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Der Israelit · 1915-07-15 · Heft 30 (15.7.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 30 (15.7.1915)
Date
1915-07-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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15. Juli 1915 -;U~: Der Israel« 9. Armeekorps die Mitteilung gemacht wird, daß für die rituelle Beköstigung der Kriegsgefangenen von der Militärbehörde ein dringendes Bedürfnis als vorhanden anerkannt wird. Auch soll die Beköstigung sich dann auf alle Gefangenenlager im 9. Armeekorps und nicht nur auf ein Lager allein erstrecken. Ein dringlicher Antrag des Gemeindevorstandes betrifft die Bewilligung von wetteren Mitteln für die Kosten der jüdischen Feldseelsorge. Hierzu liegt ein Schreiben des Ausschuffes desBerbandes derdeutschen Juden vor. In diesem Schreiben wird mitgeteilt, daß seit der letzten Bewilligung vom preußischen Kriegsministerium auf Grund der ausdrücklich erbetenen Vorschläge des Verbandes drei weitere Rabbiner zu den inzwischen neu gebildeten Armeen entsendet wurden, nämlich die Herren Rabbiner Dr. S. Levi (Breslau) zur 10. Armee und Dr. Rosenack (Bremen) zur Südarmee, ferner Dr. Säenger (Berlin) zur 11. Armee. Die Kosten für die Ausrüstung und die Feldzulagen sind vom Ausschuß derdeutschen Juden unter Beihilfe der einzelnen Gemeinden zu tragen, da vom Kriegsministerium infolge des Mangels einer diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmung hierfür keine Mittel bewilligt werden können. Der Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung der diesbezüglichen aus Hamburg entfallenden Kosten wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Gleichfalls angenommen wurde der Antrag des Gemeindevorstandes auf Zahlung des Gehaltes des zum Heeresdienst eingezogenen dritten Gemeindebeamten bis zum i. Oktober und von dann an die Hälfte des ihm zustehenden Gehaltes. Die Mittel für die durch die Einberufung notwendig gewordene Anstellung einer weiteren Hilfskraft wurden gleichfalls bewilligt. Bus den okkupierten bedielen. Lodz, 12. Juli. Die Liste der in Lodz ernannten Stadtverordneten weist unter 36 Mitgliedern 10 Juden auf. Unter dem 23 Stadtverordneten in Pabianice befinden sich 4 Juden. Mit diesen Ernennungen treten die Stadtverwaltungen in den okkupierten Städten früher in Aktion als die seit Jahren vorbereitete russische Städteverordnung für Polen, welche zudem keinen Teil der Bevölkerung befriedigen kann. Die neue Schlachthausordnung des Oberbefehlshabers enthält auch einige vom hygienischen Standpunkte aus begrüßenswerte Bestimmungen über die Ausführung des Schächtaktes, die unter Ausschluß ungerechtfertigter.Erschwerungen lediglich den Geboten der Ordnung und Reinlichkeit dienen. In Kielce wird von jüdischer Seite sehr rber Willkürakte der ausschließlich aus Polen iestehenden Bürgermiliz geklagt. Es ist zu joffen, daß auch dort, wie es bereits in Lodz rnd anderen Städten geschehen, bald die reguläre deutsche Polizei die Zügel in die Hand nimmt. Geste wetrh. klne Erkltlmng gal?ifcfier Juden. Meu, 9. Juli. Hervorragende Vertreter der galizischen Juden veröffentlichen eine Erklärung, in der es heißt, daß sich die Juden in Oesterreich-Polen ls Söhne des Landes betrachten, dem sie chne Einschränkung und ohne Vorbehalt angewren. In der Gcklärung wird weiter gesagt: „Ein Vergleich zwischen den Zuständen in Desterreichisch-Polen und in Russisch «Po len bietet inen neuerlichen Beweis dafür, daß nur ein in reier Selbstbestimmung lebendes Volk die Schwierigkeiten zu überwinden vermag, die der Lösung nattonaler und sozialer Probleme entjegenftehen. Während die Juden Galiziens eine eschränkte Autonomie erhieüen, die Möglichkeit u ungehinderter kultureller Entwicklung hatten, »olle Gleichberechtigung