Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 26 (17.6.1915)
- Date
- 1915-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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17. Juni 1915 Der Israelit 9fo. 26 Sette 5 Rußlands Vorgehen waren Proteste der jüdischen Minister gegen die Verfolgung >hrer Glaubensgenossen in Rußland. Nach der Bildung des neuen Kabinetts in England erfolgte dann die vorher bereits beschlossene aber eine Zeitlang aufgeschobene Verordnung wegen Ausweisung sämtlicher Juden aus Kurland und dem Gouvernement Kowno. Die „Times“ und die luden. «London, ii. Juni. „Jewish CHroniete" konstatiert „mit Ueberraschung", daß die „Times" während der letzten Zeit häufig die Juden in unfreundlicher Weise erwähnt. Im Verlauf ihres Streites mit Herrn Baltin hält sie es für notwendig, diesen Herrn in durchsichtig antisemitischer Absicht als „den bedeutendsten jüdischen Geschäftsmann Deutschlands" hinzustellen. Ferner sei in der „Times" berichtet worden, daß „ der Libauer Geschäftsleute deutsche Juden sind", welche „berechtigte Hoffnungen haben, daß sie nicht allzuviel erdulden werden, wenn die Deutschen etnrücken sollten." Aus diesen und ähnlichen Fällen schließt „Jewish Chronicle", daß die „Times" jedenfalls antisemitische Strömungen in England zu wecken und zu stärken suche. Dies sei besonders in der letzten Zeit zutage getreten, da während der antideutschen Demonstrationen in England, vor allem in Liverpool, viele Fälle vorgekommen sind, in denen die Opfer der Ueberfälle und Plünderungen Juden russischen Tlrspungs waren. „Jewish Chronicle" wirft der „Times" vor, daß sie durch ihre „Anftachelung der schlimmen Masseninstinkte nicht nur überhaupt an den Ausschreitungen „dieser verbrecherischen Tollheit", sondern auch insbesondere an den Vergewaltigungen jüdischer Personen und der Vernichtung jüdischen Besitzes Schuld trage." Svankrtidj. Aus dem Kaffaberidife der pariser jüdiftfien Gemeinde. Saris, 11. Juni. Letzten Sonntag fand die Generalversammlung des Israelitischen Konsistoriums statt unter Vorsitz des Herrn Ed. Masse, da der Präsident, Baron Edmond de Rothschild krankheitshalber am Erscheinen verhindert war. Nach dem Kassenbericht des Schatzmeisters betrug das Defizit der Jahresrechnung 1914 im ganzen 185,913 Fr. Es wurden weniger eingenommen: 53,596 Franken an Zinsen, 41,160 Franken an freiwilligen Steuern, 31.383 Fr. für Heiraten, 25,815 Fr. für Platzmiete, 12,077 Franken für Fleischverkauf, 11,818 Fr. für Beerdigungen und 9263 Fr. an Spenden und Kollekten. Während im Jahre 1913 Fr. 769,342 eingenwmmen wurden, war die Summe der Einnahmen pro 1914 nur Fr. 583,428. Immerhin war das Konsistorium trotz der schlechten Finanzen in der Lage, seine Beamten zu besolden und die Pensionen zu bezahlen'. Sogar 32 im Felde stehende Beamte beziehen ihr volles Gehalt. Trotz der ungünstigen Lage der Finanzen schaut der Kassier mit Vertrauen in die Zukunft, da er sich von dem infolge des Krieges reger gewordenen religiösen Geiste auch fernerhin viel verspricht. Es hielten dann der Großrabbiner von Paris und Rabbiner Dreyfus patriotische Ansprachen, indem sie auf die Opfer hinwiesen, welche die Juden auf dem Altar des Vaterlandes gebracht haben. Auch sprachen sie sich befriedigt aus von der Zunahme der religiösen Gesinnung unter den Glaubensgenossen. Sodann wurde der nn Felde Gefallenen Erwähnung getan. Srantfflfdier Antilemitismus. Kopenhagen, 5. Juni. In der hier erscheinenden „Jüdischen Volkszeitung" schildert ein Augenzeuge die Leiden der Juden, besonders der russischen, die in den ersten