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Der Israelit · 1915-06-17 · Heft 26 (17.6.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 26 (17.6.1915)
Date
1915-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mer AAraeltt. ftt te S fix. 96 Die SWattionen für Erez Zsroel und den nahen S-en. Das Heilige Land bewährt sich wieder einmal als der atteril'V^N bt\r als die „Trümmerstätte, der sich alle Herzen zuwenden", und die Bemühungen, dort«» retten und aufzubauen, haben allmählich eine solche Vielgestaltigkeit angenommen, daß ein klärendes Wort dem Publikum zum Bedürfnis geworden sein dürfte. Bekannt ist unsren Lesern, daß -te „Deu tfch. Holländifche Palästinaverwaltung" als erste auf den Plan trat, um in Deutschland die LMfstättgkeit anzuregen, und daß sowohl ein im Oktober 1914 erlassener Aufruf, als der im April veranstaltete Palästinatag lebhaften Widerhall in Gestalt günstiger finanzieller Ergebnisse fanden. Die zweite Organisation, die in Deutschland und dem neutralen Anslande eine Sammlung für Palästina veranstaltete, war die zionistische. Sie hat einige ihr Nahestehende Vereine wie Bezalel, Frauenverein für Kulturarbeit rc. unter der Bezeichnung „Hülfswerk für Palästina" zusammengrsaßt, und hat außerdem in Kopenhagen eine internationale Sammelstelle eingerichtet für die auf breitester Basis in der Tagespresse Propaganda gemacht wird. Jn demvom„Hülfsverein der deutschen Juden" zusammen mit der Bne-Brith-Loge gegründeten „Hülfsfonds 1915" nimmt die PüSsttna-Hülfe nur eine untergeordnete Stelle ein. Nicht mehr als Mk. 40,000 konnte man bisher für Palästina verwenden, während der weitaus größte Teil der Sammlungen der Linderung der Not in den occupietten Teilen Russisch-Polens dient. Neuerdings ist nun ein viertes Comitä in die Oeffentlichkeit getreten, das sich den etwas anspruchsvollen Namen „Zentral-HülfScom i t ö für Palästina" beilegt, das aber keineswegs die vorhandenen Organisationen und Sammlungen zusammenfaffen oder in Fühlung bringen will, sondern einfach eine viertt Sammlung den drei anderen hinzufügt. Das ComitL ist eine Art Fortsetzung des von der „AJ CO“ gegründeten jüdischen<Roter-Halbmond-Comil4S, und eS gehören ihm auch einige gesetzestreur Herrenan, die wohl auf die,Verwendung der zu sammelnden Gelder entsprechenden Einfluß zu nehmen versuchen werden. An sich erblicken wir in der Vielfältigkeit der Sammlungen kein Uebel, weil dadurch sicherlich letzt! u Endes mehr Kräfte mobil gemacht und nnhr Gelder herangeschafft werden. Aber eS sollten die führenden Persönlichkeiten doch auf Mittel und Wege sinnen, um wenigstens in Palästina selbst eine gewisse Fühlung unter den ausführenden (in Wirklichkeit in der Regel sehr einflußreichen) Organen herzustellen, damit nicht ein blindes Nebeneinanderarbeitrn und Konkurrenzieren entsteht, aus dem nichts Gutes herauSkommen kann. Noch eine Bemerkung scheint uns nicht überflüssig. Das eben erwähnte Dr. Nossig'sche „Zentral- HülfSeomits" betont in einem in der „Oesterr. Wochenschrift" veröffentlichten Artikel, daß es nicht der augenblicklichen Not abhelfen, sondern Mittel für den späteren Wiederaufbau des im Kriege Zerstörten sammeln wolle. Das ist, auch soweit es sich um äußere, wirtschaftliche Güter handelt ein löbliches Beginnen — erwächst aber zu einer umso heiligeren Pflicht gegenüber den idealen Werten und Institutionen, die der Krieg vernichtet. Und hier kann kein allgemeines Comit« die Gesetzestreuen in aller Welt von der Pflicht befreien, sich in den Mittelpunkt einer Aktion zu stellen, die zwar der jüdischen Gesamtheit zugutekommt — denn die Erhaltung der Gtteslehre in Israel und Israels für seine Thora ist keine orthodoxe „Partei"-Angelegenheit —, die aber nur im Geiste der Thora und von den auf ihrem Boden stehenden Organisationen gelöst werden kann. Wir hoffen, daß Agudas Israel, Freie Vereinigung und Deutsch- Holländische Palästina-Verwaltung -sich dieser Ihrer Verpflichtung bewußt sein, und daß die großen materiellen Mittel rechtzeitig aufgebracht werden, die nach dem Kriege zum verjüngten Aufbau der zertrümmerten Erziehungs¬ und ForschungSstätten im ganzen Welt-Osten — nicht nur in Palästina — sich notwendig erweisen werden. SeuW-polen. Dem auf der Generalversammlung des „HilfsvereinS der Deutschen