und freien Zutritt zu >en Schulen sowie die Möglichkett zur Mttarbett m der nattonalen Kultur besitzen, find die Zustände in Russisch-Polen, wo noch vor wenigen Jahrzehnten das Verhältnis der christlichen zur jüdischen ungetrübt war, derart geworden, daß eineLösung der Judenfrage inNussisch- Polen unter russischer Herrschaft ausgeschlossen erscheint. Die Juden in Oesterreichisch-Polen sehen in der Befreiung Polens von der russischen Herrschaft den einzigen Weg zu einer gerechten und gedeihlichen Lösung der Judenfrage in Polen." Ein ruffifcher Armeebefehl. Me», 4. Juli. Die letzte Nummer der Wiener „Feldzeitung" (Krtegsausgabe von „Streffleurs Militärblatt",) veröffentlicht unter anderen erbeuteten ^russischen Milirärpapieren folgenden Auszug aus einem Befehl Radko Dimitrtews: „8 2. Es gelangten Mitteilungen an den Minister des Innern, wonach mit der Evakuierung der Juden aus Galizien nach dem Innern Rußlands begonnen wurde ... Der Erlauchte Höchstkommandierende hat daher besohlen, daß bei der Besetzung neuer Gebiete durch unsere Truppen sämtliche Juden zn versammeln und nach vorwäris, den feindlichen Truppen entgegenzujagen sind. In den von uns besetzten Gebieten des Hinterlandes sind aus den vermögenden und einflußreichen Juden Geiseln auszuheben, welche nach Rußland zu schaffen sind, und zwar in den vorgesehenen Ansiedlungsrayn; sie sind aber unter Bewachung zu halten, das heißt im Gefängnis, und ihr Besitz ist zu sequestrieren. Der Besitz solcher Juden, die sich auch nur die geringste Feindseligkeit zu schulden kommen ließen oder die der Spionage verdächtig werden, ist einzuztehrn. AlS Aufenthaltsgebiete für die evakuierten Geiseln hat der Minister des Innern die Gouvernements Poltawa und Tschernigow, das heißt die außerhalb des Kriegsschauplatzes liegenden Bezirke, bestimmt. Vorstehendes zur Kenntnis bringend fordere ich, daß der in Rede stehende Befehl aufs genaueste befolgt werdebeim Vollzüge dieser Maßnahme ist im Einvernehmen mit den etwa vorhandenen Zivilbehörden vorzugehen,' von Seite der Kommandanten ist hierbei größte Initiative an den Tag zu legen. (Gez.) Der Kommandant dsr 3. Armee: G. d. I. Radko Dimitriew." Aus gen SemelnSen. Budapest Der für 1914 erstattete Bericht des jüdischen Patronagevereins weist aus, daß durch ihn 1836 Kinder dem Judentum erhallen bteiben. Das Vermögen beträgt 124,232 Kronen. Jahresausgaben waren: 47,426- Präsident ist Dr. Hevesi. Z. B. A. Mattersdorf. Tief gebeugt vom herben Weh, begleitete unser Oberrabviner Ehrenseld seine treue Lebensgefährtin in das HauS des Lebens Sie war eine durch ihre Frömmigkeit, Herzensgüte und Klugheit ausgezeichnete Frau und kannte nur ein Streben, ihrem Manne und ihren Kindern das Thoralernen zu ermöglichen. Die Trauer um sie ist eine allgemeine und jeder fühlte mit dem ehrwürdigen Rabbi, der in ihr feine Helferin und Trösterin, die nrx rnw mtoj> beweint. Ihre Söhne und Schwiegersöhne, lauter rrn, widmeten ihr ergreifende vNLvn. Kein Auge blieb trocken als sich unser »an von seiner treuen Gattin verabschiedete, frästen. Z. B. A. Sarvar. Anläßlich des großen Sieges und der Befreiung Lembergs wurde im hiesigen orthodoxen Tempel auf Wunsch der militärischen Behörden ein Dankgottesdienst abgehalten, bei dem die Honoratioren der Gemeinde und des Militärs vollzählig erschienen waren. Die Predigt des Oberrabbiners wie der meisterhafte Festgesang unseres Oberkantors Pinkos Winkler machte einen tiefen Eindruck. Der hiesige Kommandant sprach dem Rabbiner feinen Dank aus und versicherte ihm, daß der tiefe Patriotismus der Juden in dieser großen Zeit die Feuerprobe glänzend bestanden habe. Z. B. A. Sepfiszentgyörgj. Der hiesige Schames der „zweiten Schul", Simon Schwalb, wurde mit der großen Tapferkeilsmedaille ausgezeichnet. Er liegt jetzt