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Der Israelit · 1915-07-15 · Heft 30 (15.7.1915) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 30 (15.7.1915)
Date
1915-07-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 30 Der JSraeltt 15. Juli 1915 die aller Wahrheit und Logik hohnsprrchende Behauptung aufstellen darf, daß ein Sieg des Vierverbandes, was gleichbedeutend mit einem Sieg der russischen Reaktion wäre, den Inden die Erlösung bringen würde. Man darf annehmen, daß das Gros der holländischen Judenheit die im Geiste der Pariser Alliance auf der Versammlung gefallenen, ebenso unhaltbaren wie vom Standpunkte der Neutralität überaus taktlosen Aeußerungen aufs höchste mißbilligt. Rrrtzian-. JüöUcties aus Kußlang. Zürich, 1. Juli. Die neue polnische Städteordnung zeigt bereits ihren Segen. Sie bedeutet einen vollen Sieg des polnischen Boykott-Antisemitismus auf kommunalem Gebiete. In den Städten, wo die Juden die Mehrheit der Bevölkerung bilden — es gibt deren in Polen eine ganze Anzahl — dürfen sie höchstens ein Fünftel der Stadtverordneten wählen, in den übrigen Städten, in denen sie nur ganz ausnahmsweise weniger als ein Drittel der Bevölkerung bilden, darf ihre Vertretung höchstens den zehnten Teil der Stadtverordneten umfassen. Von den Stellungen der ausführenden Beamten der Selbstverwaltung (Bürgermeister, Magistrat usw.) sind die Juden ganz ausgeschlossen. Ein Beispiel gibt die von einem russischen Blatt mitgetcilte Wählerliste.von Warschau. Danach sind in der Wählerkategorie der Hausbesitzer 3322 Polen, 2040 Juden und 321 Russen wahlberechtigt, in der Kategorie der Industriellen und Kaufleute 1986 Polen, 3783 Juden und 640 Russen. In der Kategorie der Wohnungsmieter 4825 Polen, 3154 Juden und 1091 Russen. Die Stadtverordnetenversammlung von Warschau soll, aus 160 Mitgliedern bestehen, von denen die Russen 25, die' Polen 119 und die Juden 10 Mitglieder wählen. Durch diese gesetzlichen Maßnahmen wird der Kampf der polnischen Bourgeoisie gegen die Juden, der bisher mit den Mitteln des Boykotts und der Aufreizung zu Pogromen betrieben wurde, sozusagen auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Uebrigens richten sich die russischen Gesetze fast noch rücksichtsloser auch gegen die Litauerin den acht überwiegend litauischen Städten des Gouvernements Suwalki dürfen alle Verhandlungen der städtischen Behörden nur in russischer Sprache geführt werden. Nach polizeilicher Aufstellung befinden sich gegenwärtig in Warschau 400,000 jüdische Einwohner. In dieser Zahl sind auch die Flüchtlinge inbegriffen. Wie die „H-rzefirah" berichtet, hat die jüdische Hilfskommission in Petersburg nach den Bezirken von Poltawa, Mohilew, Tschernigow usw. ihre Delegierten geschickt, um die verlangte Hilfe für die Vertriebenen von Kurland und Kowno zu leisten. Von Mariampol sind Nachrichten eingetrosfen, daß dort 3000 Flüchtlinge weilen, die in großer Not leben. Man beschloß dorthin Lebensmittel zu senden. Neberall ist die Bevölkerung mit Eifer darasich der Unglücklichen anzunkhmen. Der fius?UQ aus Korono und Kurland. Kopenhagen, 1. Juli Auf Grund der Berichte zuverlässiger Gewährsmänner entwirft Dr. Simonsen in „Politiken" ein Bild der Ausweisungen, die wenn auch unseren Lesern bereits bekannt, in ihrer