Juden" erstatteten Berichte seien, nachdem wir in einer der jüngsten Nummern seiner Erwähnung getan, noch folgende Zahlen und Daten über die Lage der Juden in den okkupierten Gebieten Polens entnommen: Von den 10 polnischen Gouvernements sind $ ganz oder teilweise von den deutschen oder österreichischen Truppen besetzt. Die Gesamtzahl der Einwohner dieser besetzten Gebiete beträgt 5 290 000, unter diesen sind über 700000 Juden. Die Inden machen über 13 Prozent der gesamten Bevölkerung aus. Da sie zu annähernd 70 Prozent in Städten wohnen, nnd naturgemäß die Not, in die der Krieg das Land gestürzt hat, sich am allerslärk- 17 Juni »Hft sten in den Städten fühlbar macht, so lastet die Knegsnvt mit ÖCÜUUHiev Schwere auf der jüdischen Bevö'terttng Polens. Die erste Reise der Kommission erstreckte sich aus die Gebiete W l v e l g >o c f, P lock, st n t n v, Kolnv, Si ü n i u. Tiefe Städte und Gebiete im Gouvernement Warschau und Plvck und im nördlichen Teil des Gouveruemei'ls Kalisch sind am wenigsten schwer betroffen. Das will nicht fügen, daß der Krieg nicht auch in diesen Gebieten sehr grasten Schaden ungerichtet hat. Neben größeren und kleineren zerstörten Ortschaften find zahlreiche Bauerngüter und Gutshöfc vernichtet worden. Einzeine Personen haben ihr ganzes Hab und Gut verloren; auch ganze Strecken der mil Winterfrucht bestellten Stecker sind verwüstet worden. Viel trauriger daran sind aber die Gebiete, die wir auf der zweiten Reise ausgesucht haben, deren größte Ststdte Kalisch und Lodz sind. Diese Gebiete der Gouvernements Ka lisch und P e t r i k a u zählen zusammen etwa 1 ) j Million Einwohner, darunter 300 000 Juden. sJJHt den in den einzelnen Teilen vorhandenen Lebensmitteln können weniger als die Hälfte der Einwohner noch eine kurze Zeit lang ernährt werden, für 800 000 Menschen fehlen ausreichende Lebensmittel. Unter diesen 800000 sind 300 000 Menschen, die zudem unterstützt werden müssen. Unter den 500 000 Unterstützungsbedürftigen sind weiter mindestens 120 WO Juden, denen es an allem Notwendigen zum Lebensunterhalt in ausgiebigem Maste aebrichtz Das Elend wird noch übertroffen von den Znständen im Tombrowa-Becken und im Fabrikbezirk von Ezenstochau, wohin die dritte und vierte Reise führte. Hier herrscht ein ganz besonders schwerer Notstand. Das Gebiet von D o m b r o w a und E z c n st och - a u, ferner die anschließenden, größtenteils unter österreichischer Verwaltung stehenden Kreise der Gouvernements Kielce und Radom zählen, soweit sie besetzt sind, an 800,000 Einwohner, unter denen sich 130,000 Juden befinden. Nur tit den agrarischen Tistikten sind noch Lebensmittel vorhanden: für 400,000 Personen in de» Jndnstrietnzirt'en fehlen genügende Mittel zum Unterhalt. Die Heranschafsung „uuö zwar die recht baldige, von ausreichenden Nahrungsmitteln, ist noch rascher notwendig, als in den oben genannten Gegenden, denn hier ist die Unterernährung bereits bis zu einer gefährlichen Grenze vorgeschritten, bei der der Ausbruch schwerer Epidemien bedvrftehen kann. Bon den 400,000 Menschen, die mit Lebensmitteln raschestens versorgt werden müssen, sind 230,000 unterstutzungskedürstig, darunter über 73,000 Juden. Das jüdische Hilfskomitee arbeitet harmonisch zusamnren mit dem interkonfessionellen Komitee für Polen und auch mit dem speziellen polnischen Komitee. Zu den Leiden, die die Gesamtheit der polnischen Bevölkerung zu errragen hatte, kamen bei den Juden noch ganz* besondere. Bei allen Kriegswendungen, namentlich bei Rückzügen, wurden sie von den Russen ausgeplüudert, viele wurden gemordet, weggeschleppt, Frauen wurden geschändet. Au? dem Lande ging es am furchtbarsten zu. Die Kommission hat sich bemüht, Aufnahmen über die Greneltaten zu machen, die begangen worden sind, und es wird erwogen, das bezügliche Material zu veröffentlichen und zwar nicht nur in Deutschlands sondern auch im neutralen Ausland. Arael und Edom. Bon Rabbiner Dr. Lewin in Wreschen. Israel geht seinem ZieleZ>ntgegen.