schwer verwundet, mit einem Lungenschutz, in Zeuia, wo sein Vater als ivD lebt. Z. B. A. D. Kreuz. In der Blüte ihres Lebens (24jährig), geliebt von den Ihren, und tief verehrt von einem Kreis, der ihre seltenen jüdischen Tugenden bewunderte, starb hier unerwartet im/Hause ihrer Eltern, Frau Elise K o h n, aus Wien. frästen. gfdjwetj. dum S(fiu6e bedrohter ntenldiiieifsiirteref[en- Lausanne, 12. Juli. Hier tagen Vertreter zahlreicher Kulturvereine aus den kriegführenden und neutralen Staaten;$ur Bildung einer ständigen Inter¬ No. 30 Sette b nationalen Kommission zum Schutze bedrohter Menschheitsinteressen. 40 Verbände aus den verschiedenen Ländern haben bisher ihren Beitritt angemeldet. Die Kommission hat befchloffen, die Sekretariatsarbeiten dem Vorstande des Bundes für Menschheitsinteressen, Bern, Erlachstraße 23, anzuvertrauen. Zum Präsidenten wurde Prof. Broda gewählt. Die Kommission hat eine Resolution angenommen, in der die Kulturvereine aller Länder aufgefordert werden, den gemeinsamen Kampf gegen die unser kulturelles Erbgut-bedrohenden Gefahren und die solidarische Arbeit für Fortschritt und Kultur wieder aufzunehmen. Die Kommission begrüßte den v a schweizerischen Delegierten unternommenen Versuch, in Frankreich und Deutschland zu berichten, was sich über gute Behandlung der Gefangenen in anderen Ländern sagen läßt, um so die Sttmmung in der Richtung auf eine beiderseittge Befferung der Behandlung der Gefangenen umzuwandeln. Schließlich 'erhob die Kommission Einspruch ge gen das harte Vorgehen der russischen Regierung gegen die jüdische Bevölkerung in Rußland. Holland. Eine Versammlung Ser „Mliance Israelife Universelle" in Holland- Amsterdam, 9. Juli. In der am 4. Juli in Amsterdam abgehaltenen Versammlung der „AlltanceJsraeltte Universelle", unter dem Vorsitz des Advokaten B. E. Ascher, zog der Advokat H. L. Israels gegen Deutschland zu Felde mit der Erklärung, daß, „falls die Zentralmächte siegten, für die Juden eine schlechte Zeit anbrechen würde, da der Junker-Militarismus den Juden niemals günstig gesinnt gewesen sei." Es ist wohl begreiflich, daß man in Holland, wo die Ententenpresie mit Eifer und Erfolg arbeitet, hie und da solche Liebenswürdigkeiten zu hören bekommt. Unerklärlich bleibt es aber, wie ein Jude, der sich mit öffentlichen jüdischen Fragen befaßt, in einer jüdischen Versammlung 9« ben ttcttawctcU ist die Redaktion nicht deranrworUich; insbesondere ist es ansfchlteßlich Sache der Leser, die ttn Reklametet! enthaltenen S«psehl»nsen ritneller Ware» oder sonstiger Angabe» religions-esetzttchen Sharakters ans ihre Anderlässsgkett |« prüfe». KaiHP Friedrich Quell« — Offeabaeh a. M.- Gegen Gleht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General - Vertreter: Friedfleh StslL, Frankfurt a. H. Qttnthersbnrgallee 87. Tel.259u. 714 Famikennachnchien. Geburten. Eine. Tochter: Gabriel Efchwege Michel). Verlobte«. Johanna Lehmann - Eschau, Max Hamburger-Alzenau. — Prediger Dr. phil. Seligmann Baer, Eschwege—Hamborn mit Rose! Kanter, Königsberg t. Pr. Gestorben. Frau Josef Scheuer Wwe. geb. Dannheiser in Obrigheim, Pfalz, 93 Jahre alt. Zuckerkranke können unbesorgter in die Zukunst schauen, seitdem die neue Heilhefe „Pyrmonter Ferment" existiert. Sie ist das glänzende Produkt zwanzigjähriger Forschung seitens des Chemikers Herrn Dünkelberg. Prospekte unverb. d.'die'Generalvertr. Stock, Hagenstr. 19, Tel. R. 3826. Sabbat-Anfang u. Ausgang. DH21 112V q ■ Ti j Anfang Datum AuSgang iu-rlMm. 1915 6675 Uhr /Min.!J 17 6. «rankfnrt a. «tj 7 m Juli Ab S 25 Berlin .... g - — — — München ... j 7 15 8 56 Sltraübnrg .8? 30 8 15 Stnttsart . . . g — — — — Pose» .... i - — — Nürnberg... 1 7 30 9 06 Hamburg. I- — * , — — JL i M Tiniifiifr

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