Zusammenfassung manches Interessante enthalten. Es war in den letzten Wochen des Monats Mai, als ganz plötzlich und ohne den geringsten äußeren Anlaß von Seiten der russischen Militärbehörde der Befehl erging, daß gegen 200000 Inden ihre bisherigenAusenthaltsstätten in denGouvernements Kurland, Kowno und teilweise auch Suwalki zu verlassen hätten. Diese Gouvernements, von denen besonders Kowno mit Juden dicht besiedelt ist, wurden, wie der amtliche Ausdruck lautet, „von Juden evakuiert". Die Frist, die man den Unglücklichen zum Aufbruche gab, schwankte von acht Stunden in Schawle bis zu dreißig Stunden in Kowno. Allein im Gouvernement Kowno wurden 160000 Menschen von dem Schicksale plötzlicher Verjagung betroffen, und die Augenzeugen berichten mir wahrem Grausen von den Vorgängen, die sich hierbei abspielten. Wie im Mittelalter war es, wenn man sah, wie aus einer Reihe von Städten die jüdische Bevölkerung im Lause weniger Stunden hinausgejagt wurde, so daß nicht eine einzige jüdische Seele zurückblieb. Greise und Kinder, schwangere Frauen, Mütter, die noch im Wochenbette lagen, Totkranke und Geistesgestörte, Krüppel und Blinde — alle traf dasselbe Los. Viele Angehörige dieser Familien kämpfen an der Front, aber auch die jüdischen Soldaten, dte auf Urlaub waren, um sich von ihren Wunden zu erholen, ja selbst Vermundete, die in den Lazaretten noch unter Behandlung waren, wurden mit ausgewiesen, und gleichfalls mußten auch die jüdischen Militärärzte und das jüdische Hospitalpersonal ihres Weges ziehen; die jüdischen Hospitale und Altersheime wurden geschlossen. Städte wie Kowno, Ponewesch, Wilkomir, die hauptsächlich von Juden bewohnt waren und noch eine ganze Anzahl anderer starben von einem Tage auf den anderen förmlich aus, und die armen Vertriebenen haben in vielen Fällen aus Verzweiflung über ihr Schicksal selbst ihre Heimstätten mit allem, was sie dort zurücklassen mußten, zerstört. Vom 19. Mai ab setzte sich diese Völker« Wanderung des Elends in Bewegung. Die Juden durften nicht in den Nachbargouvernements bleiben, sondern mußten nach östlicheren Teilen des Reiches weiter wandern. Es liegt auf der Hand, daß diese plötzliche Auswanderung von 200000 Menschen sich nicht einfach programmmäßig durchführen läßt — dennoch ward keinerlei Rücksicht genommen oder Frist gegeben. Man hatte für die- Verjagten 26 bereitgestellt, die am 18. und 19. Mat im Laufe von 30 Stunden ungefähr 40000 Personen beförderten. Aber, wie sahen diese „Ertrazüge aus! Jeder davon bestand aus 40 bis 70 Güterwagen, dte ein Bild des furchtbarsten Elends boten: da saßen oder standen auf Decken und gerümpelhaftem Hausrate aller Art eng zusammengepreßte Menschen, die es schlimmer hatten, als das liebe Vieh und vor Angst und Erbitterung halb wahnwitzig waren. Männer und Frauen, Alte und Junge, Gesunde und Personen mit ansteckenden Krankheiten, bisher Wohlhabende und Vagabunden: alle diese bildeten bunt durcheinander die schreckliche lebende Fracht dieser Extrazüge. Sie hielten oft einen Kilometer und noch weiter von den Bahnhöfen entfernt, und die Hilfsausschüffe, die sich ihrer annehmen wollten, konnten dann nicht einmal mit den nötigsten Lebens¬ und Erfrtschungsmltteln zu ihnen kommen — wenn ihnen nicht ab und zu das bekannte und in Rußland so beliebte