714 Familiennachrichten. Geburten. Eine Tochter: Willy Wolf (Kaufmann), Cöln a. Rh. Labbat-Anfang u. Ausgang. Mrini ro» 0 Q T« Anfang Datum Ausgang Mr iMin. 10151 5075 Uhr jMin. 24. 13. Frankfurt a. M. 7 50 Juli Ab S 15 Berlin . . . . — — — — München . . . 7 15 8 48 Strasibnrg . . 7 15 S 05 Stuttgart. . . — — — — Posen . . . . — — — — Nürnberg. . . 7 30 8 5? Hamburg . . . I - — ' — ' —

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