Kriegswochen durch die französischen Behörden mit der anderen Bevölkerung von Nordfrankreich nach dem Innern des Landes abtransportiert und zumeist auf dem platten Lande bet Bauern einquartiert wurden. Zuerst ziemlich freundlich ausgenommen, wurde mit oen Flüchtlingen jeder Verkehr abgebrochen, als man von ihrer Konfession erfuhr. Man boykottierte und verhänselte selbst die Juden der besseren Stände, wie Künstler, Studenten und Gelehrte, die sich mit der französisch'n Kultur ganz vermählt fühlten. In einem Städtchen befanden sich unter den Emigranten auch einige Boykottpolen, die hier die Hetze gegen ihre jüdischen Leidensgenossen sofort aufnahmen und weitgehendstes Verständnis dafür bei den Franzosen fanden. Es kam soweit, daß man die Juden zu 12—15 Mann ohne Unterschied von Alter und Geschlecht in einem kleinen luft- und lichtlosem Zimmer unterbrachte und ihnen nur zu unerhörten Wucherpreisen Nahrungsmittel verkaufte. Als die Lage ganz unerträglich wurde und sich die Juden beim Präfekten beklagten, wurden auf Veranlassung des letzteren einige Erleichterungen geschaffen. Angesichts dieser Zustände fragt der Pariser Korrespondent des Blattes, ob die schwärmerisch veranlagten russischjüdischen Studenten ln Frankreich gut daran taten, sich freiwillig dem französischen Heere einzurethen und für ihre Feinde in Rußland und Frankreich ihr Leben zu opfern. Palästina. Der Krieg als Kulfur-Schöpfer. Jaffa, 21. Mai. Ein typisches Beispiel für positives Schaffen des Krieges bietet der Bahnbau in Palästina und Syrien. Seit Jahren war eine Verbindung "Galiläas mit Judäa geplant, aber immer wieder wurde die Verwirklichung des Planes aufgeschoben. Was in vielen Friedensjahren nicht geschaffen wurde, entstand in etwa fünf Kriegsmonaten. Eine neue Bahnlinie im Anschluß an die von Haifa ausgehende Hedschas- Bahn verbindet bereits Lud mitDamaskus. Wiewohl die Bahn im Augenblick stratcgischen Erwägungen ihre beschleunigte Fertigstellung verdankt, so dürfte sie für später ein wichtiger Wirtschaftsfaktor werden. Dicht bei der Ruine, der alten, von Herodes gebauten Festung Antipater (vergl. Giltin 76 a) nähert sich die Linie auf ca. 5 km. der Kolonie Petach-Tikwah für welche somit für später eine Bahnverbindung nach Damaskus existieren wird. Personalien. Wiesloch, 12. Juni. Auch an der hiesigen Gemeinde sind oic Schrecken des Krieges nicht spurlos vorüüergegangen. Am 1. Juni erlitt den Heldentod fürs Barerland Siegfried Bodenheimer im Alter von 23 Jahren, der hoffnungsvolle Sohn unseres verehrten Vorstehers, Herrn Bernhard Bodenheimer. Die Familie tst durch, diesen schweren Schlag, der sie betroffen, in große Trauer versetzt und mit ihr die ganze Gemeinde. Ter allzufrüh Dahingeschicdene wac trotz seiner Jugend schon ein vollausgebildeter Kaufmann, und er hatte in verschiedenen großen Handelsstädten im Ausland seine kaufmännische Laufbahn zu erweitern gesucht. Nur kurze Zeit war ihm beschieden, gegen unsere lvöstlichen Leinde zu kämpfen, als ihn die feindliche Kugel mederstreckte. Möge im Gedanken an Gott die tiestrauervde Familie Trost finden und sie fernerhin vor jedem Unglück behütet sein. Dem Dahingeschiedenen werden wir ein treues Andenken bewahren. Matzbach lUnterfranken), 15. Jnnt. Nunmehr hat auch in der hiesigen jüdischen Gemeinde der schreckliche Krieg ein schweres Opfer gefordert, das umso schmerzlicher berührt, als dadurch einem auch bbzn vielversprechenden jungen Leben so unerwartet rasch ein Ziel gesteckt wurde. Moritz Marx, Sohn des in weiten Kreisen bekannten Herrn M. A. Marx dahier, rückte am 11. Mai voll Gottvertrauen