Mittel der Anwendung des Rubels den Weg öffnete. Ein großer Tel der Ausgewiesenen fand ja nun auf diesen Zügen überhaupt nicht Platz. Biele Taufende fuhren auf Bauernwägelchen, dte sie für phantastischen Preise erstanden, den Weg ins Elend, andere Tausende mußte zu Fuß dte Reife antreten. So waren denn vom 19. Mai ab alle Straßen, die von Wksten, Norden und Südwesten nach Wilna führten, mit endlosen Zügen von hochbepackten Wagen und von wandernden Scharen bevölkert Die Kleinstädte am Wege, wo die Flüchtlinge Rast hielten, waren bald überfülltjämmerliche Flecken, wie Schosli, Jewje, Schirwonty, wo bisher 800 bis 1000 Juden gewohnt hatten, schwollen plötzlich zu Judenstädten von 5—6000 Seelen an, und die Wanderer überfüllten nicht nur diese Häuser, sondern auch dte Keller, die Synagogen und jeden Fleck, dessen man lebhaft werden konnte. In der Synagoge zu Schosli wurden 800 Personen zusammengepfercht. Personalien. Bischeim, 17. Juni. Die Beerdigung des hiesigen Rabbiners Dr. Z. Wolfs gestaltete sich zu einer im posanten Kundgebung der Trauer und Anhänglichkeit für den Verblichenen. Trotz des Krieges hatten sich von nah und fern viele seiner Freunde, Verwandte, Schüler und Kollegen eingefunden. Im Trauerhause sprach Rabbiner Dr. Schwarz, Sulz Worte des Abschiedes und treuen Gedenkens. In der Synagoge, wohin sich der Trauerzug begab, würdigte zunächst Herr Oberrabbiner Ury die Verdienste des Verblichenen als Lehrer, Gelehrter und Schriftsteller. Rabbiner Dr. Weil, Buchsweiler und Rabbiner Dr. W e il, Fegersheim sprachen als ehemalige Schüler Am Grabe hielten Nachrufe Dr. Blo ch, Oberehnheim namens des elsaß-lothringischen Rabbinerverbands Rabbiner Buttenrvieser als naher Freund, Dr. Lehmann, Bischweiler, namens des Rabbinates Bischweiler, das der Verblichene eine zettlang verwaltet hatte, und Lehrer Metzger, Bischheim, namens der israelitischen Schule in Bisckheim. Der Verstorbene war immer ein großer Freund der Schuljugend ge wesen, Er war in Pfungstadt geboren, leitete in seiner Jugend eine Bürgerschule in Biblis, kam anfangs der 80er Jahre ins Elsaß, wo ihm in Kolmar die Leitung des Rabbinerseminars übertragen wurde. Nach dessen Aufhebung kam er als Rabbiner nach Schtrrhofen Bischweiler. Seit 1901 war er Rabbiner in Bischheim. Mit ihm ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten nicht nur des elsaß-lothringischen, sondern des gesamten deutschen Rabbinerstandes zu Grabe getragen worden. rram Labischin, 30. Juni. Der Bataillonsarzt Dr. Arthur L e v i n, Breslau, Sohn des Stadtrates Heimann Levin, Labischin, erhielt das Eiserne Kreuz und das Großherzoglich-Hessische Samariter-Kreuz. 15. Kräftige, ausgiebige und reinschmeckende Mischung Pfund.1.60 Mk. Mischung feinerer Qualitäten Pfund.1.80 Mk. 2 i iF IKA 10 Unsere Kakaosorten sind verbürgt rein leicht löslich, wohlschmeckend und nahrhaft. Mischung Qualitäten Pfund 2 — und von hochfeinen 2.20 Mk. Haushaltkakao, lose Pfund.2.20 Mk. In Schachteln J/4 Pfund 60 und 65 Pfg. van Houten’s Kakao van Houten’s Roval - Kakao Blocker’s Kakao Kasseler Hafer-Kakao EE Wohlschmeckende u. kräftige Mischung 1li Pfund-Paket ... 60 Pfg. Mischungen feiner Qualitäten y4 Pfd.-Paket 70. 85, 100 Pfg. V8 Pfd. - Paket 35, 43, 50 Pfg. 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