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Der Israelit · 1915-07-15 · Heft 30 (15.7.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 30 (15.7.1915)
Date
1915-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 9lo. 30 Her JSraelit. 15. IM ISIS lästtnas geworden sein? Wie soll Las Schlimmste verhütet werden? In dieser bangen Sorge gewährt es einige Genugtuung, daß die deutschen Zionsfreunde in dem Htlfswerke der Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung der gesteigerten Bedrängnis der Zeit dauernd Rechnung tragen. Wie dankbar diese Hülfe empfunden wird, läßt sich kaum schildern. So lesen wir unter der Ueberschrist „Notküchen-Schülerspeisung" in der Jerusalemer hebräischen Zeitung „Hacheruthvom 6. Juni folgendes: „Frl. Drehfuß hat einen Weg vorgezeichnet, auf welchem fic große Fortschritte macht. Nachdem sie die Volksküche auf dem „Deutschen P l a tz" in der inneren Stadt eröffnet, in welcher 400 Schüler aus den verschiedenen aschkenasischen und sefardischen Volksschulen, hundert Soldaten und auch sonstige notleidende Personen gespeist werden, hat sie weitere Notküchen errichtet im sefardischen Waisenhaus für 400, im Stadtviertel Meah Schearim für 200, im Mach ne Juda (subventioniert auch vom amerikanischen Hilfskomitee) für 350 Schüler. In den vier Notküchen zusammen werden an 1400 Personen gespeist. Auf dem „Deutschen Platz" kommen die Schüler der einzelnen Schulen gruppenweise unter Führung ihrer Lehrer an. Es ist ein erhebender Anblick zn sehen, wie der „Deutsche Platz" zu einem gastlichen Hof „ K a l b a S e w u a" umgewandelt wurde. Wie im gastlichen Haufe des reichen und vornehmen Kolba Sewua während der römischen Belagerung Jerusalems, treten auch hier ein die hungernden Menschen, und gesättigt gehen sie von dannen. Sei stark und mutig, Frl. Trehfuß! Und gekräftigt sollen sein die Hände, die Dir mithelfen! Ruhm und Segen den deutschen Wohltätern, die sich für das Wohl der Söhne Zions sorgen und mühen, für das Wohl ihrer Gelchrten und Weisen. Zwiefachen Segen für das Hilfswerk dieser Notküchen. Sie, die Pekidim der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung, die schon soviel Gutes gestiftet im Heiligen Lande und in unseren Tagen die Säulen der Thora in Zion erhalten. Sie, die Frankfurter Wohltäter, die es verstehen, daß, um den Baum zu bewässern, es nicht genügt, wenn man ihn und seine Zweige mit Wasser bespritzt, sondern den Stamm und die Wurzeln tränken muß, damit auch die Blätter gedeihen. Außer den Unterstützungen für einzelne notleidende Familien haben sie es sich zur Ausgabe gemacht, ganz besonders auch jene Wohlfahrts-Institutionen zu unterstützen, welche die tragenden Säulen der heiligen Stadt bilden. Es kommt der Tag, an dem man laut verkünden wird, was sie für die heilige Stadt und ihre Siedelung geleistet haben, in einer Zeit, da die festesten Stützen wank und morsch geworden sind. Wir leben schwere Zetten. Diese haben aber auch die edlen Herzen geweckt, die nun höher schlagen. Ein harmonisches Zusammenwirken der Liebestaten entwickelt sich vor unseren Augen. Mit verehrungsvollen Dankesgefühlen beugen wir uns vor der Majestät des Wohl tu ns und der Mcmchlichttit unserer deutschen Glaubensbrüder." Mögen die deutschen Juden dem Htlfswerke der Deutsch holländischen Palästinaverwaltung dauernd ihre Thatkraft widmen, und möchte jeder einzelne, Mann und Frau, Jung und Alt nicht aufhörrn, mit seiner Liebe und mit seiner Gabe das unsägliche Elend lindern zu helfen. Wer jetzt gibt, wer nicht aufhört zu geben, rettet Menschenleben. Spenden für das Hilfswerk der Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung nehmen die Zentralen und bekannten Zahlstellen in Frankfurt a. M. (Postscheck-Konto No. 9553), Berlin, Hamburg, Altona, Würzburg, Cöln, Leipzig, Fürth, Nürnberg, München usw., die Deutsche Bank und deren Filialen, sowie die Redaktion dieser Zeitung entgegen. Französisches Asylrecht. Gustave Hervc schreibt in der „La Guerre Sociale'‘ vom 20. Juni: Was treiben da für Irokesen oder Alldeutsche / ihr Wesen! t" Was hat es zu bedeuten, daß man alle in ff Paris lebenden russischen Juden auf's Pottzei- $ revier kommen läßt, und daß man ihnen droht, t wenn sie sich nicht zum Dienst im russischen Heer meldeten oder zum Eintritt in unsere Fremdenlegion verpflichteten, würden sie zwischen heute und übermorgen als Verdächtige in Konzentrationslager geschickt? Welcher verantwortliche Minister hat den Polizeipräfekten ermächtigt, seinen Kommissaren derartige Befehle zu erteilen? Und wenn die Kommiffare solch traurige Befehle nicht erhalten haben, was ist das für ein Land, wo Polizeikommissare es auf ihre Kappe nehmen können, an politischen Flüchtlingen derartige Erpresiung zu üben, ohne binnen 24 Stunden abgesetzt und ins Gefängnis geworfen zu werden? Die russischen Juden in Paris sind Flüchtlinge und Geächtete. Es steht mir in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbündete Rußland schmerzerfüllte Zeiten durchlebt, nicht an, hier zu erzählen, wie es allzu lange die Juden behandelt hat. Es hat sie behandelt, wie unsere Vorfahren im Mittelalter sie behandelten und wie sie — das Frankreich der Revolution hat es feierlich erklärt — im Lande der Menschenrechte nicht mehr behandelt werden sollten. Zu Tausenden sind sie aus Rußland geflohen, wie die französischen Protestanten im 17. Jahrhundert Frankreich verließen, um den Dragonnaden zu entgehen. Diese beklagenswerte Auswanderung hat im Jahre 1882 angefangen. Zu Tausenden, zu Hunderttausenden sind die Unglücklichen geflohen. Wohin anders sollten sie fliehen als in die Länder, die in ihrer Entwicklung weit genug vorgeschritten waren, um es dem Menschen nicht mehr als Verbrechen anzurechnen, daß er als Jude auf die Welt gekommen ist, d. h. daß er einer der Rassen angehört, die durch ihre Intelligenz, durch ihre hohen sittlichen Tugenden am meisten zur Ehre der Menschheit beigetragen haben? Sie sind nach Amerika geflohen, wo ihrer heute 27- Millionen sind, die nach und nach im großen amerikanischen Schmelztiegel verschwinden. Sie sind nach dem freien England geflüchtet. Sie haben uns die Ehre erwiesen, auf dem Boden des rupublikantschen Frankreich eine Zufluchtstätte zu suchen. Die ersten, die so um 1882 herum kamen, sind heute meistens naturalisiert und ihre Söhne, die französische Bürger geworden sind, verspritzen mit den übrigen Bürgern jedweder Herkunft und Religion, die das französische Heer bilden, seit 11 Monaten wie die anderen Franzosen ihr Blut für das gemeinsame Vaterland. Diejenigen aber, die seit den Pogromen der russischen Revolution von 1906 gekommen sind — der Leser schlage in Larousse (Konversations- Lexikon) nach, was ein Pogrom ist, wenn er es nicht weiß — die bleiben, da sie die zur Naturalisation nötigen 10 Jahre Landesaufenthalt nickt geltend machen können, vorläufig Ausländer. Diese letzteren sind es, die man sich nicht entblödet vorzuladen, um ihnen zu sagen: „Entweder geht Ihr wieder zurück nach Rußland und dient im russischen Heere, oder Ihr meldet Euch in unsere Fremdenlegion) eins von beiden, oder marsch! ins Konzentrationslager!" Nach Rußland! Sie würden ja selbst, wenn sie den Wunsch hätten, nach diesem Rußland zurückzukehren, dem sie, um der Verfolgung zu entgehen, den