^.Bald sollen sich ihm die Pforten des ihm verheißenen Landes öffnen. Doch zuvor hat es noch manch harte Probe za bestehen und manchen Kampf z« führen. Der langen Wanderungen müde will Israel den kürzesten Weg zu dem Lande seiner Hoffnung und Sehnsucht einschlagen. Darum sendet Mose, unbeirrt vor dem ihm drohenden Verhängnis. unbekümmert durch .die Erkenntnis, daß 1«?Echt ernten solle, was er in pflichttreuer, mühseliger Arbeit auSgestreut, Boten an das stammverwandte (5dom mit der Weisung: „*pt .... "pnxs ru msyj "p3 “pon, Lasse uns doch durch dein Land ziehen, wir werden nicht durch Feld und Weinberg zieh n, werden -nicht Waffer aus Brunnen trinken, den KönigSweg »vollen wir ziehen, wollen nicht rechts und links abwxschrn, bis wir dein Gebiet durchzogen." Hartherzig rrnd streng entgegnet Edom auf diese Bitte: „'o, *rajm 2 IN 2 s2. d l p U nicht durch mich ziehen, tonst rücke ich dir mit dem Schwerte entgegen." Israel wiederholt in verbindlichen Worten seine Bitte und fügt noch hinzu: „Und wenn wir von deinen Gewässern trinken sollten, ich oder mein Vieh, so werde ich dir den Kaufpreis hierfür zahlen, durchaus nichts anderes erbitte ich, laffe mich nur mit meinen Füßen durchwandern." Der König von Edom beharrt jedoch auf seiner Weigerung und zieht „mit schwerer Mannschaft und mit gewaltiger Macht" Israel entgegen. Die heilige Schrift schließt diesen Bericht, dessen Sachverhalt ohnehin klar genug ist, noch nachdrucksvoü die Tatsachen zusammenfassend: „Edom weigerte sich also Israel den Durchzug durch fein Land zu gestatten, da lenkte Israel von ihm ab" . . . Warum ließ sich Israel in einen Kampf mit Edom nicht ein- Waren eS Furcht und Sorge, die es das Schwert nicht aus der Scheide ziehen ließen? Ganz gewiß nicht. Mit Sichon und Og nahm eS ja den ihm aufgezwungenen Kampf wohl auf. Wir lesen im 5. Buche der heiligen Schrift eine Ergänzung zu diesem Berichte, aus ihr entnehmen wir eS deutlich, daß es verwandtschaftliche Beziehungen waren — MofeS spricht die denkwürdigen Worte: ’JS u'nre rwo -owi, Wir zogen von unfern Brüdern, den Söhnen Efaus, ab" — Rücksichten auf die Stammesgemeinschaft, die Israel zu solcher Nachgiebigkeit und versöhnlichen Stimmung brachten. Um so greller hebt sich da das lieblose Verhalten Edoms ab. Keinen Schaden sollte sein Land erleiden, nicht einen Waffertropfen umsonst hergeben, nur den von den langen Wanderungen Matten und Müden Erleichterung gewähren. Bezeugt diese Weigerung nicht Grausamkeit und Hartherzigkeit? Des Volkes gutes Recht war es allerdings, den Durchzug zu verweigern, aber es gibt auch ftin ungeschriebenes Gesetz der Pflicht, das den Bedrängten hilfreich sein heißet, dieses wollte Edom nicht kennen. Darum fällt die heilige Schrift über solches Gebahren ihren vernichtenden Spruch: „Und Edom weigerte sich Israel durch sein Land ziehen zu lassen." Unsere Lehrer, die uns mahnen, „jeden Mensche,, nach der besseren Seile zu beurteilen", zeigen auch hier ihren weitherzigen und milden Sinn. Sie entschuldigen Edoms Verhalten und sagen: 'L'? on: vnir o'irwv nonex dhö cxt 'vnp. Sie fürchteten sich vor Israel, denn sie schlossen: Haben sie schon die Aegypter vernichtet, in deren Lande sic Fremde waren, um wieviel mehr winkt uns dieses Los, da doch unser Stammvater ihren Ahn gehaßt hat . . . Solche Gedanken, wollen unsere Lehrer sagen, mögen Edom bestimmt haben, sie waren ja ein Trugschluß, da Israel durch ihr Land wie durch das eines Brudervolkes zu ziehen ehrlich beabsichtigte - sie konnten aber immerhin Platz greifen und entscheidend wirken. (Siehe Malbim zur Stelle, der in einerlichtvollen Erklärung, aus dem bei E d o in gebrauchten Ausdruck srrv't — im Gegensätze zu dem ' |n; ab'> bei Sichon die Wahrung scheinbar berechtigter Interessen herausliest. D. Red.) Dieses Kapitel: „Israel und Edom", hat einen ganz zeitgemäßen Inhalt angenommen und so neues Leben gewonnen. Unser deutsches Volk erbat sich zur Erreichung seiner Ziele, zur Förderung seiner vitalsteri Daseinsintereffen auch den freien Durchzug durch ein Land, das nicht den geringsten Schaden erleiden, vielmehr für jeden — auch den winzigsten Verlust — voll entschädigt werden sollte. Es hätte sich aber längst den Feinden unseres Landes verpflichtet und mit ihnen Verhandlungen abgeschlossen, die bereits viele Jahre vor diesem grausigen Kriege seine Gegnerschaft gegen uns festlegte. Das war ja Belgiens gutes Recht, es därf sich aber nicht über sein Schicksal beklagen. Es hat sein LoS selbst gezogen und mutz die Folgen nun

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