und Zuversicht nach dem Westen ab und schon am darauffolgenden p*p wurde er im Schützengraben von einer feindlichen Granate tötlich getroffen. In ein Einzelgrab gebettet wurde er von dem Leutnant Krämer, einem pfälzischen Lehrer, mit einer mxc versehen, doch soll die Ueberführung, wenn von militärischer Seite kein Hindernis entgegensteht, in die Heimat und in -Dp geschehen. Des Heimgegangenen stetes Streben war, dem mustergiltigen Borbilde im elterlichen Hause gemäß sein Leben zu gestalten und dieses mit den Vorschriften unserer heiligen Thora in Einklang zu bringen. In seiner Militärzeit ertrug er öfters lieber Entbehrungen als etwas Verbotenes zu genießen. Mit guten Stimmitteln begabt, hat er besonders an den fi'iou B'ö* verschiedene &emeinben durch seinen Vortrag erbaut. Als charaktervoller junger Mann, voller Herzensgüte und Hilfsbereitschaft' gegen jedermann, fand er überall Achtung und Wertschätzung. Sein früher Tod hcn viele Hoffnungen zerstört, namentlich bei seinem Vater, der in ihm eine zuverlässige Stütze und einen verständnisvollen Mitarbeiter im Berufe, der zur späteren Nebernahme des langbe ftehenden Geschäftes bestimmt war, verloren hat. In Verwandten- und Freundeskreisen wird das Andenken unseres Moritz Marx ein dauerndes und gesegnetes sein. rrasnn. Eschweiler, 11 Juni. Julius Kaufmann, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist zum Leutnant befördert worden. Beerfelden, 10. Juni Am 9. Juni haben wir, unter großer Beteiligung von nah und fern, das älteste und beliebteste Mitglied unserer altehrwürdigen Gemeinde, den in weiten Kreisen bekannten Moses Marx, der am 7. Juni im Alter von 81 Jahren von uns schied, zur letzten Ruhe begleitet. Eine unausfstllbare Lücke hinterläßt er in unserer Gemeinde. Mit Wehmut sehen wir die Stelle leer, an der er so segensvoll wirkte. Wie er das jüdische Pflichtenleben in allen Teilen sorgsältigst hütete, wußte Jeder. Durch seine Schlichtheit, Liebenswürdigkeit und Redlichkeit erwarb er sich Achtung, Ansehen und Einfluß in allen Kreisen. Mit Aufgebot seines Einfluffes trat er dem Zug der Zeit entgegen und ging anregend und aneifernd der Gemeinde voran. Ein eifriger Teilnehmer des Gottesdienstes und aller war er auch bei der Uebung von N'v: stets der erste am Platze. Sein Andenken wird uns zum Segen gereichen. n°2N7>. Kür de« «eklameteil ist die Redaktion Nicht verantwortlich; insbesondere ist es anSschlietzlich Sache der Leser, dis im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger An» gaben religionSgesetzliche» Etzarakters ans ihre Znverläsffskeit z« priisen. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbaeh a. M. — Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich. Stahl, Frankfurt a. M., GOnthersborgaUee 87. Tel. 259 a. 714 Familiennachnchten. Geburten: Einen Sohn: Charles Rordmann (Bambergerj Basel. Telegramm-Adresse: Telephon: Nr. 83, Amt Hansa. Spezialhans für Silberwaren Modelliern. Ciselierwerkstätte Lnznras Posen (üwc. Roflitftraet Frankfurt a. H. Berlin W. Steinweg 12. Unter den Linden 5. Künstlerisch aasgeführte KaltusgegenstSnde. Ez Chajimf fass, Jad, Ner-Tomid, Chanukalampen etc. 0217 Man verlange gratis und franco Zusendung meines neuen Musterheftes, das eine reichhaltige Auswahl in allen Preislagen enthält. Nesop Fraokfnrtmslo. Sabbat^ Anfang u. Ausgang. A’n rsv OB Ti Anfang Datnm Ausgang Mr iMin. 19151 5675 Uhr jMm. 10 7. Srankfnrt a. M. 8 — Juni TammuS 9 40 Berlin .... i — — — — München . . . 7 15 9 07 dtrntzbrrrg . . 7 30 9 30 Gtnttggrt. . . — — — — Pose« .... — — — — Nürnberg. . 7 30 9 19 Hgmbnrg. . — — — —