Rücken gekehrt haben und das sie sich weigern, als ihr Vaterland zu betrachten, bei der Ankunft dort wegen Unbotmßtgkett ins Gefängnis gesteckt werden! In unsere Fremdenlegion? Tausende haben das auch am Anfang des Krieges freiwillig getan. Als das deutsche Heer im August auf Paris marschierte, sind sie massenhaft etngetreten. Nun, ihr Lohn dafür ist nicht ausgeblieben. Hat doch eine Behörde ohne Herz und ohne Verstand — deren einzige Entschuldigung im August die war, daß sie den Kopf verloren hatte — die Sinnlosigkeit begangen, diese leidenschaftlichen Gefühlsmenschen, die, ohne jemals Soldaten gewesen zu sein, zur Abtragung einer Dankesschuld an das republikanische Frankreich in Reih' und Glied traten, bei der Ausbildung und Einreihung ausgerechnet auf Unteroffiziere und Gefreite der Legion anzuwetsen, die in Algerien und Marokko an eine Untergebenenbehanolung gewöhnt sind, wie sie bei den afrikanischen Kommißbrüdern und den Strafsoldaten, bei den Tunichtguten und gestrandeten Existenzen aller Nationen die in Friedenszeiten in unserer Fremdenlegion Soldatendienst nehmen, am Platze ist. Heldenmütiger Litvak, von dem ich neulich den herrlichen Brief abgedruckt habe. Deinen letzten, ehe Du neben 2000 anderen Juden bet Carency den Heldentod fandest, verzeihe den armen Unteroffizieren, die Euch monatelang „Dreckjuden" und „Menagefreffer" geschimpft, Euch, die sich in einer Stunde edler Begeisterung freiwillig gestellt hatten, um ihr edles Blut für das Frankreich hinzugeben, das in Euren Augen das Symbol aller Freiheiten und aller sittlichen Großtaten war) verzeiht ihnen, sie wußten nicht, was sie taten. Und nun sollen die russischen Juden/ die erfahren haben, wie die ersten Freiwilligen ihrer Rasse behandelt worden sind, und die das fürchterliche Drama kennen, das erst vor ganz tue» nigen Tagen nicht weit von Careney die jüdische Legion mit Blut überschwemmt hat — ein Drama, von dem ich aus patriotischer Scham nicht sprechen will, von dem aber die ganze jüdische Kolonie bereits unterrichtet ist — die sollen in die Fremdenlegion etntreten! Wir suchen allenthalben Sympathien) die schamlose Drohung gegen die zu uns geflüchteten russischen Juden wird uns schon Sympathie Anträgen unter den 27- Millionen amerikanischer Juden, die in New-Aork so einflußreich sind! Ich frage, welche Verfügungen die Regierung gegen jene Polizetbeamten zu erlaffen gedenkt, die unter Verletzung des heiligen Rechtes der Gastfreiheit diesen Flüchtlingen gegenüber, mitten im Kriege, in dem Augenblick, wo wir so dringend alle sittlichen Kräfte zur Verteidigung deS Vaterlandes aufrufen müffen, Frankreich und die Republik mit diesem Schandfleck besudelt haben. Vermißte jüdische Familien. XXVIII. Es sucht: M. Zweig. Wiesbaden. Nathau Löw, Frankfurt a. M., Mainstr. 22II. Es werden gesucht: Seine Familie David Zweig aus Tarawa» wolaska bet Sanok(Galizien), letztens geflohen nach Mezölaborcz (Ung.) Sal. Willner, (Schlome Salmen) aus Frysztak. Salomo» Storch aus Dukla. Meldungen nimmt auch die Expedition des „Israelit" entgegen. Lorrespondenzen und Nachrichten. Repräfenfanfenfifcunß Kamöurg, 9. IM. Auf der Tagesordnung der Repräsentanten s i tz u n g der Deutsch-Israelitischen Gemeinde stand der Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung einer Beihilfe für die von privater Seite ausgeführte ritu'^le^Beköstigung der jüdischen Kriegsgefangenen. ES wird für den Zweck einen Beitrag von 1000 Mark bewilligt. Die Bewilligung gHchieht jedoch nur unter der Bedingung, daß dem Gemeindevorstand in offizieller Form vom Generalkommando des

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